Jordan Süßes Spiel der Sehnsucht
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-18772-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman
E-Book, Deutsch, Band 1, 0 Seiten
Reihe: Courtship Wars
ISBN: 978-3-641-18772-9
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das angenehme Leben des attraktiven Junggesellen Marcus Pierce, Earl von Danvers, nimmt ein abruptes Ende, als er zum Vormund für drei hübsche, junge und ledige Damen bestimmt wird. Um sich der Verantwortung möglichst bald zu entziehen, sucht er nach geeigneten Heiratskandidaten für seine Schützlinge. Doch er hat weder mit der Widerspenstigkeit der selbstbewussten Arabella, noch mit deren heißen Küssen gerechnet ...
Nicole Jordan ist eine äußerst erfolgreiche Autorin historischer Liebesromane. Ihre Bücher erscheinen regelmäßig auf den amerikanischen Bestsellerlisten und wurden bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Nicole Jordan schreibt und wohnt mit ihrem Mann und ihren Pferden, der zweiten großen Liebe ihres Lebens, in Utah.
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Erstes Kapitel
Fürwahr, der neue Earl treibt mich noch in die Verzweiflung. Wie Zuchtvieh will er uns einfach verheiraten.
Brief von Miss Arabella Loring an Fanny Irwin
London, im Mai 1817
Heirat. Allein das Wort war schon eine Zumutung! Dennoch konnte der neue Earl of Danvers dieses Thema nicht länger ignorieren, so sehr es ihm auch widerstrebte.
»Was für ein Jammer, dass der letzte Earl schon tot ist«, erklärte Lord Danvers und verlieh der Bemerkung mit einem kraftvollen Schwung seines Floretts zusätzlichen Nachdruck. »Andernfalls hätte ich ihm höchsterfreut das Herz durchbohrt, so schändlich wie er mir mitspielte. Was fällt ihm ein, mich zum Kuppler für drei Mündel zu verdammen, die ich nie wollte?«
Die unter Florettklirren geäußerte Klage beantworteten seine Freunde teils mit verständnisvollem Gelächter, teils mit Skepsis.
»Kuppler, Marcus? Ist das nicht ein wenig übertrieben?«
»Nein, es beschreibt sehr trefflich, welche Verantwortung mir durch das Ableben des Earls zufällt.«
»Ehestifter klingt ungleich erhabener.«
Ehestifter. Was für ein niederschmetternder Gedanke!
Marcus Pierce, ehedem Baron Pierce und nun der achte Lord Danvers, verzog spöttisch das Gesicht. Wiewohl er gewöhnlich jede Herausforderung schätzte, hätte er gewiss gern darauf verzichtet, mit drei unvermögenden Schönheiten belastet zu werden. Und nicht bloß das, obendrein musste er auch noch respektable Ehemänner für sie auftreiben, was das Allerschlimmste war.
Aber leider hatte er die Loring-Schwestern zusammen mit seinem neuen Titel geerbt, und somit musste er sich früher oder später in seine neue Verpflichtung fügen.
Vorzugsweise später.
Seit zweiunddreißig Jahren genoss Marcus sein angenehmes Junggesellendasein, davon die letzten zehn als Englands begehrteste wie uneinnehmbarste Partie. Heirat rangierte für ihn weit oben auf seiner Liste geschmähter Themen, weshalb er sich seit Wochen davor drückte, seiner Pflicht gegenüber den unerwünschten Mündeln nachzukommen.
An diesem herrlichen Frühlingsmorgen jedoch zwang er sich endlich, genau das anzusprechen, und zwar während der Fechtübungen mit seinen zwei engsten Freunden in seinem Herrenhaus in Mayfair. Beide waren, wie er, bislang erfolgreich dem Heiratsmarkt entkommen.
»Aber seht ihr nicht, in welchem Dilemma ich stecke?«, fragte Marcus und parierte gleichzeitig einen Hieb von Andrew Moncrief. Der Duke of Arden war ein begabter Fechter und daher ein würdiger Gegner für Marcus.
