Huber | Die Angst, dein bester Freund | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Huber Die Angst, dein bester Freund


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7112-5006-3
Verlag: BERGWELTEN
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-7112-5006-3
Verlag: BERGWELTEN
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Warum Angst beim Klettern eine gute Sache ist - und was wir im Tal daraus lernen können Können Sie sich vorstellen, dass Angst, dieses lähmende Gefühl, eine positive Emotion sein kann? Extrembergsteiger Alexander Huber hat in seinem Leben gelernt, dass Angst nicht bremsend wirken muss - im Gegenteil, sie kann als täglicher Begleiter antreiben, schützen und leiten. In seinem Buch »Die Angst, dein bester Freund« spricht er über Parallelen zwischen Bergsteigen und Bürojob und über Sprünge in der Persönlichkeitsentwicklung, die durch Überwindung von Ängsten erst möglich werden: - Vom ersten Mal Bergsteigen über die Besteigung von 8000ern bis zum Free-Solo-Klettern - die Angst war bei Alexander Huber immer mit dabei - Ängste als hilfreiche Begleiter: Warum es wichtig ist, sich aus der eigenen Komfortzone zu bewegen und neuen Herausforderungen zu stellen - Wie die Angst vor der Angst uns letzten Endes nur in die Angststörung treibt - Was passiert, wenn die Angst eskaliert und lähmend wird - und wie Sie das verhindern können - Wie Sie Angstgefühle annehmen und transformieren können Mut wird aus Angst gemacht: die Psychologie des Bergsports Alexander Huber nimmt Sie mit zu den Meilensteinen seines Lebens und erzählt von seinen ersten Erfolgen am Berg genauso ehrlich wie von den Schwierigkeiten beim Dreh für den Film »Am Limit«. Immer an seiner Seite ist dabei die Angst als lenkende Kraft, die ihn motiviert, die Grenzen des Machbaren auszuloten. Zusätzlich zu den Erfahrungsberichten aus erster Hand vervollständigen Essays des Psychologen und Bergführers Jan Mersch zu den psychologischen Hintergründen der Angst den Blick auf ein zu Unrecht gefürchtetes Gefühl. Ein Buch als Plädoyer für den Mut, denn: Aus Angst im Nichtstun zu verharren bringt niemanden weiter!

Alexander Huber, Jahrgang 1968, ist staatlich geprüfter Berg- und Skiführer, Kletterprofi und diplomierter Physiker. Er und sein älterer Bruder Thomas sind als die Huberbuam bekannt. Alexander Huber zählt zu den erfolgreichsten Allround-Bergsteigern der Welt und beherrscht auch den Free-Solo-Stil, das Klettern ohne Seil und Absicherung. 2008 bekam er den Bayerischen Sportpreis in der Kategorie »Botschafter des bayerischen Sports« verliehen. Für ihren Dokumentarfilm »Am Limit« erhielten die Huberbuam den Bayerischen Filmpreis. Alexander Huber lebt mit seiner Familie in Traunstein.
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Die Feuertaufe


Bergsteigen ist meine Leidenschaft und mein ganz persönlicher Weg zu einem intensiven Leben. Ein Weg, den ich genau genommen nicht selbst gefunden habe, sondern der mir, wie man so schön sagt, in die Wiege gelegt wurde. Thomas und ich haben bergbegeisterte Eltern, und vor allem unser Vater hat den Alpinismus auch in seiner extremeren Form für sich entdeckt. Auch wir Kinder mussten da immer wieder mit. Die Berge wurden uns ja schon fast aufgedrängt, aber wir haben es den Eltern nicht wirklich schwer gemacht, uns für die Berge zu gewinnen. Doch selbst mit solchen Voraussetzungen dauert es, bis man zum Alpinisten reift und seine endgültige Begeisterung gefunden hat. Es ist ein weiter Weg, nicht nur im übertragenen Sinn, sondern bei uns auch ganz real. Denn unser Heimatort Palling liegt zwar im Chiemgau, die Berge sind aber immer noch gut 50 Kilometer entfernt.

Palling mit seinen damals gut tausend Einwohnern ist ein ganz normales Dorf in Oberbayern. Da gibt es alles, was man so braucht. Ganz in der Mitte und weithin sichtbar die Kirche, ein neugotischer Bau aus Nagelfluh, der für die Größe des Dorfes schon fast kathedralenhafte Dimensionen besitzt. Dazu zwei Wirtshäuser und eine Brauerei, damit beim Frühschoppen das Bier nicht ausgeht. Auch sonst ist das ganze Handwerk vertreten: Schmied, Zimmerei, Bäckerei und so weiter. In dieses Konglomerat eingefügt sind noch die Bauernhöfe, das Herz von Palling. Auf einem der Höfe bin ich aufgewachsen.

