Jager | Die Nacht der fallenden Sterne | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

Jager Die Nacht der fallenden Sterne

Wunderschöne Romantasy-Märchenadaption von »Sterntaler«
18001. Auflage 2018
ISBN: 978-3-646-60414-6
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wunderschöne Romantasy-Märchenadaption von »Sterntaler«

E-Book, Deutsch, 348 Seiten

ISBN: 978-3-646-60414-6
Verlag: Impress
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



**Die verlorenen Splitter des Herzens der Mondkönigin** Niemals trüben Wolken den Blick auf das Firmament des Landes Havendor. Der Mond leuchtet stets rund vom Himmelszelt und die Sterne flüstern sich Geschichten von Magie und Wundern zu. Legenden über den silbernen Thron der alten Könige... Als direkte Nachfahrin eben dieser Könige und rechtmäßige Regentin hat Luna die Erzählungen darüber schon immer geliebt. Doch nie hätte sie für möglich gehalten, dass sie wahr sein könnten. Bis eines Nachts die Sterne vom Himmel fallen und zu Männern werden - den Kriegern der Mondkönigin. Sie suchen nur eines: Luna. Nun muss Luna sich ausgerechnet mit dem Mann verbünden, der ihre Familie gestürzt hat und jetzt selbst Anspruch auf die Regentschaft erhebt: Hayes Hallender, dessen warme Augen eine trügerische Sicherheit versprechen. »Die Nacht der fallenden Sterne« ist eine Adaption des Volksmärchens »Sterntaler« und ein in sich abgeschlossener Einzelband. //Weitere märchenhafte Romane der Bestseller-Autorin Jennifer Alice Jager: -- Sinabell. Zeit der Magie  -- Being Beastly. Der Fluch der Schönheit  -- Secret Woods 1: Das Reh der Baronesse  -- Secret Woods 2: Die Schleiereule des Prinzen  -- Prinzessin Fantaghiro. Im Bann der Weißen Wälder -- Schneeweiße Rose. Der verwunschene Prinz (Rosenmärchen 1)  -- Blutrote Dornen. Der verzauberte Kuss (Rosenmärchen 2)//

Jennifer Alice Jager schrieb ihr erstes Buch während der Ausbildung zur Mediengestalterin. Schnell erlangte sie Bekanntheit durch ihre erfolgreichen Märchenadaptionen und Fantasyromane bei Carlsen Impress. Nachdem sie eine Zeit lang in Japan lebte, wohnt sie heute wieder in ihrer Heimat, dem Saarland. Dort widmet sie sich hauptberuflich dem Schreiben und verbringt ihre Freizeit am liebsten mit ihren Tieren in der Natur.
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Autoren/Hrsg.


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01.


Das Reich von Nebel umhüllt


Wie jeden Abend stand ich auf meinem Balkon und betrachtete die Sterne am tiefschwarzen Himmel. In ein einfaches Nachthemd gekleidet lehnte ich am Geländer und ließ den Wind an den Strähnen meiner hellbraunen Haare zupfen. Zu selten hatte ich die Gelegenheit, mein Haar offen zu tragen.

In meiner Heimat, auf der Insel Havendor, war jede Nacht wie die vorhergegangene. Nie trübten Wolken den Blick auf das Firmament, der Mond war rund und blass und wenn man die Sterne lange genug beobachtete, hatte man das Gefühl, ihr zaghaftes Flimmern sei eine Sprache – als flüsterten sie sich Geschichten zu, die von Magie und Wundern handelten.

Ich wusste, dass der nächtliche Himmel andernorts nicht so aussah wie hier. Zwar hatte ich meine Heimat noch nie verlassen und die Geschichten von Ländern, fern der kleinen, vom Nebel umschlossenen Insel, waren nichts weiter als Legenden, doch ich glaubte fest daran, dass da noch mehr sein musste. Außerhalb Havendors musste es andere Menschen geben. Andere Überlebende eines Krieges, der schon so lange zurücklag, dass sich kaum noch einer an ihn erinnern konnte. Nur wir Magnaten kannten die alten Geschichten.

Einst hatten unsere Vorfahren einen Pakt mit den Kindern des Lichts geschlossen. Den Dienern der Mondkönigin, ihrem Volk, das auf der anderen Seite der Sterne lebte. Von ihnen erhielten sie Magie und erhoben sich zu Königen.

Doch dann kam der Krieg, die Kinder des Lichts zogen sich in ihr Reich zurück und meine Vorfahren flohen mit den treuesten ihrer Anhänger auf diese Insel. Seit jenen Tagen lebten wir abgeschottet vom Rest der Welt. Die Magie hatte uns schon vor Generationen im Stich gelassen und die Kinder des Lichts waren zu Legenden geworden.

