Innocenti | Trügerisch | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 305 Seiten

Innocenti Trügerisch

Psychothriller
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7438-9839-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Psychothriller

E-Book, Deutsch, 305 Seiten

ISBN: 978-3-7438-9839-4
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



An der Seite ihres frisch angetrauten Ehemannes Ralph schöpft die vom Schicksal gebeutelte Kinderbuchautorin Eva neuen Lebensmut. Der Besuch von Ralphs Nichte Viola bringt Ruhe in ihren hektischen Alltag, denn die liebreizende junge Frau macht sich schnell durch ihre Hilfsbereitschaft unentbehrlich. Endlich kann Eva sich voller Tatendrang in neue Projekte stürzen. Ihrer misstrauischen Cousine Jess fallen indes Ungereimtheiten auf, denen sie auf den Grund gehen will. Ihre Nachforschungen bringen sie jedoch in tödliche Gefahr ...

Innocenti Trügerisch jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2
  Der folgende Morgen sah dann ganz anders aus. „Wie spät ist es denn?“, grummelte Ralph schlaftrunken unter seinem Kissen hervor. Eva äugte stöhnend zum Digitalwecker. Elf Uhr. Morgens oder abends? Nochmaliges Blinzeln klärte ihren Blick und sie erkannte die Buchstaben AM, die in grüner Leuchtschrift blinkten. „Fast Mittag“, knurrte sie wortkarg, hin und hergerissen zwischen den Optionen, noch weiterzuschlafen oder aufzustehen. Ihre innere Uhr beharrte auf der Behauptung, es sei erst zwei Uhr nachts. Lustlos ließ sie sich in die Kissen zurücksinken. Wenn ich jetzt weiterschlafe, werde ich es heute Abend büßen und keinen Schlaf finden, das ist ja wohl klar. Sich auf die Seite wälzend, betrachtete sie zärtlich ihren Mann. Ralph war schon wieder ins Land der Träume abgetaucht. Plötzlich durchflutete sie eine solch immense Vorfreude auf den Ehealltag mit ihrer großen Liebe, dass es ihr beinahe den Atem raubte. Ihren inneren Schweinehund überwindend stand Eva ächzend auf und schlurfte müde in die Küche. Zum Glück ist wenigstens Kaffeepulver in ausreichender Menge vorhanden, dachte sie. Ansonsten wüsste ich wirklich nicht, wie ich heute in die Gänge kommen sollte. Eine Weile saß sie vor ihrer dampfenden Tasse am Küchentisch und schwelgte in Erinnerungen. Die Flitterwochen waren der Hammer. Einfach unbeschreiblich schön. Zwei Wochen Kalifornien: San Diego, Los Angeles, San Franzisco – das ganze Programm. Der kleine Abstecher nach Las Vegas ... Unbarmherziges Klingeln an der Haustür unterbrach ihre Träumereien. Oh Gott, wer ist das denn? Eva gähnte und erwog kurz, einfach nicht zu reagieren. „Eva? Eva! Hallo? Bist du da?“, ertönte es von draußen. Der rostrote Lockenkopf ihrer quirligen Cousine und Nachbarin Jessica Kessler erschien am Küchenfenster. Ergeben schleppte sich Eva zur Haustür. „Ha, da ist ja die Flitterwöchnerin! Guten Morgen, Liebes!“ Jess küsste Eva links und rechts auf die Wange, drängte sich unaufgefordert an ihr vorbei und marschierte zielstrebig in Richtung Küche. Dabei wedelte sie mit der mitgebrachten Tageszeitung, während sich in ihrer anderen Hand eine große Bäckertüte befand. „Wie du siehst, komme ich nicht mit leeren Händen.“ Aus der Papiertüte duftete es verlockend nach frischem Brot. „Oh, Jess, du bist ein Engel!“ „Na ja, ich dachte, nach dem ganzen Toast da drüben würdest du ein schönes knuspriges Bauernbrot zu schätzen wissen. Außerdem habe ich deine geliebten Käsesemmeln, zwei Brezeln und ein paar Vollkornbrötchen mitgebracht.“ „Was wäre ich nur ohne dich?” Eva warf Jess ein Küsschen zu, schnitt das Endstück des großen, noch warmen Brotlaibs ab und biss genussvoll hinein. „Hmmm… das ist eins der wenigen Dinge, die ich echt vermisst habe. Obwohl wir ja im Hofbräuhaus in Las Vegas was Deutsches gegessen haben. Aber komm, setz dich doch, ich habe gerade frischen Kaffee gekocht.“ Sie deutete auf einen freien Stuhl. Flüchtig kam ihr der Gedanke an die vergangene Nacht, als sie und Ralph in der Küche … „Nein, ich kann leider nicht bleiben. Tom und ich fahren über das Wochenende zu seinen Eltern, mein Schwiegervater feiert doch seinen Siebzigsten. Ich wollte dir nur schnell Hallo sagen und –“ Sie schlug sich mit der Hand an die Stirn. „Ich Dussel! Eigentlich wollte ich dir den Hausschlüssel zurückbringen, doch vor lauter Hektik habe ich ihn vergessen.“ „Macht nichts, ich habe sowieso schon überlegt, dir den Schlüssel für den Notfall zu überlassen.“ „Dein Vertrauen ehrt mich.“ Jess spähte aus dem Küchenfenster über die Straße zu ihrem Auto. Ihr Mann verstaute soeben eine große Reisetasche im Kofferraum “Ich muss jetzt auch schon wieder los, bevor Tom ungeduldig wird. Wir müssen uns aber so bald wie möglich zusammensetzen, damit du mir alles über deine Traumhochzeitsreise erzählen kannst. Ich platze nämlich vor Neugier!