Kaiser | Beschädigte Ware | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 299 Seiten

Kaiser Beschädigte Ware

Vom Umtausch ausgeschlossen
2. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7598-6627-1
Verlag: epubli
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Vom Umtausch ausgeschlossen

E-Book, Deutsch, 299 Seiten

ISBN: 978-3-7598-6627-1
Verlag: epubli
Format: EPUB
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Lottchen hat die Schnauze voll. Mit über dreißig, immer noch Single und genervt von Männern, die bei ihrem Namen in Lachkrämpfe ausbrechen, reicht's ihr endgültig. Sie hat keine Lust mehr auf blöde Sprüche, mitleidige Blicke und Dating-Desaster. Warum also weiter auf den 'Richtigen' warten, wenn man das Schicksal selbst in die Hand nehmen kann? Lottchen plant das Undenkbare: eine arrangierte Hochzeit mit einem völlig Fremden. Keine Flirts, keine Kompromisse - und vor allem keine Chance für den Kerl, sich aus dem Staub zu machen. Doch was als Trotzreaktion beginnt, entwickelt sich zu einem gewagten Spiel mit ungewissem Ausgang. Wird Lottchen den Spieß wirklich umdrehen oder rennt sie kopfüber in die größte Katastrophe ihres Lebens? Eine bissige und erfrischend unkonventionelle Geschichte über die Macht der Entscheidung und die Frage, was am Ende wirklich zählt.

Tanja Kaiser, Jahrgang 1982, ist eine Autorin aus der Nähe von Koblenz. Ihr Markenzeichen: Echte Liebesgeschichten abseits des Glamours. Tanja erzählt von den ungeschminkten, alltäglichen Momenten des Lebens, die oft im Verborgenen bleiben. Ihre Romane bieten eine frische Perspektive auf Liebe und Beziehungen, fernab der Klischees von Reichtum und Perfektion. Für Tanja, die lange ihren Traum vom Schreiben hinter dem Alltag zurückstellte, ist das Schreiben eine späte, aber umso leidenschaftlichere Berufung. Sie will Geschichten erzählen, die sich echt anfühlen, die ihre Leser:innen bewegen und in denen sich jeder ein Stück weit wiederfinden kann. In ihren Büchern geht es um die Schönheit des Imperfekten, um Liebe in ihrer rohen und wahren Form.
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Kapitel 1:


„Nicht wirklich, oder?!“

Ich schloss die Augen und dachte darüber nach, ob das Verschwinden im nächsten Mülleimer nicht doch eine überlegenswerte Option sein würde.

„Doch, ist leider so.“

Der gutaussehende Mann mir gegenüber prustete auf der Stelle los und ich fühlte, wie rote Hitze in meine Wangen schoss. Bis vor dreißig Sekunden hatte ich, wie so viele Male vorher, eigentlich ein gutes Gefühl bei diesem Date gehabt. Bis die unweigerliche Frage kam, nach der dann alles den Bach herunter ging.

Selbst mit über dreißig, als erwachsene, erfolgreiche Frau, wurde diese ewig wiederkehrende Situation einfach nicht weniger unangenehm. Und natürlich auch nicht das kleinste Bisschen weniger peinlich.

Nervös rieb ich meine Hände über die Außenseite meiner Schenkel, aber natürlich half auch das nichts.

„Das ist... irgendwie niedlich!?“

Er sah mich mit großen Augen an und ich spürte sofort, dass er jeden Respekt vor mir verloren hatte. So war das immer.

Männer sprachen mich an, sie interessierten sich für mich, und sobald sie mich nach meinem Namen fragten, nahm das Unglück seinen Lauf.

Die noch eben existierende Spannung löste sich sofort auf, jede Anziehung schien verpufft und verflogen, und praktisch immer begann dann der Teil des Gespräches, in dem ich mich fühlte, als würde der Mann gegenüber mit einer Kleinkindversion von mir sprechen.

Manchmal hatte ich sie meinen Namen raten lassen, um die unangenehme Situation hinauszuzögern, aber nie hatte das wirklich lange funktioniert.

Ich hatte versucht, mit meinem Namen zu kokettieren, hatte ihnen sogar erlaubt, mir jeden Namen zu geben, der ihnen in der Situation angemessen erschien. Für einen Abend war ich dann Greta gewesen, Susanne oder Isabell.

Für einen Abend hatte ich getan, als sei das Erraten meines Namens ein Spiel oder eben ein Geheimnis, welches es zu lüften galt.

