E-Book, Deutsch, Band 2, 293 Seiten
Reihe: Club Noir
Jones Blutnächte
2. Auflage 2016
ISBN: 978-3-86495-250-0
Verlag: Plaisir d'Amour Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 2, 293 Seiten
Reihe: Club Noir
ISBN: 978-3-86495-250-0
Verlag: Plaisir d'Amour Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Andrew McCloud, dem bislang die Führung der Brüsseler Vampir-Bar "Club Noir" oblag, übergibt die Leitung des Clubs dem mächtigen Vampir Pascal. Insgeheim belächelt Pascal Andrews Liebe zu einer Frau, denn er selbst hält sich Frauen gegenüber für gefühlskalt. Das ändert sich allerdings, als die temperamentvolle Psychologie-Studentin Isabella auf den Spuren des Vampir-Mythos im "Club Noir" auftaucht. Sie gerät in die Fänge des verräterischen Vampirs Pierre, der Andrews Abwesenheit für seine düsteren Spiele nutzt. Nicht genug, dass Isabella plötzlich zum Auslöser eines Machtkampfes wird, obendrein muss sie sich eingestehen, wie sehr sie sich doch von der Nacht – vor allem aber von Pascal – angezogen fühlt ...
Neuauflage der Fortsetzung von "Club Noir" und "Michelles Verführung".
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Kapitel 2
Nachforschungen „Du hast doch nicht ernsthaft vor, dorthin zu gehen?“ Louisa bedachte ihre Freundin mit einem zweifelnden Blick. Mit den runden Gläsern ihrer Brille und dem festen Haarknäuel auf ihrem Oberkopf wirkte sie wie eine strenge Lehrerin. Das genaue Gegenteil der zierlichen und energischen Isabella, deren schwarze, offen getragene Haare ihr einen Hauch von Exotik verliehen. Nun wippte die lange Mähne unkontrolliert unter den hastigen Schritten der jungen Frau. „Warum nicht?“ Isabella redete, ohne innezuhalten. „Du hast doch selbst gesagt, es wäre die beste Möglichkeit, um den Dingen auf den Grund zu gehen.“ Abrupt kam sie vor einem der riesigen Regale der Universitätsbibliothek zum Stehen. Ihre Finger glitten über die Buchreihe. Ziellos. Es schien unmöglich, auf diese Weise überhaupt nur annähernd das zu finden, wonach Isabella suchte. Dennoch zog sie schon im nächsten Augenblick einen grauen Folianten mit schwarzer Aufschrift heraus. „Aber das habe ich doch nicht ernst gemeint! Isabella!“ Louisa ergriff die Freundin am Arm. Die beiden Frauen sahen sich an. „Glaubst du denn wirklich, dass sich irgendwo öffentlich in Brüssel echte Vampire treffen? Wenn es an diesem Ort tatsächlich etwas zu entdecken gibt, dann sicherlich nur einen Haufen Verrückter.“ Isabella machte sich von ihr frei. Das Gerede beeindruckte sie nicht im Geringsten. Stattdessen schlug sie das Buch auf und blätterte wie wild darin. „Alles im Leben wird mit Blut besiegelt“, setzte sie wie zu einem Vortrag an. „Jedes Bündnis in früheren Zeiten. Es muss sie schon damals gegeben haben. Es hat sie schon immer gegeben. Nur hier in Brüssel hat sie noch niemand aufgespürt.“ Wütend klappte sie den Folianten wieder zu. „In diesen verfluchten Büchern steht nicht ein einziger hilfreicher Satz darüber!“ „Isabella“, versuchte es Louisa ein weiteres Mal. „Wer weiß, was dir alles passieren könnte!“ „Ich bin alt genug. Ich kann auf mich aufpassen!“ „Was, wenn nicht? Was, wenn es da wirklich Vampire gibt?“ Louisa zuckte bei dem Gedanken zusammen. Sie fasste sich an die Kehle, als würde sie keine Luft mehr bekommen. „Sie würden dir dein Blut aussaugen. Vielleicht wirst du selbst zu einer von ihnen – einer Untoten. Hast du darüber schon mal nachgedacht?