E-Book, Deutsch, Band 1748, 160 Seiten
Reihe: Romana
Hope Schau mir ins Herz
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-86349-340-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1748, 160 Seiten
Reihe: Romana
ISBN: 978-3-86349-340-0
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Während er Carol die Schönheit der malerischen Mittelmeerinsel Gozo zeigt, erobert Nicolas Comino nicht nur ihr Herz im Sturm. Der ebenso attraktive wie dominante Baron verschafft ihr auch die erste Hauptrolle ihres Lebens. Auf seinem Anwesen wird ein Film gedreht, und er überredet Carol für eine verletzte Schauspielerin einzuspringen. Entzückt stellt sie fest: Ihr Partner in einer gefühlvollen Hochzeitsszene ist Nicolas selbst. Doch sprühte er bislang vor Charme, ist er anschließend wie ausgewechselt. Plötzlich behauptet er, Carol habe ihn in eine Liebesfalle gelockt ...
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2. KAPITEL
Carol stand am Kai von Mgarr und winkte John und Rosie hinterher. Im Hafenbecken schaukelten die kleinen, bunt gestrichenen Fischerboote anmutig auf den Wellen, und die Fähre nach Malta hatte den Wellenbrecher bereits passiert. Ihr blassblauer Rumpf schimmerte im Sonnenlicht, und John und Rosie standen an Deck und winkten zurück.
Eine Woge der Zuneigung erfasste Carol, für Rosie mit ihrer unbeschwerten Art und für John, der so vertrauenswürdig und anständig und so vernünftig war. Sie konnte sich hundertprozentig darauf verlassen, dass er ihre kostbaren Entwürfe im Atelier abliefern würde.
„Hallo, Sie da – sind Sie Carol?“ Als sie die Stimme hörte, drehte Carol sich um. Sie hatte den Landrover, der hinter ihr parkte, gar nicht kommen hören. Eine junge Frau lehnte sich aus dem Fenster auf der Fahrerseite und lächelte. „Varelle hat uns geschickt, um Sie zu holen“, rief sie. „Wir waren schon im Hotel, und dort sagte man uns, dass wir Sie hier finden.“
Einen Herzschlag lang glaubte Carol, der dunkelhaarige Beifahrer neben dem Mädchen sei Nicolas, doch auf den zweiten Blick sah sie, dass der Mann blasser und schmaler war als der barone. Er war attraktiv, ohne dass die Ausdruckslosigkeit seiner hübschen Züge es mit Nicolas’ eindringlicher Ausstrahlung hätte aufnehmen können.
„Das ist Tony“, stellte die junge Frau ihren Begleiter vor und lächelte offen. „Ihr Partner. Und ich bin Kate. Kostüme, Requisiten, Gläserspülerin, Mädchen für alles und so weiter.“
„Ich war gespannt auf Sie“, wandte Tony sich an Carol und lächelte ebenfalls. „Ich hoffe, Sie sind keine solche Hexe wie Madrilena. Aber ich sehe schon, Sie sind anders. Das ganze Gegenteil von ihr. Wir werden gut miteinander auskommen, da bin ich sicher.“
Carol stieg ein und nahm amüsiert zur Kenntnis, wie er sich ihretwegen in Szene setzte. Den ganzen Weg vom Hafen, an der Uptodate Garage, der einzigen Disco, und der traditionsreichen Gleneagels Bar vorbei, gab er den großen Mimen für sie.
„Und was steht denn heute auf dem Drehplan?“, fragte er schließlich an Kate gewandt.
„Die Ankunft der türkischen Flotte – zwei Schiffe, um genau zu sein – heute Morgen. Der Hochzeitszug, dem die Gefangenen entgegenkommen, am Nachmittag. Die Zitadelle soll heute Abend in Flammen aufgehen, aber wo Varelle die Massen von Leuten herkriegen will, wenn sämtliche Gozitaner auf dem Volksfest sind, ist uns allen ein Rätsel“, antwortete Kate sachlich.
„Hört sich ziemlich dramatisch an“, bemerkte Carol.
