Iosivoni | Der letzte erste Blick | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten

Reihe: Firsts-Reihe

Iosivoni Der letzte erste Blick


1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7363-0413-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 464 Seiten

Reihe: Firsts-Reihe

ISBN: 978-3-7363-0413-0
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



MANCHMAL GENÜGT EIN EINZIGER BLICK ...

Das Einzige, was Emery Lance sich wünscht, als sie ihr Studium in West Virginia beginnt, ist ein Neuanfang. Sie möchte studieren, und zwar ohne das Gerede, das Getuschel und die verurteilenden Blicke der Leute zu Hause. Dafür nimmt sie sogar in Kauf, dass sie mit dem nervigsten Kerl aller Zeiten in einer WG landet. Doch es kommt schlimmer: Dessen bester Freund Dylan Westbrook bringt ihr Herz mit einem einzigen Blick zum Rasen. Dabei gehört er zu der Sorte Mann, von der Emery sich unbedingt fernhalten wollte: zu gut aussehend, zu nett, zu lustig. Und eine große Gefahr für ihr ohnehin schon zerbrechliches Herz ...

»Ein wirklich richtig gutes Buch, und die ganze Reihe ist genial!« BLUETENZEILEN

Die Neuauflage von Band 1 der FIRSTS-Reihe von SPIEGEL-Bestseller Autorin Bianca Iosivoni



Schon seit frühester Kindheit ist Bianca Iosivoni, geb. 1986, von Geschichten fasziniert. Mindestens ebenso lange begleiten diese Geschichten sie durch ihr Leben. Den Kopf voller Ideen begann sie als Teenager mit dem Schreiben und kann sich seither nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören.

Iosivoni Der letzte erste Blick jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


KAPITEL 1


Emery


»Es ist nicht gerade die feine Art, das erste Semester damit zu beginnen, jemandem die Nase zu brechen, Miss Lance.« Die Frau hinter dem Schreibtisch zog ihre randlose Brille ein Stück hinunter und warf mir einen tadelnden Blick zu. »Da stimmen Sie mir doch zu, nicht wahr?«

Nein, nicht wirklich. Genau genommen hätte es keine bessere Art gegeben, den ersten Tag meines neuen Lebens zu beginnen, als Mason Lewis eine reinzuhauen. Wobei ich ihm auch mein Knie in die Eier hätte rammen können. Das hätte diesem Vormittag die Krone aufgesetzt. Nachdenklich kratzte ich an dem verblassten Froschaufkleber auf meiner Umhängetasche. Ich hätte mir eine neue besorgen sollen, bevor ich hergekommen war, aber ich konnte mich einfach nicht von dem alten Ding trennen.

Ein Räuspern ließ mich aufblicken. Mrs Peterson sah mich auffordernd an. Oh, erwartete sie tatsächlich eine Antwort auf ihre rhetorische Frage?

Ich setzte ein Lächeln auf, das meine Highschoollehrer nie überzeugt hatte, doch vielleicht hatte ich hier mehr Glück. »Aber natürlich«, presste ich in der süßesten Stimme hervor, die ich aufbringen konnte.

»Schön.« Mrs Peterson öffnete eine Akte, auf der mein Name in großen schwarzen Buchstaben stand: Emery Lance. »Ihrer alten Schule zufolge ist dies nicht der erste Vorfall, bei dem Sie handgreiflich geworden sind.«

Verdammte Axt. Ich sank etwas tiefer in meinen Sessel. Da rutschte einem einmal die Hand aus, und schon landete es in der Schulakte. Dabei war das nur passiert, weil Stephen Merrick mich in der Mensa befummelt hatte.

Neben mir erklang ein Geräusch, das eine Mischung aus Schniefen und Schnauben war. Mason Lewis saß vornübergebeugt und versuchte sein Nasenbluten mit Toilettenpapier zu stoppen. Wenn er nicht gerade aussah wie ein abgeschlachtetes Schwein, war er ganz attraktiv. Millimeterkurzes Haar, groß, breitschultrig, tätowiert und mit einer offenen Sweatweste. Er war der Typ Mann, mit dem ich mich gut verstehen würde – müsste ich mir kein Zimmer mit ihm teilen.

Wer hatte sich das überhaupt ausgedacht? Klar gab es gemischte Wohnheime, sogar Badezimmer, die sich Jungs und Mädchen teilten. Aber wer steckte denn ein Mädchen zu einem wildfremden Kerl in ein Zimmer und zwang sie, für den Rest des Semesters zusammenzuwohnen? War doch klar, dass es dabei zu Unstimmigkeiten kam. Oder zu blutigen Auseinandersetzungen wie in unserem Fall.

