Jacobs | Der Witwer | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 457 Seiten

Jacobs Der Witwer

Psychothriller
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-96148-785-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Psychothriller

E-Book, Deutsch, 457 Seiten

ISBN: 978-3-96148-785-1
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Ist er der perfekte Hauptverdächtige? Detective Hannah Montgomery ermittelt in Jonnie Jacobs Thriller »Der Witwer« - als eBook bei dotbooks. Sie ist die beste Ermittlerin des Monte Vista Police Departments - aber ihr neuer Fall lässt Detective Hannah Montgomery an ihren Instinkten als Polizistin zweifeln. Vor ihr sitzt Dr. Sam Russel, der vor Jahren unter Verdacht stand, seine erste Frau brutal ermordet zu haben und nur aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. Nun hat man ihn in seinem Auto gefunden, mit Blut unter seinen Fingernägeln, angeblich ohne Erinnerung, was passiert ist ... und seine neue Ehefrau ist spurlos verschwunden. Trotzdem kann Hannah nicht glauben, einem Mörder in die Augen zu schauen. Doch um die Wahrheit herauszufinden, muss sie Sam näherkommen, als ihr lieb ist ... »Spannende Lektüre vom Allerfeinsten, die voller Überraschungen steckt!« Chicago Tribune Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der atemberaubend spannende Thriller »Der Witwer« von Jonnie Jacobs. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Jonnie Jacobs ist eine amerikanische Krimi- und Thriller-Autorin. Sie hat ihren vormaligen Beruf als Rechtsanwältin aufgegeben, um sich voll auf das Schreiben zu konzentrieren und lebt mit ihrem Ehemann in der Nähe von San Francisco. Bei dotbooks erscheinen folgende Thriller von Jonnie Jacobs: »Tödliche Lüge« »Der Witwer«
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Kapitel 1


Ich hatte von Lisa geträumt. Es war spät im Frühjahr, und wie so oft am Sonntagvormittag schlenderten wir durch den Bostoner Stadtpark und genossen es, zusammen zu sein. Ich schob Mollys Buggy. Lisa legte mir den Arm um die Taille und sagte, wie sehr sie mich liebe. Das grenzenlose junge Glück, das ich damals genoss, wurde selbst in meinem Traum durch den Kummer getrübt, der folgen sollte ...

Ich klammerte mich an die Erinnerung, aber das durchdringende Klingeln ließ mir keine Ruhe. Es war lange her, dass ich Lisas Gegenwart so deutlich gespürt hatte.

Das beharrliche Trillern des Handys war schließlich stärker. Als ich auf dem Nachttisch danach tastete, griff ich ins Leere. Im Bruchteil einer Sekunde war ich hellwach. Ich öffnete die Augen und stellte fest, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich war.

Okay, ich saß in einem Auto, so viel war klar. Meinem Auto, genauer gesagt. In einem Straßengraben neben einer schmalen, staubigen Straße. Wahrscheinlich war der Wagen ins Schleudern geraten, bevor ich dort gelandet war, denn er stand leicht schräg entgegen der Fahrtrichtung. Ich hatte unerträgliche Kopfschmerzen, und mein Mund fühlte sich an, als wäre er voller Sägespäne.

Hastig tastete ich mich ab: Meine Gliedmaßen waren intakt, und ich konnte keine größeren Wunden oder Prellungen entdecken. Offenbar war ich nicht verletzt, zumindest nicht ernsthaft. Allerdings entdeckte ich immer neue schmerzende Stellen, vor allem an Rücken und Nacken.

Verletzt wohl nicht, aber extrem verwirrt.

Was für ein Tag war heute? Welches war der letzte Tag, an den ich mich erinnerte? Mühsam suchte ich in meiner nebelhaften Erinnerung nach Anhaltspunkten. Sie tauchten nur sehr langsam auf, wenn überhaupt.

Der Himmel war klar bis auf ein paar hohe Wolken. Das war ein gutes Zeichen, weil mir der Anblick vertraut vorkam. Ich fuhr mit der Hand über mein Kinn und entdeckte dabei einen weiteren Schmerzpunkt. Meine Bartstoppeln waren höchstens einen Tag alt. Ebenfalls ein gutes Zeichen. Was auch geschehen sein mochte – ich war nicht allzu lange außer Gefecht gewesen.

