E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
James Engel mit Vergangenheit
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6039-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7337-6039-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nicholas Pencarrow, Duke of Westbourne, kann die faszinierende Frau nicht vergessen, die ihm das Leben rettete und anschließend spurlos verschwand. Ihren Namen findet er zwar schnell heraus, doch seine Versuche, Kontakt mit der schönen, rätselhaften Brenn
Romane von Georgette Heyer prägten Sophias Lesegewohnheiten. Als Teenager lag sie schmökernd in der Sonne auf der Veranda ihrer Großmutter mit Ausblick auf die stürmische Küste. Ihre Karriere als Autorin nahm jedoch in Bilbao, Spanien, ihren Anfang. Nachdem ihr drei Weißheitszähne gezogen wurden, lag sie aufgrund starker Schmerzmittel tagelang flach. Die Zeit vertrieb sie sich mit einem Stoß Mills & Boons-Romane. Unter dem Einfluss der Medikamente dachte sie, so etwas kann ich auch schreiben. Nach mehreren Romanen, die in der Reihe Harlequin Historical erschienen sind, ist sie der Meinung, endlich ihren Traumberuf gefunden zu haben. Aber genauso wie das Schreiben genießt sie die Besichtigung von europäischen Kunstschätzen mit ihrem Ehemann, einem Maler. Ihre drei fast erwachsenen Kinder, zahlreiche Haustiere und Hausrenovierungen, die nie vollständig abgeschlossen sind, verschaffen ihr den nötigen Ausgleich zu ihrer Autorentätigkeit.
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
Airelies, Kent
August 1861
Brenna verharrte reglos und lauschte, den Kopf zur Seite geneigt, den gedämpften Geräuschen des milden Sommerabends. Hinter ihr rauschte der Fluss, und die Platanen säuselten im lauen Abendwind, ganz so wie immer. Etwas jedoch war anders als sonst. Auch Mars und Bellona, ihre beiden Jagdhunde, schienen es gespürt zu haben, denn sie hielten plötzlich im Lauf inne und sträubten die Nackenhaare. Brenna griff nach ihrer Flinte, entsicherte sie und schob mit zittrigen Fingern eine Patrone in den Lauf, ehe sie ihren Weg fortsetzte. Er führte in das dichte Wäldchen, das eine halbe Meile von Worsley entfernt die Northern London Road säumte. Mühsam bahnte Brenna sich einen Weg durch das Unterholz, schob Zweige und Äste beiseite, während sie den seltsamen Geräuschen folgte, die nun deutlicher zu vernehmen waren.
Stimmen. Es waren Männerstimmen. Dumpfe, bedrohlich klingende Männerstimmen. Brenna bekam es mit einem Male mit der Angst zu tun und wich klopfenden Herzens einige Schritt zurück. Durch ein Handzeichen befahl sie ihren Hunden, ihr zu folgen, kauerte sich dann jedoch im Gebüsch nieder, um vor ihrem endgültigen Rückzug noch einen Blick auf die Unbekannten und ihr geheimnisvolles Treiben zu erhaschen. Sie erspähte zwei Männer, die einen halb bewusstlosen dritten hinter sich herschleiften. Das Gesicht des Unglücklichen war blutbefleckt, seine Augen mit einer hastig geschlungenen Augenbinde verdeckt, und sein elegantes Hemd und die maßgeschneiderten Hosen wirkten seltsam fehl am Platze angesichts des groben Leinenzeugs seiner Peiniger.
"Gütiger Himmel, Straßenräuber!" schoss es Brenna durch den Kopf. Unwillkürlich presste sie die Hand auf den Mund, um nicht laut aufzuschreien, und schloss die andere fester um den Griff ihrer Jagdflinte. Als Mars hinter ihrem Rücken zu knurren begann, drückte sie ihm beherzt die Schnauze zu und zwang ihn, sich ruhig zu verhalten, obwohl ihr selbst alles andere als ruhig zu Mute war. Gebannt beobachtete sie, wie die beiden Räuber den Mann mit der Augenbinde unsanft an den Stamm einer mächtigen Ulme fesselten und sich dann zurückzogen.
