E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Hunter Masken der Lust
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7515-0522-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7515-0522-2
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sie trägt eine Maske und ist als Cabaret-Sängerin verkleidet. Wer ist diese Frau, die da gerade seinen Schreibtisch durchsucht? Mason Scott sieht rot. Warum ist sie nicht mehr auf der Kostümparty? Mit ein paar Schritten ist er bei ihr. Und sie in seinen Armen ...
Bevor Samantha Hunter sich voll und ganz dem Schreiben widmete, arbeitete sie zehn Jahre als Lehrerin für kreatives Schreiben an der Universität. Ihr erster Liebesroman, Virtually Perfect, den sie 2004 fertigstellte, wurde direkt veröffentlicht. Sieben weitere Liebesromane folgten bis heute. Samantha Hunter ist mit Leib und Seele Autorin. Und wenn sie sich doch mal eine Pause gönnt oder sich Gedanken über neue Geschichten für ihre Romane macht, dann verbringt sie gerne Zeit mit ihrer Familie, Freunden, Spaziergängen oder sie arbeitet mit Leidenschaft in ihrem naturbelassenen Garten. Außerdem ist Samantha süchtig nach den bekannten Fernsehserien Buffy - Im Bann der Dämonen, Lost, Desperate Housewives und Bones - Die Knochenjäger. Auch spannende, fesselnde und abenteuerliche Fantasygeschichten haben es Samantha angetan. Samantha Hunter lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren Hunden in Syracuse im amerikanischen Bundesstaat New York. Mehr über die Autorin lesen Sie unter www.samanthahunter.com. Samantha freut sich über Zuschriften von ihren Leserinnen unter samhunter@samanthahunter.com.
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1. KAPITEL
„Ich muss den Verstand verloren haben“, brummte Gina, als sie den Gulf Boulevard in St. Petersburg, Florida, hinabfuhr. Sie zitterte, obwohl es doch eine sehr milde Nacht war. Das musste daran liegen, dass sie so nervös war, und das wiederum lag daran, dass ihr Outfit kaum etwas von ihrem Körper bedeckte. Sie fühlte sich nackt.
Der knallrote schimmernde Body, der sowohl am Dekolleté als auch an den Beinausschnitten extrem viel Haut sehen ließ, gab ihr das Gefühl, nur halb angezogen zu sein. Eigentlich hatte sie gar keine Haut zeigen wollen – sie hatte ein ziemlich unspektakuläres Cowgirl-Kostüm beim Kostümverleih bestellt. Damit wäre sie auf der Party überhaupt nicht aufgefallen.
Als sie jedoch das Päckchen geöffnet hatte, kam ihr dieses Nichts aus glänzend rotem Satin entgegen, komplett mit schwarzer Fliege, Melone und Stock. Ein Paar aufreizende High Heels, die sie sich von ihrer Schwester Tracy ausgeliehen hatte, vervollständigten das Outfit und erschwerten das Autofahren. Sie würde jetzt also auf dieser Kostümparty nicht als Cowgirl erscheinen, sondern – extrem sexy – als Cabaret-Sängerin.
Es war zu spät gewesen, um noch ein anderes Kostüm zu besorgen. Und Tracy hatte sich furchtbar aufgeregt, als Gina angedeutet hatte, der gemeinsam ausgeheckte Plan sei vielleicht doch keine gute Idee.
„Du musst das durchziehen.“ Gina hörte immer noch Tracys flehende Stimme, während sie den Wagen vorsichtig durch die überfüllten Straßen von St. John’s Pass zu dem ruhigeren und teureren Viertel Pass-A-Grill Beach lenkte. Dort sollte sie sich unter die Gäste der Kostümparty mischen, die Rechtsanwalt Mason Scott alljährlich für seine Klienten und Kollegen veranstaltete.
Gina hätte das lieber in einem weniger aufreizenden Kostüm gemacht.
Aber es ging um Tracy. Sie steckte in Schwierigkeiten. Wieder einmal.
Um nicht wieder kehrtzumachen, erinnerte Gina sich an den Grund, weshalb sie hier war. Am liebsten würde sie sich in ihr gemütliches Apartment in St. Petersburg zurückziehen. Genug zu tun hätte sie, sie musste Artikel schreiben. Außerdem wollte sie sich jetzt endlich auf ein Stellenangebot bewerben, in dem eine Journalistin gesucht wurde.