“ Isabella sah sie gelangweilt von der Seite an. „WIR sind untot“, sagte sie lässig. „Nicht tot. Und nicht tot wäre ich auch danach. Was soll mir schon passieren?“ „Du nimmst mich nicht ernst.“ „Nein, tue ich auch nicht.“ Louisa machte einen Schmollmund. Sie lehnte sich gegen das Bücherregal und verschränkte die Arme vor der Brust. „Dann geh doch zu deinen Vampiren und lass dir dein Blut aussagen. Ich werde jedenfalls nicht zu deiner Beerdigung kommen!“ Ihr Anblick war einfach zu komisch. Wie sehr sich Isabella auch bemühte, sie konnte sich das Lachen nicht verkneifen. Da behauptete Louisa mit beiden Beinen fest im Leben zu stehen und keinesfalls an jedwede mystische Begebenheit zu glauben. Aber nun, da es um Vampire ging, bekam sie es plötzlich mit der Angst zu tun und tatsächlich an die sagenumwobenen Wesen zu glauben. „Es wird keine Beerdigung geben.“ Isabella legte ihrer Freundin eine Hand auf die Schulter und drückte sie kurz. „Ich sagte doch schon: Ich werde so oder so nicht tot sein.“ Isabella verharrte vor ihrem offenen Kleiderschrank. Sie legte eine Hand ans Kinn und überlegte, was man sich wohl am besten für die Begegnung mit einem Vampir anziehen sollte. Film und Fernsehen zeigten den Blutsauger jedes Mal in einem düsteren Outfit. Lack, Leder und Latex gehörten zu den bevorzugten Materialien. Farben gab es nicht. Nur schwarz. Und warum auch nicht, fragte sich Isabella. Die Nacht an sich war schwarz. Sie kramte daher einen engen, schwarzen und ärmellosen Overall hervor. Ein einziges Mal hatte sie ihn auf einer Feier getragen. Danach war er, fern jeder Beachtung, in einer dunklen Ecke des Schrankes gelandet. Isabella stellte sich vor ihren Ganzkörperspiegel und hielt sich das Kleidungsstück an. „Genau das Richtige für heute Abend“, entschied sie. Es wirkte sexy, obwohl es kaum Haut zeigte. Daher schlüpfte sie in den Stoff und zog ihn über ihre rotleuchtende Spitzenunterwäsche. Nur mit dem Reißverschluss hatte sie Schwierigkeiten. Er befand sich am Rücken, zog sich vom Po bis hinauf in den Nacken. Sie verdrehte sich den Arm und musste selbst über die alberne Verrenkung lachen, die ihr Spiegelbild zeigte. Nach einem kurzweiligen Kampf war es jedoch vollbracht. Der Overall schmiegte sich perfekt an ihre schlanke Figur. Isabella betrachtete sich ausgiebig im Spiegel. Sie gefiel sich. Sie zwinkerte sich selbst zu, ehe sie noch etwas Rouge und Lippenstift auflegte. „Das genügt.“ Mit einem tiefen Atemzug wandte sie sich ab. Sie griff nach einer kurzen, taillierten Jacke – ebenfalls schwarz – und schlüpfte in ein Paar hochhackige Schuhe. So kurz vor der Umsetzung ihres Vorhabens wurde ihr nun doch etwas mulmig zumute. Ihre Knie fühlten sich weich an. Es gelang ihr kaum, mit den Pfennigabsätzen einen festen Stand zu finden. Sie lehnte sich kurz mit einer Hand gegen die Wand. Vielleicht hätte sie Louisa bitten sollen, mit ihr zu gehen. Allerdings konnte sich Isabella nur allzu lebhaft vorstellen, wie ihre Freundin auf diesen Vorschlag reagiert hätte. Bist du verrückt geworden? Ich? Auf Vampirjagd? Genau das hätte Louisa gesagt, daraufhin eine Schnute gezogen und Isabella für den Rest des Tages keines Blickes mehr gewürdigt. Bei dem Gedanken daran musste sie unwillkürlich lachen. Es half ihr, sich endgültig aufzuraffen und die Wohnung zu verlassen. Was sollte denn schon