Das Mobiltelefon, dessen Klingeln aufgehört hatte, bevor ich richtig aufgewacht war, schrillte erneut. Ich griff in meine Jackentasche und warf einen Blick auf die Nummer. Mein Auftragsdienst.

»Dr. Russell? Ich habe einen Anruf für Sie. Eine Dame namens Sherri Moore. Sie sagt, sie ist keine Patientin, aber sie muss mit Ihnen reden.«

Sherri Moore war die Mutter von Mollys bester Freundin Heather. Erleichtert stellte ich fest, dass ich mich allmählich an immer mehr Einzelheiten erinnerte. »Stellen Sie durch.«

»Tut mir leid, dass ich dich stören muss, Sam, aber es ist schon fast Mittag.« Es klang, als wäre sie sauer, wollte es sich aber nicht anmerken lassen. »Wo bist du?«

»Ich, äh ...« Ich sah mich in dem ausgetrockneten, steinigen Gelände um. Hoffentlich war ich in der Nähe unseres Hauses. Sicher war ich mir nicht. Aber das hatte sie auch nicht wissen wollen. »Ich hatte einen Notfall«, sagte ich zur Erklärung. Das war zumindest nicht direkt gelogen.

»So etwas hatte ich mir gedacht. Ich hätte auch nicht angerufen, aber die anderen Mädchen sind schon weg, und Molly macht sich allmählich Sorgen.« Sherri legte eine kurze Pause ein. »Maureen wollte Molly spätestens um neun abholen.«

»Abholen ...«

»Heather hat eine Pyjama-Party gegeben, das weißt du doch sicher noch. Molly war die Nacht über hier.« Ihr Ton kam mir bekannt vor. So redeten Maureens Freundinnen, wenn sie einem zu verstehen geben wollten, dass Männer ohnehin keine Ahnung hatten.

Aber wenn es um Molly ging, wusste ich normalerweise sehr wohl Bescheid. Diesmal allerdings nicht. Mein Kopf war völlig vernebelt. »Wo ist Maureen?«

»Das weiß ich nicht, deswegen habe ich auch deinen Auftragsdienst angerufen. Ich habe es den ganzen Vormittag bei euch zu Hause versucht, aber es ist keiner ans Telefon gegangen. Auf dem Handy habe ich sie auch nicht erreicht.«

Hätte ich Molly abholen sollen? Gut möglich.

Obwohl Maureen und Molly mittlerweile besser miteinander auskamen als am Anfang, war uns allen bewusst, dass sie meine Tochter war und nicht Maureens. Gezwungenermaßen kümmerte sich meine Frau um Mollys Termine, aber für die praktischen Dinge war häufig ich zuständig. Nicht dass ich mich darüber hätte beschweren wollen. Molly war der Mittelpunkt meines Universums.

»Tut mir leid, Sherri. Wahrscheinlich haben Maureen und ich uns missverstanden. Ich bin so schnell wie möglich da, sagen wir in ...« Ich sah mich erneut um. Das Gelände war steil und steinig und zum Großteil von Gestrüpp bedeckt. Wo war ich überhaupt? »In einer Stunde«, schloss ich. Ich konnte schlecht zugeben, dass ich keine Ahnung hatte, wie lange es dauern würde.

»Es hat wirklich keine Eile. Wir haben uns nur Sorgen gemacht. Warte, ich geb dir Molly.«

»Wo bist du, Dad? Hast du mich vergessen?« Ihre Stimme klang traurig und ein wenig vorwurfsvoll.

»Ich habe dich nicht vergessen, Schätzchen, aber ich konnte von der Arbeit nicht weg. Du weißt doch, dass das manchmal vorkommt.« Leider wusste Molly das nur allzu gut. Ich verachtete mich selbst dafür, dass ich sie anlog. Dafür, dass ich mich in eine Situation gebracht hatte, in der ich lügen musste. Ich hatte geglaubt, das läge hinter mir. »Ich mach's wieder gut. Heute Nachmittag.«

»Es ist aber schon Nachmittag«, erwiderte sie mit der messerscharfen Logik einer Elfjährigen, die bald achtzehn werden würde.

Ich ignorierte die Spitze. »Ich bin bald da. Ich hab dich lieb.«

»Ich dich auch. Bis gleich.«

Mein Audi stand mit dem Heck nach unten schräg im Graben, aber die Böschung war nicht sehr steil. Es gelang mir, die Tür aufzustoßen und auszusteigen. Ich hoffte, die frische Luft würde für einen klaren Kopf sorgen. Stattdessen rebellierte mein Magen. Ich beugte mich vor, wobei ich mich am Auto festhielt, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Der bittere Geschmack von Galle brannte in meiner Kehle. Hinter meinen Schläfen pochte ein Vorschlaghammer.

