E-Book, Deutsch, Band 1, 388 Seiten
Reihe: Die Kelten-Saga
Hurst Die Tochter der Kelten
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98952-448-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Roman. Die Kelten-Saga 1 | Eine Fürstentochter kämpft für ihr Erbe - und gegen eine dunkle Prophezeiung!
E-Book, Deutsch, Band 1, 388 Seiten
Reihe: Die Kelten-Saga
ISBN: 978-3-98952-448-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Heidrun Hurst, geboren 1966 in Kehl am Rhein, ging schon als Kind gerne mit Hilfe von Büchern auf Reisen in fremde Welten und ferne Zeiten. Ihr Hunger nach geschriebenen Abenteuern und Literatur wurde schließlich so groß, dass sie sich einige Jahre später selbst dem Schreiben widmete. Seitdem veröffentlicht sie historische Romane, für die sie mit Leidenschaft und Neugier tief in die Recherche längst vergangener Zeiten eintaucht. Die Autorin im Internet: heidrunhurst.de facebook.com/heidrun.hurst instagram.com/heidrunhurst Bei dotbooks veröffentlichte Heidrun Hurst ihre dreibändige STRASSBURG-SAGA, die im eBook und Print erhältlich ist und als Hörbücher bei Saga Egmont. Bei dotbooks veröffentlichte sie im eBook auch ihre dreibändige RHEINTAL-SAGA sowie ihre zweibändige VIKING KINGDOM-Saga, die als Hörbücher bei Saga Egmont erhältlich ist. Bei dotbooks erscheint außerdem im Print und eBook »Die Tochter der Kelten«, der erste Roman in ihrer großen KELTEN-SAGA.
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Kapitel 1
Snehild schob sich vorsichtig unter den Fellen hervor, die schwer und wärmend über sie gebreitet waren. Sie wollte Aslak nicht wecken. Das gäbe nur Schwierigkeiten. Er hatte darauf bestanden, dass sie die Nacht über bei ihm blieb.
Sie schüttelte sich, blieb aber so nackt, wie sie war, einen Augenblick stehen. Sie trug lediglich wie immer ihre bronzene Wolfskette um den Hals. Sie war eine Erinnerung an ihre erste Liebe, den Wolfssohn Mánagarm, und sie würde sie stets in Ehren halten.
Eine zeitige Winterkälte hatte sich festgesetzt – obwohl das Herbstlaub noch an den Büschen und auf dem Waldboden flammte, war schon der erste Schnee gefallen –, sie erweckte ihre Haut zum Leben und brachte sie in Verbindung zum sinkenden Mond und den noch wachenden Nachttieren. Der Schnee war wieder geschmolzen, aber die Kälte ließ sie sich lebendig fühlen. Wenn sie zum Moorsee namens Urds Brunnen käme, würde sie all ihre Sinne brauchen.
Im schwachen Schein der Glut in der Feuerschale griff sie nach ihren Sachen. Die Morgendämmerung hatte noch nicht eingesetzt, im Königshof war alles still, doch sie hörte Sklaven, die sich draußen in der Halle an Herdfeuer und Töpfen zu schaffen machten.
Sie zog ihre Hose aus Wolfsfell und die wollene Tunika an, schnallte ihr Schwert um und warf sich den langen Wolfspelz über die Schultern. Nicht ohne Grund nannte man sie Snehild Grauwolf. Den Namen hatte ihr die Riesin Hyrrokin zusammen mit den Wolfskleidern gegeben.
Hyrrokin hatte ihr ebenso ein Kettenhemd und das schlanke Schwert Snehug aus einem besonders leichten, aber enorm starken Metall geschenkt. Das Schwert trug sie stets, die Ringbrünne nur, wenn nötig. Das war es zurzeit nicht. Aslak regierte sein Königreich Sialand mit harter Hand. Außerdem befanden sie sich im Königssitz Himlinge mit seiner ungewöhnlichen doppelten Befestigung aus einer Steinmauer und einer inneren Palisadenwand in Sicherheit.
Nachdem sie in die Stiefel geschlüpft war, schlich sie zur Tür, öffnete sie behutsam und schloss sie leise hinter sich. Aslak könnte verärgert sein, wenn er aufwachte und feststellte, dass sie das Bett verlassen hatte, aber auch wenn er König war und zu unbotmäßigen Untertanen sehr streng sein konnte, fürchtete Snehild sich nicht vor ihm. Ihr gegenüber verhielt er sich stets respektvoll. Und wenn sie miteinander ins Bett gingen, flüsterte er ihr sogar zu, sie solle bestimmen, wo’s langgehe.
