James | Meine Amy | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

James Meine Amy

Ein Abschied in Worten
21001. Auflage 2021
ISBN: 978-3-8437-2604-7
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Ein Abschied in Worten

E-Book, Deutsch, 368 Seiten

ISBN: 978-3-8437-2604-7
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Spätestens mit dem Sensationserfolg ihres zweiten Albums »Back to Black« war die ganze Welt fasziniert von Amys Ausnahmetalent, ihrem Retro-Look und ihrem exzessiven Lifestyle. Ihr Jugendfreund Tyler James war schon vor dem Durchbruch stets an ihrer Seite, durchlebte die Höhepunkte und Tiefen mit ihr. Besorgt beobachtete er, wie der Ruhm an ihr zehrte, wie sie ausgenutzt wurde, am schmerzlichsten von ihrem Vater Mitch. Tyler musste mit ansehen, wie Amy in einer toxischen Beziehung zerriss, und er litt mit ihr durch Bulimie, Entzüge und Rückfälle - Erfahrungen, die er auch selbst durchgemacht hatte.  Er aber sah viel mehr in Amy: eine ausgelassene, witzige, fürsorgliche Frau, die es liebte, ihre Freunde zu bekochen, und sich nichts mehr wünschte als eine eigene Familie. Nach Jahren der Trauer ist er nun bereit, ihre gemeinsame Geschichte erzählen. 

Tyler James hat Amy Winehouse mit 13 Jahren in der Musikschule kennengelernt, die beiden lebten jahrelang zusammen und waren bis zu ihrem Tod enge Vertraute. Seine eigene musikalische Karriere hatte ihren Höhepunkt, als er 2012 den zweiten Platz bei der Castingshow The Voice erreichte. Inzwischen hat er sich der Musik abgewendet und ein Baugewerbe gegründet. Auf Twitter hat er immer noch 126.000 Follower.
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Kapitel 1


Freitag, 22. Juli 2011, 13 Uhr. Das Telefon klingelt. Ihr Name erscheint auf dem Display.

»AMY.«

Ihre Stimme sagt, was sie immer sagt: »Alles in Ordnung bei dir, ?«

Nichts war in Ordnung. Weil bei ihr nichts in Ordnung war. Gar nichts. In der Nacht zuvor hatte ich unsere Wohnung am Camden Square verlassen, die letzte der zahllosen Wohnungen, in denen wir zusammengelebt hatten, seit sie achtzehn und ich neunzehn war. Sechs Jahre waren wir da schon befreundet, und von Anfang an unzertrennlich, seelenverwandt. Abhauen war meine neueste Strategie. Alles andere hatte ich bereits versucht. Nach traumatischen Jahren, in denen ich versucht hatte, Amy zu retten, gingen mir einfach die Ideen aus. Also verließ ich nun bei jedem ihrer Rückfälle das Haus, weil ich ihr Trinken nicht mehr unterstützen konnte.

»Wenn du trinkst, bin ich weg.«

Manchmal blieb ich trotzdem, ohne dass sie es merkte. Dann schlief ich unten im Fitnessraum auf dem Laufband, zog mir eine Decke über den Kopf, um den Lärm auszublenden: wie sie meinen Namen brüllte, die laut dröhnende Musik und dazu in Dauerschleife der Zombie-Film , die ganze Nacht lang und mit allem, was die Boxen hergaben.

Meist fuhr ich aber für ein paar Tage zu meiner Mutter nach Essex. Und immer rief Amy an.

»T, bitte komm nach Hause.«

Und jedes Mal dann ein neuer Deal.

»Okay, aber wir machen den Entzug von vorn. Morgen hörst du auf zu trinken.«

Und es funktionierte. . Es ging ihr besser. Sie schaffte drei Wochen ohne, war dann vier Tage rückfällig, um erneut drei Wochen keinen Tropfen anzurühren. An jedem nüchternen Tag ging sie in den Fitnessraum, trainierte auf dem Laufband und arbeitete an sich. Es lief immer gleich ab, aber sie blieb dran. . Sie schrieb sogar wieder Songs. Und sie hatte seit drei Jahren keine harten Drogen mehr angerührt, auch wenn die Klatschpresse anderes behauptete.