Das Leben und Arbeiten auf dem Hof hat uns von Anfang an geprägt. Ob auf dem Feld, im Wald oder Stall – vom Anschauen und Überlegen wird die Arbeit nicht weniger. Und ich kann mich noch gut an die Aussage meines Vaters erinnern – da war ich schon längst Kletterer –, dass er seine beste Klettersaison hatte, als er einmal nach Schneedruck viel im Wald arbeiten musste. Arbeit als ideales Training. Man muss es nur verstehen, die Dinge richtig zu verkaufen! Aber es war ja auch wirklich das Beste, was man sich vorstellen kann: Die Wälder, die Wiesen, die Natur – für uns war das ein Paradies. Es ist ein Geschenk, wenn man als Kind in dieser »heilen Welt« aufwachsen darf.

Es existierte allerdings auch die »andere Wirklichkeit«. So tief man in der Provinz leben mag, so weit man auch weg von der Weltpolitik zu sein scheint, es gibt Dinge, die alle einholen. Ich bin 1968 geboren, und eine meiner frühesten Erinnerungen hatte mit Angst zu tun. Wie viele meines Alters bin ich mit der Angst vor der RAF aufgewachsen. Selbst wenn man Kinder davor bewahren will, man schafft es nicht, sie von der Realität fernzuhalten. Und ich hatte wirklich Angst – vor den Bildern der Entführten und den Attentaten, dem gekidnappten Linienflugzeug »Landshut« oder dem ermordeten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer. In jedem Laden hingen grausige Fahndungsplakate mit schwarzweißen, ausdruckslosen Gesichtern. Ich verstand damals nicht, was »anarchistische Gewalttäter« sein sollen. Aber ich begriff, was ein »Mordversuch« ist und was »Vorsicht Schusswaffen« bedeutet. Ich habe kapiert, dass das nichts Gutes ist. Der »Deutsche Herbst« 1977, als der linksextremistische Terrorismus seinen Höhepunkt erreichte, prägte auch uns Kinder. In der Schule wurde man gewarnt und, klar, auch unsere Eltern waren besorgt. Wir sollten vorsichtig sein, wobei auch immer.

Die »Rote Armee Fraktion« scherte sich damals natürlich nicht um das Bauerndorf Palling, da herrschte keine reale Bedrohung. In der kindlichen Einschätzung sah ich mich aber trotzdem als Zielscheibe und die Angst war sehr präsent. Es gab da etwas, das meine Familie und mich bedrohte! Und dass ich dies als Kind nicht richtig verstand, machte es nur noch schlimmer. Damals war ich neun Jahre alt, ich weiß noch genau, wie sich jene Angst im Alltag auswirkte. Das Einschlafen wurde bei mir aus dieser Angst heraus zu einem Problem. Ich hatte Angst, dass mich jemand, wenn ich schlafen würde, überraschen und entführen würde, ohne dass ich rechtzeitig Alarm schlagen könnte. Aus diesem Grund musste die Türe zu meinem Kinderzimmer immer offen bleiben und im Flur Licht sein. Wenn jemand kommen sollte, würde ich ihn wegen des Schattens sofort sehen. Dann hätte ich noch genügend Zeit, mich zu verstecken oder um Hilfe zu schreien. Eine sinnlose Taktik, weil man ja irgendwann schlafen sollte, aber mit Logik hatte jene Angst sowieso nichts zu tun.

Diese Angst hat mich lange begleitet. Es war die Angst, die Kontrolle zu verlieren, die Angst, dass mir jemand etwas Böses antut. Es war keine schöne, sondern eine entsetzliche Angst. Eine, die man in jener Form auch schwer als Freund bezeichnen könnte. Zu meinem Glück verlor sich aber dieser kleine »Dämon« mit der Zeit. Durch das zunehmende Begreifen und Erfassen derartiger Ereignisse erlernte ich das realistische Einschätzen solcher vermeintlichen Gefahren, und es gab dann ja auch viele Dinge in meinem Leben, die weitaus wichtiger wurden.

