E-Book, Deutsch, Band 1, 413 Seiten
Reihe: Rothwell Brothers
Hunter Regency Darlings - Ein Lord zum Küssen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96898-179-6
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman | Rothwell Brothers, Band 1 - Das Romantik-Highlight für alle »Bridgerton«-Fans!
E-Book, Deutsch, Band 1, 413 Seiten
Reihe: Rothwell Brothers
ISBN: 978-3-96898-179-6
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Madeline Hunter studierte Kunstgeschichte und arbeitet heute als Lehrerin an einem College. Seit einigen Jahren schreibt sie außerdem mit großem Erfolg historische Liebesromane. Ihre Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und sind regelmäßig auf den Bestsellerlisten der »New York Times« und »USA Today« vertreten. Bereits zweimal hat sie den begehrten RITA-Award der »Romance Writers of America« gewonnen. Madeline Hunter lebt mit ihrer Familie in Pennsylvania. Die Autorin im Internet: www.madelinehunter.com Madeline Hunter veröffentlichte bei dotbooks ihre »Regency Flowers«-Reihe mit den Bänden: »Regency Flowers - Ein skandalöses Rendezvous« »Regency Flowers - Die widerspenstige Braut« »Regency Flowers - Eine Lady von zweifelhaftem Ruf« »Regency Flowers - Lady Daphnes Verehrer« Sowie ihre »Regency Darlings«-Reihe mit den Bänden: »Regency Darlings - Ein Lord zum Küssen« »Regency Darlings - Ein Lord zum Verführen« »Regency Darlings - Eine Lady zum Verlieben« »Regency Darlings - Ein Marquis zum Träumen«
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Kapitel 1
Ein Schatten zog auf, als der Besucher das Haus betrat. Alexia ahnte Böses, noch bevor sie sah, wer da gekommen war.
Sie ging gerade mit einem Handarbeitskörbchen die Treppe hinunter, als die gedämpften Stimmen aus der Eingangshalle sie innehalten ließen. Sie hörte jemand in barschem Ton reden, auch wenn sie die einzelnen Worte nicht ausmachen konnte. Doch sie hörte, dass das höfliche Widersprechen des Dienstboten keine Wirkung zeigte. Falkner, der Butler, wurde gerufen. Angesichts der entschiedenen, stillen Autorität, die dieser ausstrahlte, zogen sich die anderen Dienstboten zurück.
Alexia beschlich eine düstere Vorahnung, wie damals als man gekommen war, um der Familie mitzuteilen, was mit Benjamin geschehen war. Sie kannte dieses Gefühl zu gut, um die Warnung unbeachtet zu lassen. Schlechte Neuigkeiten verändern die Welt mit einem Schlag. Sie verändern die Luft, die Atmosphäre. Das menschliche Herz spürt bevorstehenden Kummer wie ein Pferd das nahende Gewitter.
Sie konnte sich nicht bewegen. Dass sie gerade zu den Cousinen in den Garten hinaus wollte, hatte sie völlig vergessen.
Sie sah nur zwei Beine auf sich zukommen. Es waren lange Beine, die in schwarzen, anliegenden Hosen und eleganten Stiefeln steckten. Sie folgten dem Butler zur Treppe. Falkner sah aus, als sei er einem König begegnet.
Dann erschien der Oberkörper des Besuchers, breite Schultern und ein dunkelhaariger Kopf. Er blickte zum Treppenabsatz auf, als habe er gespürt, dass er beobachtet wurde.
Alexia verstand sofort, warum Falkner den Anweisungen ohne Murren gefolgt war. Diese Gestalt, dieses Gesicht und diese Haltung hätten jedem Achtung eingeflößt, auch ohne von der gehobenen Stellung des Besuchers zu wissen. Dunkles, widerspenstiges Haar, das beinahe ungekämmt wirkte, umrahmte ein wohlgeformtes Gesicht mit starken, wie gemeißelten Zügen. Die tief liegenden, mitternachtsblauen Augen waren von Müdigkeit gezeichnet. Ungeduld zeigte sich im kantigen Kiefer und den aufeinander gepressten Lippen. Lord Hayden Rothwell, Bruder des Vierten Marquis of Easterbrook, bot den Anblick eines erschöpften Mannes, der fest entschlossen war, eine unangenehme Aufgabe zu Ende zu bringen. Es verstand sich von selbst, dass er nicht in Erwiderung einer der vielen Einladungen gekommen war, die Timothy im Laufe des vergangenen Jahres bei den Easterbrooks abgegeben hatte.