“ Sie verabschiedete sich überschwänglich und hinterließ eine etwas perplexe Eva sowie eine betörende Duftwolke Chanel Nr. 5.   „War etwa unsere wilde Nachbarin da?“, erkundigte sich Ralph schnuppernd, als er frisch geduscht die Küche betrat. „Hier riecht es ja wie in einer Parfümerie.“ „Du hast recht. Jess war tatsächlich hier. Sie hat uns die Tageszeitung und frisches Brot gebracht. Lieb von ihr, oder?“ „Sicher. Total lieb.“ Eva legte den Kopf schief und musterte ihren Mann. „Kannst du mir zuliebe nicht versuchen, ihr eine Chance zu geben? Sie hat immerhin während der letzten zwei Wochen auf unser Haus aufgepasst Außerdem ist sie meine Cousine.“ „Weiß ich doch, Schatz. Eigentlich ist sie ja nur eine Cousine zweiten Grades, aber lassen wir das. Ich finde die Frau nur irgendwie … übertrieben. Und du weißt ja, was man sagt: Jess am Morgen bringt – au!“ Er wich lachend zurück und rieb sein rechtes Ohr, an dem Eva kräftig gezogen hatte. „Tut mir leid, es kam einfach so über mich. Oh Mann, hab´ ich Hunger“, wechselte er grinsend das Thema. „Weißt du was? Wir essen mittags auswärts und kaufen danach ganz gemütlich ein. Natürlich nur, wenn meine wunderhübsche Gattin sich endlich dazu bequemt, sich anzuziehen.” Eva war schon auf dem Weg nach oben. “Gib mir fünfzehn Minuten! Ach, und Ralph – hol schon mal den Wagen!”, rief sie in bester Derrick–Manier über die Schulter und eilte kichernd ins Bad. Aus ihrer Einfahrt biegend fiel Evas Blick auf Jessicas und Toms Haus auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Obwohl seine Bewohner erst seit einer guten Stunde verreist waren, machten die geschlossenen Rollläden und die jetzt leere Einfahrt einen geradezu abweisenden Eindruck. Thomas und Jessica Kessler. Lange Zeit hatten sich Eva und Jess aus den Augen verloren gehabt, doch die fürchterliche Tragödie, die Eva vor gut fünf Jahren traf und fast zerbrechen ließ, führte die beiden Cousinen wieder zusammen. Jess war unter anderem für Evas Umzug von Nürnberg nach Augsburg verantwortlich, da sie ihre von Trauer zerfressene Cousine nicht alleine wähnen mochte. Letztendlich verdankte Eva Jess ihr Leben. Wenn Jess sie an jenem Tag nicht gefunden und ihr dann ganz allmählich aus dem Scherbenhaufen ihres Lebens heraus geholfen hätte … Kurz betrachtete sie die dünnen, verblassten Narben an ihren Handgelenken. Nein, besser nicht daran denken. Fabian und Marcel werden für immer in meinem Herzen bleiben, aber ich bin nun bereit, mein eigenes Leben weiterzuleben. Und wie dieses Leben manchmal so spielt, spann Eva ihre Gedanken weiter. Niemand hätte zum Beispiel gedacht, dass Jess und Tom es so lange miteinander aushalten. Es gab nur wenige Paare, die augenscheinlich so wenig zusammen passten wie die Kesslers. Dabei führten sie nun schon seit fünfzehn Jahren eine offenbar liebevolle und harmonische Ehe. Nun ja, es gab wohl kaum jemanden, der nicht auf Anhieb gut mit Tom auskam: Er war einer der unkompliziertesten Menschen, denen Eva je begegnete. Jess hingegen einer der extrovertiertesten. Daher wohl auch Ralphs Abneigung gegen sie, überlegte Eva und betrachtete unauffällig ihren Mann. Was für ein markantes Profil er hat! Ich sollte ihn unbedingt mal zeichnen. Sie ließ ihre Augen auf Ralphs maskulinen Gesichtszügen ruhen und sog wie ein Schwamm jedes noch so kleine Detail auf: Sein von der kalifornischen Sonne gebräunter Teint mit dem leichten Bartschatten, den sie so unheimlich erotisch fand. Die zum Teil von störrischen dunklen Haarsträhnen verdeckte Stirn und seine geraden, definierten Augenbrauen, welche in Zusammenhang mit den langen Wimpern seine eisblauen Augen erst richtig zur Geltung brachten. Obwohl Ralph gerne selbstironisch über seine feminin angehauchte Nase witzelte, fand Eva diese gerade wegen der leicht nach oben zeigenden Spitze so anziehend. Sein ausgeprägter Unterkiefer mit dem kleinen Kinngrübchen war nicht so breit, dass das Gesicht eckig wirkte. Und diese feinen, nicht zu vollen Lippen könnte sie wirklich ununterbrochen küssen! Obwohl er konzentriert vor sich auf die Straße blickte, sang er lauthals Grenade von Bruno Mars mit und trommelte rhythmisch mit den Fingern auf das Lenkrad. Dann schien er zu spüren, dass ihre Augen auf ihm ruhten und wandte grinsend den Kopf in ihre Richtung. Einem inneren Impuls gehorchend, beugte sich Eva hinüber und drückte einen schnellen Kuss auf seinen Mund. „Wohin fährst du eigentlich? Essen wir nicht beim Italiener?“ „Doch, aber einer meiner Klienten hat erst kürzlich ein weiteres Restaurant in einem anderen Stadtteil eröffnet. Er liegt mir schon seit Wochen in den Ohren, ich solle doch mal mit meiner bezaubernden Frau Gemahlin vorbeikommen, deshalb fahren wir jetzt hin. Oder möchtest du unbeding zur Villa...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.