Snehild ging durch die Königshalle. Eine junge Sklavin kniete vor der großen Feuerstelle und legte Holz nach. Das Feuer an der Stirnseite der Halle brannte den ganzen Tag über, und die Sklavin hatte es sicher die Nacht hindurch gehütet. Das Holz fing gleich Feuer, Flammen flackerten auf und beleuchteten das Gesicht der Frau.
Snehild sah, dass es Eldbjørg war. Der Feuerschein ließ blaue Flecken auf den Armen und eine geschwollene Braue über einem blauen Auge erkennen.
Aslak holte sich Eldbjørg öfter in sein Bett, wusste Snehild. Zuletzt erst vor ein paar Tagen.
»Bald öffnet Delling des Tages Pforte. Möge die aufgehende Sonne deinen Tag segnen«, sagte Snehild und versuchte freundlich zu klingen.
Eldbjørg hatte ein hartes Schicksal zu tragen. Sie war die Tochter eines reichen Baumeisters, doch Aslak hatte ihre Eltern vor ihren Augen getötet und sie selbst zur Sklavin erklärt. Das hatte sich im Rahmen der Hochzeit von Aslaks Bruder Roald mit der Kriegerin Berghild ereignet. Bei diesem Fest hatte es viele schlimme Vorfälle gegeben. Berghild hatte Aslaks und Roalds Vater, den regierenden König, erschlagen, und Aslak hatte Eldbjørgs Vater, den Baumeister, erstochen. Berghild hatte aus ihrer eigenen Hochzeit fliehen müssen und war auf dem darauf einberufenen Thing, auf dem Aslak Eldbjørg versklavt hatte, von ihm für vogelfrei erklärt worden.
Eldbjørg sah auf, sagte aber nichts. Früher war sie lebhaft und auf eine Art einschmeichelnd gewesen, mit der sie die meisten Männer für sich eingenommen hatte.
Unter Schmutz und den Prügelspuren war ihr Gesicht noch immer schön, aber sie hatte jetzt etwas Verbissenes an sich. Snehilds Erscheinung als Kriegerin in Wolfskleidern jagte ihr keinen Schrecken ein. Sie erwiderte ihren Blick so, wie sie allen begegnete, mit einem Anflug von Gleichgültigkeit.
Eldbjørg war nicht gebrochen, dachte Snehild. Tief in ihr steckte noch ein eigener Wille.
Snehild ging zu dem Kübel mit Trinkwasser am Ausgang. Sie füllte einen hölzernen Becher. Etwas Wasser war gut, doch essen wollte sie nichts, nicht bevor sie an Urds Brunnen eine Vision gesucht hatte. Ihr Körper sollte wach und hungrig sein, wenn sie Magie ausübte. Aslak wurde seit längerem von bösen Träumen heimgesucht, und er wollte wissen, was sie zu bedeuten hatten. Sie hatte ihm versprochen, in einer Vision nach Antworten zu suchen. So besessen war Aslak von seinen Albträumen, dass er bald an nichts anderes mehr denken konnte. Alle deuteten darauf hin, dass er bald sterben sollte.
Nachdem sie getrunken hatte, stellte sie den Becher auf dem Bord über dem Kübel ab und ging aus dem Haus.
Der anbrechende Tag traf sie mit einer Fülle von Eindrücken. Die Sterne der Nacht verblichen, sie fühlte die Zeit voranschreiten, Gersimi, der Morgenstern, leuchtete hell, der Bärenstern dagegen schwächer, Zukunft wurde zu Schicksalen, sie erahnte sie wie wirbelnde Schneeflocken im Sturm, denn sie war Snehild, von den Nornen gesegnet und im Schneesturm geboren.
Sie überquerte den Platz vor dem Königshof. Auch hier erwachte das Leben. Die wertvollen Reitpferde im östlichen Stall mussten gefüttert und gestriegelt werden, aus dem mit Eichenbohlen eingefassten Brunnen wurde Wasser geschöpft, aus Lagerhallen brachten Karren Versorgungsgüter zum Königshof und den angrenzenden Häusern.
Aus dem Haus der Wache marschierte die Ablösung zu den vier Toren von Himlinge, und König Aslaks Garde, die Thorswölfe, war bereits zum Morgenappell angetreten.
Vor ihnen stand Roald. Aslak hatte seinen Zwillingsbruder zum Anführer der Thorswölfe ernannt.
