E-Book, Deutsch, Band 1, 196 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 205 mm, Gewicht: 260 g
Reihe: Feuer auf dem Berg
Joyner Der Weg
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-905991-78-9
Verlag: Schleife
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 1, 196 Seiten, Format (B × H): 135 mm x 205 mm, Gewicht: 260 g
Reihe: Feuer auf dem Berg
ISBN: 978-3-905991-78-9
Verlag: Schleife
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Rick Joyner ist Pilot, ehemaliger Betreiber eines grossen Charterunternehmens, ist Gründer und leitender Pastor der MorningStar Fellowship Church in Fort Mill (South Carolina, USA). Er hat einen anerkannten weltweiten prophetischen Dienst. Dazu ist er Autor zahlreicher Bücher.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Die Stimme
Jeder Schritt schien mir mein letzter zu sein. Hunger, Durst und Erschöpfung machten dieses Erlebnis zur grössten Krise, die ich je durchgemacht hatte. Der Tod musste mir schon sehr nahe sein. Der Nebel war so undurchdringlich, dass ich nur ein paar Schritte weit sehen konnte, und er schien perfekt zu meinem inneren Zustand zu passen. Ich war wild entschlossen, nicht stehen zu bleiben, solange ich noch bei Bewusstsein war, aber es war mir ebenso klar, dass es nicht mehr lange dauern konnte.
Ich schleppte mich auf einem schmalen Weg durch einen dichten Wald. Meine Augen brannten. Meine Kleider waren so zerfetzt, dass sie mir kaum noch Schutz boten vor den Dornen und spitzen Ästen, die unaufhörlich auf mich einstachen. Ich war schon weit über den Punkt hinaus, an dem ich dachte, ich könnte nicht mehr weiter. Jeder Schritt war eine Qual und ich begann, den Tod herbeizusehnen. Ich wollte aber nicht einfach nur deswegen sterben, weil ich aufgegeben hatte. Da ich wusste, dass ich mich nicht wieder würde aufraffen können, wenn ich erst einmal stehen geblieben wäre, trottete ich weiter, einen qualvollen Schritt nach dem anderen.
Ich dachte darüber nach, weshalb ich mich überhaupt in diese Wildnis hineingewagt hatte. Wenn ich es erst einmal hindurch geschafft hätte, wartete auf der anderen Seite eine grosse Bestimmung. Aber inzwischen wollte ich nur noch sterben, während ich gleichzeitig versuchte, immer noch weiter zu gehen. Das sollte zumindest ein kleiner Sieg über die Wildnis sein, die nun mein sicheres Ende zu sein schien.
Gerade als ich sicher war, dass der nächste Schritt mein letzter sein würde, konnte ich vor mir ein schwaches Glitzern durch den Nebel ausmachen. Ich dachte, dass es Einbildung gewesen sein musste und dass mein Verstand mir einen Streich gespielt hatte. Aber dennoch nahm ich alles an Entschlossenheit zusammen, was mir noch geblieben war, und stolperte einige Schritte weiter. Da sah ich es wieder. Es konnte nicht weit sein, und so beschloss ich, es bis dorthin zu schaffen, was auch immer es sein mochte.
Der Wald öffnete sich vor mir und ich stand am Ufer eines kleinen Teiches. Sein Wasser war das schönste, das ich jemals gesehen hatte. Das lag nicht nur daran, dass ich so durstig war, sondern der ganze Ort sah aus wie ein Paradies. Das Wasser war tiefblau und schien von unten her zu glitzern. Am Ufer schienen grosse Felsen und Bäume speziell angeordnet worden zu sein, um dem Ort eine besondere Schönheit zu verleihen. Er sah völlig naturbelassen aus, und schien doch gleichzeitig von einem göttlichen Landschaftsgärtner gestaltet worden zu sein.
