Iding | Mein innerer Kritiker kann mich mal | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

Iding Mein innerer Kritiker kann mich mal

Frieden schließen mit den kritischen Stimmen in mir
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96121-811-0
Verlag: Münchner Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Frieden schließen mit den kritischen Stimmen in mir

E-Book, Deutsch, 144 Seiten

ISBN: 978-3-96121-811-0
Verlag: Münchner Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Niemand macht uns das Leben so schwer, wie wir selbst. Es ist die leise Stimme im Ohr, die uns permanent an unsere Schwächen erinnert und uns bei jedem kleinsten Fehltritt verurteilt. Die gute Nachricht: Wir können diese negativen Gedanken in Positive umwandeln! Die erfahrene Autorin und Meditationslehrerin Doris Iding zeigt, wie wir mit einfachen Achtsamkeitsübungen, wirksamen Meditationen und hilfreichen MBSR-Übungen den Ursprung der kritischen Stimmen sichtbar machen und lernen, Frieden mit ihnen zu schließen, so dass sie nicht mehr gegen uns arbeiten, sondern mit uns. Mit einfachen Tricks hören wir auf, uns selbst zu sabotieren, uns Steine in den Weg zu legen und finden den Mut und die Kraft, das Leben zu führen, dass zu uns passt.

Doris Iding ist Meditations- und Achtsamkeitslehrerin, Autorin zahlreicher spiritueller Bücher und Redaktionsmitglied bei Yoga aktuell. Sie bildet Menschen aus und fort und leitet weltweit Seminare.
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TEIL 1: SICH SELBST NEU KENNENLERNEN


Betrachte dich mit den gleichen Augen, mit denen du die Menschen betrachtest, die du liebst. Dann wirst du erkennen, wie wunderbar du bist.

Hast du manchmal den Eindruck, dass du dich selbst an deinem Glück hinderst oder du selbst hart mit dir ins Gericht gehst? Manchmal ist es so, als wenn wir einen Saboteur – oder mehrere von ihnen – bei uns beherbergen, die uns das Leben schwer machen. Du erkennst sie daran, dass sie besonders dann auftreten, wenn du gestresst bist oder etwas schiefläuft. Dann befeuern sie dich. Leider nicht mit Zuspruch, sondern mit Anklagen und Zweifeln. Lange tragen wir diese inneren Widersacher mit uns herum, ohne sie zu bemerken. Indem wir sie kennenlernen, können wir unseren Umgang mit ihnen verändern und müssen uns selbst nicht mehr schlechtmachen.

Maria begegnete ihrem inneren Kritiker bewusst zum ersten Mal in der Küche. Das »Treffen« der beiden fand statt, als die 35-Jährige im Vorbeigehen eine Tasse vom Regal nehmen wollte. Dabei fiel versehentlich eine andere Tasse zu Boden und zerschellte in tausend Scherben. Es war ihre Lieblingstasse, ein Andenken an eine verstorbene Freundin. Als wäre dieser Verlust nicht schon schlimm genug, begann eine innere Stimme sie aufs Übelste zu beschimpfen: »Mein Gott! Du bist einfach zu blöd, um achtsam zu sein!« Dann setzte dieser innere Kritiker noch eins drauf: »Jetzt bist du schon ein paar Wochen in dem Achtsamkeitskurs, und trotzdem hat sich nichts verändert. Lass es einfach. Aus dir wird nichts mehr. Forget it!«

Maria zuckte zusammen. Im ersten Moment glaubte sie dieser Stimme. Doch dann ging sie auf Abstand zu ihr, indem sie diese Anklage zwar hörte, sie diese jetzt aber ihrem inneren Kritiker zuordnen konnte. Stattdessen nahm sie jetzt voller Selbstmitgefühl den Verlust der Tasse hin und begann zu weinen. Nicht, weil sie so eine dumme Nuss war, wie ihr innerer Kritiker ihr immer noch im Hintergrund ins Ohr rief, sondern weil das letzte Erinnerungsstück an ihre verstorbene Freundin gerade zerbrochen war.

