Holst / Olsen | Morgen geht das Leben weiter | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 187 Seiten

Holst / Olsen Morgen geht das Leben weiter

Roman | Die Glückssucherinnen 2
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98952-037-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Die Glückssucherinnen 2

E-Book, Deutsch, 187 Seiten

ISBN: 978-3-98952-037-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Was machst du, wenn der glücklichste Tag im Leben deiner besten Freundin gleichzeitig dein unglücklichster ist? Für ihre Freundin läuten die Hochzeitsglocken, doch für Britta ist es der reinste Regentag. Frisch verlassen wegen einer anderen Frau, ist ihr so überhaupt nicht nach Tanzen zumute. Selbst der gutmütige, aber unscheinbare Fotograf Helmut kann sie heute nicht aufmuntern. Doch dann scheint das Universum ihre Wünsche ausnahmsweise zu erhören und wenig später läuft Britta geradewegs ihrem Traummann in die Arme. Nur, ist er vielleicht zu schön, um wahr zu sein? Und warum wird Britta das Gefühl nicht los, dass sie womöglich einen kleinen, aber entscheidenden Wegweiser zum Glück übersehen hat? Tauchen Sie mit dem gefühlvollen zweiten Roman der Glückssucherinnen-Reihe in Brittas Geschichte ein - der Roman kann unabhängig vom ersten Band gelesen werden. »Ein tolles Buch zum Lachen und Weinen. Absolut lesenswert.« Neue Welt für die Frau

Evelyn Holst studierte Geschichte und Englisch auf Lehramt. Nach dem ersten Staatsexamen arbeitete sie dreizehn Jahre als Reporterin für den »Stern«, u. a. als Korrespondentin in New York. Für ihre Reportage »Es ist so still geworden bei uns« wurde sie mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis ausgezeichnet. Seitdem verfasste sie zahlreiche Romane, die auch verfilmt wurden, sowie Originaldrehbücher für Fernsehfilme. Evelyn Holst ist mit dem Filmemacher Raimund Kusserow verheiratet, mit dem sie gemeinsam zwei erwachsene Kinder hat. Bei dotbooks veröffentlichte Evelyn Holst ihre große Haynstraßen-Saga mit dem ersten Roman »Das Haus in der Haynstraße - Zeiten der Veränderung«. Auch bei dotbooks erscheinen ihre heiteren Romane »Ein Mann für gewisse Sekunden«, »Aus Versehen Liebe«, »Ein Mann aus Samt und Seide«, »Du sagst Chaos, ich sag Familie«, »Ein König für gewisse Stunden«, »Gibt's den auch in liebenswert?«, »Der Mann auf der Bettkante« sowie ihre Hamburg-Krimireihe »Die Sünde - Alexa Martini ermittelt« »Der Verdacht - Alexa Martini ermittelt« »Das Verlangen - Alexa Martini ermittelt«. Gemeinsam mit Uschi von Grudzinski veröffentlichte sie bei dotbooks den Roman »Das kleine Hotel unter Mandelblüten«. Und zusammen mit ihrer Schwester Stephanie Olsen veröffentlichte Evelyn Holst bei dotbooks ihre Glückssucherinnen-Reihe mit den Romanen »Wenn das Leben anklopft« und »Morgen geht das Leben weiter«.
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Kapitel 1


Der Tag nach einer Hochzeit ist für eine unverheiratete Frau in den allerbesten Jahren (wann fingen die eigentlich an, wann hörten sie auf?) ja immer eine heikle Sache. So eine Mischung zwischen Erleichterung, weil es vorbei war, und unerfüllter Sehnsucht, weil es wieder nicht man selber war, die jetzt neben dem Mann ihres Lebens aufwachte und in die Flitterwochen fuhr. Und wenn man wie ich diese Hochzeit größtenteils im Zustand wachsender alkoholisierter Auflösung verbracht hatte, drohte zusätzlich der Anblick im Spiegel.

Dank meiner starken Kurzsichtigkeit sah ich ohne meine Kontaktlinsen alles wie durch einen weichen, grauen Schleier, jedenfalls bis zum Moment des Einsetzens, aber da ich dies immer erst tat, kurz bevor ich meine Wohnung verließ, ersparte ich mir viel optisches Herzeleid.

Nur im Fall von männlichem Übernachtungsbesuch schlief ich vorsichtshalber mit meinen Kontaktlinsen, weil ich es peinlich fände, morgens aufzuwachen und statt »Hallo, Paul« womöglich »Hallo, Leo« zu sagen. Manchmal wäre es allerdings günstiger gewesen, die männliche Beute nicht im harschen Morgenlicht betrachten zu müssen. Dann wüsste ich jetzt zum Beispiel nicht, wie viele und wo überall Männern, übrigens auch schon in jüngeren Jahren, Haare aus Nase und Ohrmuscheln sprießen können. Vielleicht sollte ich aber auch in Zukunft bei meinen Galanen, ein Lieblingswort meiner Omi, einfach auf den alten Männertrick zurückgreifen und sie alle »Liebling«, »Hase« oder »Schatz« nennen.

