E-Book, Deutsch, 312 Seiten
Hornig / Kerek Winning Inside
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7693-2954-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was wir vom Spitzensport für unser Beruf lernen können
E-Book, Deutsch, 312 Seiten
ISBN: 978-3-7693-2954-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie tickt Tennis-Star Novak Djokovic? Wie trainiert Ironman-Weltmeister Jan Frodeno seinen Kopf? Welche mentalen Fähigkeiten sind gefragt, um Weltmeister oder Olympiasiegerin zu werden? Doch vor allem: Was kann jede und jeder von uns für das eigene Leben mitnehmen? Spitzensportler sind wahre Experten, wenn es um Konzentration und Selbstdisziplin, permanente Weiterentwicklung sowie das Abrufen von Bestleistung unter Druck geht allesamt Faktoren, die auch für die berufliche Karriere entscheidend sind. WINNING INSIDE zeigt eindrucksvoll, auf welchen Prinzipien das Training im Kopf basiert und dass jedermann lernen kann, mental stark zu werden. WINNING INSIDE bedeutet, den Blick nach innen zu richten und zu verstehen, dass im reflektierten Umgang mit den eigenen Gedanken und der Entwicklung eines entsprechenden Mindsets der Schlüssel zum Erfolg liegt.
Markus Hornig coachte als Mentaltrainer die Frauenfußball Nationalmannschaft 2016 zum Olympiasieg. Seitdem ist er als Trainer und Berater in diversen deutschen Unternehmen tätig, mit dem Schwerpunkt die Leistungs- und Mental- strategien des Spitzensports auf das Anforderungsprofil der digitalen Arbeitswelt zu übertragen.
Autoren/Hrsg.
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Wir sprechen mit uns selbst Haben Sie sich schon einmal gefragt, mit wem Sie im Laufe Ihres Lebens am meisten sprechen? Richtig, mit sich selbst! Egal, was wir tun oder lassen, stets begleiten Gedanken in Form von Selbstgesprächen unser Handeln. Gedanklich spielen wir Dinge durch, malen uns Szenarien aus, wägen Vor- und Nachteile ab, planen, analysieren und kalkulieren, setzen Prioritäten, formulieren Ziele, treffen Entscheidungen, regulieren Emotionen, unterdrücken Impulse und vieles mehr. Manchmal herrschen wir uns sogar an, beschimpfen uns und setzen uns herab, gehen mit uns selbst in einer Art und Weise um, die wir uns von anderen nicht wünschen würden. Bereits in den 1970er-Jahren beschrieb der US-Amerikaner Timothy Gallwey in seinem Bestseller »Tennis und Psyche – das innere Spiel«, wie zwei Instanzen in unserem Kopf agieren, die in permanentem Austausch stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Über diesen inneren Dialog schreibt er: »Offensichtlich sind ›Ich‹ und ›Selbst‹ zwei getrennte Einheiten in unserem Kopf, sonst könnte es keinen Dialog zwischen beiden geben; man könnte also sagen, dass in jedem Menschen zwei voneinander getrennte Persönlichkeiten wohnen.«1 Dieses Bild macht deutlich, worum es beim Selbstmanagement zunächst einmal geht: um das Verständnis der Existenz von Ich und Selbst und um die Erkenntnis, dass das Ich die Instanz ist, mit der sich das Selbst gezielt beeinflussen und steuern lässt. Dieses permanente Hin und Her zwischen dem Ich und dem Selbst bezeichnet Gallwey als das »innere Spiel«, und das Gehirn entspricht dem »Spielfeld«, auf dem dieses Spiel ununterbrochen stattfindet. Das Bewusstmachen dieses Spiels und die Berücksichtigung gewisser Rahmenbedingungen und Spielregeln, nach denen dieses Spiel funktioniert, stellt letztlich die Basis dar, auf der jegliche Form des Selbstmanagements beruht. Das bewusste Ich ist demnach ein Werkzeug, mit dem man sich selbst steuern und managen kann. Selbstmanagement