Hinter den Nebeln, so hieß es, zogen des Nachts Wolken über den Himmel. Dort nahm der Mond ab und zu, leuchtete und tauchte die Sterne und die Gesichter der Menschen, die sich ihm zuwandten, in sein silbriges Licht.

In Havendor waren es die Lichter des Palasts von Lymerik, die sich in den trüben Augen der Thrall widerspiegelten – der Nachfahren unserer einst so treuen Diener. Von hier oben, einem der höchsten Balkone des Palasts, sah man das natürlich nicht. Hier wirkten die Gossen sauber und die Häuser beschaulich.

Wie es den Thrall erging, wusste ich nur von meinen Bediensteten. Mir war es verboten, die Stadt zu betreten, und so war das Leben dort für mich ebenso fern und schwer zu greifen wie die vielen Geschichten von anderen Inseln und Ländern, von dem Reich hinter den Sternen, von Magie und Abenteuern.

Ich atmete tief ein und füllte meine Lungen mit der kühlen Abendluft. Wenn ich einmal die Nachfolge meines Vaters antreten, den silbernen Thron besteigen und Vorsitzende des Parlaments der Zwölf Familien werden würde, wollte ich vieles anders machen.

Es war nicht fair, dass nur wir ein Recht auf Wohlstand und Reichtum hatten. Nichts unterschied die Lightgrows, Hallenders und die anderen Familien von jenen, die keine Namen tragen durften. So sah zumindest ich es. Mein Vater und so ziemlich alle Magnaten, die ich kannte, teilten diese Meinung nicht.

Dabei gehörten die Zeiten, in denen die Thrall Ehrfurcht vor uns empfanden und glaubten, wir würden weiterhin Magie beherrschen und mit dem Volk hinter den Sternen im Bunde stehen, lange schon der Vergangenheit an. Das Blut der alten Könige war dünn, die Magie verblasst und die Namen der zwölf Familien würden das einst ebenfalls.

»Manchmal denke ich, du hast so oft schon in den Himmel geschaut, dass du ein Sternbild auf deiner Seele trägst«, meinte Emma, meine Ankleidedame.

Ich lächelte und wandte mich ihr zu. Sie stand im Türrahmen und sah mich freundlich an. Emma war eine große, dünne Frau, mit breitem Mund und immerzu ehrlichen, offenen Augen. Obwohl sie beinahe zehn Jahre älter war als ich und zudem eine Thrall, standen wir beide uns so nah, wie es nur Freundinnen konnten.

»Das sind Sommersprossen«, erklärte ich. »Und ich trage sie nicht auf meiner Seele, sondern im Gesicht.«

»Ist das so? Von all den Magnaten, die ich kenne, bist du die einzige, die überhaupt eine Seele hat, und ebendie spiegelt sich auf deinen Wangen wider.«

»Sprich nicht so«, bat ich mit gesenkter Stimme. »Wenn jemand hört, dass du schlecht von den Zwölf Familien sprichst, bekommst du Ärger.«

»Weil ich eine Thrall bin, ich weiß«, seufzte sie. »Weil ich nicht das Recht habe, über euch zu reden, zu denken oder mir eine Meinung zu bilden. Ich habe nicht einmal das Recht, mit dir so offen zu sprechen, aber du hast es mir erlaubt und deswegen ist es so, wie ich es sage. Du bist die einzige Magnatin mit einer Seele und auch die einzige, die bei so kalten Temperaturen im Hemd und mit nackten Füßen auf den kalten Balkonfliesen stehen würde. Komm jetzt rein, bevor du dich erkältest, Luna.«

Ich kam der Aufforderung nach und betrat mein Schlafzimmer. Es war, wie jeder Raum im Palast der Lightgrows, feudal eingerichtet und so groß, dass dort laut Emma problemlos drei Familien Platz gefunden hätten und dafür noch von den anderen Thrall beneidet werden würden.

Der Boden war mit weißem Seidenteppich ausgelegt, die Decke mit aufwendigem Stuck verziert. An den Wänden flackerten Gaslampen, die geweißelte Vertäfelung war aus edelsten Hölzern und an jedem Möbelstück gab es filigrane Ornamente, die mit Blattgold beschlagen waren.

Von solch hellen und großzügigen Schlafzimmern gab es Dutzende im Palast. Dazu mehrere Salons, Bibliotheken, Festsäle und natürlich den großen Konferenzraum, wo sich regelmäßig das Parlament versammelte und über das Volk entschied. Angeführt von Edwin Lightgrow, der auf dem silbernen Thron der alten Könige saß und sich selbst wie einer benahm. Als einer der letzten Magnaten, in dessen Adern noch das Blut der alten Könige floss, nahm er sich das Recht dazu heraus.

