E-Book, Deutsch, Band 8, 385 Seiten
Reihe: Romance trifft Spannung - Die besten Romane von Linda Howard bei beHEARTBEAT
Howard Shadow Woman - Traue nie dir selbst
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7325-8595-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Romance Thriller
E-Book, Deutsch, Band 8, 385 Seiten
Reihe: Romance trifft Spannung - Die besten Romane von Linda Howard bei beHEARTBEAT
ISBN: 978-3-7325-8595-3
Verlag: beHEARTBEAT
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lizette Henry wacht eines Morgens auf und sieht ein fremdes Gesicht im Spiegel. Zwei Jahre ihres Lebens sind aus ihrer Erinnerung verschwunden. Ein geheimnisvoller Fremder namens Xavier behauptet, ihr helfen zu wollen. Doch Lizette hat Xavier noch nie zuvor gesehen - oder? Kann sie ihm und den Erinnerungen, die er in ihr hervorruft, wirklich vertrauen?
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Prolog
San Francisco. Vier Jahre zuvor.
Dreiundzwanzig Uhr. Der Präsident und die First Lady, Eli und Natalie Thorndike, hatten sich für den Abend in ihre Hotelsuite zurückgezogen. Es war ein langer Tag gewesen, der mit dem Flug des Präsidenten quer durchs Land begonnen hatte. Ohne Pause hatten sich eine Reihe von Wahlkampfansprachen angeschlossen – die man selbstverständlich nicht als solche bezeichnet hatte. Und der Höhepunkt war schließlich eine gewaltige Wohltätigkeitsveranstaltung gewesen (Eintritt: zehntausend Dollar). Die First Lady hatte das alles an der Seite des Präsidenten mitgemacht – auf acht Zentimeter hohen Absätzen.
Laurel Rose, dem Sonderkommando zum Schutz der First Lady zugeteilt und seit elf Jahren im Dienst, war so müde, dass sie kaum noch klar sehen konnte. Aber zumindest war ihre Schicht jetzt vorüber. Sie hatte zwar keine hohen Schuhe getragen, aber trotzdem brachten sie diese Füße schier um. Mit Mühe erreichte sie ohne zu humpeln das Zimmer, das man ihr zugewiesen hatte. Es lag nur wenige Türen von der Präsidentensuite entfernt, sodass sie nötigenfalls schnell zur Stelle sein konnte. Die diensthabenden Agenten belegten zwei Zimmer, eins davon direkt gegenüber der Präsidentensuite, das andere unmittelbar daneben und mit einer Verbindungstür zur Suite, die zurzeit präsidentenseitig verschlossen war. Sie beneidete ihre Kollegen nicht um die Nachtschicht, auch wenn sie jetzt, da POTUS und FLOTUS sich für die Nacht zurückgezogen hatten, ebenfalls ein wenig entspannen konnten.
Das Gefolge des Präsidenten belegte drei ganze Stockwerke des Hotels mit dem Präsidenten und der First Lady im mittleren Stock. Andere Hotelgäste waren umquartiert worden, man hatte Treppenhäuser und Aufzüge gesichert und Nachforschungen über das Personal des Hotels angestellt. Außerdem hatte man auch die Gebäude auf der anderen Straßenseite gesichert; alle Risikokandidaten in der Gegend waren kontaktiert worden, um sie wissen zu lassen, dass der Secret Service sie beobachtete. Dies war getan worden, obwohl man bei den meisten von ihnen davon ausging, dass sie außerstande waren, ihre Drohungen wahr zu machen. Das Präsidentenehepaar befand sich hier so sicher, wie es in der Macht des Secret Service stand.
Das hieß jedoch nicht, dass überhaupt nichts schiefgehen konnte; es bedeutete nur, einem höchst unerwünschten Ereignis möglichst viele Hindernisse in den Weg gelegt zu haben. Laurel hatte ständig ein mulmiges Gefühl, das ihr sagte, es könne jederzeit alles passieren, sodass ihre Alarmbereitschaft nie ganz nachließ.
