Jarzab | Das Licht von Aurora (Band 1) | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten

Reihe: Das Licht von Aurora

Jarzab Das Licht von Aurora (Band 1)


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7320-0247-4
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten

Reihe: Das Licht von Aurora

ISBN: 978-3-7320-0247-4
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ich hatte nicht das Gefühl, als würde er nach Aurora gehören. Ich hatte eher das Gefühl, als würde er zu mir gehören, egal wo ich war. Aber das lag ja nicht in meiner Hand und in seiner auch nicht. Schon immer wollte die 16-jährige Sasha in die Rolle ihrer liebsten Romanheldinnen schlüpfen und Abenteuer in fernen Welten erleben. Nicht ahnend, dass die Geschichten ihres Großvaters über Parallelwelten tatsächlich wahr sind, landet sie plötzlich unfreiwillig in Aurora - einer modernen Monarchie. Neben einem Leben am Hofe erwartet Sasha hier auch die ganz große Liebe. Doch Palastintrigen und Verrat drohen ihre Träume zu zerstören ... Einmal Prinzessin sein! Der erste Roman in Anna Jarzabs spannender Jugendbuch-Reihe entführt Leser in eine Parallelwelt, in der eine Monarchie herrscht. Eine Geschichte voller Fantasy, Romantik, Geheimnisse und Verrat - für alle Fans der Bestseller-Trilogie Selection. 'Das Licht von Aurora' ist der erste Band der Aurora-Reihe.

Anna Jarzab wuchs in einem Vorort von Chicago und dann in Gegend von San Francisco East Bay auf. Sie studierte an der Santa Clara University Englisch und Politikwissenschaft und machte danach ihren Master an der University of Chicago in Literatur und Kreativem Schreiben. Zurzeit lebt sie in New York City.
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Kapitel 1

»Was liest du da?«

Ich sah von meinem Buch auf und stellte fest, dass Grant Davis vor mir stand. Ich blickte mich um, weil ich wissen wollte, mit wem er redete. Mich meinte er bestimmt nicht. In all den Jahren, die wir schon auf dieselbe Schule gingen, hatte er nicht mehr als drei Worte mit mir gewechselt. Aber bis auf uns beide war niemand hier. Ich musste völlig baff ausgesehen haben, denn Grant lachte und ließ sich auf den Stuhl neben mir fallen.

Wie schräg ist das denn?, dachte ich kurz, beschloss dann aber mitzuspielen. Wie oft passiert es schon, dass der beliebteste Junge der Schule in deiner Lieblingsbuchhandlung auftaucht und mit dir redet?

Grant Davis war, um es ganz offen zu sagen, das prächtigste Exemplar der Spezies Mensch, das je das Licht der Welt erblickt hat. Als ich in der vierten Klasse war und er in der fünften, hatte ich mich bis über beide Ohren in ihn verknallt. Die nächsten paar Jahre war ich Feuer und Flamme für ihn gewesen, aber inzwischen war meine Schwärmerei allmählich abgekühlt und auf einen Haufen glimmender Kohlen reduziert.

Mein Herz machte einen kleinen ungewollten Hüpfer, als ich Grant aus den Augenwinkeln betrachtete. Er war genau mein Typ: groß und breitschultrig, mit grasgrünen Augen, perfekten Gesichtszügen und dichtem blondem Haar, das immer ein bisschen verstrubbelt war und so aussah, als wäre er gerade aus dem Bett gestiegen. Aber er war nicht bloß attraktiv – ich kannte eine Menge gut aussehender Jungs, mit denen ich um nichts in der Welt hätte reden wollen. Grant war außerdem nett, charmant und bei Mitschülern, Lehrern und Schulpersonal gleichermaßen beliebt. Er wirkte immer so locker und unbekümmert. Auch jetzt, wie er so auf dem Stuhl lümmelte, machte er einen ungezwungenen und entspannten Eindruck, während ich steif und angespannt dasaß und eine abgegriffene Taschenbuchausgabe von Shakespeares Was ihr wollt umklammert hielt, als wäre das Buch alles, was ich besaß.

»Suchst du was, Sasha?«, fragte er mit einem belustigten Funkeln in den Augen.

»Ich wollte nur wissen, mit wem du redest«, erwiderte ich und zog die Augenbrauen hoch.

