Jöst | Die Oma und der Punk | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 343 Seiten

Reihe: Die Oma und der Punk

Jöst Die Oma und der Punk

Kriminalroman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-95824-792-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Kriminalroman

E-Book, Deutsch, Band 1, 343 Seiten

Reihe: Die Oma und der Punk

ISBN: 978-3-95824-792-5
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Für manche Abenteuer ist man nie zu alt! 'Die Oma und der Punk' von Simone Jöst jetzt als eBook bei dotbooks. Oma Emma hat die Nase voll! Erst vertreibt ihre geldgeile Familie sie aus ihrer Villa und nun soll sie in dieser 'Seniorenresidenz' versauern. Kurz entschlossen haut sie ab - und trifft Jule, eine ... nun ja, extrovertierte junge Frau mit bunten Rastalocken und schweren Stiefeln. Mangels Alternativen folgt Emma ihr in deren WG. Schlimmer kann das alles ohnehin nicht mehr werden, glaubt sie. Falsch gedacht! Denn Jule nimmt es mit Recht und Ordnung nicht immer ganz genau und so schlittern die beiden von einem Abenteuer ins nächste. Flippig, rasant, spannend: Das coolste Krimi-Duo seit Langem! Jetzt als eBook kaufen und genießen: 'Die Oma und der Punk' von Simone Jöst. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Simone Jöst lebt im Odenwald. Beflügelt von der Lust, sich ständig neue Geschichten auszudenken, stolperte sie beinahe zufällig in das Krimigenre. Seitdem publizierte sie zahlreiche Krimi-Kurzgeschichten und arbeitete als freie Mitarbeiterin in einem kleinen Verlag. Sie ist Herausgeberin diverser Krimianthologien und liebt nichts mehr als schwarzen Humor und weiße Schokolade. Bei dotbooks veröffentlicht sie: »Die Oma und der Punk« »Die Oma und der Punk auf heißer Spur« »Die Oma und der Punk - Gestorben wird später« Die Website der Autorin: www.simonejoest.de
Jöst Die Oma und der Punk jetzt bestellen!

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Mittwoch


Im Fernsehen sah das ganz einfach aus. Der Held schwingt sich mit Leichtigkeit über das Balkongeländer, springt geschmeidig zwei Meter in die Tiefe und landet auf den Füßen oder rollt sich elegant ab. Emmas müde Gelenke hielten einem solchen Sprung nicht mehr stand. Ihre Flucht aus dem Seniorenheim bedurfte einer etwas längeren und gründlicheren Planung.

Der Mond blinzelte durch die Baumkronen im Park und zeichnete bizarre Schatten an die Fassade der Seniorenresidenz. Emma stand auf ihrem Balkon, tippelte mit den Fingerspitzen nervös auf die Lehne eines verblichenen Plastikstuhls und überlegte. Ihr Vorhaben war aberwitzig und weit weg von allem, was man Vernunft nannte.

Auf dem Rücken trug sie den pinkfarbenen Rucksack ihrer Enkelin. Trixi hatte ihn vergessen, als sie mit ihrer Mutter einen dieser scheinheiligen Pflichtbesuche gemacht hatte. Der Beutel war klein und leicht genug, um darin die nötigsten Dinge wie Geld und Pass zu verstecken. Das Mädchen wird den Verlust nicht lange bedauert haben. So, wie Emma ihre Schwiegertochter kannte, hatte sie Trixi bestimmt schon einen Ersatz in der Stadt gekauft.

Eine kühle Brise blies durch Emmas graues Haar. Zwei Bettlaken, die sie heimlich aus der Wäschekammer entwendet hatte, knotete sie mit größter Sorgfalt an ihren Enden zusammen und zerrte daran, um sicherzugehen, dass sie sich nicht voneinander lösten. Dann zog sie die Verandatür ihres Zimmers von außen zu und lauschte in die Nacht. Die Blätter der Pappeln wirbelten im Wind, rauschten sanft und untermalten das Tremolo ihres Herzschlags. Die Melodie der Panik, dachte Emma und wischte sich mit dem Handrücken über die Stirn.

»Jetzt nur Ruhe bewahren, altes Mädchen«, sprach sie sich Mut zu und fädelte die Laken um eine der eisernen Stangen des Balkongeländers, bis beide Enden gleich lang und lose nach unten in den Park baumelten. Später, wenn sie unten angekommen war, musste sie die Tücher nur noch hinabziehen und mitnehmen, um die Spuren ihrer Flucht zu beseitigen. Wenn das Pflegepersonal ihr Fehlen am nächsten Morgen bemerkte, würde zuerst das Gebäude nach ihr abgesucht werden, denn die Ausgänge waren nachts verschlossen und videoüberwacht. Irgendwann, wenn sogar die Suche in der Parkanlage vergebens bliebe, müsste sich die Heimleitung eingestehen, dass die alte Dame spurlos verschwunden war. Zu diesem Zeitpunkt würden sie dann aller Wahrscheinlichkeit nach Emmas Sohn Konstantin benachrichtigen und vielleicht auch noch die Polizei. Bis dahin blieb ihr genügend Zeit unterzutauchen.

