E-Book, Deutsch, 504 Seiten
Just Der Moddetektiv
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-903184-07-7
Verlag: Milena Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kultroman
E-Book, Deutsch, 504 Seiten
ISBN: 978-3-903184-07-7
Verlag: Milena Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Christopher Just, geboren 1968 in Wien, zählt zu den Pionieren der elektronischen Musikszene. Mit seinen Kompositionen, die er unter eigenem Namen sowie unter zahlreichen Pseudonymen ('Ilsa Gold', 'Sons of Ilsa' und 'Punk Anderson' u. a.) veröffentlichte, gelangen ihm weltweite Club-Hits. Just hat an der Hochschule für Angewandte Kunst Malerei studiert, sich früh der Musik und zuletzt auch dem Schreiben zugewandt. Kurzgeschichten von ihm wurden etwa in zwei Ausgaben der Buchreihe Moderne Nerven (Czernin Verlag) veröffentlicht.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
VORWORT
Als ich an einem verregneten Sommerabend in einem kleinen Pub Ecke Larksfield Blvd / Strozzi Ave saß und mir mein Agent nach ein paar Drinks vorschlug, ein Buch über Augustin Johnny Sandemann zu schreiben, war ich skeptisch. Erstens steckte ich mitten in den Vorbereitungen zu meinem Gedichtband »Tänzerin im Sturm«, der noch im selben Jahr erscheinen sollte, und zweitens hatte ich gar keinen Agenten. Kurz: Ich war alles andere als begeistert, versprach aber, darüber nachzudenken.
Es vergingen mehrere Monate, in denen ich mich weiter mit meinem Gedichtband befasste und insgeheim hoffte, mein Agent würde seine Idee fallen gelassen oder vergessen haben.
Eines Abends – inzwischen war es Herbst geworden – lag ich auf der Couch und zappte mich auf der Flucht vor x-mal gesehenen Folgen von »Two And A Half Men«, »How I met your Mother« und »Columbo« durch die Fernsehkanäle. Ich war kurz davor, ins Bett zu gehen, als die Reportage eines Senders meine Aufmerksamkeit erweckte, der dafür bekannt ist, kriminalgeschichtliche Ereignisse auf Groschenromanniveau komprimiert wiederzugeben und seine Formate stets mit dem Satz »So oder so ähnlich könnte es sich vielleicht zugetragen haben« enden zu lassen. In einer Tonlage, die sich nur als hysterisch bezeichnen lässt, erörterte man, von unheimlichen Keyboardklängen untermalt, den Prism Break Anschlag, die fieberhafte Suche nach dem Serienmörder Gaspard Fittipaldi und die Aushebung einiger Labors, in denen die Designerdroge »Lotion9« hergestellt worden war – allesamt Vorkommnisse, die, wie wir wissen, mit einer bestimmten Person in direktem Zusammenhang stehen: Augustin Johnny Sandemann.
Abgesehen von der reißerischen Inszenierung dieser mit zurechtgebogenen Interviews angeblicher Augenzeugen gespickten Reportage war es in erster Linie die eindimensionale Darstellung eines Augustin Johnny Sandemann, der wie ein panischer Pacman, Pillen gleich kiloweise verdrückend, durch dunkle Gänge hastete, die in mir neben einer gehörigen Portion Wut den Impetus nach einem neuen, korrigierenden Ton in der Geschichtsschreibung hochsteigen ließ. Ich rief noch am selben Abend meinen Agenten an und teilte ihm mit, dass ich bereit sei, das Buch zu schreiben.
Was sich, wie ich bald feststellen musste, wesentlich komplizierter gestalten sollte, als ich zunächst angenommen hatte, da die primäre Quelle, also Sandemann selbst, dem jegliches Aufsehen um seine Person gleichgültig zu sein schien, unter keinen Umständen zu einer Zusammenarbeit zu bewegen war. Die einzige Antwort, die er mir nach mehrmaliger Anfrage, ob und wann ich ihn zumindest zu einem einmaligen Interview treffen könnte, zukommen ließ, erschöpfte sich in einem geheimnisvollen: »Jemals«.
Ich konnte mich also nur auf die Aussagen diverser Zeitzeugen stützen.
Es folgten zwei arbeitsintensive Jahre, in denen ich unzählige ausführliche Gespräche mit betroffenen Personen sowie Menschen aus Sandemanns Bekanntenkreis führte. Anfänglich war ich einfach nur irritiert über die schillernde Vielfalt und Widersprüchlichkeit im Erscheinungsbild dieses Mannes. Mir wurde klar, dass sich die daraus ergebenden zahlreichen Möglichkeiten einer Annäherung die Gefahr bargen, den Mythos Sandemann weiterhin zu nähren und zugleich den Zugang zu der realen Person in ihrer Komplexität zu erschweren. Um nicht in die Falle zu tappen, war es unerlässlich, einen Ton der Nüchternheit und der journalistischen Distanz zu wahren: kenntnisreich, doch ohne Ergebenheit; faktentreu, doch ohne Voreingenommenheit gegenüber dieser oder jener Seite.
