Jeier | Die Sterne über Vietnam | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

Jeier Die Sterne über Vietnam

Roman
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-96053-239-2
Verlag: jumpbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 254 Seiten

ISBN: 978-3-96053-239-2
Verlag: jumpbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Make love, not war! Zwei junge Frauen und ein Krieg, der die Welt veränderte: 'Die Sterne über Vietnam' von Thomas Jeier als eBook bei jumpbooks. USA, 1969: Seit ihr Bruder im Vietnam-Krieg gefallen ist, will die junge Debbie nur noch eins: dass dieser aussichtslose, brutale Krieg endlich endet! Dafür geht sie auch auf die Straße und demonstriert mit Tausenden gegen die Pläne von Präsident Johnson. Umso härter trifft sie die Nachricht, dass nun auch ihre beste Freundin Linda als Krankenschwester nach Vietnam geschickt wird. Ein Jahr ist schnell vorbei, sagen sich die beiden Frauen - doch als Linda zurückkehrt, ist nichts mehr wie zuvor ... Ein bewegender Roman über die Schrecken des Krieges, Liebe, Freundschaft und das höchste Gut der Menschheit: Frieden. Jetzt als eBook kaufen und genießen: Zwischen San Francisco und Woodstock, zwischen Tet-Offensive und Saigon - 'Die Sterne über Vietnam' von Erfolgsautor Thomas Jeier. Wer liest, hat mehr vom Leben: jumbooks - der eBook-Verlag für junge Leser.

Thomas Jeier wuchs in Frankfurt am Main auf, lebt heute bei München und »on the road« in den USA und Kanada. Seit seiner Jugend zieht es ihn nach Nordamerika, immer auf der Suche nach interessanten Begegnungen und neuen Abenteuern, die er in seinen Romanen verarbeitet. Seine über 100 Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet. Bei jumpbooks erscheinen folgende Titel des Autors: »Die Sterne über Vietnam« »Die abenteuerliche Reise der Clara Wynn« »Flucht durch die Wildnis« »Sie hatten einen Traum« »Sturm über Stone Island« »Wo die Feuer der Lakota brennen« »Flucht vor dem Hurrikan« »Wohin der Adler fliegt« »Die Reise zum Ende des Regenbogens« »Hinter den Sternen wartet die Freiheit« »Die vergessenen Frauen von Greenwich Village« »Solange wir Schwestern sind« »Blitzlichtchaos« »Der Stein der Wikinger« Die Website des Autors: www.jeier.de Der Autor im Internet: www.facebook.com/thomas.jeier
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Debbie


Das Rattern war so laut, dass Debbie sich die Ohren zuhielt. Die Rotorblätter des Hubschraubers zerschnitten die flimmernde Hitze und wirbelten rote Erde auf. Als er noch einen Meter über dem Boden war, schleppten zwei Soldaten einen Verwundeten heran und schoben ihn unter heiseren Zurufen durch die offene Tür. Der Pilot antwortete etwas, das im Lärm unterging. Kaum hob der Hubschrauber vom Boden ab, schlug eine Granate am Flussufer ein. Schlamm und Wasser spritzten nach allen Seiten. Der Bordschütze feuerte mit verkniffenem Gesicht aus seinem Maschinengewehr, während der Hubschrauber in einer dichten Wolke aus Rauch und Schmutz davonflog. Die beiden Soldaten auf dem Boden, die nur noch als dunkle Punkte zu sehen waren, tauchten im Gras unter. Dann brach der Film ab und die betretene Miene des Nachrichtensprechers erschien auf dem Bildschirm. »Heute erscheint es mir sicherer denn je zuvor«, sagte Walter Cronkite in seinem Kommentar, »dass unser blutiger Einsatz in Vietnam in einer Sackgasse enden muss ...«

Debbie griff nach ihrem Pappbecher und schleuderte ihn gegen den Fernseher. Cola spritzte nach allen Seiten. »Hast du das auch schon gemerkt? Sag das Präsident Johnson, der hätte unsere Soldaten schon vor drei Jahren zurückholen sollen!« Sie ging zum Fernseher und zog wütend das Kabel aus der Steckdose. »Ich kann diese Bilder nicht mehr sehen! Reicht es denn nicht, dass sie meinen Bruder auf dem Gewissen haben? Er ist in diesem verdammten Land gestorben, für nichts und wieder nichts ...«

»Johnny war ein tapferer Mann«, erwiderte Linda leise.