Dass Maria ihren inneren Kritiker mit einer gewissen Distanz wahrnahm, lag an ihrer Achtsamkeit, die sie in meinem MBSR-Kurs kennengelernt hatte. MBSR bedeutet »Stressreduktion durch Achtsamkeit« und wurde von dem Amerikaner Jon Kabat-Zinn entwickelt. Es ist ein achtwöchiger Kurs, in dem wir uns selbst mit Achtsamkeit und Selbstmitgefühl begegnen. Kabat-Zinn definiert Achtsamkeit als eine Technik, bei der wir unsere Aufmerksamkeit wertfrei und offen auf etwas richten. Wir lassen das, was sich zeigt, da sein. Durch dieses Da-sein-Lassen erkennen wir besser, wer oder was sich zeigt. Und so können wir so manchen Darsteller unseres inneren Films besser identifizieren und, wenn nötig, Rollen neu verteilen.

Maria hatte viel geübt, um ihre eigenen Gedanken mit einer gewissen Distanz wahrzunehmen. Dadurch konnte sie sich in stressigen Situationen schneller entspannen. Vor dem Kurs hätte Maria sich wegen dem, was die innere Stimme sagte, noch lange schuldig und schlecht gefühlt und der inneren Stimme alles, was sie behauptet, abgenommen. Sie hätte nicht nur gedacht, dass sie einen Augenblick lang unachtsam gewesen war, sondern sich für den personifizierten Ausdruck der Unachtsamkeit gehalten. Eins kann er nämlich besonders gut, dieser innere Feind: Er wertet nicht nur den Fehler ab, den wir gerade gemacht haben. Er behauptet: Wir sind der Fehler! Aber dank des Kurses konnte sich Maria zum ersten Mal sagen: »Mein innerer Kritiker kann mich mal!«

Seit Maria achtsamer geworden ist, nimmt sie ihre innere Stimme anders wahr. Wenn sie ihr lauscht, hört sie ihr mit sehr viel Mitgefühl zu, ohne ihr alles zu glauben. Mal redet sie mit ihr, mal ignoriert sie sie. Maria weiß auch, dass ein Fünkchen Wahrheit in dem stecken könnte, was ihre innere Kritikerin sagt. Aber mehr auch nicht.

Maria ist nicht die Einzige, die innere Schimpftiraden über sich ergehen lassen muss, wenn ihr etwas allzu Menschliches in einem Augenblick der Hektik, einem unachtsamen Moment oder während einer schwierigen Situation passiert. Ich selbst kenne solche inneren Anklagen zur Genüge. Wie ist es bei dir? Vielleicht magst du an dieser Stelle einen Moment innehalten und dir Zeit nehmen, um zu überlegen, wann dein innerer Kritiker sich ungefragt bei dir meldet?

Heute lacht Maria ihrem inneren Kritiker in manchen Situationen sogar ins Gesicht, in anderen nimmt sie ihn in den Arm oder weist ihn in seine Schranken – je nachdem, was gerade angesagt ist. Du kannst das auch! Doch zunächst schauen wir uns an, wer diese innere Stimme überhaupt ist und wie genau sie es schafft, sich dauerhaft bei uns einzunisten.

DIE HERKUNFT DER INNEREN KRITIKER


Diese kleinen inneren scharfen Kritiker, ewigen Antreiberinnen oder nörgelnden Perfektionisten sind Teile unserer Persönlichkeit. Als Teilpersönlichkeiten begleiten sie uns schon so lange, dass wir uns ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen können. Wir installieren sie in unseren ersten Lebensjahren als Schutz gegen Verletzungen durch unsere Eltern, Lehrer, Verwandte, Freunde, Institutionen wie die Schule und schlussendlich durch unsere Gesellschaft, durch die wir geprägt werden. Kurz: Durch jene Menschen, die besonders in unseren ersten Lebensjahren eine wichtige Rolle spielen, werden diese inneren Kritiker bis zu unserem zwölften Lebensjahr geprägt. Dabei bilden sie sich abhängig von den Werten, mit denen sie genährt werden, entsprechend aus. In der Zeit der Adoleszenz, wenn eine Abnabelung von den Eltern erfolgt, werden die Persönlichkeitsanteile weiter durch die Peergroups, mit denen wir Umgang haben, beeinflusst. In dieser Zeit festigen wir innere Werte, die dann wegweisend für unsere weiteren persönlichen und beruflichen Wege sind.