»Sie humpeln«, bemerkte ihr Kollege Tyrone Ebert, als er sich ihr auf dem Weg zu seinem Zimmer anschloss. So viel zu dem Versuch zu verbergen, wie sehr die Füße schmerzen, dachte sie. Sie versuchte erst gar nicht, es abzustreiten, dann würde er sie nämlich auch noch mit einem seiner Ich-durchschaue-dich-wie-Glas-Blicke ansehen. Ihm haftete etwas leicht Unheimliches an; seine dunklen Augen schienen alles zu sehen, während er selbst nichts preisgab. Aber Laurel traute seinen rasiermesserscharfen Instinkten. Bisher zeigte er keinelei Anzeichen von Erschöpfung, etwas, das sie zutiefst zu schätzen wusste, weil sie sich selbst kaum noch auf den Beinen halten konnte.
»Ja, es war ein langer Tag.«
Das war nichts Neues. Die Tage waren alle lang. Seit das Ministerium für Heimatschutz dem Finanzministerium die Zuständigkeit für den Secret Service abgenommen hatte, war es ihrer Meinung nach ziemlich bergab gegangen. Nicht, dass die Verhältnisse jemals großartig gewesen wären. Aber jetzt machten sie noch mehr Überstunden, die Moral hatte ihren Tiefpunkt erreicht, ihre Ausrüstung war schlichtweg beschissen, und – ein ganz anderes Thema – ihre Mutter, die in Indianapolis lebte, wurde langsam alt und war immer weniger dazu in der Lage, sich selbst zu versorgen. Laurel hatte zwar um eine Versetzung in die Umgebung von Indianapolis gebeten, aber obwohl dort eine Stelle frei war, hatte sie nur wenig Hoffnung, dass ihrer Bitte entsprochen wurde. So funktionierte es eben nicht. Wenn man keine Beziehungen hatte und niemanden kannte, der seine Verbindungen für einen spielen ließ, bekam man kaum jemals das, worum man bat.
Und Laurel hatte die dafür erforderlichen Beziehungen nicht. Sie hasste Ministeriumspolitik und hatte nie dabei mitgemacht, und jetzt sah sie nur allzu deutlich, dass sich ihre Karriere beim Secret Service dem Ende näherte. Das war noch so ein großes Problem des Service. Wegen seiner dämlichen Politik konnte er gute Leute nicht halten. Und verdammt, Laurel wusste, dass sie eine gute Agentin war, trotz des Mangels an Geldern und Personal, trotz der veralteten Waffen und der immer längeren Arbeitstage. Sie konnte es einfach nicht mehr ertragen. Na ja, jedenfalls nicht mehr viel länger. Sie hatte sich nur noch nicht ganz dazu überwinden können zu kündigen.
Dabei war es eigentlich ein cooler Job. Zwar nicht großartig bezahlt, aber cool. Sie liebte ihre Arbeit und war in der Lage, ihre Gefühle herauszuhalten. Es spielte keine Rolle, wer im Oval Office saß; einzig der Job zählte. Sie brauchte die First Lady nicht zu mögen; sie musste sie nur beschützen. Es wäre zwar einfacher gewesen, wenn die Thorndikes sympathischer gewesen wären, aber zumindest waren sie nicht so grässlich wie manche der früheren Präsidentenfamilien, wenn man einige der Geschichten glauben konnte, die sie gehört hatte. Natalie Thorndike war weder unhöflich noch eine Säuferin oder gehässig. Allerdings schien sie die Agenten, die sie beschützten, nicht wirklich als Menschen zu betrachten; sie war stolz und kühl und eher unnahbar. Manchmal wünschte sich Laurel, Mrs Thorndike wäre tatsächlich eine Säuferin, was zumindest die Arbeit im Sonderkommando ein wenig interessanter machen würde.