»Mister Lewis hier soll Sie auf unangemessene Weise berührt haben«, sprach Mrs Peterson weiter. »Ist das korrekt?«

Auf unangemessene Weise? Nannte man das heutzutage so? Ich richtete mich wieder auf. »Er hat mir an den Hintern gegrapscht.«

»Gestreift!« Mason warf mir einen wütenden Blick zu. »Ich habe sie höchstens gestreift. Und es war unabsichtlich!«

»Ja, klar.« Ich drehte mich so zu ihm um, dass wir uns direkt in die Augen sehen konnten. Volle Konfrontation, kein Wegducken und Hinnehmen. Nie wieder. »Deine Hand hat sich nur zufällig zu meinem Hintern verirrt. Genauso zufällig, wie meine Faust deine Nase getroffen hat. Ach nein, höchstens gestreift.«

»Das genügt.« Mrs Peterson hob beide Hände wie ein Schiedsrichter und bedachte uns mit einem strafenden Blick. »An der Blackhill University dulden wir keine Gewalt. Nur in einer friedvollen, sicheren Umgebung können unsere Studenten ihr ganzes Potenzial entfalten und all das Wissen aufnehmen, das wir ihnen vermitteln. Es ist daher von größter Wichtigkeit …«

Ich klinkte mich in Gedanken aus und betrachtete meine geröteten Fingerknöchel. Inzwischen brannten sie, als hätte jemand Entwicklerflüssigkeit aus dem Fotolabor darauf geschüttet.

Ich konnte es kaum erwarten, endlich hier rauszukommen, mein neues Zimmer zu beziehen und meine Hand zu kühlen. Wäre da nicht dieser kleine Zwischenfall, der mich hierher gebracht hatte.

»Betrachten Sie dies als Verwarnung, Miss Lance«, beendete Mrs Peterson ihre Rede und faltete die manikürten Finger auf dem Schreibtisch.

»Das ist alles?«, rief Mason ungläubig. Der silberne Ring in seiner Unterlippe bebte. »Eine Verwarnung? Diese Furie hätte mich fast umgebracht!«

Angesichts des ganzen Blutes, das seit mehreren Minuten aus seiner Nase strömte, könnte das sogar stimmen. Ich erkannte meinen neuen Mitbewohner kaum wieder. Sein Gesicht war zur Hälfte unter Toilettenpapier verborgen, über seine Wange zog sich eine verschmierte rote Spur, und auch auf seinem gebräunten Unterarm waren dunkelrote Flecken zu sehen. Alles in allem könnte der Kerl einem Zombiefilm entsprungen sein. Sein tiefes Grollen würde dazu passen.

»Oh, bitte.« Mrs Peterson wedelte ungeduldig mit der Hand. »Sie haben eine angeknackste Nase, keinen Schädelbruch. Und hören Sie endlich auf, meinen Teppich vollzubluten.«

Ich presste die Lippen aufeinander, um mir mein Lachen zu verkneifen, aber mir entkam trotzdem ein glucksender Laut. Zwei Augenpaare richteten sich auf mich. Das eine forschend, das andere wütend.

Ich neigte den Kopf, bis mir mein eisblondes Haar vors Gesicht fiel und mein Grinsen verbarg. »Entschuldigung«, murmelte ich und tat, als würde ich meine pinkfarbenen Haarspitzen betrachten.

Damit schien sich Mrs Peterson zufriedenzugeben, obwohl Mason mich noch immer musterte, als wollte er mich eigenhändig aus dem Fenster werfen. Pech für ihn, dass sich das Büro der Hausverwaltung im Erdgeschoss befand.

»Bevor ich Sie beide entlasse, muss ich Ihnen noch eine Frage stellen.« Mrs Petersons ernster Blick wanderte zu mir.

Oh, oh. Ich kannte diesen Gesichtsausdruck. Ein Prickeln breitete sich in meinem Nacken aus, wie Ameisen, deren dünne Beinchen über meine Haut krabbelten. Ich unterdrückte den Impuls, mich zu schütteln, und setzte mich stattdessen auf. Schultern zurück, Rücken gerade, Kinn hoch erhoben. Zeig ihnen nicht, wie sehr sie dir zusetzen.

