E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: Star Wars
Johnston Star Wars: Ahsoka
Neuauflage 2017
ISBN: 978-3-8332-3479-8
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Reihe: Star Wars
ISBN: 978-3-8332-3479-8
Verlag: Panini
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ahsoka Tano war einst eine loyale Padawan Anakin Skywalkers, die ihr Leben dem Dienst am Jedi-Orden verschrieben hatte. Doch dann zwang der ruchlose Imperator Palpatine die Galaxis unter sein Joch und die Jedi wurden gnadenlos abgeschlachtet. Ahsoka suchte Zuflucht auf dem entlegenen Farmermond Raada und versuchte abseits von allem ein normales Leben zu führen. Aber Ahsoka kann ihrem Schicksal nicht entfliehen. Als imperiale Truppen Raada besetzen, muss die ehemalige Padawan eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die alles aufs Spiel setzt, was ihr lieb und teuer ist, aber gleichzeitig auch eine neue Hoffnung bedeutet ...
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1. KAPITEL
Sie war allein – etwas, wozu sie eigentlich so gar nicht bestimmt war. Ihr Volk war ihr Stamm, Blut und Bande, und ihre Gabe, die Macht zu nutzen, schenkte ihr Brüder und Schwestern aus allen Spezies der Galaxis. Selbst nachdem sie dem Jedi-Tempel den Rücken gekehrt hatte, konnte sie die anderen immer noch fühlen, wenn ihr der Sinn danach stand – sie waren wie Ebbe und Flut in der Macht, die sie umgab.
Allerdings wollte sie die anderen jetzt nicht fühlen.
Tatsächlich war ihr die Einsamkeit im Augenblick wesentlich lieber. Wenn sie allein war, musste sie keine Entscheidungen treffen, die Auswirkungen auf irgendjemand anderen als sie selbst hatten. Sie konnte selbst bestimmen, ob sie einen defekten Motivator reparierte oder nicht, ob sie aß oder nicht, ob sie schlief oder nicht – ob sie träumte oder nicht.
Sie versuchte, so wenig zu träumen wie möglich, doch das erwies sich an diesem bestimmten Tag als schwierig. Denn heute war Imperiumstag. Überall in der Galaxis, vom Kern bis zum Outer Rim – wenn auch hier vielleicht nicht ganz so enthusiastisch wie anderswo –, gab es Festivitäten im Gedenken daran, wie Imperator Palpatine ihnen Recht und Ordnung brachte. Dies war das erste Mal, dass dieses Fest begangen wurde, schließlich war das neue Imperium erst ein Jahr alt, doch allein der Gedanke daran, diesen Tag zu feiern, erfüllte sie mit Abscheu. Tatsächlich war er ihr aus einem vollkommen anderen Grund im Gedächtnis geblieben, der mit Frieden nicht das Geringste zu tun hatte.
Heute vor einem Jahr hatte Mandalore gebrannt, und obwohl sie, Rex und die anderen den Großteil des Planeten retten konnten, war ihr Triumph unmittelbar darauf mit solcher Gewalt zunichtegemacht worden, dass Ahsoka es kaum ertragen konnte, auch nur daran zu denken. Also tat sie es nicht.
„Ashla!“ Die Stimme war laut und fröhlich und riss sie aus ihren Erinnerungen. „Ashla, du verpasst die Parade!“
Im Outer Rim zu leben, hatte seine Vorzüge. Die Bevölkerung auf den meisten Planeten war klein und nicht sonderlich organisiert, was es einfacher machte, mit einem Decknamen zu leben. Außerdem hatte sie so keine Probleme, sich von den Haupthyperraumrouten fernzuhalten. Auf den meisten Planeten im Outer Rim gab es nichts, was interessant genug gewesen wäre, um die Aufmerksamkeit des Imperiums zu erregen, und Aufmerksamkeit zu erregen, war das Letzte, was Ahsoka wollte.
