Jones | Der Eisblumengarten | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

Jones Der Eisblumengarten


1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7336-5160-2
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 224 Seiten

ISBN: 978-3-7336-5160-2
Verlag: Fischer Kinder- und Jugendbuch Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Eisblumengarten - Eine zauberhafte Geschichte über die Kraft der Freundschaft und Phantasie Jess ist ein Mondscheinkind, gefangen in einer Welt der Dunkelheit. Ihre lichtempfindliche Haut hindert sie daran, ein normales Leben zu führen. Doch eines Nachts entdeckt sie einen magischen Garten aus Eis und trifft Owen, einen Jungen aus Eis. Eine wunderbare Freundschaft beginnt, die Jess auf unerwartete Weise heilt. Aber als der Eisblumengarten zu schmelzen droht und auch Owen immer schwächer wird, muss Jess erkennen, dass nur sie ihren Freund retten kann - indem sie das kostbare Geschenk zurückgibt, das er ihr gemacht hat. Der Eisblumengarten ist eine berührende Geschichte über die heilende Kraft der Phantasie, in der Traum und Wirklichkeit miteinander verschmelzen. Guy Jones erzählt eine bewegende und hinreißende Geschichte voller Magie, Abenteuer und der Sehnsucht nach Freundschaft - manchmal lustig, manchmal traurig, aber immer brillant und schön. Ein zarter und zugleich kraftvoller Roman, der Leser ab 10 Jahren in seinen Bann ziehen wird.

Guy Jones wurde in Botswana geboren, wuchs in Bedfordshire, England, auf und lebt heute mit seiner Frau und Stieftocher in St. Albans, England. Er verbrachte ein Jahrzehnt damit, fürs Theater zu schreiben, bevor er mit »Der Eisblumengarten« sein erstes Kinderbuch schrieb, das die englischen Leser sofort begeisterte.
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5


Jess lag im Bett und hörte das arthritische Knacken der Stufen, als ihre Mutter hochkam, um ebenfalls schlafen zu gehen. Ein paar Minuten später erlosch der Lichtschein unter der Tür von Jess’ Zimmer, doch sie wartete weiter. Durch die Bäume vor ihrem Fenster fiel Licht von der Straße herein und warf Schatten an die Wand.

Erst als sie sich ganz sicher war, dass das Haus tief und fest schlief, schlüpfte sie wieder aus dem Bett und zog sich Jeans und ein T-Shirt an. Auf den Zehenspitzen schlich sie nach unten und blieb erst an der Haustür kurz stehen, weil sie nicht glauben konnte, was sie da tat.

Bei der Erinnerung an Doktor Stannards Stimme zuckte Jess zusammen. Doch dann schloss sie die Haustür auf und ging entschlossen hinaus auf die Straße. Ihr Magen entkrampfte sich etwas, und plötzlich war sie nichts weiter als ein normales Mädchen in normaler Kleidung, das tun konnte, was immer ihm Spaß machte. Ihr Herz begann zu rasen, und sie konnte nicht verhindern, dass sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht ausbreitete. Ich tu’s dachte sie, ich tu’s wirklich!

Die Nachtluft war suppig und warm, doch Jess fröstelte, als eine leichte Brise über ihre nackten Arme strich. In den Wintermonaten machte ihre Mutter oft einen Spaziergang mit ihr, wenn es dunkel war, doch im Sommer, wenn die Sonne erst unterging, wenn Jess bereits im Bett sein musste, war ihr dieses Glück nicht vergönnt. Jess hatte argumentiert, dass für sie keine normalen Regeln gelten dürften, doch ihre Mutter hatte Doktor Stannard dazu befragt, der ihr daraufhin einen Vortrag über die Vorzüge von geregelten Schlafenszeiten gehalten hatte.

Sie blickte zu ihrem Haus zurück, das genauso aussah wie alle anderen Häuser in dieser Straße. Zwei Stufen führten zu einer schwarzen Haustür, über der zwei Fenster im oberen Stockwerk wie ein Augenpaar auf sie herabblickten. Das linke Fenster gehörte zum Zimmer ihrer Mutter. Was, wenn sie aufwacht? dachte Jess bestürzt. Klar, sie könnte wieder hineingehen, das wäre ganz leicht, aber hier draußen gab es eine ganze Stadt, die sie immer nur durch die getönten Autofenster oder durch die orangefarbene Brille ihrer Montur gesehen hatte. Und noch schlimmer war die Art, wie die Stadt sah – als ein merkwürdiges Wesen, das man anstarren und über das man tuscheln konnte.