entspricht Selbstführung, also der Führung der eigenen Person. Dies setzt jedoch die Bereitschaft voraus, sich offen und ehrlich mit sich selbst auseinanderzusetzen und Verantwortung für sein Tun und Lassen zu übernehmen. Dafür benötigt es eine geschärfte Selbstwahrnehmung, das heißt die Fähigkeit und die Bereitschaft, sich selbst aus einer gewissen Distanz zu beobachten. Durch das Verständnis der Arbeitsweise des Gehirns und der damit verbundenen Psycho-Logik lässt sich systematisch Gewinnermentalität entwickeln und Bestleistung abrufen, wenn’s zählt! Das heißt natürlich nicht, dass es jeder auf irgendein Siegertreppchen schaffen kann. Vielmehr geht es darum, sich so zu entwickeln, dass man der Beste wird, der man nur werden kann. Dass man diesbezüglich vom Spitzensport eine Menge lernen kann, bestätigt einer, der es besser wissen muss als jeder andere, der ehemalige österreichische Skispringer, Olympiasieger von 1980, Weltmeister, Trainer und Psychologe Toni Innauer: »Leistungssport ist auch ein Weg zur persönlichen Entwicklung. Er zeigt mir meine Defizite. Z. B., dass ich unter Druck verkrampfe. Dass ich mit Niederlagen nicht umgehen kann. Dass ich Schwierigkeiten habe, mich im entscheidenden Augenblick zu konzentrieren. In der Bewältigung bildet sich die Persönlichkeit.«2 So sieht das auch Viktoria Rebensburg, Olympiasiegerin 2010 im Riesenslalom. Auf die Frage, wie es sei, in schwierigen Phasen nicht den Glauben an sich selbst zu verlieren, antwortet sie: »Das ist die größte Herausforderung. Im Leben. Und im Leistungssport. Dass es Rückschläge gibt, ist normal. Da muss man durch. Ohne diese Rückschläge wird man in seiner Entwicklung nicht gefestigt sein. Diese Erfahrungen gehören dazu, auch wenn es manchmal sehr schwer ist, sie zu machen. Sie machen einen zu einem besseren Athleten. Sie entwickeln die Persönlichkeit in einem positiven Sinne – wenn man sie durchsteht.«3 Und Andre Agassi, ehemalige Nummer eins im Tennis, überträgt dieses Prinzip des persönlichen Wachstums noch auf die unmittelbare Konkurrenz, die im Berufsleben oft eine ähnliche Rolle spielt wie im Sport. »Ein starker Gegner ist wie ein Spiegel. Sie müssen sich darin wiedererkennen, Ihre Fehler sehen, Veränderungen vornehmen und die Bereiche pflegen, in denen sie besonders gut sind.«4 Genau diese Sicht ist es, die auch im Berufsleben immer mehr an Bedeutung gewinnt. Wer erfolgreich sein will, dessen Chancen steigen mit der Bereitschaft, an sich zu arbeiten und sich als Persönlichkeit zu entwickeln. Diese Kombination von fachlicher und mentaler Kompetenz wird in der Arbeitswelt der Zukunft zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Die beiden Betriebssysteme unseres Gehirns Das Nachdenken über sich selbst stellt die herausragende menschliche Eigenschaft dar. Hier unterscheidet sich der Mensch vom Tier, das instinktiv und triebhaft lebt. Ein eindrucksvoller Ansatz, sich selbst und sein Handeln besser zu verstehen, stammt von dem amerikanischen Kognitionspsychologen und Nobelpreisträger Daniel Kahneman. In seinem Bestseller »Schnelles Denken, langsames Denken« stellt er das grundlegende Modell vor, mit dem wir unser Denken, Fühlen und Verhalten besser verstehen und lernen, mentale Stärke zu entwickeln. Wie auch Gallway unterteilt Kahneman die Arbeitsweise unseres Gehirns in zwei Funktionseinheiten, die man sich wie zwei unterschiedliche »Betriebssysteme« vorstellen kann. Kahneman nennt diese System 1 und System 2, wobei er System 1 als »schnelles Denken« und System 2 als »langsames Denken« bezeichnet. Bildlich