E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Isau Stilsicher schreiben in 10 Schritten
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7557-8756-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein leicht verständlicher Leitfaden zum Schreiben gut lesbarer, wirksamer und bewegender Texte
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-7557-8756-3
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
»Stilsicher schreiben in 10 Schritten« ist ein praktischer, unterhaltsamer und humorvoller Leitfaden für alle, die mit ihren Texten etwas bewegen wollen. »Stilsichere Texte sind ein Ausdruck des Respekts gegenüber den Lesern«, sagt Ralf Isau. »Sie verwandeln die Last des Lesens und Zuhörens in pure Lust.« In seinem Sachbuch vermittelt der Autor zehn grundlegenden Stilregeln für gut lesbare, wirksame und bewegende Texte. Denn wer nur 20 Prozent aller Stilregeln der Formulierkunst anwendet, kann einen zu 80 Prozent perfekten Text verfassen. »Stilsicher schreiben« ist mit Absicht einfach gehalten. Es richtet sich vor allem an jene, die sich mit dem Schreiben schwertun, weil sie die wichtigsten Grundlagen des Texterhandwerks nicht bewusst anwenden. Statt den Leser mit theoretischer Grammatik und Rhetorik zu langweilen, setzt das Buch auf sofort anwendbare Leitlinien für das stilsichere Schreiben von Werbetexten, Internettexten, Büchern, Schriftverkehr, Reden und für fast jede andere Art von Texten. Zahlreiche Positiv-negativ-Beispiele begleiten die »zehn Stilgebote«. Die didaktische Wirkung unterstreichen Marginalien mit Kernaussagen und Fotos von Streetart aus aller Welt mit plakativen Merksätzen. Selbst für geübte Texter ein nützliches Handbuch, das man stets in Reichweite haben sollte.
Ralf Isau ist 1956 in Berlin geboren und lebt heute mit seiner Frau in der Nähe von Stuttgart. Sein literarisches Werk umfasst über 40 belletristische Titel, vorwiegend Romane und Erzählungen, die in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Weniger bekannt ist er als Non-Fiction-Autor zahlreicher Essays und Fachartikel für Magazine, Tageszeitungen wie auch Onlinemedien. Sein erstes Fachbuch schrieb der gelernte Informatiker Mitte der 1970er-Jahre. Weitere Fach- und Sachbücher hat er als Koautor und Ghostwriter verfasst. In seiner Textagentur Phantagon schreibt er alles, »was bewegt«, für Web, Print und Reden. Das Essener Haus der Technik ernannte Ralf Isau im Jahr 2013 zum Bildungsbotschafter. Für sein literarisches Schaffen erhielt er zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter 1998 den »Buxtehuder Bullen« für das beste erzählende Jugendbuch im deutschsprachigen Raum.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
4. Fasse dich kurz »Wer was zu sagen hat, hat keine Eile. Er lässt sich Zeit und sagt’s in einer Zeile.« Erich Kästner Wer gutes Deutsch scheiben will, muss um jede Silbe geizen. Er wählt kurze Wörter und textet knappe Sätze. Das Sprichwort »In der Kürze liegt die Würze.« gilt heute mehr denn je: Die meisten Leser wünschen sich gut verdauliche Wissenshäppchen. Sollten Sie kein Autor epischer Fantasy-Trilogien sein, lege ich Ihnen daher das 4. Stilgebot ans Herz: Fasse dich kurz. Das Paradox
»Ich habe den gegenwärtigen Brief aus keiner andern Ursach so lang gemacht, als weil ich nicht Zeit hatte, ihn kürzer zu machen.