Am Morgen nach Steffis Hochzeit fühlte ich mich jedenfalls, noch bevor ich die Augen aufschlug, wie Labskaus mit Pickeln, außerdem hatte ich brüllende Kopfschmerzen. Blind tastete ich nach dem Handspiegel, der auf meinem Nachttisch lag, und hielt ihn mir dicht vor die Nase, dann hob ich mühsam meine verklebten Augenlider. Meine Güte, sah ich schifferscheiße aus! Tiefdunkel erinnerte ich mich an meine Jugendblüte, als ich noch unabgeschminkt ins Bett ging, täglich mindestens eine Schachtel Zigaretten qualmte und trotzdem morgens wie eine Rose aussah. Vom Winde verweht, diese glückliche Zeit, die man damals für selbstverständlich hielt. Jetzt bin ich schon froh, wenn ich vor dem Schminken nicht wie ein depressiver Kaktus aussehe.

Mein Schädel schmerzte, als hätte Igor, Steffis Liebster, ruppig und grob all seine Akupunkturnadeln in mein Hirn gestochen, vielleicht um mir meine unfestlichen, bösen und männerfeindlichen Gedanken daraus zu vertreiben, aber dann fielen mir die viel zu vielen hochprozentigen Grüße an meinen Papa wieder ein, und ich musste die Schuld für meinen Zustand leider bei mir selbst suchen.

Aber es sollte noch viel schlimmer kommen.

Als ich stöhnend meinen schmerzenden Kopf hochzuheben versuchte, leuchtete mir vom Nachbarkopfkissen verschwommen ein verschlafenes Gesicht entgegen, aus dem es heiser grunzte. Offenhörig ein Mann. Wer war das? Ich rückte ganz nah an ihn heran und betastete ihn vorsichtig.

War das ein schönes Aufwachen! Und ich wäre fast nicht zu dieser kitschigen Hochzeit gegangen, ohne Date war das keine Veranstaltung, auf die ich große Lust hatte, all diese Paare und so viel Liebe in der Luft. Das war nichts für den kleinen Helmut. Aber der Abend verlief super, und als Krönung hatte ich Britta, nun eigentlich eher sie mich, abgeschleppt, nur darauf kam es an. Ich fand sie schon lange richtig scharf, aber bis gestern hatte sie mich immer abblitzen lassen. Schlimmer, sie hat mich total ignoriert. Was mich emotional nicht in die Knie zwang, Kummer mit Frauen bin ich gewöhnt. Umso erstaunter war ich, als ich dann neben ihr aufwachte!

Und sie sah so süß aus, noch ganz verschlafen, sie streckte die Arme nach mir aus, wollte sich wohl einen Nachschlag holen, kein Problem, ich war bereit! Die Augen hielt ich lieber geschlossen, weil ich so unschuldiger aussah als mit offenen. Und Unschuld kam immer gut bei Frauen, das wusste ich.

»O Gott, bitte nicht!« Ich zuckte zurück, böse Bilder stiegen in mir auf, die ich sofort wieder verdrängte. »Das darf doch wohl nicht wahr sein!« Wieder grunzte es.

»Guten Morgen, meine Rosenknospe, die Dornen schon wieder in Stellung?«, sagte das grunzende Wesen neben mir. Blind griff ich zum Nachttisch, setzte meine Brille auf und stieß einen kleinen, sehr unpassenden, sehr uncoolen Schrei aus.

»Du siehst auch nicht viel besser aus«, grinste Helmut und rückte näher, »aber egal. Ich hätte Lust auf Nachschlag. Du auch?«

Er schlug seine Bettdecke zurück, mühsam unterdrückte ich einen zweiten Schrei, der liebe Gott hatte ganz offensichtlich fehlende Schönheit durch etwas anderes wettgemacht. Helmut hatte ein Mörderteil, Betonung auf Mord!

»Na los, meine Wunderschöne, kleine Nummer und dann großes Frühstück«, forderte er mich auf, und ich hätte liebend gern aufs Kopfkissen gekotzt.

Aber es war mein Kopfkissen, ich müsste die Schweinerei anschließend selber wieder in Ordnung bringen, also konzentrierte ich mich jetzt lieber auf blitzschnelle Schadensbegrenzung. Zuallererst musste ich meinen ungebetenen (wobei ich Letzteres leider wegen meines Filmrisses nicht punktgenau beschwören könnte) Übernachtungsgast loswerden, und zwar pronto. Vorher allerdings hätte ich gern noch gewusst, was genau passiert war und was ich ab sofort energisch würde verdrängen müssen.

»Erst mal Kaffee, dann …« Meine krächzende Stimme blieb mir einfach im Halse stecken, also flüchtete ich in die Küche, griff mit zitternden Händen zur Kaffeedose und setzte einen Kaffee mit doppelt so viel Pulver wie sonst auf, denn die Nebelschwaden um mein schmerzendes Hirn mussten sich endlich lichten.

