Jürgs | Der Fall Romy Schneider | E-Book | sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: Ullstein eBooks

Jürgs Der Fall Romy Schneider

Eine Biographie
18001. Auflage 2018
ISBN: 978-3-8437-1532-4
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Eine Biographie

E-Book, Deutsch, 352 Seiten

Reihe: Ullstein eBooks

ISBN: 978-3-8437-1532-4
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



1982 gibt Romy Schneider in einem Sanatorium in Quiberon ihr letztes großes Interview. Diese drei Tage im Leben einer modernen Frau, aufgerieben zwischen der Leidenschaft für ihren Beruf und der Liebe zu ihren Kindern, werden nun verfilmt. Grundlage dafür sind die Aufzeichnungen von Michael Jürgs, der das Interview mit Romy Schneider führte und bis zu ihrem mysteriösen Tod mit ihr befreundet war. Im Geiste dieser Freundschaft schrieb er diese Autobiographie über den Weltstar - ein sehr persönlicher, behutsamer, ja zärtlicher Versuch der Annäherung.

Michael Jürgs, geboren 1945, studierte Politische Wissenschaften, Germanistik und Geschichte. Seit über 30 Jahren ist er Journalist. Unter anderem war er Feuilletonchef der Münchner Abendzeitung und später Chefredakteur von stern und Tempo. Er ist Autor mehrerer Bestseller, die zum Teil auch verfilmt wurden.
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Vorwort


Die vierjährige Sarah Biasini war mit dem Kindermädchen bei Freunden auf dem Lande, als am Morgen des 29. Mai 1982 in einem Pariser Appartement Romy Schneider tot aufgefunden wurde. So blieben nur Szenen einer lebendigen, sie liebevoll umsorgenden Maman in ihrer kindlichen Erinnerung. Eines der letzten gemeinsamen Fotos, aufgenommen von Robert Lebeck, dem stillen Löwen mit dem Gespür für den entscheidenden Augenblick, zeigt Mutter und Tochter lachend und verspielt und zärtlich auf einem großen Bett. Auf dem mußte der Filmstar ruhen, weil der gebrochene Fuß noch in Gips lag, geschont werden sollte, und deshalb die Dreharbeiten zum nächsten Film, dem achtundfünfzigsten ihrer Karriere, erst beginnen würden, wenn sie wieder fest auf eigenen Beinen stehen konnte.

Aufgewachsen ist Sarah nach dem Tod der Mutter unter der wachsamen Obhut ihres Vaters Daniel und behütet von Biasinis Eltern. Sie hat nach dem Abitur Kunstgeschichte an der Sorbonne studiert, dann auf der Lee-Strasberg-Schule in Los Angeles Unterricht als Schauspielerin genommen, dann wieder andere berufliche Lebenspläne verfolgt – alles ganz normal für ein junges Mädchen auf der Suche nach sich selbst. Genetisch geprägt vom früh schon sichtbaren schauspielerischen Talent ihrer Mutter sowie dem mitunter auch vorhandenen ihrer Großmutter Magda oder dem betörenden ihres Großvaters Wolf Albach-Retty, den sie nicht kannte, der längst verstorben war, als sie am 21. Juli 1977 auf die Welt kam, hat sie vor ein paar Jahren schließlich die Hauptrolle in einem Mantel- und Degenfilm unter dem Titel Julie gespielt.

Da Sarah danach erst recht mit ihrer Mutter verglichen wurde, deren Gesicht in dem ihren auftaucht, hielt sich die Lust der mittlerweile 31jährigen, in Rollen zu schlüpfen, die ihr angeboten wurden und von denen manche nicht ganz zufällig nach einem Remake des Welterfolgs Sissi aussahen, in Grenzen. Für ihren Lebensunterhalt braucht sie die angebotenen Gagen ohnehin nicht. Zwei verschwiegene Anwälte der guten alten Schule waren von ihrer Mutter als Treuhänder ausgewählt worden, und die für Sarah angelegten Millionen reichen bis ans Lebensende. Wie es dazu kam, ist eine komplizierte und zugleich eine einfache Geschichte: Harry Meyen war nach der Scheidung von Romy Schneider mit 1,2 Millionen Mark abgefunden worden. Die hat Meyen zeitlebens selbst dann nicht angerührt, wenn er Geld hätte brauchen können, denn er war ein stolzer Mann. Er ließ die Summe für den gemeinsamen Sohn David in einem Depot ruhen und dort wachsen. Nach seinem Selbstmord war automatisch sein Sohn alleiniger Erbe, womit seine Zukunft gesichert schien. Doch David hatte keine Zukunft. Im Sommer 1981 rutschte der damals 14-jährige beim Überklettern eines Zaunes ab, wurde dabei von einem eisernen Pfahl aufgespießt, verblutete wenig später. Jetzt war seine Mutter Nutznießerin des einst von ihr an Davids Vater überwiesenen Geldes, wovon sie allerdings nichts ihrem Noch-Ehemann Daniel Biasini erzählte. Von dem lebte sie bereits getrennt.