Auf Dauer hatte das natürlich nie gegriffen, nicht mal für eine zweite Verabredung, und jedes Mal wurde es dann erst richtig peinlich.

All die guten Männer, die vielleicht tatsächlich die Richtigen gewesen wären, verwandelten sich in panisch flüchtende Gestalten. Der ein oder andere war sogar sauer, er fühlte sich um seinen Sieg betrogen, und irgendwie verstand ich es auch.

Die Welt in der ich mich bewegte, erforderte Perfektion. Man suchte nach einer perfekten Frau, mit gut sitzenden Haaren und einer guten Figur, die man stolz neben sich präsentieren konnte.

Ein Lottchen, gehörte nicht in diese Kategorie.

Wann immer ich also einen Mann getroffen, und man sich gegenseitig als gut befunden hatte, hatte ich augenblicklich begonnen, alles zu geben.

Besonders aufmerksam, übermäßig bemüht, verständnisvoll, interessant zu sein, alles.

Alles, damit mein Name am Ende nicht der entscheidende Punkt war.

Früher oder später musste ich ihn jedoch aussprechen, und praktisch immer war die Situation danach gekippt. Wo vor Sekunden noch ein Hauch von Spannung gewesen war, wo vielleicht sogar echte Anziehung zu fühlen war, tötete mein Vorname jede auch noch so kleine Empfindung. Er überlagerte jede erotische Anziehung, jedes vorher klug gesprochene Wort, jeden vorher erreichten Sieg.

Es kam mir vor, als würde das Aussprechen meines Namens die Situation sofort an ihren Nullpunkt zurücksetzen, und als hätte ich keine Chance dazu, dagegen irgendetwas zu tun.

„Niedlich“ war dabei noch eine der netteren Bezeichnungen, viel öfter hörte ich Worte wie „bescheuert“, „furchtbar“, oder auch ein mitleidiges „du Arme...“.

Ja, ich war arm. Ich tat mir selbst leid, weil dieser Vorname eine echte Strafe war.

Noch immer konnte ich einfach nicht verstehen, was meine Eltern sich dabei gedacht hatten.

„Nicht niedlich, aber steht so in meinem Personalausweis.“

Ich versuchte, stark zu bleiben, nicht wieder in die übliche Panik zu verfallen, und dabei irgendwie noch so eloquent zu wirken, wie ich im realen Leben eigentlich war.

„Ich dachte im ersten Moment, es sei vielleicht ein Spitzname, eine Verniedlichung, aber da steht wirklich Lottchen?“

Der Mann legte den Kopf schief, als könne er noch immer nicht fassen, dass ich tatsächlich eine solche Niederlage sein könnte.

„Ja, wirklich. Nicht Charlotte, nicht Lotte, dort steht Lottchen.“

Automatisch griff ich nach meiner Tasche, aber stoppte die Bewegung nach der Hälfte des Weges.

Warum tat ich das bloß immer? Warum zückte ich jedes Mal sofort meine Geldbörse, und hielt den Menschen meinen Ausweis unter die Nase? Es gab absolut keinen Grund, warum ich immer sofort in Erklärungshaltung ging, und einen Beweis musste ich im Grunde wirklich nicht dafür antreten.

Der Name war doof, keine Frage.

Vermutlich war auch meine Reaktion auf die immer gleiche Überraschung meines Gegenübers doof, aber die vielen Niederlagen und mein lebenslanges Laster mit dem Namen, hatten mich einfach total unsicher gemacht.

Aber er war meiner, und ich konnte nichts daran ändern. Trotzdem fühlte ich mich irgendwie gezwungen, den Beweis für die reale Existenz auf Papier vorzuweisen, denn immerhin glaubte eine nicht kleine Menge von Männern, an einem dummen Scherz.

Sie glaubten, ich würde sie nicht ernst nehmen, und mir deshalb einen dummen Namen geben, was natürlich nie der Fall war.

„Lottchen... Was haben deine Eltern sich dabei bloß gedacht?“

Er schüttelte noch immer grinsend den Kopf, und in meinem eigenen formten sich die schon tausendfach gedachten Gedanken.

Nichts. Sie haben sich absolut nichts dabei gedacht.

Vermutlich hatten sie das winzige rosa Baby nach meiner Geburt in dem kleinen Bettchen liegen sehen, und dabei gedacht: „Da ist sie, unser kleines Lottchen.“

Zu einem pummeligen rosa Baby passte das ja auch irgendwie.