Was hatte ich bloß getan? Selbst als ich rund um die Uhr getrunken hatte, hatte ich es meistens noch bis nach Hause geschafft. Und einen Kater hatte ich höchst selten gehabt.

Außerdem war ich nie ein schlampiger Säufer gewesen. Ein funktionierender Alkoholiker, um den Fachausdruck zu gebrauchen. Nur hatte ich nicht so gut funktioniert, wie ich geglaubt hatte.

Fast fünf Jahre lang war ich trocken gewesen, seit meiner Rückkehr nach Kalifornien. Ich war dem schwarzen Loch der Wut und Verzweiflung entkommen, in das ich nach Lisas Tod gestürzt war. Ich hatte ein neues Leben. Ein anderes Leben, aber es war gut. Wie hätte ich so dumm sein können, das zu riskieren?

Aber genau danach sah es aus. Irgendwann, vermutlich in den letzten vierundzwanzig Stunden, war ich schwach geworden und hatte etwas getrunken. Wahrscheinlich hatte ein Drink zum nächsten geführt und so fort, bis ich mich auf einer mordsmäßigen Sauftour befand.

Es wäre nicht der erste Ausrutscher gewesen – aber der erste, seit ich Maureen kannte.

Ich wischte mir den Mund mit dem Ärmel ab und versuchte erneut, mein Gedächtnis zu aktivieren. Nichts. Ich überprüfte das Datum auf meiner Armbanduhr. Sonntag, der 5. Mai.

Wenn gestern Samstag gewesen war, musste ich bis mittags Sprechstunde gehabt haben. Aber ich konnte mich an den Vortag überhaupt nicht erinnern.

Nachdem ich in meine Heimatstadt Monte Vista zurückgekehrt war und die Praxis von meinem Vater übernommen hatte, hatte ich mich besonders darauf gefreut, als altmodischer Hausarzt arbeiten zu können. Ich kannte meine Patienten und ihre Familien, manchmal seit drei Generationen. Warum konnte ich mich dann an kein einziges Gesicht, keinen einzigen Namen aus meiner Samstagssprechstunde erinnern? Es ging einfach nicht, so sehr ich mich auch bemühte.

Ich war bestimmt zur Arbeit gegangen, sonst hätte Ira Alarm geschlagen. Ira Kincaid war mein Freund und Partner. Davor hatte er die Praxis gemeinsam mit meinem Vater geführt. Er kümmerte sich mit militärischer Disziplin um die täglichen Abläufe. Manchmal ging mir das auf die Nerven, aber meistens war ich dankbar, dass er den Verwaltungskram von mir fernhielt.

Nun musste ich mir nur noch überlegen, wie ich Maureen die letzte Nacht erklären sollte. Vielleicht versuchte ich es mit der Wahrheit. Wahrscheinlich würde Maureen sogar Verständnis dafür haben. Natürlich würde sie sauer und enttäuscht sein – das war ich schließlich selbst –, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie mir die Sache lange unter die Nase reiben würde.

Dann erst merkte ich, welches Datum wir hatten. Der 5. Mai. Gestern war unser Hochzeitstag gewesen. Erst unser zweiter. Wie hatte ich ausgerechnet an diesem Tag einen Rückfall erleiden können? Wie hatte ich so dumm sein können?

Das körperliche Elend war gar nichts gegen den Selbsthass, den ich empfand. Wäre das Hämmern in meinem Kopf nicht so unerträglich gewesen, hätte ich meinen Schädel vielleicht gegen das Auto gerammt. Stattdessen verpasste ich dem Reifen einen Tritt.

Ein Tag nach dem anderen.

Das war in den letzten Jahren mein Motto gewesen. Zuerst hatte ich es für übertrieben simpel gehalten, aber dann fand ich heraus, dass es tatsächlich funktionierte. Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass ich wieder bei null anfangen musste. Ich musste mich vorwärtsbewegen.

Jetzt musste ich erst einmal aus dem Graben heraus und Molly abholen.

Ich fühlte mich elend, aber ohne Dusche und eine ordentliche Dosis Aspirin würde sich daran vermutlich auch nicht viel...



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