Ihr deutscher Anwalt, ein treuer Freund, legte mit einem Schweizer Kollegen alles in einem Fonds in Liechtenstein an, diesmal zu Gunsten von Sarah, die nach dem Willen von Romy Schneider an ihrem 26. Geburtstag darüber verfügen sollte. Beide Testamentsvollstrecker verschwiegen bis zum Datum der Übergabe, daß in einem Depot Geld lagerte, um nicht bei Daniel Biasini Lust auf Mehrwert zu wecken, den seine Tochter Sarah als geliebten Vater vergötterte.

Andere Menschen, die wichtig waren im Leben Romy Schneiders und deshalb in diesem Buch, das 1991 geschrieben wurde, eine Rolle spielen, haben den Star überlebt oder sind längst bei ihr, wo auch immer das sein mag: Alain Delon, ihr Lebens-Mann, ist inzwischen ein würdiger Altstar von 72 Jahren. Laurent Pétin, ihr letzter Lebensgefährte, der sie an jenem Morgen in Paris tot am Schreibtisch fand, hat spät geheiratet, wurde Vater, ist ein erfolgreicher Filmproduzent (Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran). Ihr Bruder Wolf hat seine Praxis aufgegeben und lebt in Frankreich. Noch immer schweigt er, falls ihn jemand aufspürt und nach seiner Schwester befragen will. So hat er es immer schon gehalten.

Jean-Claude Brialy, der Romy Schneider stets auffing, wenn sie wieder mal in Depressionen zu versinken drohte, ist im Frühjahr 2007 gestorben. Tot auch ihre Mutter Magda Schneider, mit der sie eine zwiespältige Tochterliebe verband, tot Claude Sautet, der in einem ihrer schönsten Filme – Die Dinge des Lebens – Regie führte, tot ihr Partner Philipp Noiret, tot ihre Freundin Simone Signoret, tot ihr journalistischer Verfolger Will Tremper.

Romy Schneider dagegen lebt. Denn das Bild, das sich Millionen von ihr machten, kann jederzeit aufgerufen werden. Bilder auf der Leinwand altern nicht, sind unzerstörbar und zeitlos, ewig jung. Das macht Romy Schneider unsterblich, doch damit ist sie nicht einzigartig. Das haben Mythen nun mal an sich, weil sich in ihnen die Phantasien von Massen kristallisieren, weil sie – in dem Fall vom Kino geschaffene – nonverbale Erinnerungen im kollektiven Unterbewusstsein vieler Menschen sind. Eine solche Erinnerung lösen Filme mit Romy Schneider, in Frankreich bei einer Umfrage von Lesern eines Magazins zur Schauspielerin des vergangenen Jahrhunderts gewählt, immer wieder aus. Ihr Gesicht, von der Kamera abgetastet, mal zärtlich, mal brutal, ist das Image von Romy Schneider, das ihre Fans deshalb im Herzen tragen.

Frauen vor allem. Denn beim Blick in ihren Spiegel, ganz egal, wo der hängt, ob in einem luxuriösen Penthouse in Berlin-Mitte oder in einem finsteren Plattenbau in der sächsischen Provinz, glauben viele, eine Seelenverwandtschaft mit ihr in den existentiellen Fragen des Lebens zu entdecken. Was wiederum Romy Schneider am Leben erhält, denn so bleibt sie durch ihr Bildnis jung, schön, begehrenswert, zauberhaft. Wenn Romy auf der Leinwand weinte, dann weinten sie mit. Wenn Romy glücklich war, spiegelten sie sich in ihrem Glück. Wenn Romy von einem Märchenprinzen träumte, war das auch ihr Traum. Wenn sich wieder mal herausstellte, daß es nur ein Filou und kein Prinz war, nickten sie seufzend, weil es ihnen ebenso schon ergangen war.

