Jennings | Die Manege der Welt | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 1906 Seiten

Jennings Die Manege der Welt

Historischer Roman - Ein Zirkus auf dem Weg zu Ruhm und Glanz
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-779-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Historischer Roman - Ein Zirkus auf dem Weg zu Ruhm und Glanz

E-Book, Deutsch, 1906 Seiten

ISBN: 978-3-98690-779-2
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Auf der Bühne der großen Hoffnung: Der historische Roman »Die Manege der Welt« von Gary Jennings jetzt als eBook bei dotbooks. Wie weit würdest du gehen, um deinem Traum hinterherzujagen? Kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg ist das »Florierende Florilegium der Wunder« nichts weiter als ein schäbiger Wanderjahrmarkt auf dem Weg durch das Hinterland Virginias - doch der ehrgeizige Direktor hat große Pläne: Sein Zirkus soll die berühmteste Attraktion der Welt werden! Schon bald beginnen Mister Florian und seine Truppe skurriler Artisten ihre gefährliche und abenteuerliche Reise durch Europa: Auf dem Weg zu Glanz und Ruhm zieht die Truppe von den eleganten »teatros« Italiens über die prachtvollen Zarenhöfe Russlands bis nach Paris, wo sich schließlich entscheiden soll, ob aus einer kleinen, unbedeutenden »Schlammshow« eine Attraktion werden kann, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat ... Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der Abenteuer-Roman »Die Manege der Welt« von Gary Jennings wird alle Fans der Bestseller von Ken Follett und »The Greatest Showman« begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Gary Jennings wurde in Virginia geboren und studierte in New York an der berühmten Kunstschule »Art Students League« in New York. Nach seiner Rückkehr aus dem Koreakrieg, in dem er als Korrespondent tätig war, begann er, seine Romane zu schreiben, die schließlich in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Bei dotbooks veröffentlichte der Autor seine historischen Romane »Marco Polo - Der Besessene« und »Die Manege der Welt«.
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Kapitel 1


»Na, den Elefanten seh’n wir wohl nie wieder, was Johnny?« sagte einer der Soldaten in Blau.

»Wird wohl so sein, Billy«, sagte einer der Soldaten in Grau, um gleich darauf ein leicht erstauntes Gesicht aufzusetzen. »Is’ das wahr? Ihr Yankees sagt das auch? Das mit dem Elefanten?«

»Ha’m wir immer gesagt – zumindest früher«, erklärte der Nordstaatensoldat. »Wenn jemand sagt, er geht jetzt, den Elefanten anseh’n, heißt das, seine Einheit zieht los, um sich mit euch Rebell’n zu prügeln.«

»So hat’s bei uns Südstaatlern auch geheißen. Tut mir ja leid, daß wir den Krieg verloren haben, aber daß ich von diesem bestimmten Elefanten nichts mehr zu seh’n krieg, darüber bin ich heilfroh.«

»Geht mir genauso. Wie wär’s mit’m Pfeifchen, Johnny?«

»Ich denk’, ich werd’ nich’ mehr, Yankee-Billy! Soll das heißen, du hast Tabak?«

»’n bißchen. Und du – hast du ’ne Pfeife?«

»Die ist ziemlich das letzte, was mir geblieben ist.« Der Südstaatensoldat nahm die diversen Zügel, die er hielt, in eine Hand, so daß er die andere frei hatte, um in der Tasche nach der Pfeife zu kramen. »Wir haben Himbeerblätter geraucht un’ auch gekaut. Wenn wir sie nicht grade anstelle von Tee aufbrühten. Kannst du dir das vorstell’n? Dabei ist dieser Teil von Virginia früher erstklassiges Tabakland gewesen.«

»Da, nimm! Im Halbschatten wachsender breitblättriger Tabak aus Connecticut. Stopf sie dir voll!«

Unteroffiziere und Mannschaften gaben die korrekte steife Exerzierplatzhaltung, die sie bisher eingenommen hatten, auf. Blauröcke und Grauröcke vermischten sich miteinander und reichten die Zügel, die sie hielten, an andere weiter, um sich die Pfeife zu stopfen oder einen Priem abzuschneiden. Sie standen auf einer grasbewachsenen Hügelkuppe neben einem dreieckigen flachen Areal eben unterhalb der Straße, die von Appomattox Court House herkam, und paßten auf die Reitpferde der vielen Nord- und Südstaatenoffiziere auf, welche die Übergabe der Waffen überwachten.