Die beiden hatten überhaupt keine Ähnlichkeit miteinander, und keiner wäre darauf gekommen, sie für Zwillinge zu halten. Snehild wusste nicht, ob nicht trotz der Ernennung noch immer Hass in Roald glomm. Aslak hatte Roald bei einer Prügelei ein Auge ausgestochen, er hatte ihren Kampf um die Königsherrschaft für sich entschieden, und er hatte Roalds frühere Frau, Berghild, für vogelfrei erklärt. Doch Roald wirkte zufrieden und gefasst.
Er hob sein Schwert zum Gruß, als sie vorbeiging. Sie erwiderte den Gruß mit einer Handbewegung.
Sie mochte Roald. Während Aslak ein Mann der Worte war, der strategische Pläne schmiedete und Charakter und Lügen anderer durchschaute, war Roald geradeheraus, verlässlich und stark wie ein Bär. Beide waren ihr sehr zugeneigt gewesen, doch es war Aslak, der mit seinem Scharfsinn und seinem zupackenden Umgang mit der Macht ihr Begehren erregt hatte. Seitdem versuchte sie zusammen mit dem Ratgeber Brynjulf, Aslaks vorausschauende, aber zuweilen auch harte Regierung Sialands auszubalancieren.
Aslak herrschte seit einem halben Jahr, doch Snehild hatte den Verdacht, dass ihm die Dinge zunehmend entglitten. Sie war besorgt. Man bekam den Eindruck, die Macht würde Aslak zunehmend quälen und ihn schwächer statt stärker machen. Ihn verfolgten Träume von Thronräubern und Mördern, und jeden beäugte er misstrauisch.
Snehild setzte ihren Gang durch den Ort zum Nordtor fort. Am östlichen Horizont war ein graues Tageslicht zu erahnen, Menschen traten aus ihren Häusern, kippten Abfälle aus, machten Feuer, holten frisches Wasser. Die ersten Händler beluden ihre Karren, bald würden sich die Stände auf Himlinges großem Markt füllen.
Die Wächter am Nordtor öffneten ihr ohne Fragen das Tor. Snehild war aufgrund ihrer äußeren Erscheinung und ihrer engen Verbindung zum König bekannt, und die meisten hatten sogar ein wenig Angst vor ihr. Viele waren der Meinung, dass sie zu den Zauberern gehöre, und Gerüchte über ihre seherischen Fähigkeiten waren im Umlauf. Vor allem das weiße Haar, das ihren Kopf umgab wie Pappelwolle, ließ Menschen raunen, sie stamme von Elfen ab.
Sie sah, wie das Tor hinter ihr geschlossen wurde, dann richtete sie den Blick nach Norden, wo der Moorsee Urds Brunnen lag. Nicht sehr weit vom Dorf entfernt. Sie hatte ihn beim ersten Schneefall nach Aslaks Thronbesteigung aufgesucht und dort die Bekanntschaft der Norne Urd gemacht. Grauenvolle Bilder aus der Vorzeit hatten sich ihr gezeigt, und sie hatte begriffen, dass dem Ort eine besondere Magie innewohnte.
Sie sah hinauf zu Gersimi. Während andere Sterne fast verschwunden waren, blinkte er noch immer am hell werdenden Himmel. Wenn sie am See eintraf, würde die Sonne gerade über den Horizont steigen. Genau der richtige Zeitpunkt, um eine Vision zu suchen. Nacht und Morgengrauen, die den Tag gebaren.
Sie folgte dem festgestampften Hauptweg bis zu seiner Gabelung in einen östlichen und einen westlichen Zweig, dort verließ sie ihn und ging über die Wiese weiter nach Norden. Die Erde war feucht, nicht von Regen, sondern weil sie von zahlreichen Wasserläufen durchzogen war, und um den Moorsee herum wurde sie sumpfig. Hinter dem Moor lag der große Nordwald, von dem es hieß, man brauche zwei Wochen, um ihn zu durchqueren. In den letzten Jahren hatte es niemand versucht. Auf der anderen Seite trieb Räuberhauptmann Gisli sein Unwesen.
Seine Bande war im Lauf der Jahre immer weiter angewachsen, regelmäßig fiel sie plündernd in Sialand ein und hatte sich vor einigen Jahren sogar erdreistet, den Königshof Himlinge anzugreifen. Der Angriff war zurückgeschlagen worden, aber es wurde berichtet, Gisli habe in Vallev Fuß...