Ich versuchte niederzuknien, aber stattdessen warf ich mich am Rand des Wassers zu Boden. So durstig ich auch war, starrte ich für einen langen Moment nur hinein. Das Wasser schien lebendig und von Licht erfüllt zu sein. Da durchfuhr mich der Gedanke, dass der Teich vermutlich radioaktiv verseucht war. Es könnte mich umbringen, daraus zu trinken.
«Na und?!», dachte ich. «Ich werde auch sterben, wenn ich es nicht trinke. Also kann ich es genauso gut versuchen.» Dennoch tauchte ich zunächst vorsichtig meine Fingerspitze ins Wasser und berührte dann damit meine Zunge. Es fühlte sich ungewohnt an und schmeckte seltsam. Es war mit einer Art Energie geladen, aber gleichzeitig war es auch süss. Ich konnte die Energie spüren und trank weiter. Je mehr ich trank, desto stärker fühlte ich mich.
Ich trank immer weiter, bis ich mich stärker fühlte als je zuvor in meinem Leben. Es war, als wäre jede Zelle meines Körpers erweckt worden. Es war nur wenige Augenblicke her, dass ich mich schlechter gefühlt hatte als je zuvor; und jetzt ging es mir besser denn je. Ich war direkt von der Hölle in den Himmel gelangt, von einem Zustand am Randes des Todes dahin gekommen, mich lebendiger zu fühlen als jemals in meinem ganzen bisherigen Leben. Ich war überwältigt.
Nun fing ich an, mich umzusehen. Meine Augen waren geschärft, sodass ich durch den Nebel hindurch sehen konnte. Das Wasser hatte nicht nur meinen Durst gelöscht, sondern auch meinen Hunger gestillt. «Was für Wasser ist das?», fragte ich mich. Dann kam mir wieder, dass das Wasser doch radioaktiv verseucht gewesen sein und etwas Unheimliches mit meinem Körper gemacht haben musste. Ich hielt es für wahrscheinlich, dass es mich schon sehr bald umbringen würde; aber das wäre doch eine wunderbare Art zu sterben! Ich fühlte mich so gut, dass es richtig schwer war, negativ über irgendetwas zu denken.
Die neu gefundene geistige Klarheit war ebenso belebend wie die Energie, die ich durch meinen Körper strömen fühlte. Ich konnte mich nicht erinnern, mich jemals so gut oder aufgeweckt gefühlt zu haben. Als ich mich umsah, schien ich jedes Detail sofort aufzunehmen. Ich sah Dinge, die mir früher niemals aufgefallen wären, selbst wenn ich längere Zeit darauf gestarrt hätte. Mein Verstand arbeitete mit Hochgeschwindigkeit, aber dennoch systematisch und präzise.
Ich überlegte, dass meine Wanderung durch die Wildnis die angenehmste Reise aller Zeiten gewesen wäre, wenn ich dabei dieses Wasser gehabt hätte. Niemals wäre es dann so ein Todesmarsch geworden wie der, den ich hinter mir hatte. Ich schreckte auf, als ich plötzlich einen Mann dicht vor mir stehen sah. Ich konnte es gar nicht fassen, dass ich ihn nicht hatte herankommen sehen, vor allem nicht jetzt, wo ich doch so viel mehr sehen und erfassen konnte.
«Wer bist du?», fragte ich. «Gehört dieses Wasser dir?»
«Dieses Wasser gehört allen, die es trinken wollen», entgegnete er.
«Bist du ein Engel?», fragte ich.
«Nein, ich bin ein Mensch wie du», antwortete er. Er sah mich einen Moment lang unverwandt an und fuhr dann fort: «Der Bach, der diesen Teich speist, war dir in der Wildnis, durch die du gerade gegangen bist, ganz nah. Du hättest dich jederzeit daran erfrischen können.»
Ich protestierte: «Ich habe in der Wildnis keinen Bach gesehen.»
«Du hast ihn nicht gesehen, weil du nicht danach Ausschau gehalten hast», erwiderte er leidenschaftslos.
Das war ein schockierender Gedanke.