Die diensthabenden Generals und Colonels am Rand des abgesteckten Platzes konnten noch nicht entspannen, sondern standen so kerzengerade und trübsinnig-ernst da wie bei einem Soldatenbegräbnis. Was das ganze in gewisser Weise ja auch war, die traurigen Weisen, die von der Unions-Kapelle gespielt wurden, inbegriffen – insbesondere die schwermütigen Lagerfeuerlieder, wie die eine oder andere Seite sie bevorzugte, und das war bei den Konföderierten ›Lorena‹ und bei den Yankees ›Tenting Tonight on the Old Camp Ground‹. Draußen auf dem Feld, hinter der Zeltstadt der Yankees, die sich neben dem Dorf ausdehnte, standen die Überreste der Konföderierten Armee von North Virginia in Formation angetreten. Jetzt marschierten diese Männer kompanieweise an den Rand des flachen dreieckigen Areals und betraten dieses dann, wiederum auf Befehl, korporalschaftsweise. Wenn auch mit einer gewissen Feierlichkeit, taten sie dies doch höchst widerwillig und deshalb auch undiszipliniert, weder im Gleichschritt noch in Reih und Glied.

Auf dem Dreiecksareal stellten sie ihre Waffen auch nicht in der vorschriftsmäßigen Pyramidenform zusammen, sondern warfen den wartenden Nordstaatenwaffenmeistern Büchsen, Musketen und Karabiner – die Kavalleristen Pistolen und Säbel – zum Abzählen und Bündeln auf einen Haufen vor die Füße. Nachdem alle Korporalschaften entwaffnet waren, ließen sie auch noch den letzten Anschein von Disziplin fahren; ohne ein »Wegtreten!« abzuwarten, trottete jeder für sich, wohin er wollte. Einige blieben noch eine Zeitlang, andere griffen sich, was ihnen noch an Habseligkeiten geblieben war und verdrückten sich dann. Manche zogen mit einem breiten Grinsen von dannen, anderen standen die Tränen in den Augen. Weiter weg – auf dem anderen Ufer des Appomattox River – wurden die schwereren Waffen der Konföderierten Artillerie von Pferdegespannen auf einem gesonderten Sammelplatz zusammengestellt.

Es waren jedoch nicht nur Soldaten zur Stelle, sondern auch Zivilisten, die meisten von ihnen Reporter von Zeitungen aus dem Norden. Eine alte Frau, die wohl schon immer hier gelebt hatte, stand, die kalte Maiskolbenpfeife im Mund, den ganzen Vormittag an die klapprige Gartenpforte ihrer Holzhütte neben dem Dreiecksareal gelehnt. Eine kleine weiße Katze, die offenbar ihr gehörte, schlich hierhin und dorthin, rieb sich manchmal schnurrend an den bloßen Beinen der alten Frau, manchmal an den rissigen Lederstiefeln der Generals und Colonels und manchmal an den Fesseln der wartenden Offizierspferde. Die Burschen und Ordonnanzen dieser Offiziere hatten sich inzwischen die Pfeife angesteckt und schmauchten dankbar, oder sie kauten und spuckten den Priem aus und fingen nun endlich an, sich über die Pferde zu unterhalten, die sie hielten.

»Dieser große Rappe«, sagte ein Unionssergeant, »ist General Sheridans Reitpferd. Und der Wallach da, Johnny, das ist General Lees berühmter Grauschimmel, oder? Traveller heißt er, wenn ich mich nicht irre?«

»Richtig. Trägt den Namen Traveller, seit er Onkel Bobby gehört. Vorher hieß er Jeff Davis. Un’ ich heiß’ auch nicht Johnny Reb – jedenfalls nicht mehr ab heute. Ich heiß’ Obie Yount.«

»Und ich will auch nicht mehr Billy Yank sein, Sergeant Yount. Ich heiß’ Raymond Matchett.«

»Freut mich, dich kenn’zulern’, Sergeant Matchett. Und vielen Dank für den Tabak! Schmeckt übrigens ausgezeichnet!«

Um sie herum entwickelten sich ähnlich harmlose Gespräche, von denen man ab und zu etwas mitbekam.

