Horn | Die Insel des Glücks | E-Book | www2.sack.de
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E-Book, Deutsch, 164 Seiten

Horn Die Insel des Glücks

Geschichten
3. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9948-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Geschichten

E-Book, Deutsch, 164 Seiten

ISBN: 978-3-7562-9948-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Diese Sammlung mit zwölf Kurzgeschichten ist so facettenreich wie das Leben selbst. In der gleichnishaften Titelgeschichte begibt sich ein junger Mann auf eine abenteuerliche Suche nach dem Glück. Eine Erzählung handelt davon, wie einem behinderten Jungen das Bemühen um Freundschaft zum Verhängnis wird. In der amüsanten Geschichte "Der erste Kuss" wird erzählt, wie ein schüchterner Schlosserlehrling zu seinem ersten unverhofften Kuss kommt und in was für eine fatale Situation er dadurch gerät. Eine heitere Liebesgeschichte und ein gefährliches Abenteuer zugleich, beinhaltet die Erzählung "Eine abenteuerliche Fahrt". Abenteuer, Romantik und Humor, Tiefsinnigkeit und Besinnlichkeit vereinen sich hier zu einem unterhaltsamen und abwechslungs-reichen Lesevergnügen.

Wolfram Horn lebt in dem Harz-Städtchen Bad Grund. Er schreibt so unterschiedliche Texte wie Gedichte und Aphorismen, Parabeln und Erzählungen. Außer Textbeiträgen in verschiedenen Anthologien und dem vorliegenden Erzählband, sind bisher zwei Bücher von ihm erschienen. Ein Roman mit dem Titel: "Auf der Suche nach Walden" und ein Band mit Gedichten und Aphorismen: "Von Menschen und Welten".