Soweit die Theorie. Der schwierigste Teil ihres Abenteuers bereitete ihr viel mehr Sorgen. Sie musste über das Balkongeländer steigen. Für eine ältere Dame ohne sportliche Ambitionen, dafür mit Arthrose in den Gelenken, war das eine große Herausforderung. Um ihre altersbedingte Restmobilität voll ausschöpfen zu können, hatte sie sich zu diesem Anlass die erste Jeans ihres Lebens gekauft. Die Kinnlade der Verkäuferin war schier zu Boden geklappt, als Emma sich lauthals über ihren noch einigermaßen knackigen Hintern darin freute und sich vor dem Spiegel im Laden drehte.

Emma bekreuzigte sich und schaute nach links und rechts durch die Parkanlage. Es war niemand zu sehen. Die Lichter in den Zimmern ihrer Mitbewohner waren längst erloschen. Die Nachtschwester hatte den letzten Rundgang vor einer halben Stunde beendet und sich wie jede Nacht in die kleine, verqualmte Kaffeeküche zurückgezogen. Nur das Schnarchen von Oma Krause aus dem Nachbarzimmer drang mehr oder minder leise durch das gekippte Fenster nach draußen.

Emma spürte ein Kribbeln in ihrem Bauch und fühlte sich genau wie damals, als sie 13 war und der pickelige Nachbarsjunge den Romeo vor ihrem Zimmerfenster gab, während ihr Vater nebenan fernsah. Ihre Hände waren feucht. Sie umklammerte das Geländer und hob ihr rechtes Bein langsam hinüber, denn heute war sie definitiv keine 13 mehr, und ihre Knochen ächzten. Als sie rittlings auf der Brüstung saß, mit einem Bein bereits in der Freiheit und dem anderen noch in der Hölle, strauchelte sie und verlor beinahe das Gleichgewicht. Emma verfluchte ihren idiotischen Plan. Wenn sie abstürzte und sich die Knochen brach, würde sie dort unten auf dem Rasen liegen bleiben, bis jemand sie fand, und dann musste sie nicht nur weiterhin in diesem Heim ausharren, sondern sie untermauerte damit selbst die Behauptung ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter, dass sie unzurechnungsfähig sei. Allein der Gedanke an die beiden gab Emma neuen Mut zur Flucht.

Vorsichtig hob sie das andere Bein über das Geländer, als ob sie von einem Fahrrad stiege. Sie suchte mit den Fußspitzen auf der Abflussrinne an der Außenseite des Balkons nach Halt. Schweiß stand ihr auf der Stirn, und die Finger wurden rutschig. Vorsichtig ging sie in die Hocke, fuhr mit den Händen an den Gitterstäben nach unten und überlegte, wie sie aus dieser Position am besten die baumelnden Enden der Bettlaken zu fassen bekäme. Wie sie es auch drehte und wendete, sie musste eine Hand vom Geländer lösen. Allein der Gedanke daran beschleunigte ihren Herzschlag. Die Arthrose in den Großzehgelenken machte ihr das Stehen auf Zehenspitzen unerträglich, und deshalb probierte sie eine neue Strategie aus. Sie kniete sich auf die nur wenige Zentimeter hervorstehende Bodenplatte des Balkons und versuchte, nach dem Bettlaken zu greifen. Der Abstieg war schwieriger als gedacht. Jetzt musste sie nur noch das Laken unter sich zu fassen bekommen und sich daran abseilen, doch das war leichter gesagt als getan.

Emma verweilte in ihrer misslichen Lage, und jede Sekunde, die sie wartete, bohrte sich die Kante der Steinfliesen tiefer in ihre Kniescheiben. Sie biss die Zähne zusammen und beugte sich seitlich nach unten, bekam den Stoff zu fassen und zog ihn ein Stückchen zu sich empor. Dabei rutschte sie ab und stürzte in die Tiefe. Zum Glück konnte sie die Laken packen und sich daran festklammern. Emma zappelte mit den Beinen, schlang sie nach einigen Fehlversuchen um die Betttücher, was ihr zusätzlichen Halt gab, und schickte ein Stoßgebet in die Dunkelheit. Einen Moment lang baumelte sie mit pochendem Herz am Balkon wie eine Kirchturmglocke.