Der Präsident war ihr ziemlich ähnlich, er wirkte kühl und unnahbar und an allem unbeteiligt – außer an der Politik. Vor der Kamera oder wenn er sich im Wahlkampfmodus befand, verströmte er Wärme und Liebenswürdigkeit, aber er war ein hervorragender Schauspieler. Privat machte er eher einen berechnenden und manipulativen Eindruck – womit Mrs Thorndike allerdings kein Problem zu haben schien. Gelegentlich gab es Missstimmungen, was die Agenten immer daran merkten, dass die dem Präsidentenpaar ohnehin schon eigene Kühle dann geradezu gletscherhaft wurde. Aber davon abgesehen gab es keine äußeren Anzeichen von Zwistigkeiten, keine lauten Streitereien, auch keine Wortgefechte, keine knallenden Türen. Das politische Powerpaar marschierte überwiegend im Gleichschritt. Ihre Einigkeit hatte sie bereits ins Weiße Haus gebracht, wo sie eine weitere Amtszeit zu verbringen planten. Mit den gnadenlosen Instinkten des Präsidenten und der mächtigen Familie der First Lady im Rücken würden sie noch auf Jahre Teil des innersten politischen Zirkels der Nation sein, würden Wohlstand und Macht anhäufen, selbst wenn er dann nicht mehr im Amt war.
»Bis morgen früh«, sagte Tyrone, als sie sein Zimmer erreichten.
»Gute Nacht«, antwortete sie automatisch, ein wenig überrascht, dass er überhaupt so viel gesprochen hatte. Er machte sich nichts aus Smalltalk oder Geselligkeit. Abgesehen davon, dass er seine Pflichten tadellos erfüllte, wusste sie tatsächlich nur sehr wenig über ihn. Sie arbeitete jetzt seit zwei Jahren mit ihm zusammen, seit er der First Lady zugeteilt war, und wenn sie darüber nachdachte, hatte sie noch nicht einmal eine Ahnung, ob er verheiratet war. Er trug keinen Ring, aber das musste nichts heißen. Wenn er tatsächlich verheiratet oder liiert war, so erwähnte er es jedenfalls nie. Andererseits hatte er weder ihr noch einer der anderen Agentinnen je Avancen gemacht. Tyrone war … ein Einzelgänger.
Während Laurel zu ihrem Zimmer ging, das zwei Türen von seinem entfernt auf der gegenüberliegenden Seite des Flurs lag, wurde ihr klar, dass irgendetwas an ihm ihren Magen zum Flattern brachte. Wegen des Jobs hatte sie es immer ausgeblendet, aber jetzt, da sie sich eingestand, dass sie wahrscheinlich nicht mehr sehr lange dabei sein würde, schien sie ihrem Unterbewusstsein die Erlaubnis zu geben, sich seine Wirkung auf sie einzugestehen.
Sie mochte ihn. Er war kein hübscher Junge, aber er war auf eine gefährliche Art – »Ich mache keine Gefangenen« – echt umwerfend. Tyrone konnte man nicht übersehen. Er war hochgewachsen und muskulös und bewegte sich mit der anmutigen Kraft eines Berufssportlers oder eines Soldaten einer Spezialeinheit. Sie fand ihn attraktiv und war gern mit ihm zusammen, obwohl er nicht viel sprach. Und sie vertraute ihm, was schon viel wert war.
Sie schob ihre Schlüsselkarte in den Schlitz, drehte, sobald das grüne Licht anging, den Türknauf und trat in die Kühle ihres Zimmers. Die Nachttischlampe und das Badezimmerlicht brannten, so wie sie sie hinterlassen hatte. Trotzdem nahm sie sich – wie immer – einen Moment Zeit, ihr Zimmer zu überprüfen. Alles war normal.
Als sie die Schuhe von den Füßen streifte, zuckte sie zusammen und stöhnte dann vor Erleichterung, während sie nacheinander beide Knöchel kreisen ließ, die Füße durchbog und die Sehnen dehnte. Ihre Sohlen brannten aber immer noch, und da half nichts anderes, als sich für die nächsten paar Stunden hinzulegen, was sie auch so schnell wie möglich zu tun gedachte.
Sie streifte ihre Jacke ab, warf sie aufs Bett und machte sich gerade daran, aus ihrem Schulterhalfter zu schlüpfen, als sie ein schwaches Popp-Popp-Popp hörte. Sie musste nicht erst abwarten und lauschen, brauchte nicht einmal nachzudenken, sondern...