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Die Insel des Glücks Eine Parabel Schwermütig saß Novana am Strand der kleinen Bucht und schaute auf das tiefblaue Meer hinaus, auf dessen sanften Wellen weiße Schaumkronen im Sonnenlicht tanzten. Seitdem er die Sage von der Insel des Glücks gehört hatte, fand er keine Ruhe mehr. Diese Insel zu finden setzte sich in all seinen Gedanken fest. Doch sosehr er auch forschte und fragte, niemand konnte ihm sagen, wo sich diese Insel befinden sollte. So verließ er täglich sein Zuhause um irgendjemanden zu finden, der mehr über diese Insel wusste, als die anderen. Jeden Fremden den er traf, versuchte er auszufragen, aber es gab nicht einen, der ihm auch nur eine ungefähre Richtung angeben konnte. Wo sollte er anfangen zu suchen? Je länger er vergeblich forschte, desto trübsinniger wurde er. Auch an diesem Tag saß er wieder mit schwermütigem Seufzen am Strand. Plötzlich hörte er leise, vom Sand gedämpfte Schritte hinter sich. Zutiefst erschrocken fuhr er herum. Hinter ihm stand ein alter Mann, den er noch nie zuvor gesehen hatte. Lächelnd sprach der Alte ihn an: „Wir kennen deine Wünsche Novana, und wir haben uns entschlossen dir zu helfen. Du sollst die Insel des Glücks finden“, sagte er freundlich auf ihn herabblickend. Novana sprang augenblicklich auf und starrte den Fremden fassungslos an. „Wer bist du? Was heißt wir? Woher kennst du mich und meine Wünsche?“ Er polterte die Fragen nur so heraus. Mit seinem unergründlichen Lächeln antwortete der Alte: „Nicht eine von deinen Fragen werde ich dir beantworten, aber ich werde dir zeigen wo die Insel deiner Sehnsucht liegt. Hab Vertrauen.“ Mit langem Arm wies der Fremde in nördliche Richtung auf das Meer hinaus und sprach: „Nimm dein Boot und fahr immer in diese Richtung. Du wirst Jahre brauchen um die Insel deiner Träume zu erreichen und du wirst auf vielen anderen Inseln vorher Rast machen müssen, aber eines Tages wirst du an deinem Ziel sein. Versäume aber über das Ziel deinen Weg nicht.“ Novana wandte sich um, um zu fragen was er mit dem letzten Satz meinte, aber zu seinem großen Erstaunen stellte er fest, dass der Fremde verschwunden war. Entsetzt bemerkte er, dass sich nicht eine einzige Fußspur des alten Mannes im Sand abgezeichnet hatte. War alles nur eine Täuschung? War alles nur ein schöner Traum, den ihm seine Sehnsucht vorgegaukelt hatte? Nein, diese Begegnung war zu wirklich gewesen. Zu deutlich hatte er den Alten gesehen und zu klar hatte er seine Worte gehört. Novana wusste, wenn er jetzt zögerte, wenn er jetzt nicht handelte, würde er sich seinen Traum nie erfüllen können. Noch am selben Tag verstaute er einen großen Vorrat an Lebensmitteln und frischem Trinkwasser in sein Boot und fuhr immer die Richtung haltend die der Fremde ihm angegeben hatte, aufs offene Meer hinaus. Monatelang war er schon auf See und seine Vorräte gingen trotz der allerstrengsten Einteilung zu Ende, als er weit am Horizont die erste Insel auf seiner Reise entdeckte. Nach einigen Stunden konnte er endlich sein Boot den unbekannten Strand hinaufziehen. Sofort wurde er von den fremdartigen Inselbewohnern umringt. Noch nie hatte Novana solche Menschen gesehen. Überaus freundlich und mit offenem Blick sahen sie ihn an. Eine nie gekannte Welle der Zuneigung schlug ihm entgegen. „Wo bin ich hier?", fragte Novana. „Ist das hier die Insel des Glücks?“ Die Fremden schüttelten den Kopf, und eine junge schlanke Frau, anscheinend die Wortführerin des Volkes, trat hervor, legte sanftmütig eine Hand auf seine Schulter und sprach ihn mit warmer Stimme an: „Die Insel des Glücks liegt noch viele Bootsjahre von hier entfernt. Du bist auf der Insel der Liebe gelandet. Bleib erst einmal hier und ruh dich aus. Wir möchten dass du dich wohl bei uns fühlst. Wir lieben dich.“ Diese Begrüßung verschlug ihm fast die Sprache. „Ihr kennt mich doch gar nicht, wie könnt ihr mich da lieben?“, fragte er erstaunt. „Ich sagte es dir ja schon, wir sind hier auf der Insel der Liebe. Wir lieben alle Lebewesen, und so ist es doch nur natürlich, dass wir auch dich lieben. Oder nicht?