„Kennen Sie die Story etwa nicht?“, fragte Tony. „Sie ist hochdramatisch, romantisch und alles andere, was sonst noch auf – isch“ endet. Bombastisch, idiotisch und ansonsten völlig …“
„Halt den Mund, Tony“, mischte Kate sich ein. „Jedermann weiß, dass du die Rolle des mutigen Korsaren liebst. Er ist der Anführer der Seeräuber“, wandte sie sich an Carol, während sie in einen Feldweg einbog. „Die Türken pflegten Gozo in regelmäßigen Abständen zu überfallen, und im Jahr 1551 kamen sie mit einer Flotte von hundertfünfzig Galeeren.“
„Unter der Führung eines Typen namens Sinam Baxa“, warf Tony ein.
„Er belagerte die Zitadelle“, ergriff Kate wieder das Wort, „und als er sie eingenommen hatte, deportierte er sechstausend Gozitaner als Sklaven. Nur ein paar wenige konnten fliehen.“
„Wie kam es zu der Hochzeit?“, wollte Carol wissen.
„Er war ursprünglich ein Einheimischer“, erklärte Kate. „Ein Fischer, den die Türken entführten, als er achtzehn war. Er erwies sich als so guter Seemann, dass sie ihn schließlich zum Kommandeur ihrer Flotte machten. Und die Hochzeit mit der jungen Dame aus einer angesehenen Familie Gozos sollte den Feindseligkeiten gegen die Invasoren ein Ende setzen. Umso bestürzter dürfte er gewesen sein, als er nach der Trauung entdeckte, dass es sich bei seiner Braut um das Mädchen aus guter Familie handelte, in das er sich vor langer Zeit unsterblich und ohne Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft verliebt hatte.“
Der Landrover holperte über die unebene Piste, die an hohen grünen Hecken von Kaktusfeigen vorbeiführte, und erreichte schließlich den Drehort. Als Kate bremste, kam ein kleiner Junge von etwa fünf Jahren auf den Wagen zugelaufen. Er weinte herzzerreißend.
Kaum war das Auto zum Stehen gekommen, sprang Carol hinaus.
„Was ist denn los?“, fragte sie den Kleinen und legte tröstend den Arm um seine Schultern. „Hast du dir wehgetan?“
Unfähig zu sprechen, schluchzte das Kind und sagte schließlich: „Mein Kaninchen. Mein Pietro. Er ist …“
Ein wütendes Brüllen unterbrach den Jungen. Ungefähr fünfzig Meter entfernt von ihnen stand Varelle auf einem Kamerawagen.
„Seid ihr bescheuert?“, schrie er in sein Megafon. „Was machst du denn da, Kate?“
„Oh Gott, er filmt gerade“, flüsterte Kate erschrocken. „Aber …“, sie sah auf das weinende Kind hinunter, „… der Kleine schauspielert nicht!“
„Besser, du lässt Varelle machen“, riet Tony ihr vom Auto aus. „Sonst platzt er noch vor Wut.“
„Zum Teufel mit ihm“, erwiderte Kate zornig. „Es reicht. Ich bin sicher, er hat das Kaninchen aus dem Käfig gelassen. Hast du Pietro ordentlich eingesperrt?“, fragte sie den Kleinen.
Der Junge nickte und brach erneut in Tränen aus. „Ich habe die Käfigtür verriegelt. Jemand hat sie wieder aufgemacht.“
„Wir finden ihn“, versuchte Kate, ihn zu beruhigen. „Der Hase ist sein Haustier“, erklärte sie Carol. „Er bringt ihn zu den Dreharbeiten mit und kümmert sich rührend um ihn. Es ist eine Schande …“
„Kate! Carol! Seid ihr völlig von Sinnen?“ Varelle stürmte auf sie zu. Er war außer sich. „Endlich – endlich! – habe ich die Möglichkeit, ein Kind zu filmen, das verzweifelt ist über den Verlust seiner Mutter und seines Vaters und seiner ganzen Familie – seine Stimme bebte vor Zorn – „und ihr ruiniert mir die Szene!“
„Machen Sie die Sache mit mir aus“, sagte Kate. Doch Varelle hatte Carol bereits am Ellbogen genommen und führte sie ein Stück fort, während er unablässig auf sie einredete. Sein Ärger war von ihm abgefallen wie ein Mantel, den man achtlos von den Schultern wirft.