Sie atmete langsam und tief aus und marschierte dann los. Ihre Straße war ein schmales Asphaltband zwischen roten Backsteinhäusern, an dessen Ende es einen Tante-Emma-Laden gab. Das leuchtend blaue Ladenschild, das vermutlich fröhlich aussehen sollte, wirkte in Wirklichkeit irgendwie nur armselig.

Das ist weit genug, sagte sie sich. Es war mitten in der Nacht, deshalb musste es weit genug sein. Und doch ging sie weiter, durch ein Labyrinth von Häusern, bis sie schließlich in der Hauptstraße ankam. Der Trommelwirbel in ihrem Kopf wurde immer schneller und lauter, je größer ihre Aufregung wurde.

Die Geschäfte in der Hauptstraße schliefen allesamt, ihre Rollläden sahen wie geschlossene Augenlider aus, auf denen sich matt die Straßenlaternen spiegelten. Jess wusste, dass es hier tagsüber von Menschen wimmelte, doch nachts war die Stadt ein ganz anderer Ort. Abfälle in allen möglichen Farben verstopften die Rinnsteine, und in der Luft hing der schwere Geruch von Frittiertem und Essig.

Sie wunderte sich nicht, dass sie angestarrt wurde – dass ein Mädchen nachts allein durch die Gegend spazierte, war schließlich eher ungewöhnlich, und außerdem war sie recht klein für ihr Alter. Ein Pärchen mittleren Alters, Hand in Hand, blieb stehen, und einen Moment lang hatte Jess Angst, sie würden sie fragen, wo ihre Eltern wären. Doch sie ging unbeirrt weiter, so, als hätte sie jedes Recht der Welt, hier zu sein, obwohl sie sich innerlich schrecklich klein fühlte. Als sie an dem Pärchen vorbeiging, merkte sie, dass dessen Blicke von ihr abglitten. Sie lächelte vor sich hin. Alles in Ordnung. Sie war praktisch unsichtbar.

Die Weston Road führte abwärts, von der Hauptstraße hinunter in den besseren Teil der Stadt. Auf der einen Seite standen große Häuser, auf der anderen Seite gab es nur ein Geländer. Dahinter war ein Abhang, auf dem vereinzelt niedrige Bäume und Sträucher wuchsen. Ein Weg führte hinunter zu einem Park, in dem die Straßenlaternen seltsame Formen auf das graue Gras warfen. Ein kleiner See glänzte wie ein silbrig-schwarzer Spiegel.

Jess stützte sich auf das Geländer, das in der schwülen Luft erfrischend kühl war. Von hier aus konnte sie einen nur spärlich beleuchteten Spielplatz sehen, gleich neben den Sportplätzen. Um diese Zeit war hier nichts los. Die Metallgeräte waren so blank wie von der Sonne ausgebleichte Tierknochen, die irgendwo in der Wüste gestrandet und vergessen worden waren.

Das Tor quietschte, als sie es aufschob und dann den Zickzackweg hinunterging. Auf dem Spielplatz angekommen, setzte sie sich auf eine der Schaukeln und holte Schwung, um durch die Luft zu fliegen, und immer wenn ihre Schuhe über den Boden streiften, wirbelte Staub auf. Besser als nichts, dachte sie und fand, dass das Schaukeln im Schein einer Laterne sie ein kleines bisschen für das entschädigte, was sie tagsüber versäumte.

Es war kinderleicht, sie sich vorzustellen – die Kinder vom Tag. Jess sah sie genauso mühelos vor sich wie die Figuren ihrer Geschichten, und sie begann, laut zu reden. Sie schilderte die Szene, die sie vor ihrem geistigen Auge sah, so flüssig, als würde sie aus einem Buch vorlesen. Dort, auf der Wippe, ein Bruder und eine Schwester – ganz offensichtlich Zwillinge. Die Frau neben ihnen war mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Mutter, denn alle drei hatten ähnlich dicke, schwarze Haare. Die Mutter musste zur Seite springen, als zwei kleine Jungs an ihr vorbeiflitzten und dabei Geräusche wie ein Polizeiauto machten. Die Frau verzog den Mund und sah ihnen kopfschüttelnd nach.

Auf der anderen Seite wurde ein indisches Mädchen, das über das ganze Gesicht strahlte, am Klettergerüst von einem jüngeren blonden Mädchen angefeuert, sich noch weiter hoch zu wagen; ein Vater versuchte vergeblich, ein schreiendes Kleinkind auf die Rutsche zu setzen; drei Mütter saßen nebeneinander auf einer Bank und hatten je ein Auge auf ihr Handy, das andere auf ihren Sprössling gerichtet. Die Rufe, Schreie und das Lachen verschmolzen zu einer herrlichen und bizarren Geräuschkulisse. Auf dem Spielplatz herrschte ein lebendiger, wundervoller, chaotischer Trubel.