« Blaise Pascal Es klingt schon widersinnig zu behaupten, man brauche zum Schreiben eines kurzen Texts mehr Zeit als für einen langen. Genau das hat der französische Naturwissenschaftler, Philosoph und Literat Blaise Pascal getan. Im Postskriptum eines vierzig Seiten langen Briefes entschuldigte er sich, er habe einen langen Brief geschrieben, da ihm für einen kurzen die Zeit fehle. Mit diesem scheinbaren Paradox trifft Pascal die Wirklichkeit genau. Wir sind es ja auch gewohnt, in einem Drei-Sterne-Restaurant für weniger Essen mehr zu bezahlen. Oder bei Ferrari für ein kleineres Auto einen größeren Batzen Geld auf den Tresen zu legen als bei VW für einen dicken SUV. Im Leben erscheint so manches nur deshalb widersprüchlich, weil wir die falschen Kriterien vergleichen. Was bedeutet das im Hinblick auf die Behauptung von Pascal? Warum soll es länger dauern, kurze Texte zu schreiben als lange? Die Erklärung ist einfach: Je kürzer ein Text sein soll, desto mehr Zeit braucht der Verfasser, um den Kern der Aussage herauszuarbeiten. Worte mit Bedacht zu wählen, setzt Bedenkzeit voraus. Dem geistigen Kraftakt folgt dann das Schreiben in verständlicher Sprache. Auch das ist zeitaufwändig. Viele Texter vertauschen die zwei Schritte: Sie beginnen zu schreiben, ehe sie sich über die Quintessenz Ihres Textes im Klaren sind. Wie Spürhunde schnüffeln sie sie sich in einem verbalen Zickzackkurs durchs Gestrüpp ungeordneter Gedanken, bis sie (hoffentlich) irgendwann auf die Kernaussage stoßen. Wie soll dabei ein kurzer Text herauskommen? In diesem Abschnitt klären wir zunächst, warum viele Texte zu lang sind. Wir finden heraus, weshalb kurze Texte für das Verständnis so wichtig sind. Und zuletzt zeige ich Ihnen anhand von Tipps und Beispielen, wie Sie kurz und bündig schreiben. Beginnen wir mit der Gretchenfrage: Warum viele Texte zu lang sind
Sinnfreiheit
Textschaffende missachten kaum eine andere Stilregel so oft wie das Gebot der Kürze. Das liegt nicht nur am Zeitdruck. Bisweilen ist Länge auch Verschleierungstaktik. Wer nichts sagen will, aber muss, erklärt sich gerne sinnfrei. Damit das nicht auffällt, versteckt sich der Nonsens in einem unüberschaubaren Wust hochtrabender Worte. Solche verbalen Nebelkerzen kennen wir nicht nur von Politikern. Verschleierung
Auch manches Wirtschaftsunternehmen versteckt unangenehme Wahrheiten gerne im wuchernden Dickicht juristischer Formulierungen. Eindrucksvoll bewies das die britische Anwältin Jenny Afia. Sie hackte sich mit einem Buschmesser durch den Dschungel der allgemeinen Geschäftsbedingungen von Instagram. Bilanz: Die sieben Seiten langen AGBs des Bilderportals umfassten etwa 5000 Wörter. Afia stutzte sie kindgerecht auf wenige Sätze, die auf nur eine Seite passen. Und mit einem Mal kann jeder verstehen, welche Rechte sich das soziale Netzwerk herausnimmt. Da stehen Dinge wie: Offiziell gehören Dir alle von Dir geposteten Originalbilder oder -videos. Aber wir dürfen sie verwenden. Und überall auf der Welt können wir sie andere Leute benutzen lassen. Diese mögen uns dafür bezahlen. Dich werden wir nicht dafür bezahlen.1 Vielleicht ist das Beispiel ja ein Gedankenanstoß, die eigenen AGBs kürzer und verständlicher zu fassen. Spielen Sie gegenüber Ihren Kunden mit offenen Karten. Früher war Transparenz nur ein Modewort, heute ist sie Pflicht. Dünkel
»Der kann nicht viel taugen, den verstehen wir ja!« Lion Feuchtwanger So mancher missachtet das Stilgebot der Kürze noch aus einem anderen Grund. Er hält eine klare, leicht verständliche Sprache für ein Zeichen mangelnder Bildung. Das war auch dem Schriftsteller und Theaterkritiker Lion Feuchtwanger aufgefallen. Er mokierte sich 1927 über die Angewohnheit seiner Kollegen, aus der mangelnden Verständlichkeit eines Textes auf dessen Qualität zu schließen. Obiges Feuchtwanger-Zitat bringt es satirisch auf den Punkt. In meiner Textagentur ist mir das häufiger bei Medizinern aufgefallen. Angehende Ärzte lernen die medizinische Terminologie bereits in der Vorklinik, also zu Beginn des Studiums. Bis zu einem gewissen Grad mag das berechtigt sein. Wer um seine Gesundheit oder gar das Leben bangen muss, weiß es schätzen, wenn die behandelnden Ärzte sich untereinander ohne Doppeldeutigkeiten