»Komm Kuscheln«, ich zuckte zusammen, als Helmut plötzlich in der Küche stand und mich von hinten umarmte, »du bist noch so mollig bettwarm, der kleine Helmut liebt das. Der große natürlich sowieso.«

Er lachte, was sich an diesem Unglücksmorgen wie das Kratzen eines schmutzigen, eingerissenen Fingernagels auf der Wandtafel anhörte.

Mein erster Impuls war, ihm eine saftige Ohrfeige zu verpassen, doch dann siegte mein Gerechtigkeitssinn. Ich erteilte der amtierenden Zicke in mir Rede- und Handlungsverbot. Helmut war völlig unschuldig an der Situation – er hatte sich nur genommen, was die Schlampe in mir ihm offensichtlich angeboten hatte, das konnte ihm nun wirklich keiner übel nehmen. Ich war die Böse. Die sich vermutlich total danebenbenommen hatte und jetzt versuchen musste, möglichst charmant aus dieser Zwickmühle wieder herauszukommen.

»Kaffee? Mit Milch und Zucker?« Wie oft hatte ich diesen Satz schon gesagt, in allen möglichen Sprachen, im Luftraum über allen Kontinenten und Weltmeeren. Manchmal schien mir mein Leben hauptsächlich aus diesem einen profanen Satz zu bestehen, eine erschreckende Lebensbilanz mit über dreißig. Aber er zeigte wieder einmal Wirkung. Helmut lächelte mich glücklich an, und ich dachte kurz, also rund 20 kg weniger, dann wären Bauch und Männertitten weg, und dazu ein kleiner Dreitagebart und eine neue Frisur, hhmm, gar nicht mal so übel …

»Schwarz wie deine Fußsohlen«, sagte Helmut, »kein Wunder, wir haben ja auch die ganze Nacht barfuß getanzt.«

Ich versuchte, die peinigend deutlichen Erinnerungen, die bei seinen Worten in mir aufstiegen, durch einen möglichst entspannten Gesichtsausdruck zu kaschieren, und während ich mit der Kanne, den Löffeln und den Bechern herumhantierte, überlegte ich verzweifelt, wie ich die entscheidende Frage formulieren sollte.

Er kam mir zuvor. »Danke übrigens für die schöne Nacht! Du hast mich sehr glück…«

»WIE glücklich?«, platzte ich heraus. Er lächelte, und ich stellte ein bisschen widerwillig fest, dass er ein gar nicht mal so übles Grübchen im Kinn hatte. Das einzig gar nicht mal so Üble an ihm.

»Du weißt natürlich längst, dass du eine Offenbarung im Bett bist?«, fragte er und nahm mir die Kaffeetasse aus der Hand, trank sie leer, heiß wie sie war, und hielt sie mir wieder hin.

Ehrlich gesagt, erinnerte ich mich nur noch sehr nebulös an die Wonnen der vergangenen Nacht. Nur an eine sehr weiche Haut und an sehr erotische Seufzer. Oder war alles nur ein schöner Traum gewesen, hatten wir beide nur volltrunken nebeneinander geschlafen und sonst gar nichts? Offenbarung im Bett! Ein ziemlich blöder Satz, aber ich hatte noch keine Frau erlebt, die ihn nicht gern hörte. Britta war ganz offensichtlich keine Ausnahme.

»Oh! Tja, danke.« Ich musste zugeben, dass ich trotz allem auf einmal ganz außerordentlich geschmeichelt war, das hatte mir noch niemand gesagt.

Nur schade, dass ich selbst nichts von meinen Qualitäten gehabt hatte.

Wir hatten also. Und ich war eine Granate im Bett. Von Brad Pitt hätte ich das zwar lieber gehört, aber ich war ja auch keine Angelina Jolie. Außerdem hatten die beiden dauernd Stress. Schön bescheiden bleiben, Britta, sonst geht es dir wie Fischers Fru, und du landest im Pisspott. Obwohl – männermäßig war ich da ja schon.

Eine Stunde später hatte sich Helmut mit einem viel zu innigen Kuss von mir verabschiedet, er hatte mich quasi überrumpelt, und so mit geschlossenen Augen war es … nun, gar nicht so unangenehm, er hatte volle, weiche Lippen, ich hatte sogar ein bisschen zurückgeküsst. Aber nur ein bisschen, schließlich wollte ich keine Gefühle wecken, wo ich selbst keine erwiderte.

Ich ging unter die Dusche, wo ich eine gefühlte Stunde lang blieb und beschloss, das Thema Männer und Sex erst mal abzuhaken. Keine halben oder viertel Sachen mehr. Sollten andere Singlefrauen Frösche küssen, bis sie Blasen an den Lippen hatten, ich würde eine Liebespause einlegen. So lange, bis mein Prinz kam. Und...



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