Womit sie nicht gerechnet hatte, war die Aufmerksamkeit, die ihr vonseiten ihrer Nachbarn, den Fardis, zuteilwurde, einer einheimischen Familie, die ihre Finger in allem drin zu haben schienen, was auf Thabeska vonstattenging. Die Fardis nahmen Ahsoka unter ihre Fittiche – jedenfalls so sehr, wie es ihnen angesichts des Umstands möglich war, dass Ahsoka stets eine gewisse Distanz zu ihnen wahrte. Denn auf ihre eigene Art und Weise trauerte sie noch immer, und es half, wenn sie sich einredete, dass sie keine neuen Freunde und keine neuen Verbindungen wollte.
Thabeska gefiel ihr. Hier war es staubig und ruhig, doch es gab genügend Neuankömmlinge, dass sie nicht weiter auffiel. Der Planet trieb schwunghaften Handel mit Wasser und Technologie, jedoch nicht in größerem Maßstab. Selbst die Schmuggeloperationen – größtenteils Luxusgüter und importierte Nahrungsmittel – blieben auf eine relativ kleine Zahl von Leuten beschränkt. Kein Pirat, den Ahsoka kannte, der etwas auf sich hielt, hätte sich dafür hergegeben. Damit war Thabeska für „Ashla“ der ideale Ort für ihr neues Zuhause.
„Ashla, bist du da drin?“, rief das Mädchen draußen erneut. Zu fröhlich, dachte Ahsoka mit einem Kopfschütteln. Selbst wenn man der Propaganda Glauben schenkte, war der Imperiumstag nicht so aufregend. Die Mädchen führten irgendetwas im Schilde und wollten, dass sie es wusste.
Ahsoka erwog ihre Möglichkeiten. Sie war dafür bekannt, allein durch die Ebenen zu streifen. Dort gab es nichts Gefährliches, und schon gar nichts, vor dem sie sich hätte in Acht nehmen müssen. Dementsprechend konnte sie einfach in aller Ruhe hier sitzen bleiben und so tun, als sei sie nicht zu Hause, und wenn sie später irgendjemand danach fragte, wo sie gewesen war, würde sie einfach behaupten, sie habe einen Spaziergang gemacht.
Sie stand auf und durchquerte ihre winzige Hütte, die nicht schick genug war, um mehrere Räume (oder auch nur Raumteiler) zu besitzen, doch eines der Dinge, auf die einen das Aufwachsen im Jedi-Tempel vorbereitete, war Enthaltsamkeit. Wenn Ahsoka keinen Besitz hatte, musste sie weniger mitnehmen, wenn es Zeit wurde, zu verschwinden. Doch obwohl sie den leeren Waffengürtel nicht trug, den sie behalten hatte, ertappte sie sich häufig dabei, wie sie daran dachte.
Die stumme Warnung in der allzu offen zur Schau gestellten Heiterkeit, mit der die Mädchen nach ihr riefen, war ihr nicht entgangen, doch sie brauchte mehr Details. Und die einzige Möglichkeit, die zu bekommen, bestand darin, die Tür zu öffnen.
„Ich komme ja schon, ich komme ja schon!“, sagte sie, in der Hoffnung, enthusiastisch zu klingen.
Ahsoka war dem Fardi-Clan bei den Schiffswerften begegnet, unmittelbar nach ihrer Ankunft auf dem Planeten. Von dort aus organisierten sie die meisten Transporte, sowohl die legalen als auch die übrigen. Normalerweise wäre Ahsoka ihnen nach besten Kräften aus dem Weg gegangen, doch dummerweise liefen die Jüngeren ihr hinterher wie kleine Entlein, und bislang hatte sie einfach nicht die Gehässigkeit aufbringen können, sie fortzuschicken. Als sie jetzt die Tür aufmachte, sah sie sich gleich vieren von ihnen gegenüber, die zu ihr aufblickten, und dahinter noch zwei der älteren Mädchen. Die Älteren wirkten nicht ganz so sorglos wie die Jüngeren. Sofort versteifte Ahsoka sich, ehe sie sich zwang, sich wieder zu entspannen. Sie streckte ganz behutsam ihre Machtsinne aus, doch falls es irgendetwas zu realisieren gab, war es zu schwach oder noch zu weit entfernt, als dass sie es hätte wahrnehmen können.
