E-Book, Deutsch, 280 Seiten
Justice Systemfehler Hochschulen
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-33937-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
...und bald 50.000 Professoren
E-Book, Deutsch, 280 Seiten
ISBN: 978-3-347-33937-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Dr. Max. S. Justice ist mit Leistungssport groß geworden. Leistung, Eigenmotivation, Spielregeln und Fair Play sind bis heute zentrale Begriffe. Nach Maschinenbaustudium und Promotion hat er viele Jahre als Technischer Leiter und Werkleiter des Stammwerkes eines internationalen Konzerns gearbeitet und eine sehr klare Sicht. Heute arbeitet er als selbständiger Unternehmensberater und Trainer und erlebt Erstaunliches. Das Zusammenspiel der Menschen ist in der Berufswelt der Erfolgsfaktor Nummer 1. Deshalb sind ein positives Menschenbild, Menschenkenntnis, eine vernünftige Zusammenarbeit und eine faire Unternehmenskultur wichtig. Erfolgsfaktor Mensch. In der Freizeit umgibt sich jeder mit seinen Lieben. Spaßfaktor Mensch. Erlebnisse mit Menschen, in Beruf und Freizeit, machen unser Leben aus. Erlebnisfaktor Mensch. Im Urlaub, auf Reisen, beim Autofahren, überall gibt es schöne Erlebnisse und Erinnerungen, aber auch Ärger-Geschichten und jeder kann viel über seine Mit-Menschen lernen, ihr Verhalten, ihre Tricks und ihre Vorlieben. Wer sich für seine Mit-Menschen interessiert, wird Freude an diesen Büchern haben. Deshalb schreibt der Autor diese Insider-Geschichten.
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Die Workshops entstehen und die Weiterbildungseinrichtungen der Universität
Montag, 11. Januar, auf 10.00 Uhr fuhr ich zu Professor Lethargicus. Mit Freude hatte ich vor kurzem gelesen, dass weitere neue Unigebäude auf dem Nachbaracker entstehen sollten. Das Geld war bewilligt, und der ganze Maschinenbau sollte mittelfristig hier angesiedelt sein.
Vor knapp 1 Jahr hatte ich den Institutsleiter kontaktiert, und am 1. April hatten wir uns getroffen. Ich hatte ein paar hübsche Schreiben geschickt, und eigentlich war nichts passiert. Es war wie beim Monopoly, zack, zurück auf Start, oder wie beim Mensch ärgere dich nicht, klack, rausgekegelt und wieder neu anfangen. Meine Gesprächsvorbereitung letzten Freitag hatte sich auf ein Minimum beschränkt. Ich hatte meine Notizen und die übersandten Mails mit dabei, einige Punkte einfach nur gemarkert.
Professor Lethargicus kam direkt aus einer anderen Sitzung, und ich unterhielt mich bis zu seinem Eintreffen kurz mit seiner Assistentin. Sie hatte angenehmerweise ihren Look verändert, wirkte etwas gepflegter und sah nicht mehr so unpassend verpunkt aus. Die Dame brachte uns nach ein paar Minuten einen Kaffee und noch einen Teller mit Keksen, der hier noch keinem Einsparprogramm, so wie in vielen Firmen, zum Opfer gefallen war.
Wir konnten aus seinem Büro den Standort der zukünftigen Uni-Erweiterungsbauten sehen und 2 Vermesser stiefelten, durch ihre Warnweste im Wintergrau unübersehbar strahlend, über den matschigen Acker. War diese Entscheidung sicher postiv, erzählte er mir gleich von einer fragwürdigen Geschichte. Die Professoren wurden politisch bedrängt, ihren wissenschaftlichen Mitarbeitern gleich 4-Jahresverträge bei der Einstellung zu geben und von der Stückelei mit 6 bis 12 Monatsverträgen wegzugehen. In diesen 4 Jahren sollte dann auch die Promotion fertig sein.