Wenn ich in der Wildnis dieses Wasser gehabt hätte, dann wäre ich laut singend und Gott preisend hindurch gelaufen, statt die Qualen zu erleiden, die ich durchgemacht hatte!
«Niemand hat mir etwas von diesem Wasser in der Wildnis gesagt», beklagte ich mich.
«Selbst die unerfahrensten Jünger lernen, wo sie dieses Wasser finden, und wie sie jeden Tag davon trinken können. Gibt es denn keine Jüngerschaft mehr? Hattest du keinen Mentor, der dir das beigebracht hätte?», fragte er.
«Nein, ich hatte keinen Mentor», antwortete ich. «Und es gibt nicht mehr viel Jüngerschaft.»
Der Besucher liess den Kopf hängen, als wäre er tief bekümmert.
Schliesslich fuhr er fort: «Nun, dein Durchhaltevermögen war beeindruckend. Du wirst es auf dieser Reise noch gut brauchen können, aber du musst dir deine Beharrlichkeit für die Kämpfe aufsparen, die noch vor dir liegen. Die Wildnis soll hart sein, aber nicht so hart, wie du es dir gemacht hast. Das lebendige Wasser ist für jeden Reisenden jederzeit und an jedem Ort da, solange du nur auf dem richtigen Weg bleibst. Wenn du auf dem richtigen Weg bist, wird es dir immer nahe sein. Suche es, trinke regelmässig davon, und entferne dich nie davon. Das ist eine der grundlegendsten Lektionen, die du lernen musst, um dein Ziel zu erreichen und deine Berufung zu erfüllen.»
«Ich glaube nicht, dass du mir das noch einmal sagen musst», erwiderte ich. «Aber woher weisst du, wo ich hingehe und wozu ich berufen bin?»
«Ich habe auf dich und die anderen gewartet. Ich bin hier, um euch zu helfen. In letzter Zeit sind hier nicht viele durchgekommen. Wahrscheinlich liegt es daran, dass es nicht mehr viel Jüngerschaft gibt. Sind denn keine Väter mehr übrig?»
«Geistliche Väter und Mütter sind selten geworden», erklärte ich.
«Ich glaube, dass sich die Leiter im Grossen und Ganzen mehr damit beschäftigen, Organisationen aufzubauen als Menschen. Es gibt grossartige Dienste und Organisationen bei uns, aber grossartige Heilige werden selten.»
«Was ist mit dir?», wollte er wissen.
«Ich bin genauso schuldig wie alle anderen. Ich bin weder ein guter Vater noch Mentor gewesen. Auch ich habe mehr Zeit auf den Aufbau von Organisationen als von Menschen verwendet», antwortete ich.
«Würdest du es anders machen, wenn du noch einmal die Möglichkeit hättest?», fragte der Besucher, und sah mich dabei so durchdringend an, als wäre das die wichtigste Frage, die er mir stellen konnte.
«Ich würde es gerne versuchen», meinte ich. «Ich war schon immer unbeholfen, was Beziehungen angeht, aber ich weiss, wie wichtig sie sind. Ich habe nur nicht viel deswegen unternommen.»
«Du hast Recht», bestätigte der Besucher. «Die Welt hat in deiner Zeit die grösste Zunahme an neuen Gläubigen in der gesamten Kirchengeschichte gesehen, aber nur sehr wenige finden diesen Weg. Wenn sie aber nicht hierher kommen, werden sie nicht auf das vorbereitet sein, was noch über die Erde kommen wird. Wenn sie nicht vorbereitet sind, werden sie verloren gehen.»
«Was kommt denn?», fragte ich.
«Weisst du denn nicht, wohin du gehst?»
«Ich weiss, dass ich zu dem Berg muss; aber du hast von etwas gesprochen, das kommt. Was kommt?», fragte ich erneut.
«Ich weiss, dass du schon früher auf dem Berg warst und dort Kämpfe durchgestanden hast; aber das, was noch kommt, ist der grösste Kampf, den es jemals auf Erden gegeben hat. Es ist die letzte Schlacht.
Wir sind...