»Durchaus«, antwortete Drew über den Florettlärm hinweg. »Du hoffst, deine drei Mündel zügig unter die Haube zu bringen, weißt allerdings, dass es angesichts des Skandals in ihrer Familie schwer werden dürfte, geeignete Kandidaten zu finden.«
»Exakt.« Marcus bedachte ihn mit einem sehr charmanten Grinsen. »Du willst nicht zufällig um eine von ihnen anhalten, vermute ich?«
Der Duke machte einen eleganten Satz rückwärts, um Marcus’ nächstem Hieb auszuweichen. »Obschon ich nichts lieber täte, als dir zu helfen, alter Knabe, genieße ich meine Freiheit doch viel zu sehr, um ein solch großes Opfer zu bringen – selbst wenn es für dich ist.«
»Keine Chance, Marcus«, kam es amüsiert von der Seite des Salons, den Marcus als Fechtraum benutzte. Heath Griffin, Marquess of Claybourne, hatte sich auf einem Sofa ausgestreckt und malte mit seinem Florett Linien in die Luft, während er darauf wartete, gegen einen seiner Freunde anzutreten. »Solltest du allen Ernstes glauben, du könntest uns überreden, dir deine Mündel abzunehmen, müssten wir an deinem Verstand zweifeln.«
»Sie gelten als wahre Schönheiten«, beharrte Marcus.
Heath lachte. »Und alte Jungfern, allesamt. Wie alt ist die älteste Miss Loring gleich? Vierundzwanzig?«
»Noch nicht ganz.«
»Und ihre scharfe Zunge ist gefürchtet.«
»Ja, das sagt man«, gab Marcus ungern zu. Seine Anwälte hatten Arabella Loring als sehr hübsch, aber auch recht eigensinnig beschrieben. Soweit er hörte, kämpfte sie hartnäckig für ihre Selbständigkeit – und mithin gegen seine Vormundschaft.
»Dann hast du sie noch nicht gesehen?«, fragte Heath.
»Nein, bisher gelang es mir, eine direkte Begegnung zu vermeiden. Die Misses Loring waren nicht zu Hause, als ich vor drei Monaten dort war, um mein Beileid zum Tod ihres Stiefonkels zu bekunden. Und seither überließ ich die Korrespondenz meinen Anwälten. Bedauerlicherweise werde ich mich irgendwann um sie kümmern müssen.« Er seufzte. »Voraussichtlich reise ich nächste Woche nach Chiswick.«
Das Danvers-Anwesen befand sich auf dem Lande, nahe dem kleinen Dorf Chiswick und etwa sechs Meilen westlich vom eleganten Londoner Stadtteil Mayfair, wo die vermögende Aristokratie residierte. In einem Zweispänner war die Fahrt schnell zu bewältigen. Was hingegen Marcus’ Aufgabe betraf, gab er sich keinerlei Illusion hin, sie könnte ähnlich zügig erledigt werden.
»Nach allem, was ich bisher hörte«, sagte Drew, der beständig vorwärtsrückte, »dürften deine Mündel recht anstrengend sein. Es wird gewiss nicht leicht, sie zu verheiraten, insbesondere nicht die Älteste.«
Marcus verzog das Gesicht. »Nein, ganz sicher nicht, zumal sich alle drei so vehement gegen eine Heirat aussprechen. Als ich ihnen eine beträchtliche Mitgift zusicherte, um passable Bräutigame anzulocken, lehnten sie alle drei sofort ab.«
»Ein wenig blaustrümpfig und auch eigensinnig, die drei Damen, was?«
»Wie es scheint. Umso verdrießlicher, dass sich keiner von euch bereit erklärt, mir zu Hilfe zu kommen.«
Geschmeidiger ließe sich sein Dilemma kaum lösen, dachte Marcus, während er Drews Angriff abwehrte. Warum musste die erfreuliche Ergänzung seines vorhandenen Freiherrenstandes denn auch getrübt werden, indem ihm mit dem Earl-Titel das verarmte Danvers-Anwesen mitsamt seinen drei Bewohnerinnen zufiel? Alle drei entsprangen einer makellosen Linie, keine Frage, und waren angeblich von betörender Schönheit. Dennoch waren sie unverheiratet und kamen allmählich in die Jahre – eine Kombination, die für Frauen überaus ungünstig war.