Das wäre ein gewaltiger Fortschritt im Vergleich zu ihrer jetzigen Stelle als Restaurantkritikerin. Gina hatte schon immer davon geträumt, einmal als richtige Reporterin zu arbeiten, in der Welt herumzukommen und aufregende Storys zu schreiben. Endlich hatte sie den Entschluss gefasst, sich um eine entsprechende Stelle zu bewerben, da war wieder einmal Tracy, dieser kleine Hurrikan, dazwischengekommen. Sie brauchte ihre Hilfe.
Rein technisch waren sie nur Halbschwestern, aber sie waren zusammen aufgewachsen. Dass sie verschiedene Väter hatten, tat ihrer schwesterlichen Liebe keinen Abbruch, war jedoch der Grund dafür, dass sie von Grund auf unterschiedlich waren. Ihre Eltern genossen ihren Ruhestand in Palm Springs, und Gina bemühte sich, sie so oft wie möglich zu besuchen. Tracy tauchte nur an Feiertagen auf, aber ihre Eltern schienen nichts dagegen zu haben.
Tracy war schön, abenteuerlustig und impulsiv – das genaue Gegenteil von Gina. Tracy war es auch, die sich regelmäßig in Schwierigkeiten brachte und dann jedes Mal zu ihrer großen Schwester rannte, um sich helfen zu lassen.
Solange sie denken konnte, hatte Gina immer wieder für Tracy die Kartoffeln aus dem Feuer geholt. Als sie noch jünger waren, hatte Gina Tracy geholfen, wenn sie mitten in der Nacht sturzbetrunken ins Haus schlich. Später hatte Gina ihrer Schwester geholfen, sich von den falschen Männern zu trennen, immer wieder – bis hin zu ihrer Ehe mit Rio Alvarez, von dem Tracy sich gerade scheiden ließ.
Gina hatte Tracy angefleht, diesen Rio nicht zu heiraten, doch ihre Schwester hörte nie auf sie. Die Sache hatte in einem richtig heftigen Streit geendet, als Tracy gesagt hatte, dass Ginas langweiliges Liebesleben dieser wohl kaum das Recht gebe, anderen in Liebesdingen gute Ratschläge zu erteilen. Danach hatten sie eine Weile nicht miteinander geredet, aber sie waren nun einmal Schwestern, und Gina konnte niemandem auf Dauer böse sein.
Außerdem, Tracy hatte ja recht.
Ginas Liebesleben war nicht langweilig, es war tot. Am College hatte sie einen festen Freund gehabt, der sich aber später nur noch auf seine Karriere konzentriert hatte.
Später hatte sie hier und da mal ein Date gehabt, selten auch einmal einen Lover. Seitdem sie freiberuflich als Journalistin arbeitete, war es noch schwieriger geworden, sich mit interessanten, attraktiven Männern zu treffen. Tracy jedoch traf genug Männer für sie beide und hatte damit offenbar auch nach ihrer Heirat nicht aufgehört – jedenfalls behauptete das Rio.
Angeblich hatte er Fotos, die das bewiesen. Tracy hatte gestanden, dass sie Rio ein einziges Mal betrogen habe und dass es ihr leidtue. Er habe sie jedoch von Anfang an ständig betrogen und sie wegen dem einen Mal gleich zu verstoßen, sei unfair.
Offenbar sollte Tracy für diesen einen Fehler einen sehr hohen Preis zahlen.
Sie hatte ihre gesamten Ersparnisse – auch das Geld, das sie jetzt brauchen würde, um das College zu beenden – in Rios Bootsvermietung investiert. Außerdem hatte Tracy fünf Jahre in Rios Geschäft gearbeitet, aber alles lief auf seinen Namen.
Tracy konnte natürlich versuchen, sich zu wehren, doch der Beweis ihres Seitensprungs würde es schwieriger machen, und der Prozess würde sich höchstwahrscheinlich endlos in die Länge ziehen und immer teurer werden. Ohne diese Fotos wäre es wesentlich leichter – dann stünde sein Wort gegen ihres. Dann hätte Tracy wenigstens eine geringe Chance.
Gina glaubte durchaus, dass Tracy Rio anfangs tatsächlich geliebt hatte, und das machte alles noch komplizierter. Tracy hatte immer wieder falsche Entscheidungen getroffen, besonders, was Männer betraf. So ein Trennungsdrama hatte sie jedoch nicht verdient.
