Holst / Olsen | Wenn das Leben anklopft | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 199 Seiten

Holst / Olsen Wenn das Leben anklopft

Roman | Die Glückssucherinnen 1
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-034-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Die Glückssucherinnen 1

E-Book, Deutsch, 199 Seiten

ISBN: 978-3-98952-034-9
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Gemeinsam ist man weniger allein Die Hoffnung auf den Traumprinzen hatte Stefanie schon lange abgeschrieben - doch als sie auf einer ihrer Arbeitsreisen dem charmanten Journalisten Wolf begegnet, ist es Liebe auf den ersten Blick. Ein Wirbelwind aus Glück fegt durch Stefanies Leben. Bis zu dem Moment, in dem sie den Anruf erhält: Wolf ist verschwunden. Zurück bleibt eine große Leere. Und die Frage, wie sie es schaffen soll, sich allein um das Kind zu kümmern, das sie unter dem Herzen trägt. Doch Stefanies beste Freundin Britta, ihre wunderbar verrückten Nachbarn in dem kleinen Hamburger Wohnhaus und der Streuner-Hund Seelchen scheinen fest entschlossen, Stefanie wieder all die bunten Farben des Lebens zu zeigen ... »Ein tolles Buch zum Lachen und Weinen. Absolut lesenswert.« Neue Welt für die Frau

Evelyn Holst studierte Geschichte und Englisch auf Lehramt. Nach dem ersten Staatsexamen arbeitete sie dreizehn Jahre als Reporterin für den »Stern«, u. a. als Korrespondentin in New York. Für ihre Reportage »Es ist so still geworden bei uns« wurde sie mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Seitdem verfasste sie zahlreiche Romane, die auch verfilmt wurden, sowie Originaldrehbücher für Fernsehfilme. Evelyn Holst ist mit dem Filmemacher Raimund Kusserow verheiratet, mit dem sie gemeinsam zwei erwachsene Kinder hat. Bei dotbooks veröffentlichte Evelyn Holst ihre große Haynstraßen-Saga mit dem ersten Roman »Das Haus in der Haynstraße - Zeiten der Veränderung«. Auch bei dotbooks erscheinen ihre heiteren Romane »Ein Mann für gewisse Sekunden«, »Aus Versehen Liebe«, »Ein Mann aus Samt und Seide«, »Du sagst Chaos, ich sag Familie«, »Ein König für gewisse Stunden«, »Gibt's den auch in liebenswert?«, »Der Mann auf der Bettkante« sowie ihre Hamburg-Krimireihe »Die Sünde - Alexa Martini ermittelt« »Der Verdacht - Alexa Martini ermittelt« »Das Verlangen - Alexa Martini ermittelt«. Gemeinsam mit Uschi von Grudzinski veröffentlichte sie bei dotbooks den Roman »Das kleine Hotel unter Mandelblüten«. Und zusammen mit ihrer Schwester Stephanie Olsen veröffentlichte Evelyn Holst bei dotbooks ihre Glückssucherinnen-Reihe mit den Romanen »Wenn das Leben anklopft« und »Morgen geht das Leben weiter«.
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Kapitel 1


Grrrrrrtzzzzzzzfjjjjjjjkxxxxxbrrrrrrr!

Das fiese Geräuschkonzert der unterschiedlich scheußlichen Alarmtöne meiner fünf Wecker riss mich aus meinen süßen Träumen. Es war zehn nach vier Uhr morgens, und wieder einmal dachte ich, dass dieses Aufstehenmüssen zu einer so empörenden Uhrzeit zu den absoluten Schattenseiten meines Traumjobs als Flugbegleiterin gehörte. Da ich mir selbst nicht über den Weg traute und auch keinem einzelnen Wecker ? jede Batterie kann versagen, von Stromausfällen ganz zu schweigen ?, lebte ich mit dieser kleinen Sammlung, die mir im Kollegenkreis schon so manchen Spott eingetragen hatte. Immerhin war ich jetzt wach.

New York stand heute auf dem Flugplan, und während ich hastig in meine Uniform sprang, ging ich im Geist meine Einkaufsliste für Macy’s, ein wunderbares Kaufhaus in New York, durch. Wie jede meiner Kolleginnen und Kollegen trat ich selten einen Flug an, ohne diverse Aufträge von Freundinnen, Schwestern, Nachbarn oder anderen lieben Mitmenschen im Gepäck. »Wohin fliegst du? Osaka? Das ist doch in Japan, oder? Super, da gibt’s bestimmt die Shiseido-Sachen billiger, kommt doch von da, oder? Könntest du nicht … aber nur, wenn’s keine Umstände macht, wenn du sowieso … Also diese Tagescreme …«

Nun, das sei an dieser Stelle einmal gesagt: Es macht natürlich Umstände, immer. Und wenn wir aus San Francisco eine Levi’s um die halbe Welt nach Hause tragen, damit die Nichte der Nachbarin unserer Mutter ein paar Euro sparen oder in ihrer Klasse einen Coolness-Vorsprung erringen kann, dann erwarten wir schon ein bisschen Dankbarkeit und wollen ganz bestimmt nicht hören, dass die Jeans am Hintern nicht sitzt und ob wir sie vielleicht beim nächsten Flug umtauschen könnten.