»Mit dir natürlich.« Er breitete die Arme aus und machte eine ausladende Geste.

Wir befanden uns in der Leseecke von 57th Street Books, die in den Tiefen des unterirdischen Bücherlabyrinths versteckt war. 57th Street Books war meine Lieblingsbuchhandlung in Hyde Park, einem gemütlichen Universitätsviertel im Süden Chicagos, wo ich mit meinem Großvater lebte. Ich traf in dem Laden so gut wie nie jemanden, den ich kannte, und Grant zwischen den Bücherregalen zu sehen, war, als würde ich einem Eisbären dabei zuschauen, wie er sich am Strand von Malibu sonnte.

»Siehst du sonst noch jemanden? Ich glaube, wir sind die Einzigen hier.«

»Genau das mag ich an diesem Ort«, erwiderte ich. »Normalerweise ist es so ruhig

»Ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl?« Grants Ton war immer noch neckisch.

»Schon möglich.« Ich versuchte mir ein Lächeln zu verkneifen. Ohne Erfolg. »Was machst du hier?« Mir war nicht entgangen, dass er keine Bücher bei sich trug.

»Ich steh auf Lesen.« Er klang beleidigt. »Bücher sind mein Leben.«

Ich sah ihn zweifelnd an. »Ich erinnere mich ziemlich genau daran, dass du im Englischkurs mal eine Buchbesprechung über Matrix machen wolltest.«

»Na gut«, erwiderte er grinsend. »Aber zu meiner Verteidigung möchte ich dich darauf hinweisen, dass ich aus verlässlicher Quelle erfahren hatte, dass Matrix auf einem Buch basiert.«

»Und wer war diese Quelle?«

»Johnny Hogan«, gab er widerstrebend zu.

Ich stöhnte auf. »Johnny Hogan? Dann hast du deine gerechte Strafe bekommen. Ich glaube, das letzte Buch, das Johnny gelesen hat, war Hop on Pop

Sein Lächeln geriet kurz ins Wanken und ich merkte, dass er nicht die geringste Ahnung hatte, wovon ich sprach. »Das Buch von Dr.Seuss, mit dem man Lesen lernt? Hop on Pop?«

»Weiß ich doch.« Grant verdrehte die Augen.

»Sah aber gerade nicht so aus«, stichelte ich.

Grant zuckte mit den Schultern und lehnte sich zu mir. Mein Herz schlug so schnell, dass ich es bis in den Hals spüren konnte. »Also, bekomme ich eine Antwort auf meine Frage? Was liest du da?«

Ich drehte das Buch so, dass er den Titel sehen konnte.

»Was ihr wollt, hm? Nie gehört.«

»Das ist für Englisch, bei Ms Dunne. Aber ich habe es schon mal gelesen.« Mehrmals, um genau zu sein. Was ihr wollt war eins meiner Lieblingsbücher. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, dass Grant sich für meine Hausaufgaben interessierte, aber er hatte schließlich gefragt.

»Worum geht es?« Grant machte es sich auf dem Stuhl gemütlich, als würde gleich die Märchenstunde anfangen.

»Willst du das wirklich wissen?«

Er nickte.

»Na gut. Es geht um ein Mädchen namens Viola, die nach einem Schiffsunglück in einem fremden Land strandet und sich als jemand anderes ausgeben muss, um ihre wahre Identität geheim zu halten.« Das schien sein Interesse zu wecken; er richtete sich in seinem Stuhl auf und seine Augen weiteten sich. Ich fuhr fort: »Aber dann verknallt sie sich in den Typen, für den sie eigentlich arbeitet, und darüber hinaus verliebt sich die Frau, um die besagter Typ wirbt, in Viola, die als Junge verkleidet ist. Es ist eine Komödie.«