Und deshalb war Gina jetzt auf dem Weg zum Haus von Mason Scott, Rios Scheidungsanwalt. Der Plan, die Fotos zu stehlen, kam ihr von Minute zu Minute verrückter vor, doch es war die einzige Möglichkeit, Tracys Position in dem Scheidungsprozess zu verbessern.
Tracy hatte in dem auffälligen Kostüm überhaupt kein Problem gesehen. Aber wie um Himmels willen sollte Gina sich damit ungesehen in Scotts Büro schleichen?
Zumindest standen die Chancen nicht schlecht, dass die Fotos sich in dessen Haus befanden, denn dort arbeitete er in letzter Zeit hauptsächlich. So war es in einem Zeitungsartikel über die Kanzlei zu lesen gewesen. Viele Firmen sparten Büromiete und andere Kosten, indem sie ihren Mitarbeitern erlaubten, zu Hause zu arbeiten. Sollten die Fotos sich in der Kanzlei im Herzen der Stadt befinden, wo die Sicherheitskontrollen viel genauer waren, dann hätte Gina nicht den Hauch einer Chance.
Das Anwesen war wunderschön und lag direkt am Strand. Gina parkte in einer schmalen Lücke zwischen zwei Autos, atmete tief ein und wieder aus und versuchte, sich zu beruhigen.
Jetzt war es also so weit.
Da die Nacht so mild war, hatten sich einige Gäste im Freien versammelt. Das würde es Gina leichter machen, sich unauffällig unter die Gäste zu mischen. Sie müsste sich einfach nur einer Gruppe von Gästen anschließen und mit ihnen durch die Tür gehen. Sie schob die glitzernde Maske, die die obere Hälfte ihres Gesichts bedeckte, zurecht. Dann holte sie tief Luft und verdrängte alle Zweifel und Ängste. Noch ein kurzer Blick in den Rückspiegel – und Gina erkannte sich selbst kaum wieder.
Sie sah … exotisch aus. So anders als die normale, unauffällige Gina. Sie war Mason Scott nie begegnet, allerdings hatte er als Scheidungsanwalt in der Gegend von Tampa und St. Petersburg einen sehr guten Ruf. Gina hatte auch schon des Öfteren Fotos von ihm in der Presse gesehen, immer wieder mit einer anderen Frau an seiner Seite. Was würde er wohl tun, wenn er feststellte, dass Tracys Fotos verschwunden waren?
Gina ging die Stufen zum Eingang hinauf und wurde schon wieder von Zweifeln und Ängsten geplagt. Sie bemerkte, wie ein dunkelhäutiger Pirat sie von oben bis unten musterte und ihr dann heftig zuzwinkerte. In diesem Moment wäre sie am liebsten weggelaufen.
Was, wenn Mason Sicherheitspersonal hatte? Was, wenn man sie erwischte?
„Sie kommen spät! Wo bleiben Sie denn? Seit einer Stunde rufe ich ständig in der Agentur an!“, zischte ihr eine Frau ins Ohr und packte Gina am Arm.
„Wie bitte?“
„Sie hätten um sieben hier sein sollen! Jetzt ist es kurz nach acht.“
Die Frau war ganz außer sich. Gina öffnete den Mund, um zu protestieren, doch die Frau zerrte sie einfach mit sich. Im nächsten Moment fand sie sich hinter einem Vorhang wieder, der das Foyer vom Eingang trennte.
„Die Band spielt, wir haben also Musik, aber alle warten auf die Sängerin. Wir haben immer eine Sängerin.“ Die Frau ließ Gina keine Chance, auch nur ein Wort zu sagen. „Die Jungs haben Ihre Songs. Alles ist bereit. Hier entlang geht es zur Bühne, alles klar?“
„Warten Sie – nein, ich bin nicht, wofür Sie mich halten“, begann Gina. „Ich bin nicht die Sängerin, die Sie engagiert haben.“
„Was soll das heißen? Haben die bei der Agentur einen Fehler gemacht? Bei dem Preis? Wenn Sie das nicht machen können, müssen Sie direkt mit Mr. Scott verhandeln.“
Die Frau war wesentlich älter als Gina und wirkte in ihrem Hexenkostüm sehr authentisch. Ihr Hut war zerknautscht, ihr Make-up verschmiert. Irgendwie tat sie Gina leid. „Ich schwöre, diese...