»Hat Mister Lewis Sie sexuell belästigt?«

»Was?«, schnappte er neben mir. Seine Fassungslosigkeit war nicht gespielt, genauso wenig wie das Entsetzen in seiner Miene. »So etwas würde ich nie tun!«

Es überraschte mich selbst am meisten, aber ich glaubte ihm. Mason war nicht wie die Jungs an meiner Highschool, die mir im letzten Jahr das Gefühl gegeben hatten, eine billige Schlampe zu sein. Das hier war nicht Montana. Ich war weit weg von zu Hause. Nur weil Mason und ich einen schlechten Start gehabt hatten, bedeutete das nicht, dass ich ihn für einen Sexualstraftäter hielt. Oder ihn allein mit meiner Aussage in den Augen der Welt zu einem machen wollte. Wenn es jemanden gab, der wusste, wie zerstörerisch Gerüchte sein konnten, dann ich.

»Nein«, antwortete ich ehrlich. »Es war ein Missverständnis«. Das sich hoffentlich geklärt hatte, nachdem ich ihm eine runtergehauen hatte.

Mrs Peterson fixierte uns einige Sekunden lang schweigend, dann schloss sie die Akten auf ihrem Tisch. »Gut. In dem Fall ist alles geklärt. Sie dürfen gehen.«

»Was ist mit dem Zimmer?«, fragte ich sofort. »Auch wenn es ein Missverständnis war, würde ich gern ein anderes zugewiesen bekommen.«

»Ich bin stark dafür«, brummte Mason und riss die letzten Blätter von der Klopapierrolle in seinen Händen, um sie gegen seine Nase zu pressen.

»Tut mir leid.« Scheinbar mitfühlend zog Mrs Peterson die Schultern hoch. »Das ist eine ungewöhnliche Situation, und ich bin sicher, bei der Einteilung ist jemandem ein Fehler unterlaufen. Aber eine Umsiedlung in ein anderes Zimmer oder Wohnheim ist zu diesem Zeitpunkt leider unmöglich, da zum Semesterbeginn nichts mehr frei ist. Sofern sich keiner von Ihnen eine Wohnung außerhalb vom Campus suchen möchte, müssen Sie fürs Erste miteinander auskommen.«

Wie bitte? Das war alles? Ich starrte die Frau hinter dem Schreibtisch an. Sie hatte gut reden, sie musste sich kein Zimmer mit irgendeinem Mistkerl teilen, dessen Hand sich aus Versehen zu ihrem Hintern verirrte.

»In ein paar Wochen kann das natürlich anders aussehen«, redete Mrs Peterson unbeirrt weiter. »Ich habe mir Ihre Handynummern und E-Mail-Adressen notiert und werde Sie informieren, sobald etwas frei wird.«

Als wäre damit die Welt wieder in Ordnung, stand Mrs Peterson auf, schüttelte uns die Hände und scheuchte uns aus ihrem Büro. Im Gang bog Mason sofort nach rechts ab und steuerte die Männertoilette an. Vermutlich, um sich eine neue Rolle Klopapier zu besorgen.

Ich blieb allein in dem kühlen Flur zurück. An einem College, das ich nicht kannte, in einer fremden Stadt in einem Bundesstaat, in dem ich nie zuvor gewesen war. Mit dem zweifelhaften Talent, mir gleich am ersten Tag Feinde zu machen. Großartig.

Schwüle Luft schlug mir entgegen, als ich aus dem Verwaltungsgebäude ins Freie trat. Es war Mitte August und deutlich wärmer als zu Hause in Missoula. Ich vermisste die schneebedeckten Berge in der Ferne, die ich jeden Tag und jede Nacht meines Lebens gesehen hatte. Mit einem Kopfschütteln wischte ich das aufkeimende Gefühl von Heimweh beiseite. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden, so weit von zu Hause entfernt zu studieren, und würde sicher nicht beim ersten Zwischenfall einknicken. Nicht einmal, wenn ich einen Vermerk in meiner Akte bekam, noch bevor das Semester richtig begonnen hatte.

Langsam setzte ich mich in Bewegung. An diesem Samstagvormittag entdeckte ich nur vereinzelt andere Menschen auf dem Campus, aber mir gefiel die Stille. Ich war gut darin, allein zu sein. Das Einzige, was mir in diesem Moment fehlte, war meine Kamera, um die Eindrücke um mich herum...


Iosivoni, Bianca
Schon seit frühester Kindheit ist Bianca Iosivoni, geb. 1986, von Geschichten fasziniert. Mindestens ebenso lange begleiten diese Geschichten sie durch ihr Leben. Den Kopf voller Ideen begann sie als Teenager mit dem Schreiben und kann sich seither nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.