Romys wahres Leben war stets überschattet von Tragödien und Konflikten, wie sie kein Drehbuchschreiber zu erfinden gewagt hätte: Der Annäherungsversuch des verhaßten Stiefvaters, die Flucht des über alles geliebten Alain Delon zu einer anderen Frau, der Selbstmord des Ex-Ehemannes, an dem sie sich eine Mitschuld gab, der schreckliche Unfalltod des geliebten Sohnes, die Depressionen, wenn sie wieder mal verlassen wurde, Alkohol, Tabletten. Vor der Kamera gelang ihr alles, doch wenn die letzte Klappe gefallen war, begann regelmäßig ihre Reise in die Nacht. Aus dem Objekt der Begierde, geweckt im dunklen Kinosaal, wurde dann stets eine zerrissene Frau. Fähig zu einer spielerisch heiteren Selbstironie, scheinbar gelöst im Kreis von Freunden an der Seite irgendeines neuen Geliebten, plötzlich aber von einem Augenblick zum anderen in quälende Selbstzweifel verfallend.

Hätte Romy Schneider sich bis heute überlebt, bis zu ihrem siebzigsten Geburtstag am 28. September 2008, wäre sie aber nur als Legende des Kinos geehrt worden, niemals zum Mythos an sich aufgestiegen. Denn dafür braucht es mehr als nur eine magische Ausstrahlung, braucht es mehr als Glamour und Ruhm. Vor allem braucht es ein schlagzeilenträchtiges Schicksal. Zu sterben hilft – ganz nach dem kitschigen Motto, die Götter lieben, wen sie früh zu sich holen.

Ein Star aus einer anderen Zeit hat das geschafft, ohne sterben zu müssen. Hat sich einfach von einem bestimmten Zeitpunkt an jeder Kamera entzogen, den damit verbundenen öffentlichen Tod gern in Kauf genommen als Preis für ein nicht mehr öffentliches Leben. So blieb Greta Garbo jung in der Erinnerung und konnte in Würde altern. Und noch etwas ist wesentlich für einen Mythos: Es muß ein scheinbar ungelöstes Geheimnis geben um die Umstände des Todes. Deshalb wird bis heute darüber gerätselt, gern auch öffentlich, ob Romy Schneider sich etwa umgebracht habe aus Angst vor dem Alter, erdrückt von Steuerschulden, gebrochen vom Kummer über das schreckliche Ende ihres geliebten Sohnes.

Alles frei erfunden.

Es war schlichtweg Herzversagen, wie es auf dem Totenschein auch geschrieben steht, aber dennoch könnte man es im übertragenen Sinne Selbstmord nennen, was Romy Schneider ihrem Leben angetan hat. Sprachkünstler malten schreibend das Bild von ihrem Herzen als einem einsam gewordenen Jäger, der keine Beute mehr fand. Am nächsten kommt einer Wahrheit, die in diesem Fall stärker ist als die Indizien der Wirklichkeit, wohl diese: Romy Schneider hat im Alter von 43 Jahren ihr Leben besiegt.

Das ist kein Alter für eine schöne Frau, aber sie hielt sich am Ende nicht mehr für schön, hielt ihren Körper nicht mehr für begehrenswert, hielt ihre Nacktheit aufgrund der Narben nicht mehr für wirksam. Sie war zwar keine klassische Schönheit, aber das schönste Leinwandgesicht der Jahre, in denen sie zum Weltstar aufstieg. Sie strahlte eine erdige Sinnlichkeit aus, wirkte unverschämt schamlos, gab sich ohne Hemmungen der Kamera hin. Was dazu führte, daß viele glaubten, so sei sie auch im wahren Leben. Doch da war sie oft schüchtern, oft scheu, oft unsicher. Fordernd allerdings in dem, was sie begehrte. Das konnte die Hauptrolle sein in einem Film, das konnte die Hauptrolle sein im Leben eines Mannes, den sie liebte, das konnte auch schlicht die Erfüllung aller ihrer Wünsche sein, bevor der Morgen graute.

Diese Zwiespältigkeit war vielen Frauen in ihrem Heimatland Frankreich nicht fremd, weil die Figur der sinnlichen...


Jürgs, Michael
Michael Jürgs, geboren 1945, studierte Politische Wissenschaften, Germanistik und Geschichte. Seit über 30 Jahren ist er Journalist. Unter anderem war er Feuilletonchef der Münchner Abendzeitung und später Chefredakteur von stern und Tempo. Er ist Autor mehrerer Bestseller, die zum Teil auch verfilmt wurden.



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