E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Irvin Ein Star für Jade
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5504-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5504-1
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der Schauspieler Mack Reese kommt an Bord, um für seinen nächsten Film zu recherchieren! Jade kann nicht verstehen, wieso sich die weiblichen Crewmitglieder ihres Schiffes in heller Aufregung befinden. Bis der Filmstar vor ihr steht und sie in seine leuchtend blauen Augen blickt ...
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
„Ist er schon hier?“
Jade Parker traute ihren Ohren nicht, als sie die Kabine des Captains betrat. Ausgerechnet der Mann, der gegen diesen ganzen bevorstehenden Zirkus immun sein und sich nur um die USS Baddager kümmern sollte, stellte ihr diese Frage. Außerdem hatte der Captain die weiße Ausgehuniform der Navy angezogen. Vermutlich war sie selbst der einzige Offizier an Bord, der heute nicht „die Weiße“ trug. Der missbilligende Blick des Captains auf ihre Khakiuniform war ein deutlicher Wink, dass sie es sich noch einmal überlegen sollte.
„Nein, Sir, er ist noch nicht eingetroffen.“ Und wenn sie Glück hatte, fiel der unerwünschte Gast ins Hafenbecken, bevor er an Bord ging. „Hier ist das Protokoll der Übung auf dem Hauptdeck. Wie Sie sehen, habe ich jene Änderungen angestrichen, die wichtig sind, damit wir die Inspektion bestehen. Darunter liegen die neuen technischen Anweisungen für den Einsatzfall. Der Chefingenieur hat bereits unterschrieben.“
Der Captain warf kaum einen Blick auf die Papiere und legte sie ab. Und dafür war Jade bis zwei Uhr morgens wach geblieben …
„Ist die Kabine vorbereitet?“
„Ja, Sir, und der von Ihnen gewünschte zusätzliche Schreibtisch wurde in mein Büro gestellt.“
„Gut.“ Der Captain zupfte ein Fädchen von der Weißen und strich die Taschen glatt. „Wenn das alles ist, Lieutenant Parker, können Sie gehen. Bestimmt möchten Sie gleich die Uniform wechseln und Posten auf Deck beziehen, bevor unser Gast eintrifft. Verständigen Sie mich sofort, wenn er da ist.“
Das war doch ein Scherz! Sie war vollauf beschäftigt, sollte aber auf dem Achterdeck herumhängen wie ein Groupie, bis der große Star sich herabließ zu erscheinen? Dieser Befehl passte ihr ganz und gar nicht, doch leider kam er vom Captain, und daher gab es nur eine einzige mögliche Antwort.
„Aye, aye, Sir.“
Jade drückte die Tür zum Lazarett auf und ging an zwei wartenden Matrosen vorbei zum Lazarettgehilfen hinter dem Pult der Anmeldung. „Ist Frau Doktor frei?“
„Ja, Ma’am, sie hat soeben die Visite beendet. Gehen Sie direkt hinein.“
Jade bog um die Ecke, betrat Karins Büro und ließ sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch fallen. „Ich brauche sofort Valium.“
Karin lächelte. „So schlimm kann es doch nicht sein.“
Jade legte den entblößten Unterarm auf den Schreibtisch. „Keine Pillen, Doc, sondern das pure Zeug. Ein ganzer Infusionsbeutel sollte reichen.“
„Jade“, erwiderte Karin lachend, „er ist noch nicht einmal hier … oder doch?“
Jade runzelte bei dem hoffnungsvollen Klang der Stimme ihrer Freundin die Stirn. „Nein, nicht du auch noch! Du hast geschworen, dass du nicht durchdrehst. Von mir aus können ihm auf diesem Kahn alle sonst wohin kriechen, aber du nicht!“