Das Ausbleiben geeigneter Heiratskandidaten hatte weniger mit dem mangelnden Vermögen zu tun als mit einem entsetzlichen Skandal – man könnte beinahe sagen: zwei entsetzlichen Skandalen, welche die Chancen der drei jungen Damen nachhaltig beeinträchtigten. Vor vier Jahren nämlich war ihre Mutter mit ihrem französischen Liebhaber auf den Kontinent durchgebrannt. Und nicht genug damit, wurde ihr Vater gerade mal zwei Wochen später in einem Duell getötet, das er um seine jüngste Geliebte ausfocht. Was auch immer nach dem ersten Eklat an Hoffnung für die drei Damen übrig war, wurde durch den zweiten endgültig vernichtet.
Folglich war Marcus’ Überlegung gewesen, jeder von ihnen eine beachtliche Mitgift zuzusichern, um sie für mögliche Anwärter attraktiv zu machen. Das allerdings war, bevor er entdeckte, wie bedenklich eigensinnig sich die drei Schönheiten gaben. Besonders die älteste Schwester verteidigte ihre Unabhängigkeit nachgerade leidenschaftlich.
»Dem Gesetz nach sind sie meine Mündel, bis sie fünfundzwanzig werden«, erklärte Marcus. »Die Älteste jedoch, Arabella, beschwert sich bereits vehement über die damit verbundenen Einschränkungen. Allein im letzten Monat schrieb sie mir viermal, um mir mit Nachdruck zu versichern, sie und ihre Schwestern würden keinen Vormund benötigen. Dabei dauert es mich ebenso sehr wie sie, dass das Testament mich in diese Rolle zwingt.«
Marcus hielt kurz inne, um seinen Gegner zu umrunden und sich mit einer Hand durch das rabenschwarze Haar zu fahren. »Offen gesagt wäre mir weit wohler, wenn ich nie von den Loring-Schwestern gehört hätte. Was soll ich mit dem zusätzlichen Titel? Als Baron war ich rundum zufrieden.«
Seine Freunde betrachteten ihn mitfühlend, aber auch höchst amüsiert, worauf er pikiert hinzufügte: »Ich erwarte eure Unterstützung, ihr rückgratlosen Schurken! Euch werden doch wohl irgendwelche geeigneten Kandidaten einfallen, die ich den Damen präsentieren kann.«
»Nun, du könntest jederzeit selbst eine von ihnen heiraten«, schlug Heath spöttisch vor.
»Gott bewahre!« Marcus erschauderte und wäre um ein Haar von Drews Florett durchbohrt worden.
Seit der Kindheit waren Marcus, Drew und Heath unzertrennlich. Sie waren gemeinsam in Eton und Oxford gewesen und gleichzeitig in den Besitz ihrer großen Vermögen und illustren Titel gekommen. Danach mussten sich alle drei unzähliger heiratswilliger Debütantinnen und kuppelnder Mütter erwehren. Folglich teilten sie heute unter anderem eine ausgeprägte Aversion gegen die Institution Ehe – vor allem gegen die lieblosen, schnöde kalkulierten Verbindungen innerhalb der Adelskreise.
Bisher war Marcus noch keiner einzigen Frau begegnet, bei der ihm auch nur entfernt eine mögliche Vermählung in den Sinn gekommen wäre. Und die Vorstellung, lebenslänglich an ein weibliches Wesen gekettet zu sein, das er kaum mochte, geschweige denn liebte, ließ es ihm eiskalt den Rücken hinunterlaufen. Nichtsdestotrotz war er es seinen Titeln, dem alten wie dem neuen, schuldig, die Linie fortzusetzen. Letztlich also musste er heiraten.
Bis dahin allerdings sollte noch eine sehr lange Zeit vergehen.
Über dem ganzen schwer verdaulichen Gerede von Heirat konnte er sich gar nicht mehr konzentrieren, deshalb trat Marcus zurück und entbot Drew einen sardonischen Fechtgruß. »Ich gebe lieber auf, bevor du mich in Scheiben...