“ Behutsam nahm ihn die Frau bei der Hand und zog ihn sanft hinter sich her. Dicht hinter ihnen folgten die anderen. Vor einer mit viel Geschmack und sorgfältigem Geschick geschmückten Hütte machten sie halt. „Dies wird für die nächste Zeit dein Zuhause sein“, sagte die geheimnisvolle Fremde zu Novana, indem sie auf die Hütte zeigte. Vorsichtig schlug er den schweren, dicht geflochtenen Bastvorhang zurück und ging ein paar Schritte hinein. Freudiges Erstaunen zeigte sich auf seinem Gesicht. Der Innenraum war auf das Beste und Liebevollste ausgestattet. „Wem gehört dieses Haus?“, wandte er sich an seine Begleiterin. „Hier wohne ich sonst, aber solange du bei uns lebst, wird es deine Wohnung sein. Ich werde bei meiner Schwester wohnen“, sagte sie mit einem aufrichtigen, warmherzigen Lächeln so selbstverständlich, als hätte sie ihm soeben eine wertlose Muschel zur Benutzung angeboten und nicht ihren kostbarsten Besitz. Erstaunt sah Novana sie an. „Unmöglich, das kann ich nicht annehmen“, wehrte er ab. Aber mit einer Bestimmtheit die keinen Widerspruch zuließ, drückte ihn seine Gastgeberin auf einen Sitz und sah ihm gutmütig in die Augen. „Hast du vergessen, dass wir dich lieben? Und muss man einem Menschen den man liebt nicht das geben, dessen er bedarf? Würde ich dir meine Hütte nicht zur Verfügung stellen, müsste ich mich ja mehr lieben als dich. Wie sollte so etwas möglich sein?“ Fürsorglich fügte sie dann hinzu: „Jetzt ruh dich aber erst einmal aus. Ich lasse dich nun allein.“ Mit sanften Schritten verließ sie den Raum. Später bereitete man ihm ein erfrischendes Bad, brachte saubere bequeme Kleidung und solch eine Menge an köstlicher Nahrung, dass er sich übersatt auf sein Lager legen musste. In den Monaten die er auf dieser Insel lebte, lernte er die Eigenart der Bewohner gründlich kennen. Man hatte ihm nichts vorgemacht, tatsächlich lebten die Menschen hier in tiefer Liebe zueinander. Jeder war sofort mit Freude bereit für die anderen Opfer zu bringen. Darüber hinaus war es bei ihnen Sitte, dass jeder jeden täglich mit einer kleinen Aufmerksamkeit überraschte. Das Oberhaupt dieses liebevollen Volkes war, wie Novana gleich zu Anfang richtig vermutet hatte, die hübsche Frau, deren Hütte er bewohnte. Das war übrigens das Einzige was ihn befremdete, denn bisher war ihm nur bekannt, dass Völker stets von Männern regiert wurden. Eines Tages nahm er seinen Mut zusammen und fragte sie danach. „Weißt du“, sie sah ihn fest an, „das mag bei anderen Völkern einen Grund haben den ich nicht kenne, aber wie sollte auf der Insel der Liebe ein Mann das Oberhaupt eines Volkes sein? Die Frauen sind es doch, die das neue Leben in sich tragen und das noch ungeborene Leben in ihrem Leib lieben. Die Männer fangen doch erst an zu lieben wenn der kleine neue Mensch geboren ist, wenn das Leben sichtbar geworden ist. Die Frau liebt also schon das Unsichtbare, das Mögliche, während der Mann erst bei den sicht- und greifbaren Formen des Lebendigen zu lieben anfängt. Verstehst du? Die Liebe der Frau setzt viel früher ein und ist umfassender als die des Mannes. Die Liebe der Frau ist wie das Licht der Sonne, und die Liebe des Mannes ist wie das Licht der Sterne. Die Sonne strahlt die Sterne an, die dieses Licht reflektieren. Glaubst du nicht auch, dass unser bestirnter Himmel die Sonne zum Oberhaupt wählen würde, wenn er wählen müsste? Glaubst du nicht auch, dass das Wesen der Schöpfung nur weiblich sein kann? Wie sollte auf der Insel der Liebe ein Mann das Oberhaupt sein?“ Von ihren Worten tief berührt nickte Novana nur stumm. Jetzt verstand er auch den tieferen Sinn des Spruches, der über den Eingang seiner Hütte in einen Balken hineingeschnitzt war, und den er sich schon oft durchgelesen hatte: Ohne das helle Sonnenlicht
wär‘ der Mondschein nie geboren.
Gäb‘ es das Licht des Anderen nicht,
wie wären wir verloren. Als er später noch einmal mit ihr über dieses Thema sprach, sagte sie ihm: „Ich habe nie verstanden, warum man in den meisten anderen Völkern einen „Herrgott“ oder „Himmlischen Vater“ als Schöpfer anbetet. Mir erscheint es einfach als eine absurde Idee, einem schöpferischen Prinzip, das alles Leben hervorbringt, eine männliche Rolle zuzuweisen. Wenn wir naiver Weise der Schöpfung schon eine Geschlechtlichkeit zuordnen wollen, dann erscheint mir eine weibliche doch sinnvoller zu sein, als eine männliche, denn ist es nicht so, dass alles Leben in der Natur nur aus dem Weiblichen heraus geboren wird? Doch da zur Liebe auch die Toleranz gehört, respektiere ich zwar diese merkwürdige Annahme eines männlichen Schöpfergottes, aber sie bleibt...



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