Karin wischte die Lachtränen mit einem Taschentuch weg, warf es in den Papierkorb und strich sich das kurze blonde Haar zurück. „Lieber Himmel, ist das eine reine Wonne, dich zu quälen.“
Jade seufzte. Sie war ihrer Freundin auf den Leim gegangen, nicht zum ersten und sicher auch nicht zum letzten Mal. „Schön, dass du dich auf meine Kosten amüsierst.“ Sie warf einen Blick auf die dampfende Tasse auf dem Schreibtisch. „Na gut, wenn du mir schon kein Valium gibst, wie wäre es dann mit Koffein?“
Karin warf einen Blick auf die Wanduhr und schob die Tasse über den Tisch. „Hast du dafür überhaupt Zeit? Der Captain hat doch gesagt, dass unser Gast jetzt eintrifft.“
Jade nahm dankbar einen Schluck von dem starken Gebräu. „Auf den Captain kann man sich auch nicht mehr verlassen. Er hat sich mit dem gleichen Virus angesteckt wie die gesamte Mannschaft. Du hättest ihn sehen sollen. Er hat vorhin fast gesabbert. Vermutlich ertrinken wir in Sabber, bevor der Kerl überhaupt an Bord ist.“
„Der Kerl hat einen Namen.“
Jade starrte finster in die Tasse. „Erinnere mich bloß nicht daran. Ich versuche, ihn zu vergessen.“
„Keine gute Idee. Schließlich ist es deine Aufgabe, ihn in den nächsten sechs Wochen glücklich zu machen.“
„Eigentlich habe ich eine Menge anderer Dinge zu erledigen. Was soll ich denn deiner Meinung nach für unseren Macbeth ausfallen lassen? Die Löschübungen? Oder die Simulation eines Wassereinbruchs? Da wäre auch noch die Übung für einen Chemieunfall.“ Jade stärkte sich mit einem kräftigen Schluck. „Nein, warte! Warum sagen wir nicht alles ab? Wen interessiert es, ob das Schiff einsatzbereit ist? Die Landesverteidigung ist bei weitem nicht so wichtig wie ein zweitklassiger Schauspieler.“
„Komm, Jade, so schlecht ist er nicht. Er ist sogar ziemlich gut, und das wüsstest du auch, hättest du seinen Film gesehen.“
„Das ist nur ein lausiger Slasher-Streifen, schön blutig und eklig. Dafür bekommt er bestimmt keinen Oscar. Warum hat man ihn ausgerechnet mir aufs Auge gedrückt? Ich will den Job nicht.“
„Genau deshalb wurde er dir zugeteilt“, entgegnete Karin lachend. „Du bist der einzige Offizier, der sich nicht den ganzen Morgen vor dem Spiegel herausgeputzt oder eine Liste von Seemannsgeschichten geschrieben hat, auf der er ein Autogramm haben will.“
„Du hast dich auch nicht herausgeputzt.“
„Ich habe diesen sagenhaften Blondschopf mit den himmlisch blauen Augen auf der Leinwand gesehen, meine Süße“, sagte Karin amüsiert. „Hätte ich nicht Visite machen müssen, hätte ich mich sicher herausgeputzt.“
Jade warf einen Blick auf ihre Uhr und stand auf. „Mist. Ich muss mich umziehen. In fünfzehn Minuten verkaufe ich nämlich Eiscreme auf dem Achterdeck, und dafür muss ich ganz in Weiß strahlen. Danke fürs Koffein. Ich stehe tief in deiner Schuld.“
„Besorge mir ein Autogramm, und wir sind quitt.“
Jade hob drohend die Hand. „Ich gebe dir gleich ein Autogramm auf deinem …“
„DCA, bitte aufs Achterdeck“, tönte es durch die Krankenstation.
Jade blickte gespielt traurig zum Lautsprecher hinauf. „Wie schade! Keine Zeit mehr zum Umziehen.“
„Wenigstens ist der Kerl pünktlich“, stellte Karin fest. „Daraus kannst nicht einmal du ihm einen Vorwurf machen.“
Jade lächelte grimmig. „Und ob! Wollen wir wetten?“
Reese blieb am Ende des Kais stehen und betrachtete das graue Ungetüm auf dem Wasser. Er wollte nicht hier sein. Ganz sicher nicht.