unmissverständlich austauschen. Leider benutzt mancher Experte seine Fachsprache nicht nur aus solch ehrenhaften Zwecken. Etliche pflegen mit ihrem Fachchinesisch und rekordverdächtig langen Schachtelsätzen ein elitäres Selbstbild: Sprache dient ihnen dazu, sich vom Rest der Welt abzugrenzen. Wer sich selbst genug ist, kann das gerne tun. Wollen Sie dagegen Menschen für sich gewinnen, verabschieden Sie sich bitte vom Standesdünkel. Formulieren Sie bündig und leicht verständlich. In Zeiten von Twitter und WhatsApp achten Leser mehr denn je auf kurze Texte. Wahre Größe zeigt, wer selbst schwierige Sachverhalte knapp, einfach und prägnant zu beschreiben weiß. Das ist übrigens nicht nur eine Frage des Stils. Es gibt gute wissenschaftliche Gründe, die gegen lange Texte sprechen. Dem Leser ins Hirn geschaut
Mehr Abwechslung fürs Auge
Forscher haben gründlich untersucht, wie Leser sich einen Text einverleiben: Das Auge hüpft bei der Lektüre gewissermaßen durch den Text. Jedes Innehalten zwischen zwei Sprüngen dauert nur etwa 0,2 Sekunden. Für den Sprung zum nächsten Fixationspunkt braucht es nur etwa 0,01 bis 0,05 Sekunden. Der Fokus des Auges beim Lesen misst im Durchmesser etwa zwei bis drei Zentimeter. Was sich jenseits dieses Kreises befindet, erscheint uns unscharf. In diesen Randbereichen bemerken wir nur noch Wortzwischenräume, Ober- und Unterlängen, Fettschrift, Großbuchstaben und ähnliche auffällige Merkmale. Diese Besonderheiten reichen aus, um das nächste Sprungziel anzusteuern. Je weniger Struktur ein Text aufweist, desto weniger Ruhepunkte findet das Auge: Es tut sich schwerer mit dem Lesen. Das ist übrigens einer der Gründe, warum wir Texte, die nur aus Großbuchstaben bestehen, viel langsamer lesen. Schon ein Doppelpunkt, Gedankenstrich oder Punkt am Satzende unterstützen das Auge bei der Fixation. Lange Wörter, Sätze und Texte hemmen indes den Lesefluss. Je mehr sich ein Leser mit dem Aufnehmen von Informationen plagt, desto öfter muss er im Text zurückspringen. Solche Rücksprünge, selbst wenn sie unbewusst erfolgen, hemmen also den Lesefluss: Der Leser fühlt sich bald unwohl mit dem Text und gibt schneller auf. Nur in der Gegenwart verstehen wir gut
Bei der Frage, wie unser Gehirn das Lesen bewältigt, ist Psychologen noch etwas anderes aufgefallen: Jeder Mensch besitzt ein Gegenwartsfenster von zwei bis drei Sekunden. Danach braucht unser Geist eine Zäsur, eine Verschnaufpause, um etwas Neues aufzunehmen. Was sich in dieses 3-Sekunden-Jetzt fügt, empfinden wir als passend und angenehm. Der Mensch kann sich sieben bis maximal neun Wörter merken. Bereits 1956 fand der Sprachwissenschaftler G. A. Miller heraus: Der Mensch kann sich sieben bis maximal neun Wörter merken. Spätere Forschungen erhärten diese Erkenntnisse. Siebenjährige verstehen gesprochene Sätze mit mehr als acht Wörtern kaum noch. Bei einem Drittel aller Erwachsenen setzt das Textverständnis beim elften Wort aus. Die Hälfte streicht beim vierzehnten Wort die Segel. Der »Überhang« geht Zuhörern unwiederbringlich verloren: Ein gesprochenes Wort lässt sich nicht zurückholen. Leser können zurücksetzen und noch mal nachsehen. Wie oft sie das tun, steht auf einem anderen Blatt. Diese Erkenntnisse aus der Forschung beweisen, was große Denker und Literaten schon immer wussten. Der Schriftsteller Erich Kästner etwa meinte: »Wer was zu sagen hat, hat keine Eile. Er lässt sich Zeit und sagt’s in einer Zeile.« Auch die meisten großen Dichter haben ihre Verse auf das Gegenwartsfenster zugeschnitten. Lange bevor Neurologen es entdeckten. Lassen Sie sich einmal die folgenden Anfangszeilen des Gedichts »Ende des Herbstes« von Rainer Maria Rilke auf der Zunge zergehen: Ich sehe seit einer Zeit, wie alles sich verwandelt. Etwas steht auf und...