„Ashla, du musst sofort mitkommen“, sagte das älteste Mädchen. Die Fardi-Kinder waren so zahlreich, dass Ahsoka Mühe hatte, sich an all ihre Namen zu erinnern. Sie blickte auf sie hinab und hatte das nagende Gefühl, irgendetwas zu vergessen.
„Genau!“, sagte einer aus der Kinderschar. „Dad hat hohe Besucher, die ganz scharf darauf sind, neue Leute kennenzulernen, und du bist neu, deshalb solltest du unbedingt mitkommen! Wenn du willst, kannst du bei der Parade und der Flugschau bei uns sitzen.“
Auch nach einem Jahr auf diesem Planeten – und ungeachtet des Umstands, dass sie noch nie länger irgendwo verweilt hatte, seit sie Anakin Skywalkers Padawan geworden war – war Ahsoka immer noch „die Neue“.
„Momentan sind eine Menge Schiffe in der Werft“, sagte das älteste der Mädchen vorsichtig, als fürchte es, jemand könne jedes seiner Worte belauschen. „Wegen der Flugschau. Die Leute kommen von überall her, und die Sicherheitsvorkehrungen sind die reinste Katastrophe, da sie alles zu protokollieren versuchen. Das totale Chaos.“
Hier draußen bedeutete „hoher Besuch“ Leute in sauberer Kleidung. Selbst die wohlhabenden Fardis waren stets mit einer Schicht des Staubs bedeckt, der von den Ebenen herüberwehte. Ahsoka stellte sich die scharfen Falten und gedämpften Farben imperialer Uniformen vor, die auf Thabeska einigen Eindruck schinden würden.
Ahsoka wusste, was die Fardis tun würden. Sie mussten ihre legalen Geschäfte schützen, ganz zu schweigen von all den Mitgliedern ihrer riesigen Familie. Deshalb würden sie den Imperialen alles sagen, was sie wissen wollten, und Ahsoka konnte es ihnen nicht einmal verübeln. Offensichtlich war der Eindruck, den sie bei den Fardis hinterlassen hatte, gut genug, dass die Kinder gekommen waren, um sie vor dem „hohen Besuch“ zu warnen und ihr den Tipp mit der Schiffswerft zu geben. Mehr konnte Ahsoka nicht verlangen.
„Warum geht ihr nicht schon mal vor?“, sagte sie und nickte den älteren Mädchen ernst zu. Sie hatte keine Ahnung, ob ihre Eltern wussten, dass sie hier waren, doch Ahsoka wollte ihnen deutlich machen, dass sie das Risiko zu schätzen wusste, das die Mädchen dadurch auf sich nahmen, dass sie hergekommen waren. „Haltet mir einen Platz frei, während ich ein bisschen klar Schiff mache. Ich habe heute Morgen ein wenig verschlafen, und so kann ich schließlich unmöglich auf die Imperiumstagsparade gehen.“
Sie deutete auf ihre Kleider, die – wie jedermann wusste – die Einzigen waren, die sie besaß, sodass ihre Ausrede genügte, um ihren Zweck zu erfüllen.
Die Kleinen flehten sie im Chor an, sie solle sich beeilen, versprachen aber, ihr einen Platz zu reservieren. Die beiden ältesten Mädchen schwiegen und trieben ihre Geschwister dann wieder in Richtung Ortsmitte davon. Ahsoka sah nicht zu, wie sie sich entfernten. Sobald sich die Kinder umgedreht hatten, schloss sie die Tür und nahm sich einen Moment Zeit, um sich zu sammeln.
Es gab nicht viel zu packen. Abgesehen von dem Bett und der dicken Sitzmatte, die sie Gästen angeboten hätte, wenn sie jemals welche gehabt hätte, war der einzelne Raum leer. Sie rollte die Matte zur Seite und legte so das kleine Geheimfach frei, in dem sie ihre bescheidene Barschaft und ihren Blaster versteckt hielt. Sie warf alles in einen Beutel und streifte sich eine knappe Kapuze über, die ihr Gesicht verbergen würde. Sie würde sich in Bälde eine neue besorgen müssen: Ihr Kopf war erneut gewachsen und ihre Montrals waren mittlerweile schon fast zu groß für die Kapuze.
Als sie zum...