»Er war ein Idiot!«, tobte Debbie. »Er ist auf das Gesülze dieser blödsinnigen Armee reingefallen und für eine Sache draufgegangen, die sowieso keinen interessiert! Hätte er auf mich gehört, wäre er nach Kanada abgehauen. Dann wäre er noch am Leben!«

»Beruhige dich, Debbie!«

»Ich will mich aber nicht beruhigen!« Debbie packte ihre Freundin an den Schultern und schüttelte sie heftig. »So wie mein Bruder sterben Tausende junge Männer! Und wofür? Weil man ihnen weismacht, dass die Kommunisten ganz Asien überrennen und nach Kalifornien einmarschieren wollen! Sie sterben für eine Lüge! Für die Politiker, die unbedingt die Größten sein wollen, und für die Konzerne, die mit dem Krieg ihre Dollar verdienen! Selbst in den Nachrichten sagen sie schon, dass der Krieg verloren ist! Hast du gehört? Wir stecken in einer Sackgasse! Wir sitzen fest! Und die Politiker hetzen unsere Jungs in den Dschungel und machen sie zu grausamen Mördern! Unsere Soldaten töten unschuldige Zivilisten, Linda, Bauern, die keine Ahnung haben, warum dieser Scheißkrieg stattfindet! Wir müssen raus aus Vietnam, besser heute als morgen!«

Linda berührte ihre Freundin an der Schulter. Seit Debbie ihren Bruder verloren hatte, bekam sie öfter solche Wutanfälle. »Ich versteh dich ja, Debbie. Es tut bestimmt weh, wenn man seinen Bruder verliert. Meine Eltern und ich, wir haben auch geweint, als deine Mutter anrief. Aber so schlecht, wie du unsere Jungs machst, sind sie nicht! Die töten keine Unschuldigen! Die wollen doch nur verhindern, dass die Vietcong nach Süden vordringen und ganz Vietnam kommunistisch wird! Mein Dad war im Zweiten Weltkrieg, da waren sie auch nicht gerade zimperlich, aber er kämpfte für den Frieden in Amerika ...«

»Du bist naiv!«, fuhr Debbie sie an. »Das war doch was anderes damals, da ging es gegen diesen Hitler und die Japaner, die uns in Pearl Harbor angegriffen hatten! Da stand die Freiheit der ganzen Welt auf dem Spiel! Aber was hat das mit Vietnam zu tun? Seit über zehn Jahren treiben sich unsere Soldaten da drüben rum, seit neunzehnsechsundfünfzig. Und warum? Niemand hat uns gebeten, da einzugreifen! Wir haben in Vietnam nichts zu suchen, Linda! Und das Schicksal der freien Welt war vielleicht in Kuba bedroht, vor ein paar Jahren, als die Russen ihre Atomraketen abfeuern wollten und Kennedy ihnen das Ultimatum stellte, aber Vietnam ... das interessiert doch niemanden! Die meisten Soldaten wissen nicht mal, wo das liegt!«

Debbie beobachtete missmutig, wie Linda den Pappbecher aufhob und in den Papierkorb warf. Manchmal ging ihr die Freundin mit ihrem erwachsenen Getue auf die Nerven. Linda war einundzwanzig, drei Jahre älter als sie, und gerade dabei, ihre Ausbildung als Krankenschwester abzuschließen. Mit ihren halblangen dunkelblonden Haaren und in dem braunen Rock und der karierten Bluse sah sie ziemlich bieder aus und ihre fürsorgliche Art war auch nicht jedermanns Sache, aber so musste man als Krankenschwester wohl sein.

Sie mochte Linda, obwohl sie nicht immer dieselben Ansichten hatten. Linda war stets guter Laune, und wenn man sie näher kannte, stellte man fest, dass sie gar nicht so bürgerlich war. Okay, sie stand auf die Beach Boys, aber sie trank Bier und kannte schmutzige Witze und sie hatte die Karten für das Jefferson-Airplane-Konzert in Cleveland besorgt. Am Nachmittag hatten sie in einem billigen Motel eingecheckt, zwei Blocks von dem Club entfernt, in dem die Band auftreten würde.

Debbie hatte ihre Freundin auf einem Rockfestival in Kent kennen gelernt. Die Beach Boys waren nach einer Psychedelic Band aus der Umgebung aufgetreten und Linda hatte ihr vor lauter Begeisterung die Schirmmütze vom Kopf gefegt. Linda war auf allen vieren durch die Menge gekrochen, um die Mütze wiederzufinden, und sie hatten beide so gelacht, als hätten sie gerade Marihuana geraucht. Bei ihr stimmte das sogar, sie zog gern mal an einem Joint, während Linda nicht mal ein Bier brauchte, um in Stimmung zu kommen. Und weil sie beide in Ravenna wohnten, hatten sie sich für den nächsten Abend in Charlie's Pool Hall verabredet. Seitdem waren sie unzertrennlich, obwohl Linda in Cleveland auf die Medical School ging und nur an den Wochenenden zu Hause war. Debbie hatte manchmal das Gefühl, dass sie sich schon Jahre kannten. »Ich hab Hunger«, sagte sie. »Gehen wir vor dem Konzert bei McDonald's vorbei? Ich lade dich auf einen Burger ein!«