Also hatte ich auch diesmal wieder spätabends den Camden Square verlassen, mich kraftlos vor einen Pub gesetzt und mir von dort ein Taxi zu meiner Mutter gerufen. Dieses eine Mal hatte ich allerdings das Gefühl, dass ich nicht wie sonst einfach gehen sollte. Irgendetwas an diesem Moment war anders, ich hatte dieses Gefühl, konnte es aber nicht einordnen.

Ich blieb Amy gegenüber immer ruhig, wollte nie, dass sie sich wegen ihrer Sauferei schlecht oder schuldig fühlte, schließlich wusste ich, dass das bei Alkoholikern sowieso nichts brachte: Hatte mich bei Rückfällen jemand angeschrien, wollte ich immer nur noch mehr trinken.

Aber diesmal dachte ich, . Ich muss es anders angehen: Hardcore.

Ich öffnete die Tür mit meinem Schlüssel, ging ganz nach oben in ihr Schlafzimmer, wo sie all die Dinge tat, die sie bei einem Rückfall immer tat: laut Musik hören, laut, über die Lautsprecher an ihrem Laptop. Meistens Mos Def, aber an jenem Abend schallte »Ghost Town« von den Specials durchs Haus.

Ich stand in der offenen Tür: Sie machte irgendwas, trank dabei Wein, verschwand hin und wieder in ihrem Badezimmer, sang, und fühlte sich ganz offensichtlich wieder normal und gut, denn so wirkt Alkohol, wenn du gerade auf Entzug warst.

Das war zu viel für mich. Ich flippte total aus.

»Das ist doch nicht normal! Das ist nicht gut! Und auch nicht lustig! Alles hier ist komplett SCHEISSE!«

Ich wusste, dass sie das ankotzen würde. Ich war Amy nie wirklich böse gewesen, hatte sie immer unterstützt, ihr immer geholfen, sie immer Aber jetzt hatte ich genug. Ich lief zu ihrem Laptop, knallte es zu und machte alles aus.

»Was zum Henker du da?«, brüllte sie. »Ich hab grad Musik gehört!«

Ich setzte mich auf die Bettkante und schrie aus vollem Hals: »Du nicht trinken! Das darf nicht mehr vorkommen! Wir können das nicht ständig von vorne durchmachen! Rückfall, Rückfall, Rückfall, wir waren so oft in der Klinik, und immer sagen die Ärzte, du nicht mehr trinken, weil du sonst . Sie haben geschrieben, in denen das steht. So geht es nicht weiter! Ist dir überhaupt klar, was du damit antust?«

Ich war damals der letzte Freund, der ihr noch geblieben war. Der einzige Mensch, der ständig bei ihr war, ohne dafür bezahlt zu werden. Alle anderen hatten sich verpisst. Hatten es bei aller Liebe nicht mehr mit ihr ausgehalten. Außer mir gab es niemanden mehr, der jeden Tag für sie da war. Aber jetzt musste auch ich die Gangart wechseln.

»Denk mal für eine Minute nicht an . Hast du eigentlich eine Vorstellung davon, was es für und meinen und mein bedeuten würde, wenn du nicht mehr da wärst? Wenn du sterben würdest? Du liebst mich doch, ich bin dein bester Freund! Aber du machst mich kaputt! Du könntest mich genauso gut !«

Ich war aufgestanden, ging in der Kammer neben ihrem Schlafzimmer auf und ab und fing an, mir die Nackenhaare auszureißen.

»Keine Ahnung, was ich mit dir machen soll! Mir gehen die Ideen aus, und du checkst es einfach nicht!«

Sie wollte mir erklären, alles sei in Ordnung.

»Aber T, ich bin unten im Studio und mache wieder Musik.«

Sie versuchte immer, die Person zu sein, die sie sein zu müssen glaubte: eine Figur namens »Amy Winehouse«. Inzwischen hatte ich ein Mantra: »Lieber Amy sein und leben, als beim Versuch, ›Amy Winehouse‹ zu sein, sterben. auf ›Amy Winehouse‹, das ist nur eine Figur, auf diese Rolle!«

Und dann sagte sie, was sie immer sagte: »T, ich gehe .«

Alles, was mir blieb, war meine neue Strategie.

