E-Book, Deutsch, Band 3, 190 Seiten
Reihe: Liquids-Fluids-Juices
Jones Juices
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-8826-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 190 Seiten
Reihe: Liquids-Fluids-Juices
ISBN: 978-3-7693-8826-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ja, Scheiße, Mann! Der Absturz und die Rückkehr ins Leben waren deutlich härter als gedacht. Trotzdem führte Jack sein sexuell ausschweifendes Leben weiter als sei nichts gewesen. Und als sie dann tatsächlich auftauchte, die Frau, mit der alles anders werden sollte, hatte er einfach gar nichts geschnallt und daher auch alles verkackt. Nur die größte Anstrengung seines Lebens kann ihn noch zum Ziel und sein Leben endlich in die Spur bringen. Dies ist die Fortsetzung des ersten, Liquids und des zweiten Fluids genannten Teils.
Jack Jones ist das Pseudonym des Autors, der autobiografische Erinnerungen mehrerer Personen unter seinem Namen als Ich-Erzähler vereint und diese mit einer Portion Phantasie miteinander verwebt. Der Roman macht diese Erinnerungen von teilweise sehr persönlicher, delikater Art öffentlich. Daher muss der echte Name des Verfassers zum Schutz der wahren Protagonisten anonym bleiben.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
I
Yack & Jerk
KaAhhDrSaWi
Ja, scheiße Mann! Mein neues Leben war natürlich nicht so tolle, wie ich am Schluss des letzten Kapitels von ‚Fluids‘ noch so geprahlt hatte! Wie hätte das auch gehen sollen? In einer WG zu leben, umgeben von lauter Ex-Junkies, die mehr oder minder gerade von der Droge runter waren, aber trotzdem alle irgendwie voll einen an der Marmel hatten. Meine Sprache, vormals gewählt, gebildet, dem Bildungsbürger entsprechend, sackte vollkommen ab. In jedem Satz kam mindestens einmal das Wort ‚Scheiße‘ oder Schlimmeres vor. Die Typen, die in der WG auftauchten, kamen alle irgendwie von ganz unten, hatten gerade mal so den Gullydeckel hochgedrückt und erblickten nun das Tageslicht, welches ihnen vollkommen fremd erschien, als hätten sie es nie zuvor im Leben erblickt. In der Entzugsklinik war noch das eine oder andere Kind wohlhabender Eltern dabei, die waren trotz Drogensucht auch eigentlich immer in der Lage, einen vollständigen Satz zu reden und dabei nicht Begriffe aus der Gosse zu verwenden. Aber diese Typen tauchten später nicht mehr in der WG auf. Hier waren wirklich nur die Leute aus sozialen Brennpunkten, die mit dem Begriff ‚Arbeit‘ nichts anfangen konnten, dafür aber über jegliche Lücken im Sozialsystem, nebst hochgradiger Fachkenntnis im Drogenbereich und der Beschaffungskriminalität, bestens Bescheid wussten. Ich brauchte lange, um zu schnallen, dass ich nach dem hammerharten Entzug, der wirklich mein Innerstes nach außen gekehrt, meinen Körper entgiftet und vollkommen von irgendwelchen ekligen Säften gereinigt hatte, längst nicht so wiederhergestellt war, dass man davon hätte sprechen können, ich sei jetzt wieder ganz der Alte. Nein, es war wohl eher ein Zurücksetzen auf den Ausgangspunkt, quasi eine Stunde null, nur eben nicht bei der Geburt, sondern mitten im Leben. Mir ging es von Anfang an auf den Geist, dass in der Hütte vor morgens zehn Uhr kaum ein Mucks von den anderen zu hören war, geschweige eine Gestalt zu sehen. So gewöhnte ich mir fast aus Langeweile an, mich so gegen halb acht aus dem Haus zu machen und die zehn Minuten zu einem Discounter zu latschen, um