Sie vergaßen den Krieg und gingen zu McDonald's in der nächsten Querstraße. Vom Lake Erie wehte ein kühler Wind herauf. Sie waren an das wechselhafte Wetter in Ohio gewöhnt und hatten beide ihre Anoraks dabei. Sie bestellten Cheeseburger, Pommes frites und Cola und setzten sich ans Fenster. Vor dem Lokal standen zwei Hippies, ein älterer Typ in einer ledernen Fransenjacke und mit schulterlangen Haaren und ein junges Mädchen in bestickten Jeans und ärmelloser Jacke. Ihre dunklen Haare waren zu Zöpfen gebunden, was sie wie eine Indianerin aussehen ließ.

»Die gehen bestimmt auch aufs Konzert«, sagte Debbie mit vollem Mund, »sonst wären sie sicher nicht nach Cleveland gekommen. Oder hast du schon mal einen Hippie in Ohio gesehen?«

»Einmal«, antwortete Linda kauend. »Auf einem Truckstopp, als ich mit meinen Eltern beim Tanken war. Aber die waren auf der Durchreise. Du hättest meinen Vater hören sollen, als die Typen auftauchten! Komm mir bloß nicht mit so einem Gammler nach Hause, hat er gesagt!«

»Hippies sind keine Gammler«, erwiderte Debbie. »Die denken nur anders und ziehen sich anders an. Auf jeden Fall sind sie mir tausendmal lieber als die Marines mit ihren geschorenen Nacken! Hippies sind für den Frieden! Mit 'ner Knarre und den Stars and Stripes hab ich noch keinen Hippie rumlaufen sehen!«

»Mein Vater sagt, sie sind Gammler. Und sie wären unpatriotisch, weil sie nichts arbeiten und die Flagge verbrennen. Er würde mir eine runterhauen, wenn ich so einen nach Hause brächte!«

Debbie biss verächtlich in ihren Cheeseburger. »Mein Alter hat nur Football im Kopf. Bei dem dreht sich alles um die Cleveland Browns. Und meine Mutter macht alles, was er sagt. Manchmal glaube ich, sie hat ihn nur geheiratet, um aus ihrem verdammten Kaff in Alabama rauszukommen! Und ich, ich war wahrscheinlich nur ein Betriebsunfall! Seit mein Bruder tot ist, reden sie sowieso kaum noch mit mir. Als wär ich schuld daran, dass er gefallen ist!« Sie trank einen Schluck Cola und deutete auf die restlichen Pommes frites. »Wenn du satt bist, ess ich die, okay?«

Linda nickte und Debbie stopfte die Pommes frites gierig in sich hinein. Sie konnte alles essen ohne zuzunehmen. Sie war größer und schlanker als ihre Freundin und kam auch besser bei den Männern an. Wenn sie zusammen in eine Disko gingen, standen die Jungen bei ihr Schlange, und wenn sie auf der Tanzfläche ausflippte, klatschten sie begeistert. Linda wirkte erst, wenn man länger mit ihr sprach. Nicht jeder wusste ihren versteckten Humor zu schätzen und nur Ältere mochten ihre mütterliche Art. Debbie wirkte lässiger, auch was ihre Kleidung betraf. Sie trug meist zerfranste Jeans und gemusterte Männerhemden und darüber ärmellose Westen und ohne ihre braune Schirmmütze ging sie selten aus dem Haus. Die gehörte einfach dazu, so wie ihre kurzen schwarzen Haare, obwohl sie in letzter Zeit öfter ankündigte, sich die Haare so lang wie Joan Baez wachsen zu lassen.

Die Protestsängerin gehörte zu ihren absoluten Favoriten, immerhin war ihr We Shall Overcome zu so etwas wie eine Nationalhymne der Kriegsgegner geworden. Und Debbie war schon auf etlichen Demonstrationen gewesen, sehr zum Leidwesen ihres Vaters, der bei den städtischen Wasserwerken arbeitete und den guten Ruf der Familie gefährdet sah. »Die halbe Stadt ist gegen den Krieg«, antwortete sie ihm, »und wenn das so weitergeht in Vietnam, ist bald das ganze Land dagegen!« Debbie ging auf eine Schule, an der viel protestiert wurde, wollte unbedingt einen Hochschulabschluss haben, bevor sie zu arbeiten anfing. Was die Ausbildung anging, war sie konservativ. »Ich will mal was Besseres als meine Eltern werden«, sagte sie, wenn ihr Vater nicht in der Nähe war.

Vor dem...



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