»Yessir, bin selbst in der Army der Vereinigten Staaten gewesen. Und als ich mich dann dieser Sezessions-Army anschloß, was meinst du wohl, was da passierte? Ich ging ein paar alte Freunde aus der U.S.-Army besuchen, die die Unverfrorenheit besaßen, mir einfach den Rücken zuzukehren. Bei First Manassas war das. Diese Freunde rannten ganz bis nach Washington, D. C.!«

»Glaub’ ich, Johnny, glaub’ ich gern. Die ganze Zeit über, wo ich an diesem Krieg teilgenomm’ hab, haben unsere Offiziere uns weisgemacht: ›Männer, die Rebellen sind auf’m Rückzug.‹ Dabei hat sich dann jedesmal rausgestellt, daß diese Rebs sich auf uns zurückzog’n.«

»... tja, Johnny. Und genauso wie du, sehn’ ich mich nach Haus zu mei’m Mädchen und danach, sie zu ... naja, das mit ihr zu tun. Aber das hab’ ich mein Leben lang nicht gehört, daß man das eine Frau dudeln nennt.«

»Wundert mich nicht, Billy. Ist auch eher so’n Familienausdruck. Meine Frau ist Klavierlehrerin, verstehst du, und unter uns haben wir das immer ›Musik machen‹ genannt. Doch als der Krieg ausbrach, hab’m wir uns’n neuen Namen dafür ausgedacht. Jetzt nennen wir das ›ohne Yankee dudeln‹.«

»... nichts für ungut, Sergeant Yount. Eig’lich würd’ ich meinen, du bist viel zu groß und häßlich und siehst auch viel zu anständig aus, um als Offiziersbursche den letzten Dreck wegzumachen.«

»Da hast du recht, Sergeant Matchett. Ich bin auch bloß hier, weil mein Colonel hier ist, und der ist auch kein simpler Reserveoffizier. Colonel Zack und ich gehören zur Kavallerie. Es ist nur so, daß General Lee wollte, daß wir hier bei der Kapitulation vorzeigbar sein sollten, weil von den Offizieren, die er mitgebracht hat, nur wenige ’ne Uniform haben, die nicht nur aus Fetzen besteht. Dieser Falbe hier ist Colonel Zacks Dienstgaul, Thunder. Und dieser hier, das ist meiner, den hab’ ich Lightning genannt, damit sie gut zusammenpassen. Thunder und Lightning, Donner und Blitz.«

»Lightning?« sagte ein Nordstaaten-Corporal, der in der Nähe stand. »Das ist ein Bierbrauer-Percheron!« Er lachte. »Bitte, nicht übelnehmen, Sergeant, aber solltest du ihm nicht einen Namen geben, der ein bißchen besser zu ihm paßt, sagen wir Leviathan?«

»Mach dich bloß nicht über ihn lustig, Kleiner!« sagte Yount gutmütig. »Ich hab’ den Gaul übrigens von eurer Seite. Von irgendeinem Yankee-Farmer in der Nähe von Gettysburg, nachdem mir mein eigener unterm Hintern weggeschossen worden ist.«

»Naja, wo ich ihn mir genauer anseh’«, sagte der Corporal, »is’ der Gaul auch nich wesentlich schwerer als du es bist. Stattliches Pferd für ein stattliches Mannsbild. Thunder und Lightning, eh? Gefällt mir irgendwie.«

»Dieses Pferd hier, Sheridans, mein’ ich, hat früher auch anders geheißen. Rienzi«, sagte der Sergeant von der Union. »Little Phil hat ihn in Winchester umbenannt, weil er den letzten Feldzug im Shenandoah Valley von Winchester aus gestartet – und gewonnen hat.«

Knurrend ließ Yount sich vernehmen: »Feldzug nennt Little Phil Sheridan das? Im ganzen Shenandoah Valley hat kein Mensch das jemals anders als Brandschatzen genannt.«

»Du bist dabei gewesen?«

»Mein Colonel und ich, wir beide. Er war damals allerdings erst Captain, Captain Edge, und das war erst ... Himmel, vorigen Herbst erst war das. Wir dienten beim Fünfunddreißigsten Kavallerie-Bataillon. Und damals, da ha’m wir den Elefanten an einem Ort namens Tom’s Brook geseh’n.«

»Ich selbst bin nie im Valley gewesen«, erklärte Sergeant Matchett. »Aber ich erinner’ mich, irgendwas vom Fünfunddreißigsten Virginia gehört zu haben.« Nachdenklich kratzte er sich am Bart. »War das nicht das Bataillon, das den Spitznam’ Komantschen hatte? Und ist das nicht ...«

»Jawohl, gleich nach der Schlacht aufgelöst worden«, fiel Yount ihm ins Wort. Als gälte es, sein rüdes Benehmen wiedergutzumachen, grinste er und erklärte im breitesten Südstaatenenglisch: »Un’ ich hab’ mich mein Lebtag gefragt, warum wir das eig’lich so nenn’.«

»Was? Komantschen?«

»Nein. Den Elefanten...



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