kann man sich diese beiden Systeme auch als »Pilot« und »Autopilot« vorstellen. Wie ein Pilot das Flugzeug bei Start und Landung manuell, das heißt bewusst und mit voller Konzentration steuert, aber dann auf Autopilot stellt, sobald die Reiseflughöhe erreicht ist, arbeitet auch unser Denken in einem bewussten Modus, dem langsamen Denken, und in einem unbewussten Modus, dem schnellen Denken. Selbstmanagement bedeutet, die unterschiedlichen Charaktere von langsamem und schnellem Denken zu verstehen und ihr Zusammenspiel systematisch zu steuern. Die diversen Techniken des mentalen Trainings liefern die Instrumente, mit denen man die beiden Betriebssysteme steuert, aufeinander abstimmt und entsprechend seinen Zielen aktiviert. Die Aufgaben des schnellen Denkens Das schnelle Denken arbeitet schnell und automatisch. Man kann es auch als intuitives Denken bezeichnen. Immer wenn wir ein Bauchgefühl haben oder spontan handeln ist der Autopilot aktiv. Wenn wir intuitiv »spüren«, ob uns jemand freundlich oder feindselig gesinnt ist, wenn sich der Impuls meldet, eine Pause zu machen, oder wenn wir eine einfache Rechenaufgabe wie »drei mal fünf« wie aus der Pistole geschossen lösen, dann hat das schnelle Denken des Autopiloten das Kommando. Der Autopilot handelt prinzipiell spontan und reflexartig ohne vorheriges Abwägen oder Planen. Er wird vom Unterbewusstsein bzw. von tief im Gehirn liegenden Regionen gesteuert, die autonom und völlig unabhängig von Verstand und Willen agieren. Neben intuitivem und reflexartigem Denken zeigt sich der Autopilot auch in unseren Gewohnheiten und Verhaltensroutinen, die sich bekanntlich ebenfalls dadurch auszeichnen, dass sie automatisch und größtenteils unbewusst ablaufen. Das schnelle Denken steuert auch sämtliche angeborene, instinktive und reflexartige Verhaltensweisen, wie beispielsweise die Reaktion auf Gefahr oder das millisekundenschnelle Ausweichen im Straßenverkehr, aber auch erlernte bzw. antrainierte Verhaltensmuster, wie z. B. das Binden der Schnürsenkel, das Tippen auf der Tastatur oder das Fangen eines Balles. Auch unsere Denkgewohnheiten, Glaubenssätze und Überzeugungen stehen unter dem strengen Diktat des schnellen Denkens. Wir melden uns nicht, wenn der Chef Mitarbeiter für ein neues Projektteam sucht, weil wir glauben, nicht gut genug zu sein, oder wir trauen uns nicht zu, das Kinderzimmer selbst zu tapezieren, weil wir glauben, zwei linke Hände zu haben. Unsere Glaubenssätze wirken dabei wie Reflexe, denen weder eine bewusste Abwägung, noch eine Kalkulation vorausgeht. Im Moment des Auftretens fühlt es sich »richtig« an und wir bemerken nicht, dass wir uns damit selbst im Weg stehen und unsere Entwicklung behindern. Daneben steuert das schnelle Denken auch unsere Vorlieben, z. B. welches Gericht wir im Restaurant wählen, welche Musik wir hören, wie wir uns kleiden oder ob wir Fan von Bayern München oder Borussia Dortmund sind. Es reagiert zudem auf Stimuli unterschiedlichster Art aus der Außenwelt, wie z. B. Licht, Gerüche oder Worte. Wie ein Hund, der auf ein Handzeichen seines Herrchens Sitz macht, reagieren wir assoziativ auf Reize in der Außenwelt. So kann schon ein Wort, eine Anspielung, eine Geste oder ein Gesichtsausdruck eine Erinnerung in uns hervorrufen, die unmittelbar unsere Stimmung verändert, was direkt an unserem Gesichtsausdruck oder unserer Körperhaltung ablesbar ist. Und zu guter Letzt ist das schnelle Denken auch noch maßgeblich beteiligt an der Entstehung unserer Gedanken und Emotionen, die ununterbrochen in unserem Kopf...