Brenna lauschte den Schritten der Männer, um herauszufinden, wohin sie gingen. Gewiss zurück zur Kutsche ihres Opfers, schließlich handelte es sich um einen Raubüberfall. Was wohl aus den Bediensteten oder dem Gefolge des Gentleman geworden sein mochte? Und wie dreist diese Strauchdiebe doch waren, an einem derart stark befahrenen Wegstück zuzuschlagen! Vorsichtig schlich Brenna durch das Unterholz, bis sie fast hinter dem Rücken des gefesselten Mannes angelangt war. Dabei spähte sie immer wieder in die Richtung, in der seine beiden Peiniger verschwunden waren, deren Stimmen der Wind als undeutliches Gemurmel zu ihr hinübertrug. Als sie den Gefesselten erreicht hatte, hockte sie sich nieder. Sie wusste, dass er ihre Anwesenheit bemerkt hatte, denn er wandte ihr das Gesicht zu. So leise sie konnte, flüsterte sie ihm zu: "Zwei mit Gewehren bewaffnete Männer sind gerade dabei, Ihre Kutsche zu plündern, fürchte ich …"
Ein Ruck ging durch seinen Körper. "Können Sie meine Fesseln lösen und mir dieses Ding von den Augen nehmen?" unterbrach er sie. Seine tiefe Stimme klang heiser vor Zorn.
"Ich werde mich zuerst um Ihre Fesseln kümmern. Das ist sicherer, für den Fall, dass die Räuber zurückkehren sollten." Er nickte, und Brenna machte sich mit zitternden Fingern an dem Strick zu schaffen, mit dem seine Handgelenke zusammengebunden waren. Im Stillen verfluchte sie sich dafür, dass sie so lange brauchte, um die Fesseln zu lösen, und hielt dabei unablässig nach den Straßenräubern Ausschau.
Soeben hatte sie den letzten Knoten geöffnet, da bahnten schwere Stiefel sich mit dumpfen, krachenden Schritten einen Weg zurück auf die kleine Lichtung. Während der Mann neben ihr sich die Binde von den Augen riss, sank Brenna auf die Knie, hob ihre Jagdflinte an die Wange und schoss dem ersten Räuber eine Ladung Schrot ins Bein. In Windeseile lud sie nach, um den zweiten Schuss abzufeuern. Dazu kam sie allerdings nicht mehr, denn zwei starke Arme zogen sie just in dem Augenblick hinter den schützenden Stamm eines Baumes, als über ihrem Kopf eine Kugel durch die Luft pfiff. Völlig unvermittelt fand sie sich unter einer breiten Männerbrust wieder, die sie fest auf den Waldboden drückte. Brenna war erschrocken und wütend, empfand jedoch zugleich ein Gefühl, das ihr weniger vertraut war. Sie spürte die festen Muskeln des Fremden unter ihren Handflächen und fühlte sich einen kurzen Augenblick lang so sicher und geborgen wie nie zuvor in ihrem Leben. Der Körper des Mannes strahlte Kraft aus, Stärke, … Glut. Plötzlich drängten ihre Hunde sich zwischen sie und den Fremden, beunruhigt über die Nähe ihrer Herrin zu diesem unbekannten Mann. Mit vor Zorn und Scham geröteten Wangen löste Brenna sich aus seiner Umarmung und kauerte neben ihm nieder, wobei sie sorgfältig darauf bedacht war, gebührenden Abstand zu wahren.
"Geben Sie mir Ihre Waffe, und verschwinden Sie hier!" verlangte er. Als Brenna sich nicht vom Fleck rührte, blickte er sie fragend an.
"Bringen Sie sich in Sicherheit, Prinzessin", wiederholte er ruhig.
"Sie können mit einer Flinte umgehen …?"
Zu Brennas Überraschung lächelte er, und als er ihr die Waffe aus der Hand nahm, schlug ihr das Herz vor Aufregung bis zum Hals. Unwillkürlich wich sie vor ihm zurück. Niemals durfte sie jemanden an sich heranlassen – niemals.
"Ich werde die Kerle in Schach halten, bis Sie in Sicherheit sind", erklärte er, lud die Waffe nach und nahm die Angreifer ins Visier. Brennas Blick fiel auf den goldenen Siegelring an seinem kleinen Finger und die in gleicher Farbe schimmernden Strähnen in seinem kastanienbraunen Haar. Dann raffte sie die Röcke ihres Jagdkostüms und floh durch den Wald, bis sie die Sicherheit des offenen Feldes erreicht hatte, froh über die Hunde an ihrer Seite. Hinter ihrem Rücken hallten Schüsse über die Lichtung, drei, vier, fünf … dann war es still. Sie biss sich auf die Unterlippe. Die Vorstellung, wie der Fremde getroffen zu Boden sackte, die grünbraunen Augen gebrochen und starr, schnürte Brenna die Kehle zu und erfüllte sie mit einem quälenden Gefühl des Verlusts und der Trauer.