»Was ist mit meiner Mutter?«, fragte ich. »Hatte sie auch kein Herz?«

»Oh, sie war eine ganz liebe Frau«, meinte Emma. »Zumindest erzählt man sich das.«

»Siehst du, dann sind doch nicht alle Magnaten so herzlos, wie du behauptest.«

»Alle, die ich kenne, und da zählt deine Mutter nun mal nicht mit dazu.« Emma zog den Kleiderschrank auf und nahm eines der feinen Tischgewänder vom Bügel. »Das hier ist gut. Du hast es lange nicht mehr getragen und es schmeichelt deiner Figur.«

Sie breitete das blassblaue Gewand auf meinem Himmelbett aus. Das Kleid bestand aus mit Silberfäden durchwebtem Stoff, der leicht wie eine Wolke wirkte. Perlen verzierten den tiefen Ausschnitt und den bestickten Saum. Emma suchte dazu passend Silberschmuck und Schuhe aus.

»Ich hätte sie zu gerne gekannt«, meinte ich nachdenklich und zupfte an dem Stoff. Es machte mir nichts aus, mich jeden Tag dreimal umzuziehen, stundenlang mit meinem Hauslehrer über Allmögliches zu philosophieren, Tanz- und Klavierunterricht zu nehmen und für meinen Vater die brave Tochter zu sein. Wenn es mir nicht so leidtäte, dass anderen verwehrte wurde, was mir vergönnt war, hätte ich mein Leben genießen können. Doch manchmal, da sehnte ich mich nach mehr. Da wollte ich nicht länger die brave Tochter sein und mehr spüren als nur den Wind in meinen Haaren, wenn ich auf dem Balkon stand. Ich wollte frei sein, die Welt außerhalb des Palastes erkunden und Abenteuer erleben. Nur leider war mir das nicht vergönnt. Genauso wenig, wie es mir vergönnt gewesen war, meine Mutter kennenzulernen.

Mein Vater achtete sehr darauf, mich nicht in Gefahr zu bringen. Schließlich floss auch in meinen Adern das Blut der alten Könige und damit sicherte ich unserer Familie den Herrscherthron. Es kam nicht infrage, dass ich den Palast verließ, mich mit niederen Thrall abgab oder auch nur einen Happen aß, ohne dass mein Essen vorgekostet worden war.

Die Lightgrows hatten viele Feinde. Sie lauerten überall und waren einst meiner Mutter zum Verhängnis geworden.

»Sie war sehr zurückhaltend und schüchtern. So erzählt man sich. Eine zarte Blume, die viel zu schnell verblüht ist. Kein Wunder, wo sie doch in Edwin Lightgrows Schatten wachsen musste.«

»Jetzt sprichst du schon wieder schlecht von meinem Vater. Du solltest wirklich mehr auf dich achtgeben. Ich will nicht, dass dir etwas geschieht.«

Emma zuckte unbedarft mit den Schultern. In letzter Zeit war sie immer unvorsichtiger geworden. Ich konnte ja verstehen, dass sie frustriert und sorgengeplagt war. Ihr Bruder litt an einer hartnäckigen Lungenentzündung und ihr fehlte das Geld, ihn behandeln zu lassen. Doch so zu sprechen, hätte Emma ihre Anstellung, ihre Zunge oder gar ihr Leben kosten können. Was würde dann aus ihrem Bruder werden?

»Mach dir darüber keine Gedanken«, bat Emma. »Mir geschieht schon nichts.«

»Was ist mit unserem Plan?«, fragte ich. »Ich bleibe dabei, dass wir es versuchen sollten. Ich gehe in die Gärten, werfe ein paar Schmuckstücke über die Mauer und du sammelst sie auf der anderen Seite ein. Niemand wird uns dabei beobachten, wenn wir es während der Wachablösung machen, und du kannst den Schmuck verkaufen oder gleich gegen Medizin eintauschen.«

»Bin ich es jetzt, die dich ermahnen muss, vorsichtiger zu sein?«, fragte Emma. »Das ist viel zu riskant. Glaube mir.«

»Nimm den«, schlug ich vor und wollte mir meine Kette vom Hals lösen. »Es ist ein ungeschliffener Mondstein. Niemand wird Verdacht schöpfen, wenn du damit den Palast verlässt.«

Emma legte ihre Hände auf den Anhänger und schüttelte den Kopf.

»Das kann ich nicht annehmen«, lehnte sie ab. »Du hast ihn noch nie abgelegt. Ich weiß, wie wichtig er dir ist.«

»Nicht so wichtig, wie du mir bist«, widersprach...



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