Dass Lottchen jedoch irgendwann erwachsen werden, studieren und einen guten Job erhalten würde, darüber wohl nicht.

Warum sie nicht wenigstens in meiner Geburtsurkunde etwas Anständiges hatten eintragen lassen, hatten sie mir nie wirklich erklären können. Ich hätte ja ihr Lottchen sein können, das wäre doch gar nicht das Problem gewesen, aber nur zu gerne, wäre ich in meinem erwachsenen Leben eine Charlotte gewesen.

Als eine Charlotte hätte ich leben und arbeiten können, niemand hätte es hinterfragt oder dumm gefunden, und für meine Eltern hätte ich für immer ihr Lottchen sein können.

Aber nein, sie hatten es anderes gehandhabt, ohne zu ahnen, was dieser bescheuerte Name für mich bedeuten würde.

Ein Lottchen zu sein, war in meiner Kindheit völlig in Ordnung gewesen. Ein Lottchen kam überall gut an, alle fanden das kleine blonde Mädchen zuckersüß, und niemand hinterfragte es.

Später, zu Schulzeiten, änderte sich das. Spätestens mit vierzehn hatte ich angefangen, den Namen zutiefst zu hassen.

Die anderen Jugendlichen zogen mich auf, machten sich über mich lustig, und ich hatte begonnen, mich als „Lotte“ vorzustellen. Lotte war auch nicht gerade toll, aber immer noch besser als das kleinkindliche Lottchen.

Funktioniert hat das nur so mittelgut, meine Eltern weigerten sich strickt, die selbstgewählte Namensänderung zu akzeptieren.

Für meine Eltern grenze das an Verleumdung, etwas, dass man einfach nicht tat, und bei jeder Gelegenheit betonten sie, dass sie eine Umformung meines Namens auf keinen Fall akzeptieren würden.

Als Erwachsene dann, also nach meinem Studium und meinem Eintritt in die Arbeitswelt, wurde es dann so richtig schlimm. Selbst bei Bewerbungen hatte ich das Gefühl, dass die Menschen mich als grenzdebil einstuften.

Mehr als einmal hatte ich sogar den Eindruck, dass meine Bewerbung auf den „Absagen“ Stapel gelegt worden war, ohne das jemand sie im ganzen gelesen hatte.

An meinen Qualifikationen konnte es unmöglich liegen, aber ich verstand es. Der Name war eine Strafe, eine von der ganz bösartigen Art, und ich hatte sie zu tragen.

Auch ich hätte über ein Lottchen gelacht, wenn ich eine solche Bewerbung in der Hand gehalten hätte, und auch ich konnte mir nicht vorstellen, wie sich ein Lottchen in der harten Welt der Medienbranche würde durchsetzten wollen.

Während andere neben mir davon träumten, dass ihr Name irgendwann in eleganten Lettern auf der Glastüre eines Büros glänzten, war das mein größter Alptraum.

Sicherlich sahen auch Firmenchefs das so, alleine schon die Vorstellung diesen Namen als Aushängeschild zu nennen, kam selbst mir äußerst dämlich vor.

Erfolgreiche Frauen hatten andere Namen, sie hießen Susanne oder Maria, Namen die eloquent und edel klangen.

Jede Situation, in der mein Name irgendwo stand oder prangte, war für mich der Inbegriff von Peinlichkeit.

Am Telefon wurde er hinterfragt, potenzielle Arbeitgeber fragten bei Gesprächen als erstes nach dem ungewöhnlichen Namen, und später stolperte ich immer wieder über andere Mitmenschen, die meinen Vornamen für einen schlechten Witz hielten.

Und dann noch die Männer.

Wann immer ich Männer traf, die eventuell für mich in Frage kamen, scheiterte es an diesem Namen.

Aber wer wollte schon in einer erotischen Situation etwas hauchen wie: „Oh, Lottchen...“?

„Ich glaube, meine Eltern waren sich der Tragweite dieser Entscheidung damals nicht bewusst.“

Ich sah auf den schicken Mann im grauen Anzug, und wusste schon jetzt: Er wollte kein Lottchen in seinem Leben.

Keiner von ihnen wollte das. Männer wie er kalkulierten Dinge, sie dachten darüber nach, wie die Frau an ihrer Seite auf andere wirkte.

Vermutlich...



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