New York also. Eine der Städte, in der jeder Flieger sich ein bisschen zu Hause fühlt, mit der jeder seine eigene Geschichte hat. New York lässt niemanden kalt. Auch deswegen war der 11. September 2001 so besonders schlimm für uns, so unverzeihlich persönlich schlimm.

Heute würde ich mit Britta fliegen, meiner absoluten Lieblingskollegin und Busenfreundin. Das war auch gut so, denn zu unserer Crew gehörte diesmal auch Brigitte Feix, genannt »Die Zunge«! Ich hatte immer gedacht, sie hätte ihren Spitznamen ihren außerordentlich eloquenten Lästereien über Kolleginnen und Passagiere zu verdanken, doch auf meinem letzten Flug hatte ich erfahren, dass Brigitte spätestens nach der zweiten Caipirinha nicht mehr zu halten sein soll und dann gewöhnlich dem nächstbesten Mann ihre Zunge in den Hals … Nun, daher angeblich der Name.

Da wir nie in derselben Besetzung fliegen, sondern für jeden Flug eine neue Crew zusammengestellt wird ? das fliegende Personal unserer Fluggesellschaft besteht aus einigen tausend Mitarbeitern ?, arbeitet man fast auf jedem Flug auch mit noch unbekannten Kollegen zusammen. Britta und ich hatten die Crewliste für unseren New-York-Flug schon eingehend studiert: Unser Kapitän würde Wolf Clausen sein, den wir beide noch nie gesehen, über den wir aber schon so manch schmeichelhafte Bemerkung gehört hatten. Er sollte einfach sensationell aussehen ? man durfte gespannt sein.

Ich war derzeit mal wieder »auf dem Markt«, wie meine Schwestern das immer so pragmatisch wie unromantisch ausdrücken, wenn zum x-ten Mal meine rosaroten Träume von ewiger Liebe und Familiengründung zerplatzen. Gute Männer sind ja leider bekanntlich absolute Mangelware, und wenn man mal einen entdeckt, dann ist er bestimmt nicht zu haben. Mein letzter Kandidat hieß Oliver, er war anfangs wirklich sehr süß gewesen. Leider hatte sich dann aber herausgestellt, dass er unter tausend Ängsten litt, darunter Flugangst, die er auf mich übertrug und mich gerne heulend im Hotel anrief, egal, wo. An die Zeitverschiebungen pflegte er in seiner Seelenpein natürlich nicht zu denken.

»Steffi! Du lebst!!! Ich komme hier um vor Sorgen!«, war sein Standardspruch. Dann hatte er mich meist unter Tränen beschworen, diesen teuflischen Beruf aufzugeben. Ich gab stattdessen lieber ihn auf, und deshalb durfte ich jetzt mit gutem Gewissen gespannt sein, ob dieser Wolf Clausen hielt, was die Gerüchteküche versprach.

Kurz vor fünf, es klingelte. Das musste Britta sein. Ein letzter Kontrollblick auf Herd (null-null-null-null-null), Kaffeemaschine und Bügeleisen (beide aus), dann schnappte ich mir meinen kleinen Rollenkoffer und raste die Treppe hinunter. Wir hatten den Zeitplan mal wieder ziemlich haarscharf kalkuliert.

Britta war wie immer bester Laune. Sie ist der reinste Sonnenschein und sogar jetzt, wo normale Menschen noch im Koma lagen, trällerte sie munter vor sich hin.

»Steffi! Ist das nicht ein schöner Tag?«, schmetterte sie mir entgegen. Es war noch stockdunkel, den Hamburger Nieselregen konnte man also nur fühlen.

»Hmm, hmm, bisschen früh«, brummelte ich zurück. Mein Plauderdrang war noch nicht erwacht.

Das störte Britta überhaupt nicht, sie erzählte mir ihre neueste Story von einem Passagier: »›Haben Sie einen Spiegel?‹, fragt er mich. Ich zu den Zeitschriften geflitzt, bring ihm einen. Darauf er: ›Nee, lassen Sie mal, ich will gar keinen. Wollte nur mal sehen, ob Sie schon wieder keinen haben!‹« Erwartungsvoll schaute sie mich an. »Ist das nicht witzig?«

Ich fand das eigentlich gar nicht komisch, sondern betrachtete es eher als eine bodenlose Frechheit, aber gegen Brittas gute Laune war kein Ankommen.