Leider musste er die nächsten sechs Wochen auf diesem Schiff verbringen, obwohl er sich geschworen hatte, nie wieder eines zu betreten. Er versuchte, die Erinnerungen zu verdrängen, doch mit jedem Schritt die Metalltreppe hinauf verstärkte sich der Druck auf seiner Brust.
Nicht daran denken!
In Gedanken ging er seine Lügengeschichte durch, während ihn seine Cowboystiefel in dieses schwimmende Gefängnis trugen. Er war Mack Reese, bekannter Schauspieler, dreißig Jahre alt und an Bord, um …
„Gesicht zum Heck und stillgestanden!“
Reese hatte das Deck fast erreicht, erstarrte und betrachtete die Reihe weißer Uniformen und die einzelne Khakiuniform. „Wie bitte?“
Der Befehl kam von der Person in Khaki. „Ich sagte, Gesicht zum Heck und stillgestanden!“
Dieser Stimme musste man einfach gehorchen. Er biss zwar die Zähne zusammen, gehorchte jedoch und fragte sich, warum er das überhaupt tat. Er drückte den Rücken durch und schaffte es, Haltung anzunehmen … schaffte es fast, Haltung anzunehmen.
„Sehr gut.“
Er lächelte bei dem zufriedenen Klang der leicht heiseren Altstimme. Offenbar hatte er einen Pluspunkt erzielt, indem er die Ehrenbezeugung für die Flagge richtig gemacht hatte. „Soll ich auch salutieren?“
„Nein.“
Der Pluspunkt war futsch.
„Wenden Sie sich an den Deckoffizier, den Mann mit den beiden goldenen Streifen auf den Schulterklappen, nennen Sie Ihren Namen und bitten Sie um Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen.“
Reese führte eine perfekte Rechtsdrehung aus.
„Sogar sehr gut.“
Er musste lächeln und verlor prompt wieder auch diesen Pluspunkt. „Mack Reese. Erbitte Erlaubnis, an Bord kommen zu dürfen, Sir.“
Der Deckoffizier nickte. „Erlaubnis erteilt.“ Er streckte Reese die Hand hin, als dieser das Schiff betrat. „Lieutenant Greg Coffey. Willkommen an Bord, Mr. Reese.“
Reese gab ihm die Hand.
„Lieutenant Coffey muss Ihr Gepäck überprüfen.“ Das war wieder die Khakiuniform.
Reese schaffte es gerade noch, die Tasche von der Schulter zu nehmen und sie in die Richtung von Lieutenant Coffey zu halten. Lieber Himmel, in dieser Khakiuniform steckte kein weiblicher Offizier. Das war auch keine Frau, sondern eine Nymphe, eine Meeresjungfrau mit Beinen, schlank und kurvenreich, mit großen grauen Augen, sündig vollen Lippen und einem energischen Kinn.
Die Rundungen unter der unansehnlichen Khakibluse und die schmale Taille, die durch die Gürtelschnalle aus Messing betont wurde, bewiesen, dass sich die alten Griechen geirrt hatten. Aphrodite war nicht dem Schaum der Meeresbrandung entstiegen, sondern stand hier vor ihm auf dem stählernen Deck eines modernen Schiffes der US-Marine.
„Macbeth!“
Die scharfe Anrede riss ihn aus seinen Gedanken. Reese richtete den Blick wieder auf ihr Gesicht. Sagenhafte graue Augen unterhalb einer roten Schirmmütze mit der Aufschrift „USS Baddager, AD 52“. War ihr Haar so schwarz wie die Wimpern?
„Mein Name ist Reese, Mack Reese.“ Er schenkte ihr...