Die Politiker wussten offensichtlich nicht, dass die Professoren ihre zahlreichen wissenschaftlichen Mitarbeiter zu 90% über Drittmittel finanzierten, über innovative Ideen, die Stellung von Forschungsanträgen, zeitlich befristet, und mit einer Bewilligungsquote von rund 30%. Wurde ein Forschungsprojekt mit einer Laufzeit von 3 Jahren genehmigt, gab es trotzdem zunächst nur für 1 Jahr Geld. Dann hieß es, Ergebnisse vorzulegen und einen Verlängerungsantrag zu stellen, damit das Projekt und der daran arbeitende Mitarbeiter weiter finanziert war. Da kam es her, die kurze Laufzeit der Arbeitsverträge für die Mitarbeiter. Nur da, wo eine finanzielle Deckung abgesichert war, gab es einen Vertrag. Eben wie im richtigen Leben, nicht wie in der Politik, wo Geld und Schulden kein akutes Thema sind, alle für 4 Jahre gewählt sind und mit einer schwarzen Haushalts-Null schon mächtig angegeben wird.
Wenn der ganze Maschinebau hier konzentriert sein würde, fehlte nur noch die Bücherei, die TIB, die technische Informationsbibliothek. Wir hatten es beide gehasst, Stunden in der TIB zu sitzen und Material aus Büchern und Dissertationen rauszuziehen, die nicht verliehen wurden, um dadurch den Stand des Wissens zu einem Thema abzubilden und darauf aufbauend ein Projekt zur Wissenserweiterung aufzusetzen.
Brauchte man heute überhaupt noch eine Bücherei? Ja, nach Ansicht des Professors, auch wenn viele dies anders darstellten. Letztens hatte er eine Neuauflage eines Handbuchs erstellen lassen, 2.000 Exemplare, ein dicker Klopper für 100.- €, für das ich als Student nicht das Geld gehabt hätte. 54.000 Downloads hätte es davon mittlerweile gegeben, klasse, nur nicht alle korrekterweise bezahlt.
Jeder hat es in der Schule gehabt, in der Mathematik, Mengenlehre, mit e und h geschrieben, nicht 2 e hintereinander, was man so oft denken könnte. Wenn es keine Schnittmenge gibt, findet keine konstruktive Kommunikation statt, und es gibt kein Ergebnis. Alle reden, aber es kommt nichts dabei raus, da es keine geistige Schnittmenge gibt. Auch die Schnittmenge zwischen dem Professor und mir war an einigen Stellen sehr klein, obwohl wir beide eine entsprechende Ausbildung hatten und Ü50 waren. Die Praxis, die Berufserfahrung, das, was man nicht an der Uni lernt, sondern, so wie es heißt, mehr oder weniger on the Job.
Ich wiederholte mein Angebot, ganz ohne wirtschaftliche Interessen, seinen Mitarbeitern kurz vor ihrem Industriestart hier Input zu geben. Der Professor dachte an ein technisches Projekt, ich an Themen wie Teambildung, wenn man als neuer Vorgesetzter in einer Firma beginnt. Was macht man mit gestandenen und guten, tariflichen Mitarbeitern in Meisterfunktion, die ihre Zeitkonten auf 250 Stunden hochtreiben, weil sie die Mehrarbeit vom eigenen Vorgänger immer ausgezahlt bekommen haben, sie das aber im Sinne der Gleichbehandlung aller Mitarbeiter nicht tun werden und dennoch diese Mitarbeiter nicht demotivieren wollen? Ein Thema, das ich gleich zum Start in meiner 2. Firma zu lösen hatte.
Was machen sie in einem internationalen Unternehmen, wenn ein europäischer Vertriebsmann einen Preisnachlass bei einem seiner Kunden über eine fingierte Reklamation an ihr Werk abwickeln will?
Das sind Praxisthemen, die für den eigenen Weg relevant sind. Löst man diese gut und mit Anstand, verschafft man sich Respekt, ist akzeptiert, wird ernst genommen, und so weiter. Wenn nicht, ist dies schlecht.
Mein Angebot rund um das Thema Lean Workshops zu veranstalten, war an seinem Institut frei, aber von Professor Lufticus besetzt, der damit Geld verdiente. Das war mir nach dem Gespräch mit dem Herrn mit der unerlaubten Klimaanlage letzten Sommer schon klar gewesen.