„Meine liebe Carol. Sie sind noch viel schöner, als ich gestern dachte. Es ist ein Wunder, dass der barone Sie für uns gefunden hat, wirklich. Elaine!“ Er klatschte in die Hände, und das Mädchen, das am Tag zuvor die Perücke gebracht hatte, erschien in der Tür eines der Wohnwagen und kam eilig auf sie zu.
„Das ist Elaine“, stellte Varelle sie Carol vor, als sie bei ihnen ankam. „Sie wirkt Wunder, und sie wird Sie so zurechtmachen, dass selbst Madrilena zweimal hinsehen müsste, um den Unterschied zu erkennen. Also los, gehen Sie mit ihr. Carlos, du siehst aus wie ein Priester, aber du verhältst dich nicht wie einer. Wo ist Antonio? Und warum ist Kate nicht hier?“ Er stürzte fort, Anweisungen schreiend und widerrufend und eine Heckwelle von Turbulenzen hinterlassend.
„Dieser Mann ist ein Derwisch“, sagte Elaine kurz angebunden, als sie Carol zu ihrem Wohnwagen führte. „Und wenn er nicht herumtanzt wie ein Verrückter, führt er sich auf wie Napoleon. Vielleicht ist es Ihnen noch nicht aufgefallen, aber hier glaubt jeder, seine Macht beweisen zu müssen. Allen voran Varelle und der vornehme barone.“ Ihre Stimme war schneidend, wenn nicht höhnisch.
„Ist der barone oft hier?“, fragte Carol.
Elaine warf ihr seidiges Haar zurück und maß sie mit ihren leicht schräg gestellten hellblauen Katzenaugen. Ihr Blick war abschätzig.
„Ziemlich oft“, antwortete sie, während sie Carol bedeutete, sich auf den Stuhl vor dem breiten Schminkspiegel zu setzen. „Nebenbei bemerkt – hat niemand Sie vor ihm gewarnt?“
„Was meinen Sie?“
„Er ist ein notorischer Schürzenjäger.“ Elaine verteilte Creme in Carols Gesicht und begann, sie so unsanft einzumassieren, dass es wehtat. „Es ist eine Frage des Stolzes für ihn“, fuhr sie fort. „Wenn er eine gut aussehende Frau sieht, muss er sie seiner Trophäensammlung hinzufügen. Ich sage Ihnen das nicht gern, aber ich finde, Sie sollten es wissen.“
Carol fühlte sich zunehmend unbehaglich in Elaines Gegenwart. „Wie kommen Sie darauf, dass der barone an mir interessiert sein könnte?“
„Keine Ahnung.“ Die Maskenbildnerin wandte den Blick ab. „Ein neues Gesicht, eine neue Herausforderung. Die Art, wie er Sie angesehen hat, als ich gestern die Perücke brachte.“
Carols Herzschlag beschleunigte sich. „Wie hat er mich denn angesehen?“ Die Worte waren heraus, bevor sie sie zurückhalten konnte. Ein Ausdruck boshafter Genugtuung huschte über Elaines Gesicht.
„Ungefähr so“, antwortete sie, „wie ein Raubvogel, der im Begriff ist, sich auf ein ahnungsloses Täubchen zu stürzen.“
„Danke für die Blumen“, gab Carol ironisch zurück. Warum liegt Ihnen so viel daran, mich zu warnen? wollte sie weiterfragen, doch draußen ertönte erneut ein wütendes Brüllen, und Kate steckte ihren Kopf zur Wohnwagentür herein.
„Los, beeilt euch“, rief sie. „Sonst gibt’s hier ein Blutvergießen. Varelle hat gerade den Kameramann zur Schnecke gemacht wegen der Totalaufnahmen von den Galeeren. Kann mir ein Mensch sagen, warum wir für...