Lange war man davon überzeugt, dass damit die persönliche Entwicklung im Gehirn weitgehend abgeschlossen sei. Man ging davon aus, dass das Gehirn nach Abschluss der Kindheit ein fix verdrahtetes und starr festgelegtes Organ sei, das eine bestimmte Anzahl von Nervenzellen mit unveränderlichen Verbindungen besitzt. Mittlerweile weiß man jedoch, dass sich das Gehirn bis zum Ende unseres Lebens gezielt verändern lässt. Diese Möglichkeit wird als »Neuroplastizität« oder »Gehirnplastizität« bezeichnet. Damit wird die Anpassungsfähigkeit unseres Gehirns beschrieben. Der Entdecker der Neuroplastizität, Michael Merzenich, konnte nachweisen, dass sensible Nerven durch wiederholte Reizung ein größeres Hirnareal bilden. Durch einen Lernvorgang stellt das Gehirn für häufig ausgeführte Tätigkeiten mehr Gewebe zur Verfügung. Metaphorisch kann man sich diesen Vorgang als Bau neuer Straßen vorstellen. Wenn zwei Neuronen gleichzeitig feuern, werden sie mit der Zeit stärker und werden leichter erregbar. Auf diese Weise kann unser Gehirn neue »Straßen« bauen, die bei sehr häufiger Wiederholung zu »Autobahnen« werden. Im Umkehrschluss werden solche Straßen abgebaut, die nur noch selten oder nicht mehr benutzt werden.

Richten wir unsere Gedanken, dem amerikanischen Neuropsychologen Rick Hanson zufolge, der sich intensiv mit der Auswirkung von Achtsamkeit und Selbstmitgefühl auf unser Gehirn beschäftigt hat, auf Sorgen, Selbstkritik und Wut aus, entwickeln sich neuronale Strukturen und Dynamiken, die Angst, geringes Selbstwertgefühl und gereizte, ängstliche und misstrauische Reaktionen auf uns selbst, auf andere und auf das Leben nach sich ziehen. Richten wir unseren Geist hingegen darauf aus, dass wir gut sind, so wie wir sind, und das Gute in uns selbst sehen, werden sich Qualitäten wie Achtsamkeit, Selbstmitgefühl, Stärke, Selbstvertrauen und innerer Frieden ausdehnen.1 Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Wir müssen aktiv und regelmäßig daran arbeiten, dass diese positiven Qualitäten bleiben und sich vermehren. Denn unser Gehirn hat die Tendenz, immer erst den Blick auf das Negative zu richten. Deshalb ist es so wichtig, sich der eigenen inneren Widersacher bewusst zu werden und die bereits vorhandenen guten in uns zu »füttern«, neue positive Stimmen zu installieren und ihnen vermehrt unsere Aufmerksamkeit zu schenken, und die störenden nicht mehr in den Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit zu stellen.

Wir selbst können jederzeit entscheiden, wem wir mehr Aufmerksamkeit schenken möchten und welchen Teilpersönlichkeiten wir zukünftig nur noch Nebenrollen geben möchten. Und ja, wir sind dazu in der Lage. Aber nur wir selbst können es. Veränderungen brauchen Zeit. Bis aus inneren Feinden Freunde werden, wird es ein paar Monate dauern. Aber: Es lohnt sich. Wir entdecken uns neu. Wir erfinden uns neu. Wir werden zur besten Version unserer selbst, weil diese Entdeckungsreise bei den meisten viele ungeahnte Talente auf die Bühne des Lebens bringt.

Bevor dieser Wandel passieren kann, ist ein bisschen Detektivarbeit angesagt. So wie bei Maria braucht es bei jedem von uns ein gewisses Maß an Übung, um die eigenen inneren Persönlichkeitsanteile kennenzulernen. Und da sie schon so lange zu uns gehören, braucht das Auffinden eine...



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