Nach 1 Stunde verabschiedeten wir uns. Jetzt müsste nur etwas dabei herauskommen, denn angenehme Gespräche alleine bringen niemand weiter. Wie üblich schrieb ich eine Gesprächszusammenfassung, im Mittelpunkt meine praxisorientierten Workshops.
…Es gibt an Unis zum Teil Lean-Programme, die primär auf Methodik abzielen. Das ist gut und empfehlenswert. Um dies in der Praxis erfolgreich einzusetzen, braucht man jedoch Wissen um menschliches Verhalten, Führung und Veränderungsvermögen bzw. Veränderungsträgheit der Menschen dazu. Sonst wird es nicht funktionieren und wieder wäre eine Lean Initiative gescheitert….Es würde der im weiteren Ausbau befindlichen Maschinenbau Fakultät gut zu Gesicht stehen, so die vermeintliche Praxisnähe der Fachhochschulen, ich benutze bewusst den alten Namen, auf Uni-Level wett zu machen….
Dienstag, 26. Januar, vor seiner Vorlesung um kurz vor 9.30 Uhr erwischte ich Professor Lethargicus. Er wollte mehr über meine Seminare und Workshops wissen. Wieder war es so offensichtlich, wie unterschiedlich unsere Denkwelten waren. Radikalisiert formuliert, dachte er technisch und ich in menschlichen Organisationen, Unternehmen genannt. Nächste Woche Freitag würden wir in meine Charts schauen.
Freitag, 5. Februar, auf dem Weg zur Uni dachte ich an eine Mail, die ich gestern von Professor Lufticus bzw. seiner Assistentin bekommen hatte, mit dem fetten Betreff Save the Date. Es war eine Einladung zu einem zweitägigen Lean Seminar für Führungskräfte. Maximal 20 Teilnehmer waren zugelassen, damit sich auch jeder mit der Anmeldung beeilte. Als Referenten waren ein Master of Science und ein Sozialwissenschaftler genannt, beide Mitte 20 und wissenschaftliche Mitarbeiter des Institutes. Den ganzen Spaß gab es für 1.050.- € pro Person. Noch nicht einmal der Professor hatte eigene Führungserfahrung, ganz zu schweigen von den jungen Referenten. Das konnte nichts werden. Die Lean Methodik in Theorie und dann menschliches Sozialverhalten ebenfalls aus einem Lehrbuch, was für ein Quatsch.
Wichtig und richtig:
Nichtschwimmer sollten keinen Schwimmunterricht geben. Spätestens bei der ersten realen Welle gibt es ein Unglück.
Es war, wie ich es vorhergesehen hatte, mit Professor Klimaanlage. Er wollte mit seinen Mitarbeitern Geld verdienen. Er hatte den vermeintlich guten Namen, ich das Wissen. Wie paradox.
9.50 Uhr war ich am Institut von Professor Lethargicus. Ich traf ihn gleich vorn im Flur, und wir gingen zusammen in sein Büro. Heute hatte ich meinen Rechner mit und 3 verschiedene Präsentationen auf den Desktop gelegt. Einen Tag Zeit hatte ich nochmal investiert, um mein Programm zum Einstieg in Lean Production Uni-tauglich zu machen. Bei der Arbeit daran war mir eines völlig klar geworden. Im Ingenieur-Studium lernt man alle möglichen physikalischen und technischen Dinge. Danach beginnt man in einem Wirtschaftsunternehmen, egal ob noch mit angeschlossener Promotion veredelt oder nicht. Dort geht es um Zusammenarbeit und Geld verdienen.
Brutal formuliert hat man dies aber nicht gelernt. Ich hatte es verbildlicht, an dem Uni-Block die Zahnräder, an dem Unternehmens-Block Figuren, die Mitarbeiter, und ein Pfeil nach oben auf den Markt gerichtet, als Zeichen für den angestrebten Kundenerfolg.
Es freute mich, dass Professor Lethargicus sofort verstand, was es bedeuten sollte. Das war genau immer wieder unser Knackepunkt gewesen, wenn ich angeboten hatte, den jungen Leuten Praxisbeispiele nahe zu bringen. Ich hatte noch ein paar weitere neue Charts erstellt. Welche Berufswünsche existierten, Position und Branche, kleines oder großes...