mir zwei Wecken1 zu kaufen. Egal, was für ‘n Wetter war, ich ging zu dem Supermarkt, packte zwei Stück in die Tüte, ging zur Kasse, legte die sechzig Cent auf die Geldablage und latschte wieder zurück. Über Monate hinweg bemerkte ich nicht, dass ich dabei immer schneller wurde: Aus Latschen wurde schnelles Gehen und dann so eine Art Jogging-Rhythmus, und irgendwann rannte ich wohl. Immer häufiger blickte ich mich im Gehen um, ging mir entgegenkommenden Passanten aus dem Weg, in dem ich die Straßenseite wechselte, bog blitzschnell in eine Seitenstraße oder Fußweg ein, schlug erneut einen Haken, versteckte mich hinter einer Hauswand, immer mit dem ängstlichen Blick zurück. Die Kassiererin im Supermarkt kannte mich nachher schon, dass ich immer abgehetzt und irgendwie brutal in Eile war. Die hatte eine Tüte mit zwei Brötchen bereits an der Kasse liegen, sodass ich nur noch das vorher abgezählte Kleingeld hinlegen und sofort wieder fluchtartig den Laden verlassen konnte. Das sollte sich alles noch weiter steigern, dass ich, bevor ich morgens das Haus verließ, bereits eine halbe Stunde zuvor durch alle straßenseitigen Fenster luscherte, um festzustellen, ob die Luft rein war. Es kam der Tag, an dem ich das Haus nicht mehr verlassen konnte und irgendwann nicht mehr mein Zimmer, welches ich von innen verriegelte. Mehrfach drohten mir die Betreuer mit dem Einschalten der Polizei, nachdem ich nicht mehr bereit war, die Tür aufzumachen. So ging das natürlich alles nicht weiter. Meine Eltern waren verzweifelt, aber völlig machtlos. Der einzige verbliebene Freund aus alten Tagen, Ben, der Typ mit dem Motorradladen, der nicht nur Textnachrichten schrieb, sondern mich in Abständen auch besuchte, vermachte mir einen Kumpel von sich, genauer, einen Kunden, den er Joe nannte. Es dauerte eine geraume Zeit, bis ich bereit war, diesen Mann in mein Zimmer zu lassen, aber irgendwann hatten Bens Überredungskünste, dass dieser Joe Experte sei für Ex-Junkies, Erfolg, und eines Tages schlug er an einem regnerischen Vormittag in der WG auf, stellte sich freundlich vor und wir unterhielten uns vielleicht zwanzig Minuten, bis er mich wieder in Ruhe ließ. Zwei bis dreimal in der Woche kam dieser Joe, ein stets freundlicher, total lockerer Typ, wie ich später feststellte, fast exakt in meinem Alter, zu mir in die Einrichtung und wir plauderten quasi. Ich wurde etwas entspannter. Bei gutem Wetter saßen wir im Garten. Nach einiger Zeit machten wir während des Gesprächs kurze Spaziergänge um den Block. Langsam verstand ich, dass der Entzug, bei dem dem Körper sämtliche Gifte in Form von Sekreten mit teils mittelalterlichen Aderlass-Methoden entzogen wurden, nur die eine Seite der Medaille war. Joes Aufgabe und sein erklärtes Ziel waren es, die ‚Gifte‘ meiner Seele zu entziehen. Abgesehen davon, dass es für mich schwer war, einzusehen, dass sich da überhaupt ‚Gifte‘ befanden, war dieser Prozess deutlich aufwendiger und langwieriger als der Entzug. Auch dabei ging es nur durch das konsequente verbale Herauslassen all dessen, was sich in diesem ‚Organ‘ befand. Und Joe ließ dabei nicht locker. Er fragte mich nicht platt aus, wie in einem Polizeiverhör, nein, er sog regelrecht alles, was sich in meiner Seele befand, was mein Gehirn umsetzen und mein Sprechorgan in Worte fassen konnte, aus mir heraus, als hätte er dort eine Tauchpumpe angesetzt. Es kam dabei viel Zeugs