Schon hatten wir den Flughafen erreicht, der in Hamburg ja ziemlich übersichtlich ist. Britta stellte ihren Wagen auf dem Personalparkplatz ab, wir griffen Gepäck und Handtaschen, alles in Uniformblau, und gingen ins Hauptgebäude unserer Fluggesellschaft. Dort trugen wir uns beim Check-in in die Crewliste für den New-York-Flug ein ? für einen Kaffee reichte die Zeit leider nicht mehr ? und machten uns auf die Suche nach unserem Briefingraum.

Vor jedem Flug findet ein Briefing statt. Die Crew lernt sich kennen, die Arbeitspositionen werden verteilt, und wir werden vom Kabinenchef, dem Purser, über etwaige Besonderheiten, wie Tiere an Bord, Sonderessen, Rollstuhlfahrer und allein reisende Kinder informiert.

Unseren heutigen Purser Ingo Freundlich kannten Britta und ich schon von diversen gemeinsamen Flügen. Er trug seinen Namen zu recht, ein angenehmer, stets ausgeglichener Zeitgenosse. Was er uns allerdings jetzt verkündete, war weniger angenehm: »Meine Lieben, das könnte heute ein wenig anstrengend werden … Wir haben in der Economyclass achtzig Sonderessen, davon fünfundsiebzig koscher …«

Ein kleiner Tumult brach los. Koschere Sonderessen bedeuteten viel Arbeit. Sie kommen verschweißt an Bord, da die Zubereitung von einem Rabbiner überwacht wird, und dürfen anschließend erst wieder von dem Gast selber geöffnet werden. Man muss also mit jedem einzelnen Essen zu dem entsprechenden Passagier gehen, ihn die Verpackung öffnen lassen oder um Erlaubnis bitten, dies selber zu tun. Dann erst kann man das jeweilige Essen in den Ofen tun. Eigentlich kein Problem, aber gleich fünfundsiebzig Mal?

»Und der Knüller, meine Lieben: Es sind nicht etwa fünfundsiebzig strenggläubige Juden an Bord, nein, die Essen hat eine japanische Reisegruppe bestellt. Die Herrschaften fliegen anschließend an ihren New-York-Trip nach Israel und wollen schon mal die dort übliche Küche ausprobieren!«

Der Lärmpegel schwoll jetzt gewaltig an. Jeder von uns hatte eine Story über japanische Fluggäste parat, die er unbedingt noch schnell loswerden wollte. So hörten wir alle das Klopfen nicht, mit dem die Cockpitcrew ihr Kommen ankündigen wollte.

»Wolf Clausen, guten Morgen! Die Stimmung hier lässt ja auf einen munteren Flug hoffen!«, hörte ich eine tiefe, kräftige Stimme amüsiert ausrufen.

Ich schaute auf ? der bestaussehende Mann, den ich mir vorstellen konnte, machte, begleitet von seinem Copiloten, die Begrüßungsrunde und schüttelte uns allen die Hand. Ich fühlte mich wie vom Blitz getroffen. Als er mir die Hand gab und mich mit diesen atlantikblauen Augen ansah, ein bisschen spöttisch, da war es um mich geschehen. Er wartete kurz, dann wandte er sich der nächsten Kollegin zu, ehe ich ihm meinen Namen nennen konnte. Steffi Blume. Klingt ein bisschen so, als müsse man mich nicht ernst nehmen, aber so heiße ich nun mal.

»Flugzeit nach New York heute 7 Stunden 55, das Wetter unterwegs ist recht gut, es sind keine größeren Turbulenzen vorhergesagt (bildete ich es mir nur ein, oder schaute er mich bei diesen Worten an?), nur etwa zwei Stunden nach Abflug könnte es ein bisschen wackeln. Beeilt euch also besser etwas mit dem Essensservice, damit unseren Gästen nicht ihre Tabletts um die Ohren fliegen. Das Wetter in New York ist wunderbar, also verbringt nicht die ganze Zeit beim Shopping, Mädels. Wir sehen uns dann gleich am Bus, Abfahrt in zehn Minuten. Noch Fragen? Okay, dann bis gleich.«

Damit ging er und ließ mich wie betäubt zurück. Nicht örtlich betäubt, eher Vollnarkose, aus der mich ein heftiger Rippenstoß von Britta unsanft in die Realität zurückholte.

»Na? Der ist ja wirklich ein Leckerli, was?«, tuschelte sie mir ins Ohr.

Ich zog es vor zu schweigen; irgendwie konnte ich über diesen Mann nicht mit Britta plänkeln.

Der Flug verlief ziemlich ruhig, Britta und ich arbeiteten mit »Zunge« Brigitte in der First Class. Das bedeutete erstens, dass ich mit den kulinarischen Experimenten der japanischen Reisegruppe nichts zu tun hatte; damit konnten sich die Kollegen der Economy Class herumplagen. Und zweitens war ich unter anderem für den Cockpitservice zuständig, was mir die Chance gab, meinen etwas dümmlichen ersten Eindruck bei unserem Kapitän zu revidieren. Ich ergriff jede...



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