»Wenn du nicht aufhörst zu trinken, dann gehe dafür .«

»Okay«, schnauzte sie, »dann !«

»Okay, «

Es war reine Routine. Ich packte meine Tasche und ging. Ich gehen. Ich durfte sie nicht in dem Glauben lassen, irgendetwas von dem, was hier vor sich ging, wäre in Ordnung. Ich durfte nicht mehr tatenlos zusehen, so wie das einige der anderen machten.

Am nächsten Tag der Anruf: »Alles in Ordnung bei dir, ?«

Ich wusste, das würde ein langes Gespräch werden. Also lief ich vom Haus meiner Mutter die Straße runter bis zu einem kleinen, von Büschen umschlossenen Feld. Hier war ich allein. Ich konnte heraushören, dass sie bisher nur ein paar Drinks gehabt hatte.

Es war Mittagszeit.

Wir hatten ein eigenartiges Gespräch. Sie redete mit mir über . Ich glaube, sie versuchte, sich bei mir zu entschuldigen. Sie wusste sehr wohl, wie viel ich ihr gab: mein . Sie war dankbar, und ein Teil von ihr fühlte sich schuldig. Und wieder sagte sie: »Ich gehe nirgendwohin, T. Alles wird gut.« Diesmal fügte sie allerdings hinzu: »Aber ich wünsche mir etwas für .«

Sie wünschte sich, dass ich wieder mit der Musik anfing, aber das wollte ich gar nicht. Nach allem, was ich gesehen hatte, war Berühmtheit das Letzte, was ich im Leben erreichen wollte. Amy selbst sagte ständig, dass jeder, der berühmt sein will, verrückt sein muss: »Ruhm ist wie Krebs im Endstadium. Das wünsche ich keinem.«

Amy wollte nie berühmt sein, sondern einfach nur Jazzsängerin. Und mehr als alles andere wünschte sie sich eine Familie. Sie wollte Ehefrau und Mutter sein. Alles, was Amy jemals wollte, war Normalität.

Und das wollte sie auch für mich. Sie wünschte mir jemanden, der mich liebte. Sie sagte: »T, ich will, dass du dich verliebst.« Das war bei mir noch nie der Fall gewesen, weil ich immer nur auf sie aufgepasst hatte. Ich war 28 und hatte noch keine richtige Beziehung gehabt: Wann hätte ich denn jemanden kennenlernen sollen? Ich hatte ja kaum Freunde, weil Amy für mich immer an erster Stelle stand.

»T«, sagte sie, »komm nach Hause.«

»Gut. Aber nicht . Ich komme morgen.«

Wäre ich am selben Abend zurück nach Hause gefahren, hätte sie einfach weitergesoffen. Später am Abend rief sie mich noch einmal an. Sie war bereits ziemlich dicht. Es war gegen elf, und sie redete nur noch Müll. Auf der Couch meiner Mutter schlief ich ein.

Morgens um halb drei Uhr rief sie erneut an. Ich war so fertig, dass ich nicht ranging. Ich sah keinen Sinn darin, denn an das Telefonat würde sie sich später eh nicht erinnern. Ich ließ das Telefon klingeln und schlief wieder ein.

Am nächsten Tag kam ich zurück zum Camden Square. Bevor ich reinging, saß ich eine gefühlte Ewigkeit auf dem kleinen Vorplatz und stimmte mich innerlich auf die kommenden Tage ein. Dann rief ich meine Freundin Chantelle an, und wir sprachen nur über Amy. Ich war fix und fertig, und sie versuchte, mir zu helfen. »Du musst endlich anfangen, an dich selbst zu denken«, sagte sie. »Ich liebe Amy auch...


James, Tyler
Tyler James hat Amy Winehouse mit 13 Jahren in der Musikschule kennengelernt, die beiden lebten jahrelang zusammen und waren bis zu ihrem Tod enge Vertraute. Seine eigene musikalische Karriere hatte ihren Höhepunkt, als er 2012 den zweiten Platz bei der Castingshow The Voice erreichte. Inzwischen hat er sich der Musik abgewendet und ein Baugewerbe gegründet. Auf Twitter hat er immer noch 126.000 Follower.



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