hervor, was ich im Traum nicht vermutete, was darin hätte sein können, aber natürlich auch die ganzen Frauengeschichten, speziell der Damen, mit denen ich über die Escort-Agentur Kontakt hatte. Scheinbar, ohne dass es ihn irgendwie schockierte, erzählte ich jedes noch so schlüpfrige Detail meiner sexuellen Eskapaden, meiner Empfindungen dabei, dem, was ich glaubte, mein Handeln bei den Frauen auslöste, und alles steuerte auf das Finale mit dieser Susi zu, die mich mittels Drogen gefügig machte, um ihre eigenen sexuellen Gelüste ausleben zu können. Wir arbeiteten an meinem Verfolgungswahn, der nicht in Zusammenhang mit irgendwelchen Drogendealern, denen ich noch Geld schuldig war, zusammenhing. Diese hatte ich de facto niemals kennengelernt, denn Susi bekam als Millionenerbin eines größeren Familienkonzerns ihren Stoff stets diskret nach Hause geliefert. Nein, es war vielmehr die Angst vor dieser Frau, die ihren Koks stets wohldosiert zu sich nahm, offenbar niemals davon abhängig war, nur eben süchtig nach mir, als ihr Opfer, ihren Gespielen, ihren Pekinesen an der Hundeleine, mit dem sie nach Belieben streng verfahren konnte, dem sie seine Ungezogenheiten mit dem Stock austreiben konnte, woran sie sich ergötzte und sich gerne final mit einer Natursekt-Dusche auf meinem Körper erleichterte. Ich dachte immer, in Sachen Sex ist mir eigentlich alles geläufig, sei ich routiniert, der Traum eines Lovers einer jeden Frau, die sich so einen wünschte. Aber zumindest diese Kombi aus Drogenabhängigkeit und devoten Gespielen, der alles über sich ergehen lässt, hat mich wohl so fertig gemacht. Ich machte Fortschritte, fühlte mich langsam besser, sicherer, weniger ängstlich, gewann Selbstbewusstsein hinzu. Ich sollte zukünftig für die Therapie zu ihm nach Hause kommen. Wir trainierten die zwei Kilometer Wegstrecke ein paarmal, dann ging ich eines Morgens den Weg allein zu ihm. War auch kein so großes Problem. Wetter war gut, der Weg ging durch Wohnstraßen und einen kleinen Park, dann stand ich vor dem Tor einer großen alten Villa. Auf einem schönen Messingschild stand sein Name, darunter „Psychologe“ und darunter „Kokain-Therapie“. Ganz klein unten stand noch „Privatpraxis“. Ich fragte mich sowieso schon die ganze Zeit, ob Joe das alles umsonst mit mir macht. Viel später erfuhr ich, dass er sich regelmäßig alle paar Jahre bei Ben ein neues Motorrad kauft und Ben ihm wohl bei der letzten Mühle einen absoluten Freundschaftspreis gemacht hatte, unter der Maßgabe, sich dafür um mich zu kümmern. Ich öffnete die große gusseiserne Tür zum Grundstück und ging einige Meter durch ein fast parkähnliches Grundstück auf die Villa zu. Vor der Portal-ähnlichen Haustür war ein kleines Schild ‚Praxis‘ mit einem Pfeil nach rechts am Haus entlang angebracht. Klar, wenn er da wohnt, will er nicht die ganzen durchgeknallten Ex-Junkies im Wohnbereich rumturnen lassen, von denen so mach einer vielleicht mal schnell irgendwas wertvoll Erscheinendes in der Tasche verschwinden ließ. Eine geschwungene Treppe hinauf zu der Hochparterre stand ich vor der Seitentür mit Aufschrift ‚Praxis‘, die keine Klingel hatte, so öffnete ich sie einfach und trat in einen kurzen Vorflur, ehe ich an eine weitere Tür am Ende des Gangs klopfte und sie, nachdem kein Laut zu hören war, einfach öffnete und hineintrat. Ich stand unmittelbar wohl im Praxiszimmer, einem fast saalähnlichen Raum, alles...