Emma lauschte, ob irgendjemand sie gehört hatte. Im Haus blieb alles still, keine Stimmen, kein Licht. Ihr Puls beruhigte sich langsam, und sie ließ sich Zentimeter für Zentimeter nach unten gleiten. Ihre Arme verloren an Kraft, und plötzlich war das Laken zu Ende, aber der Boden war noch ein gutes Stück entfernt. Für einen jungen Menschen stellte das kein Problem dar. Ein geschmeidiger Sprung – und die Flucht wäre geglückt. Für einen alten Menschen jedoch eine schier ausweglose Situation, denn Knochenbrüche heilen mit fortgeschrittener Jugendlichkeit nicht mehr so schnell. Emma sah sich bereits mit eingegipsten Knöcheln im Krankenbett liegen. Ihr geldgieriger Sohn nebst Gemahlin würden Blumen vorbeibringen und Mitgefühl heucheln.

Plötzlich packte jemand Emmas Fußgelenke.

»Ich hab dich. Halt dich fest, ich helfe dir.«

Es war die Stimme einer Frau. Zuerst dachte Emma an eine der Pflegerinnen. Doch die würden Alarm schlagen, statt sie aus ihrer misslichen Lage zu befreien, und sie würden sie außerdem nicht duzen. Dankbar nahm Emma die Hilfe an und landete unversehrt auf dem Rasen. Die Laken zog sie mit sich in die Tiefe, denn es sollte keine Beweisstücke ihrer Flucht geben.

»Was war das denn für ein cooler Stunt?«

Emma seufzte.

»Bist du Emma von Stratnitz?«

»Kommen Sie von Herrn Lehmann?«, fragte Emma misstrauisch.

»Nicht so direkt«, antwortete die Frau zögerlich und sah aus, als ob sie nicht wusste, wovon Emma sprach.

»Ausgemacht war, dass er draußen auf der Straße auf mich wartet.«

»Hab mir doch gleich gedacht, dass hier etwas nicht stimmt. Los komm! Wir sollten uns schnellstmöglich aus dem Staub machen. Quatschen können wir später.«

Die Frau, von der Emma im Dunkeln nicht viel erkannte, packte sie am Handgelenk und zog sie mit sich in Richtung Ausfahrt. Emma hatte Mühe, Schritt zu halten, und stolperte. Die Laken klemmte sie sich unter den Arm. Die losen Enden schleiften wie ein weißer Hochzeitsschleier hinter ihr her und verschwanden mit Emma in der dunklen Nacht.

Im Schutz der Ziersträucher huschten die beiden über den kurz geschnittenen Rasen, den der Gärtner liebevoller versorgte als das Personal die Heimbewohner. Die Frau lief leicht nach vorn gebeugt vor Emma her. Sie wusste genau, wo sie in Deckung gehen musste, um nicht die Bewegungsmelder der Laternen zu aktivieren. Daran hätte Emma nicht gedacht.

Die Seniorenresidenz lag außerhalb des Stadtzentrums auf einem Hügel, eingebettet in einen wunderschönen Park mit weiß lackierten Bänken, Gipsbüsten und exotischer Vegetation. Die Hochglanzprospekte, auf die Emma seinerzeit hereingefallen war, versprachen den Bewohnern größtmögliche Ruhe und Erholung. Wenn man jedoch hinter die Kulissen schaute und sich nicht vom ersten Eindruck blenden ließ, erkannte man schnell, dass die angeblich heile Welt gar nicht so heil war. Emma konnte es kaum erwarten, ihr mehr oder weniger unfreiwillig gewähltes Zuhause zu verlassen. Sie schaute auf die Uhr. Bis jetzt lief noch alles nach Plan. Herr Lehmann musste bereits draußen auf der Straße warten.

Sie erreichten das Hauptportal. Das große schmiedeeiserne Tor erinnerte Emma an eine Gefängnispforte. Statt es zu öffnen, schob sich ihre Retterin am Zaun entlang und verschwand hinter einer mannshohen Ligusterhecke.

»Was tun Sie da?«, fragte Emma und schaute ihr neugierig hinterher.

»Was wohl?« Die Frau umklammerte zwei Eisenstäbe und stieg auf den Betonsockel des Zaunes. Von dort aus hievte sie sich mit einer der...


Jöst, Simone
Simone Jöst lebt im Odenwald. Beflügelt von der Lust, sich ständig neue Geschichten auszudenken, stolperte sie beinahe zufällig in das Krimigenre. Seitdem publizierte sie zahlreiche Krimi-Kurzgeschichten und arbeitete als freie Mitarbeiterin in einem kleinen Verlag. Sie ist Herausgeberin diverser Krimianthologien und liebt nichts mehr als schwarzen Humor und weiße Schokolade.

Bei dotbooks veröffentlicht sie:
„Die Oma und der Punk“
„Die Oma und der Punk auf heißer Spur“

Die Website der Autorin: www.simonejoest.de



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