Und dann war es plötzlich vorbei. Der Spielplatz war einfach nur dunkel und leer. Die Ketten der Schaukeln klickten und quietschten in der leichten Brise. Jess war verstummt.

Als sie noch klein gewesen war, hatte ihre Mutter andere Kinder eingeladen, die mit ihr spielen sollten, doch es war immer schwierig gewesen. Es war nicht leicht, mit einem kleinen Mädchen befreundet zu sein, das nicht ins Freie und nicht zur Schule gehen konnte. Jess erinnerte sich noch gut an den Tag, an dem das alles ein jähes Ende gefunden hatte, nämlich als ihre beiden vermeintlichen Freundinnen sagten, sie hätten ein Lied für sie gemacht. Jess hatte sich mächtig gefreut und mit strahlenden Augen darauf gewartet, dass sie ihr dieses Lied vorsangen.

Die komische Jess darf nicht raus,

immer bleibt sie im Haus.

Die komische Jess versteckt sich daheim,

und so wird es immer sein.

Immer und immer wieder hatten sie ihr diesen Vers vorgegrölt, bis salzige Tränen über Jess’ Wangen liefen. Glücklicherweise hatte ihr Schluchzen dann endlich ihre Mutter herbeieilen lassen.

Nach diesem Tag hatten sich zwei Dinge verändert: Es waren keine Kinder mehr zum Spielen zu ihr gekommen, und Jess hatte nie wieder vor Fremden geweint.

Kinder wie sie kommen zum Spielen hierher, dachte sie nun. Sie haben bestimmt schon an diesen Geräten herumgeturnt. Aber nie mitten in der Nacht, wie sie es tun musste. Sie sahen einen ganz anderen Spielplatz als sie.

Plötzlich ein Geräusch. Jess hielt inne und spitzte die Ohren. Nichts. Da war nichts, und doch setzte in ihrem Hinterkopf ein neuer Trommelwirbel ein, der sich verdächtig nach »Hier stimmt etwas nicht, hier stimmt etwas nicht anhörte. Jess rutschte von der Schaukel und starrte auf den schmalen, von Bäumen gesäumten Pfad, der zur Hauptstraße hinaufführte.

Das war ihr Nachhauseweg. War dort oben etwas, das nur darauf wartete, sich auf sie zu stürzen? »Hier stimmt etwas nicht, hier stimmt etwas nicht ging der Trommelwirbel weiter. Ihr Nacken prickelte, und sie bekam eine Gänsehaut, als wenn ihr ein eisiger Luftzug ins Gesicht blasen würde.

Es könnte alles Mögliche sein. Ein Fuchs oder ein Kaninchen. Oder ein … ein Etwas. Etwas, das sich versteckt hat und mich beobachtet.

Das war zu viel für sie – Panik erfasste sie wie eine Sturzwelle, die ein Boot überspülte, und sie blickte sich hektisch um und suchte nach einem anderen Weg, um wieder nach Hause zu kommen. Der Spielplatz war von dicht stehenden Nadelbäumen umgeben. Wenn sie sich zwischen ihnen durchdrückte, könnte sie über die Sportplätze rennen und auf der anderen Seite wieder nach oben laufen. Jess suchte, bis sie eine schmale Lücke entdeckte, durch die sie sich zwängen konnte.

Der strenge Geruch der Tannen drang ihr in Nase und Mund, als wenn sich die Bäume in ihrer eigenen Sprache zurufen würden, dass ein Eindringling in ihrer Mitte war. Dunkle grüne Äste kratzten und kitzelten...


Jones, Guy
Guy Jones wurde in Botswana geboren, wuchs in Bedfordshire, England, auf und lebt heute mit seiner Frau und Stieftocher in St. Albans, England. Er verbrachte ein Jahrzehnt damit, fürs Theater zu schreiben, bevor er mit 'Der Eisblumengarten' sein erstes Kinderbuch schrieb, das die englischen Leser sofort begeisterte.

Guy JonesGuy Jones wurde in Botswana geboren, wuchs in Bedfordshire, England, auf und lebt heute mit seiner Frau und Stieftocher in St. Albans, England. Er verbrachte ein Jahrzehnt damit, fürs Theater zu schreiben, bevor er mit 'Der Eisblumengarten' sein erstes Kinderbuch schrieb, das die englischen Leser sofort begeisterte.



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