Während sich die Männer näherten, traf Falkners Blick den ihren und gab ihr seine Bestürzung zu verstehen. Auch der Butler ahnte, dass ihnen etwas Schreckliches bevorstand.
Lord Hayden blieb auf dem Treppenabsatz stehen und verbeugte sich beinahe unmerklich. Sie waren einander einmal vorgestellt worden, hatten damals aber nicht miteinander geredet. Während er den Kopf hob, wanderte sein Blick von ihren Füßen bis zu ihrem Kopf. Er betrachtete sie so eindringlich, so merkwürdig interessiert, dass Alexia spürte, wie ihre Wangen heiß wurden.
Lord Haydens Gesichtszüge veränderten sich. Die Augen strahlten mehr Wärme aus, und der Mund entspannte sich, als wäre eine Statue zum Leben erweckt worden. Ein Anflug von Anteilnahme ließ ihn unmerklich weicher werden.
Im Nu kehrte jedoch seine ernste Haltung zurück und verbannte die Freundlichkeit aus seinem Blick. Aber sie hatte genug gesehen, um Angst zu bekommen. Sie hatte das Mitleid in seinem Blick erkannt. O ja, die Ankunft dieses Mannes versprach nichts Gutes.
»Geleiten Sie Lord Hayden in den Salon oder in die Bibliothek, Falkner?« Es war dreist, diese Frage zu stellen, aber das kümmerte sie nicht. Im Laufe der Jahre hatte sie gelernt, dass es schlimmer war, auf schlechte Nachrichten zu warten, als sie sofort zu erfahren. Sie hatte nicht vor, gehorsam abzuwarten und sich Sorgen zu machen.
»In den Salon, Miss Welbourne.«
Lord Hayden ahnte, was sie vorhatte. »Ich möchte Miss Longworth wirklich nicht stören. Es handelt sich hier nicht um einen Anstandsbesuch.«
»Wir werden nicht nach ihr schicken, wenn Sie es nicht wünschen. Es wird allerdings noch eine Weile dauern, bis Mr Longworth Ihnen seine Aufwartung machen kann. Wir können wenigstens dafür sorgen, dass Sie es bequem haben.«
Alexia wartete nicht auf Zustimmung, machte auf dem Absatz kehrt und ging voran in die erste Etage.
Im Salon stellte sie das Körbchen ab und kümmerte sich wie versprochen um das Wohlergehen des Gastes. Sie spielte die Gastgeberin, obwohl er nicht danach verlangt hatte.
»Das Wetter ist außerordentlich schön für Januar, finden Sie nicht auch?«, fragte sie, nachdem er auf dem neuen, blau gemusterten Diwan Platz genommen hatte. »So ein herrlicher Tag, bis jetzt.«
Bei der bedauernswerten Betonung der Worte ›bis jetzt‹ runzelte er unmerklich die Stirn.
»Ja, in den letzten Tagen war es zu warm für die Jahreszeit«, erwiderte er.
»Ich finde solche Tage grausam, so sehr ich sie auch genieße.«
»Grausam?«
»Sie machen einen glauben, der Frühling stehe vor der Tür, obwohl doch noch so viele kalte und feuchte Monate vor uns liegen.«
Einen Augenblick lang lag etwas Spitzbübisches in seinem Blick. »Die warmen Tage mögen nicht von Dauer sein, aber ich ziehe es vor sie in vollen Zügen zu genießen und mich über die Kälte zu ärgern, wenn es soweit ist.«
So wie er das formuliert hatte, klangen seine Worte beinahe ungebührlich. Sie wechselte das Thema und sprach von den vergangenen Feiertagen. Was sie auch sagte, er stimmte ihr zu und sie bemühte sich, das stockende Gespräch nicht abreißen zu lassen.
Es war klar, dass er in Gedanken woanders war. Er dachte an das Treffen mit Timothy. Das drohende Unheil, das von diesem Mann ausging, ließ kaum noch Luft zum Atmen. Im Salon wurde es beklemmend eng.
Sie hielt es nicht länger aus. »Mein Cousin ist krank, Lord Hayden. Es ist ihm in seiner Verfassung vielleicht unmöglich, sich mit Ihnen zu treffen. Kann diese Sache denn nicht warten?«
»Nein.«
Mehr sagte er nicht. Nur dieses eine Wort, nüchtern, einfach und fest ausgesprochen.