Sport spielte dabei die Schlüsselrolle. Nicht unbedingt das Bergsteigen, denn zeitlich davor kamen noch Handball, das Kunstturnen und vor allem das Skifahren. Die Skiabteilung in unserem Sportverein war über Jahre unsere zweite Heimat. Keine Ahnung, wie viele Rennen ich dort bestritten habe. Wir waren im Winter ständig beim Trainieren, im Skilager oder bei irgendeinem Rennen. Wir waren mit Sicherheit gute Skifahrer und konnten auch einige vordere Platzierungen bei den Chiemgaurennen belegen, aber ein Olympiasieg oder auch nur ein Deutscher Meistertitel stand definitiv außer Reichweite! Das war wohl letztlich auch der Grund, warum das Skifahren gegenüber dem Bergsteigen immer mehr an Boden verlor. Denn das Bergsteigen offerierte uns viel mehr als die Wettkämpfe. Ich kannte mittlerweile jeden Lift und jeden Hang, an dem die Rennen stattfanden, beim Skitourengehen konnte ich jedes Mal einen neuen Berg kennenlernen und entdecken. Das Bergsteigen hatte etwas Wildes an sich, etwas, das Freiheit und Abenteuer in sich trug. Ein Sturz beim Skifahren vermasselt einem das Rennen, aber es kostet dich nicht Kopf und Kragen. Beim Bergsteigen schon. Da kann ich mir keinen Aussetzer leisten. Das ist krass und … interessant! Schon damals spürte ich, dass mir der Alpinismus hier mehr geben könnte als ein Skirennen gegen andere.

Als Elfjähriger wurde ich zusammen mit Thomas erstmals von unserem Vater in die Westalpen mitgenommen. Meine Traumreise zu den großen Bergen der Alpen! Jetzt sollte ich deren Gipfel zum ersten Mal wirklich sehen. Aber nicht nur sehen, sondern auch besteigen. Diese magischen Viertausender. Wie unnahbar waren sie für mich! So unglaublich groß und kalt, im April herrscht in der Welt des Hochgebirges noch tiefster Winter. Als erstes Ziel hatte unser Vater das Allalinhorn ausgewählt. Von Saas-Fee im Tal aus betrachtet, konnte ich es mir nicht so wirklich vorstellen, wie ich als kleiner Junge da hochkommen sollte. Ich kämpfte mit meinen geheimen Ängsten, während mein Bruder dagegen vor Selbstvertrauen nur so strotzte. Aber ich hatte ja meinen Vater dabei und der strahlte so eine tiefe Ruhe aus, dass die Angst vor dem Versagen am Ende doch keine Chance hatte.

Ich kann mich heute nur noch vage an den anstrengenden Aufstieg erinnern. Angeseilt über den Gletscher zu gehen war neu für mich. Der Moment, als ich meinem Vater folgend die letzten Meter des Gipfelgrates zum Allalinhorn hinaufstieg, ist mir aber hell und klar im Gedächtnis geblieben. Nur mehr langsam setzte ich die Steigeisen, die Beine waren bleischwer. Ich war fix und fertig, spürte die dünne Luft, aber mein Vater gab mir die Sicherheit.

Die Feuertaufe: Mit elf Jahren wurde ich zusammen mit Thomas von unserem Vater in die Westalpen mitgenommen.

Vor mir sehe ich Thomas, er ist schon einige Minuten vor uns angekommen. Er lacht, gratuliert mir. Ich lache zu ihm zurück, sage Danke zu meinem Vater und setze mich einfach nur hin. Völlig verausgabt von der Anstrengung und doch so glücklich! Lange hatte ich die Sehnsucht schon in mir getragen, sie in meinen Träumen ausgelebt. Jetzt bin ich oben, schaue nach unten und verfolge die Spur, die wir hinaufgestiegen sind. Trotz der Verausgabung fühle ich mich jetzt so leicht, so frei. Verflogen ist die ganze Anspannung, die ich vor der Reise ins Wallis und während des Aufstieges in mir getragen habe. Und es ist so unheimlich beeindruckend, als elfjähriger Junge auf einem der großen Berge der Alpen zu stehen, inmitten der eisigen Hochgebirgswüste, die Kälte zu fühlen, die Ausgesetztheit gegenüber den Gewalten der Natur zu erahnen – dieser Moment bleibt unvergessen. Ich spürte die Berge und am Ende dieser Reise in die Westalpen war ich ein anderer Mensch. Unser Vater hatte uns in eine Zauberwelt entführt, der ich mich nicht mehr entziehen konnte. Ich wusste, ich will mehr davon …

Wie einfach hatten wir es eigentlich im Vergleich zu unserem Vater, der in seiner jungen Zeit mehr als nur eine Hürde auf dem Weg in die Berge überwinden musste. Bergsteigen war während der 1950er-Jahre in Palling eine totale Unbekannte und der Widerstand meiner Großeltern existenziell. Bei jedem Aufbruch...



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