»Was du nicht sagst.«

»Eine wirklich lustige noch dazu. Sofern man Shakespeare mag.«

»Was du offensichtlich tust. Dem Zustand deines Buchs nach zu schließen.«

Ich betrachtete mein ramponiertes Taschenbuch. Die Seiten waren gelb und wellten sich und der Deckel war so verschlissen, dass er nur noch durch einen schmalen Streifen Papier, der jeden Moment zu reißen drohte, mit dem Buchrücken verbunden war. Aus irgendeinem Grund sprach mich Was ihr wollt auf eine ähnliche Weise an, wie es früher Die Zeitfalte und Alice im Wunderland getan hatten. Ich konnte mich glücklich schätzen: Vor allem, wenn man bedachte, wie sich die Dinge hätten entwickeln können, war mein Leben bisher sehr schön verlaufen. Aber schon vor dem Tod meiner Eltern hatte sich ein kleiner Teil von mir immer danach gesehnt, aus dem Alltag herausgerissen und in ein großes Abenteuer geschleudert zu werden. Meine Lieblingsheldinnen waren allesamt Mädchen, die sich plötzlich in einer fremden Welt behaupten mussten. Ich konnte einfach nicht anders, als sie zu beneiden. Ihre Erlebnisse machten stärkere, klügere und bessere Menschen aus ihnen oder zeigten ihnen vielmehr, dass sie es schon immer gewesen waren.

»Das kann man wohl sagen. Was ihr wollt ist mein Lieblingsstück von Shakespeare. Die meisten Mädchen mögen Romeo und Julia lieber, weil sie es so romantisch finden.« Ich spielte mit dem Anhänger meiner Kette, einem Halbmond, an dem ein kleiner Stern baumelte. Ich hatte ihn zu meinem sechzehnten Geburtstag von Großvater bekommen und immer wenn ich nervös war, nestelte ich daran herum.

»Und du siehst das anders?«

»Es ist schon okay. Die Sprache ist toll, aber Romeo und Julia fand ich immer ziemlich dämlich.« Warum erzählte ich ihm das alles? Was kümmerten ihn meine Ansichten über fiktive Figuren? Aber er sah mich interessiert an, hing förmlich an meinen Lippen, und das brachte mich total aus der Fassung. Hier neben Grant Davis zu sitzen, fühlte sich ausgesprochen unwirklich an, ähnlich wie ein schöner Traum, in dem alles ein bisschen neben der Spur ist.

»Wieso denn?«

»Das ist vielleicht nicht besonders originell, aber meiner Meinung nach gibt es fast immer eine bessere Lösung für Liebeskummer, als sich umzubringen.«

Grant schmunzelte.

Ich sah auf die Uhr. »Oh, Mist. Ich hatte keine Ahnung, dass es schon so spät ist. Ich muss heim.« Ich packte meine Sachen und stand auf. Grant erhob sich ebenfalls.

»War nett … mit dir zu reden, Grant«, sagte ich, unsicher, wie ich das Gespräch beenden sollte. Hatte er mich aus einem bestimmten Grund angesprochen oder war ihm einfach nur langweilig gewesen? Und was hatte er überhaupt in der Buchhandlung gewollt? Ich war mir ziemlich sicher, dass er nicht zum Stöbern gekommen war.

»Ich kann dich begleiten«, bot er an.

»Schon okay«, sagte ich, mit einem Mal ganz verlegen. Meine Wangen wurden heiß. »Musst du nicht.« Ein Teil von mir wollte unbedingt hierbleiben und weiter mit ihm reden. Ich war neugierig und konnte spüren, wie die alten Gefühle für ihn wieder aufflammten. Aber ein anderer Teil wollte so schnell wie möglich weg von ihm. Solange sich niemand in der Nähe befand, war es ja völlig okay, mit Grant zu plaudern. Aber er gehörte zu den beliebtesten Leuten der Schule und ich … nicht. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, draußen in der wahren Welt mit ihm herumzulaufen, als wären wir Freunde.

»Ich bestehe aber darauf«, sagte er hartnäckig, nahm mir die Tasche aus der Hand und hängte sie sich über die Schulter. »Gehen wir. Ich will nicht, dass du zu spät kommst.«

Es war schon fast sechs, aber draußen war es jetzt, Anfang Mai, noch so hell, dass ich meine Augen mit der Hand abschirmen musste, als wir den dunklen Buchladen verließen. Wir gingen die 57. Straße hinunter, bogen dann links auf die South Kenwood Avenue ab und durchquerten den Bixler Park in betretenem Schweigen. Ich kannte das Viertel wie meine Hosentasche – ich lebte hier seit meinem siebten Lebensjahr in einem baufälligen viktorianischen Haus, das Großvater in den frühen Achtzigern gekauft hatte – und Hyde Park war...



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