"Bitte, lieber Gott, mach, dass er noch lebt, mach, dass er in Sicherheit ist!" Wieder und wieder sandte sie ihr Stoßgebet gen Himmel, während sie den Weg zu Airelies Manor hinaufeilte, hastig die schwere Tür des alten Herrenhauses öffnete und über die Schwelle trat. Das Blut pochte ihr in den Schläfen, als sie sich atemlos und erschöpft gegen die Tür sinken ließ. Durch den Lärm aufgeschreckt, eilte Mrs. Fenton, die Haushälterin, aus der Küche herbei, um nach dem Rechten zu sehen. Sobald sie Brennas Zustand gewahr wurde, war sie auf der Stelle an der Seite ihrer jungen Dienstherrin.
"Was um Himmels willen ist Ihnen denn widerfahren, Kindchen?" fragte sie aufgeregt und wischte sich die mehlbestäubten Hände an ihrer großen Küchenschürze ab.
"Im Wald treiben sich Straßenräuber herum. Verriegeln Sie alle Fenster und Türen und holen Sie die Pistolen aus dem Arbeitszimmer! Wenn der Gentleman, den sie ausrauben wollten, erschossen wird, stehen die Kerle als Nächstes hier auf Airelies vor der Tür. Ich glaube, sie haben mich gesehen!"
Hastig schob Rose Fenton die schweren Messingriegel vor. "Mein Gott, Brenna! Wir sind allein hier, nur Albert und der junge Stephen sind noch da. Da können wir unmöglich irgendwelche Straßenräuber erschießen!"
"Genau das habe ich soeben getan", entgegnete Brenna, abermals von Grausen gepackt, woraufhin die Haushälterin sich erschrocken bekreuzigte und inbrünstige Gebete an den Barmherzigen zu stammeln begann.
"Sie haben jemanden umgebracht?"
"Ich habe ihm das Knie zerschossen, glaube ich. Wenigstens wird ihn das ein wenig aufhalten." Brenna verzichtete darauf, den zweiten Räuber zu erwähnen. Der Gentleman ist gewiss in Sicherheit, sagte sie sich. Er hatte einen kräftigen, wehrhaften Eindruck gemacht und die Jagdflinte mit geübter Hand geladen. Sie versuchte, sich das Wappen in Erinnerung zu rufen, das sie auf seinem Ring gesehen hatte. Ein sich aufbäumender Löwe über zwei gezückten Dolchen. Stärke und Gefahr. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als Brenna daran dachte, wie gut dieses Bild zu ihm passte. Ihre blassen Wangen bekamen wieder Farbe, während sie von Fenster zu Fenster eilte, um jedes sorgfältig zu verriegeln. Sollte sie vielleicht zurückgehen, um dem fremden Gentleman zu helfen? Sie verwarf den Gedanken sofort wieder. Ihre Rückkehr würde ihn vermutlich eher gefährden, statt ihm zu nützen. Dennoch wollte die Anspannung einfach nicht von ihr weichen, während sie im Flur auf und ab ging, den Blick angestrengt ins Dunkel jenseits der Fenster gerichtet, damit ihr auch nicht die leiseste Bewegung entging.
Keine weiteren Schüsse hatten die abendliche Stille zerrissen, doch soeben waren vom Dorf her laute Rufe zu ihnen heraufgeschallt. Der Anblick von Mrs. Fentons schreckensbleichem Gesicht riss Brenna aus ihren Gedanken, und sie bemühte sich nach Kräften, ihre eigene Furcht vor der älteren Frau zu verbergen.
"Wer auch immer tot oder lebendig sein mag, er wird uns nun wohl nicht mehr belästigen", erklärte sie mit gespielter Ruhe und warf einen Blick auf die Standuhr am anderen Ende des Korridors. "Doch um ganz sicher zu gehen, packen wir morgen in aller Frühe unsere Koffer und kehren nach London zurück. Außerdem werde ich Albert bitten, Stephen hinunter nach Worsley zu schicken und Einzelheiten...