Er wandte sich ab und starrte ins Nichts. Sie fragte sich, ob er ihre Anwesenheit wohl für anmaßend hielt. Sie war nicht die Herrin des Hauses, sondern nur eine Cousine. Da er darauf bestanden hatte, Roselyn nicht über seinen Besuch in Kenntnis zu setzen, war es nicht ihre Schuld, dass er jetzt mit Alexia, also mit zweiter Wahl, vorliebnehmen musste.
»Wenn ich meinem Cousin vielleicht eine Nachricht überbringen ließe, den Grund Ihres Besuches betreffend, könnte er ...«
Sie verstummte, weil er sie ansah wie ein Vikar, der ein plapperndes Kind während der Sonntagspredigt mit einem strengen Blick zum Schweigen bringt.
Sein Blick verriet, dass er durchschaute, was sie vorhatte. Aber das war ihr gleichgültig. Hayden Rothwell hatte den Ruf, geistreich, schroff und arrogant zu sein. Dieser Einschätzung konnte sie zustimmen, bis jetzt.
Sie hatte die ›Nachforschungen‹ vielleicht nicht sehr geschickt in Angriff genommen. Sie würde es auf andere Art versuchen. Da Lord Hayden für seinen Geschäftssinn in Finanzangelegenheiten bekannt war, brachte sie das Gespräch auf dieses Thema. Dies sollte ihn zugänglicher für andere Fragen machen. »Gibt es Neuigkeiten aus der City, Lord Hayden? Hält die Bankenkrise an?«
»Ich fürchte, sie wird noch einige Zeit andauern, Miss Welbourne. Leider.«
»So viel ich weiß, pflegen Sie Geschäftsbeziehungen zur Bank meines Cousins. Ich nehme an, dort geht alles seinen gewohnten Gang?«
»Vor einer Stunde, als ich die City verließ, gehörte Darfield & Longworth noch zu den zahlungsfähigen Banken.«
»Dem Himmel sei Dank. Dann hat es also keinen Ansturm auf die Bank gegeben. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht, da so viele andere Banken in Schwierigkeiten geraten sind.«
Belustigung lag in seinem harten, dunklen Blick. »Nein, die Bank wurde nicht von ihren Kunden gestürmt.«
Das erleichterte sie. Einige große Londoner Banken waren im vergangenen Monat in Konkurs gegangen. Die Zeitungen waren voll davon. Jetzt setzte sich die Pleitewelle fort und bedrohte die kleineren Banken auf dem Lande. Wo man auch hinging, überall war die Rede von Bankrott, Ruin und Konkurs. Sie befürchtete, dass Timothy aus Sorge um die Zukunft seiner Bank krank geworden war.
»Haben Sie Geld bei Darfield & Longworth angelegt?«, fragte er und schien tatsächlich interessiert.
»Nur eine winzige Summe. Ich sorge mich um meinen Cousin.«
Es war ihr doch gelungen, seine Aufmerksamkeit mit Fragen in Geldangelegenheiten zu erwecken. Ja, er war jetzt beinahe zu aufmerksam. Wieder betrachtete er sie prüfend von oben bis unten, noch länger als vorhin. Eine lässige Arroganz lag in seinem Blick, so als sei er im Gegensatz zu einem unbedeutenderen Mann zu solcher Dreistigkeit berechtigt. Er sah sie an, wie ein Mann, der nur zu gut um seine gehobene Stellung weiß und meint, sich deshalb über die Anstandsregeln hinwegsetzen zu können.
Besonders eindringlich betrachtete er ihre Augen. Er sog sie förmlich auf, und Alexia musste den Blick abwenden, um wieder klar denken zu können. Langsam und bewusst wanderten seine Augen weiter. Es wurde ihr warm im Gesicht und ein unangenehmes Prickeln spürte sie von Kopf bis Fuß. Er verwirrte sie zutiefst. Nur der Blick eines anderen Mannes hatte sie vor vielen Jahren auf ähnliche Weise überwältigt.
Das war ihr höchst peinlich. Sie hielt sich nicht für eine Frau, die für die Schönheit eines Mannes empfänglich war. Sie war keine alberne Göre wie die junge Irene. Im Stillen schimpfte sie mit sich, der Aufmerksamkeit Lord Haydens wie eine törichte alte Jungfer erlegen zu sein.
Nichts in seinem Blick deutete darauf hin, dass ihm bewusst...