Mittlerweile kann ich mit bestem Gewissen sagen, alles Erzählte mit der erforderlichen Genauigkeit geprüft und mit anderweitig vorhandenen schriftlichen Aufzeichnungen abgeglichen zu haben. Ich habe großes Augenmerk darauf gelegt, ausschließlich Tatsachen wiederzugeben und Anekdoten – mochten sie auch noch so unterhaltsam sein – rigoros auszumustern, wenn es mir nicht gelang, ihren Wahrheitsgehalt hundertprozentig nachzuweisen. Als der Text schließlich in seiner Rohfassung vorlag, machte ich die entsprechenden Abschnitte jenen zugänglich, aus deren Leben darin erzählt wird, um sicherzugehen, dass meine Berichte sich mit ihren Erinnerungen decken. In manchen Fällen brachten die Betroffenen Abänderungen an oder fügten Ergänzungen hinzu, die in das Buch aufgenommen wurden. Eine weitere und sehr hilfreiche Quelle zur Verifizierung der oft voneinander abweichenden Schilderungen waren die fast 4500 Seiten umfassenden Polizeiberichte des VNAPD, die eine außerordentliche Fülle an Informationen boten, die über die Kenntnisse der Zeitgenossen hinausgingen. Einige zugegebenermaßen ziemlich anstrengende Gespräche mit Kriminalexperten und Historikern ermöglichten mir, auch diese Unterlagen auf Relevanz und Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
(Hierzu möchte ich anmerken, dass ich mir große Mühe gegeben habe, dem Leser die Lektüre eines ohnehin streckenweise komplexen Textes nicht zusätzlich durch die unmäßige Inanspruchnahme von Fachvokabular zu erschweren. Um aber einer szientifischen Verfahrensweise treu zu bleiben, ließ sich der Gebrauch mancher Termini technici nicht vermeiden. Im untenstehenden Anhang finden Sie die Erläuterung einiger von mir verwendeter Begriffe, auf die Sie im Laufe meines Textes immer wieder stoßen werden und deren Kenntnis zum vollständigen Erfassen dieses Buches unverzichtbar ist.)
Jetzt, drei Jahre nach der partiellen Aufklärung des »Prism Break«-Falles, liegt damit genügend neues Material vor, um eine neue Darstellung des Lebens und Handelns Augustin Johnny Sandemanns zu rechtfertigen. Sie ist notwendig, weil man angesichts der Flut an Informationen, die an die Öffentlichkeit gelangten, Gefahr läuft, den Film vor lauter Bildern nicht zu sehen und sich doch wieder in Mythen und Legenden zu verheddern.
Um diese Gefahr zu bannen, ist die folgende Darstellung darauf angelegt, die großen Linien im Leben des Augustin Johnny Sandemann nachzuzeichnen, aber auch die Brüche und Wendungen zu markieren, die es darin gegeben hat. Sie will erklären, wie sich Sandemann entwickelt hat und was ihn leitet. Und sie will zeigen, wie er denkt, fühlt und in unterschiedlichen Situationen handelt, oder wann und warum er es unterlässt zu handeln.
Nur so lässt sich diese in der Tat außergewöhnliche Person verständlich machen und ihre historische Bedeutung ermessen.
Dass ich hierfür die Form des Romans wählte, mag verwundern, begründet sich aber aus einem Gefühl der Nähe, die ich im Laufe der Arbeit zu Sandemann fand und die mich wissen ließ, dass die Prosaerzählung der Art und Weise, wie er die Ereignisse erlebte, am ehesten gerecht wird.
Manche der in diesem Buch geschilderten Begebenheiten mögen zunächst rätselhaft, vielleicht sogar absurd erscheinen, aber selbst wenn einige wenige von ihnen weiterhin ungeklärt stehen bleiben mögen, fügen sie sich im Fortgang der Geschehnisse zu einem sinnvollen und logischen Gesamtbild. Und dennoch muss vieles im Verborgenen bleiben, da meine Darstellung nur einige wenige Blickwinkel jener Ereignisse beleuchtenkann, die ohne die Einflussnahme Augustin Johnny Sandemanns einen folgenschweren Verlauf genommen hätten. Einen Verlauf, dessen Ausgang – wäre es nach dem Willen bestimmter Menschen gegangen – zweifelsohne das Ende der Welt, so wie wir sie kennen und lieben, bedeutet hätte.
VORWORT 2. AUFLAGE
Dass von diesem schwer lesbaren Buch noch vor Vollendung seines Erscheinungsjahres eine zweite Auflage notwendig wurde, verdanke ich wider Erwarten nicht dem Interesse der Fachkreise (die sich mehr oder weniger stillschweigend darüber geäußert haben), sondern einer unerwartet breiten Leserschaft aus allen Schichten der Bevölkerung, die sich die Mühe gab, über das anfängliche Befremden hinauszukommen, welches meine neuartige Sichtweise der Materie erwecken konnte.
Andrew Hines möchte ich herzlich für seine Korrekturvorschläge bezüglich meiner Beschreibung der Kohleabbaugebiete in der Nähe Birminghams in den frühen achtziger Jahren danken. Ich gebe zu: Ich war niemals dort.
VORWORT 3. AUFLAGE
Ich darf mich darüber freuen, dass sich das Verlangen nach einer dritten Auflage bereits wenige Monate nach dem Erscheinen der zweiten Edition bemerkbar gemacht hat. Ein ursprünglich gestrichener Abschnitt, von dessen Veröffentlichung mir die Verlegerin mit den Worten »Das derliest dir kein Journalist« dringend abgeraten hat, wurde probehalber wieder eingefügt. Die Passage ist entsprechend gekennzeichnet.
VORWORT 4. AUFLAGE
Eine Person, über die in diesem Buch erzählt wird, will trotz ihres ursprünglichen Einverständnisses fortan nicht mehr namentlich genannt werden. Ich bin dieser Bitte nachgekommen und habe den realen Namen durch einen fiktiven...