geschehen? Als sie auf die Straße trat, holte sie aus ihrer Handtasche einen Zettel mit einer Skizze hervor, die den Weg zu einem abgelegenen Winkel von Brüssel zeigte. Dort sollte sich das Heim der Vampire befinden. Ein edler Nachtclub – der „Club Noir“. Alice – eine Kommilitonin – hatte ihr die Beschreibung gegeben. Sie hielt sich des Öfteren in dieser mysteriösen Lokalität auf und schwärmte immer wieder von den vielen gutaussehenden Männern dort. Nach den Worten von Alice sollte es die High Society Brüssels sein. In der Klatschpresse war hingegen nie etwas über einen derartigen Club zu lesen. Auf der letzten ausschweifenden Studentenfeier hatte Alice schließlich in betrunkenem Zustand von Vampiren erzählt. Niemand hatte sie ernst genommen. Bis auf Isabella. Und nun würde sie herausfinden, was sich hinter den wirren Erzählungen ihrer Kommilitonin verbarg. „Wohin gehst du mit mir?“, säuselte Chantal an Pierres Ohr. Ihr stand nicht der Sinn nach einer Entdeckungstour. Viel lieber wollte sie sich amüsieren. Mit ihm. Voller Euphorie schlang sie die Arme um seinen Oberkörper und presste sich fest gegen seine Brust, um seine harten Muskeln ganz deutlich zu spüren. Pierre befreite sich aus ihrer Umklammerung. Er schob sie von sich fort, hielt ihre Arme mit beiden Händen fest und sah sie eindringlich an. „Ich habe doch versprochen, dir die alte Ritual-Stätte der Vampire zu zeigen.“ Chantal stockte der Atem. „Es gibt sie wirklich?“ Ihre Augen weiteten sich. „Sicher.“ Er lächelte düster. „Es gab sie schon die ganze Zeit. Aber leider hat unser verehrter Andrew immer wieder verhindert, dass wir sie aufsuchen. Über die Jahrhunderte hat er es sogar geschafft, uns seine Zuneigung für die Menschen aufzuzwingen. Er hat uns unserer wahren Natur beraubt.“ „Wie konnte ihm das nur gelingen?“ Chantal dürstete nach Pierres Berührungen. Seinen Küssen. Sie wollte nicht verstehen, wovon er da gerade sprach. „Wir sind Sklaven seiner Macht geworden!“ Mit einer ruckartigen, weit ausholenden Geste schleuderte er Chantal ungewollt heftig von sich. Sie stolperte, fing sich aber schon im nächsten Moment an einer der Steinwände ab. Wütend schüttelte sie sich das kinnlange schwarze Haar aus dem Gesicht. Ihre dunklen Augen glühten gefährlich auf. „Ich bin niemandes Sklavin!“, fauchte sie. „Nicht deine – und nicht Andrews!“ Lachend warf Pierre den Kopf in den Nacken. Seine Züge verwandelten sich in die eines Wahnsinnigen. Er musste etwas Grausames im Schilde führen. Dessen war sich Chantal sicher. „Wir alle sollten aufhören, Sklaven zu sein.“ Ein merkwürdiges Vibrieren mischte sich in seine Stimme. Es erfüllte den kühlen, feuchten Kellergang und schien von jeder Wand widerzuhallen. „Wir sollten die alten Zeiten erneut auferstehen lassen, in denen wir Vampire die Herrscher waren – und die Menschen unsere Sklaven. Diese Kreaturen!“ Er spuckte aus. „Sie haben uns nichts entgegenzusetzen. Es fehlt ihnen an Stärke. Und an so vielen anderen Dingen. Wir sollten uns nehmen, was uns gehört.“ Mit diesen Worten ging er wieder auf Chantal zu. Er streckte eine Hand aus und berührte ihre Wange. Streichelte sie. Ganz sanft war er, als er sich nun vorbeugte, um sie zu küssen. Chantal ließ ihn gewähren. Sie empfing den sehnsüchtig erwarteten Kuss voller Begierde. Doch er setzte sich viel heftiger fort, als sie geahnt hätte. Pierres Zunge drang mit einem...




