E-Book, Deutsch, 128 Seiten
Hohensee Heute bleibe ich gelassen
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95803-262-0
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 128 Seiten
ISBN: 978-3-95803-262-0
Verlag: Scorpio Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
THOMAS HOHENSEE ist mit bisher 27 Büchern einer der erfolgreichsten Autoren im deutschsprachigen Raum. Sein Best- und Longseller 'Gelassenheit beginnt im Kopf' gilt seit 2004 als Standardwerk auf diesem Gebiet.
Autoren/Hrsg.
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Gelassen durch den Tag
Mit Gelassenheit geht alles leichter: Wir kommen mit uns selbst und unseren Mitmenschen besser zurecht, nehmen mehr Lösungen als Probleme wahr und fühlen uns wohl. Dem entgegen stehen oft mentale Programme, die in den Anfängen der Menschheit sinnvoll waren, im modernen Leben jedoch kontraproduktiv sind. Schauen wir uns das genauer an.
Die drei typischen Stressreaktionen …
Wie reagieren Menschen typischerweise auf Herausforderungen? Sie kämpfen, flüchten oder stellen sich tot.
Läuft etwas nicht so, wie man es sich vorstellt, fühlt man sich vom Leben provoziert. Man meint, sich das nicht bieten lassen zu können, und plustert sich auf. Im Urwald mag das Sinn machen, wenn plötzlich ein gefährliches, hungriges Tier vor Ihnen steht. Aber bei einer roten Ampel? Da können Sie noch so viel drohen, brüllen und mit den Fäusten schütteln. Es nützt Ihnen nichts, sondern treibt nur Ihren Blutdruck in die Höhe.
Aber es steckt nun mal so in uns. Wir machen Pläne, diese misslingen, und schon regen wir uns auf. Es sei denn, wir programmieren uns auf Gelassenheit um.
Vielleicht haben Sie von sich gar nicht den Eindruck, eine KämpferIn zu sein. Doch achten Sie einmal darauf, wie oft Sie im Alltag wütend werden, sogar wegen Kleinigkeiten. Wenn Ihnen die Zuckerdose aus der Hand fällt, fluchen Sie dann (im Stillen)? Dann sind Sie im Begriff zu kämpfen. Sie lehnen sich gegen etwas auf, hadern mit den Tatsachen, werden sauer. Das sind alles Formen des Kampfes gegen den Alltag. Dagegen wäre eigentlich nichts einzuwenden, wenn es nicht bedeuten würde, dass Stressreaktion auf Stressreaktion folgt und Sie sich irgendwann müde gekämpft haben.
Manche Menschen ziehen es vor zu fliehen, wenn sie vor Herausforderungen stehen. Das kann eine Prüfung sein, eine attraktive Person oder das Aufräumen der Garage. Viele flüchten dann lieber. Sie melden sich vor der Prüfung krank, wechseln die Straßenseite, um der attraktiven Person nicht zu begegnen, bzw. setzen sich vor den Fernseher, statt aufzuräumen.
Woran merken Sie, dass Sie auf der Flucht sind oder kurz davor stehen? Sie haben ein mulmiges Gefühl, Schmetterlinge im Bauch oder Muffensausen (was ist eigentlich eine Muffe?). Schlicht gesagt: Sie haben Angst. So viel Angst, dass Sie es vermeiden, diese bewusst wahrzunehmen und klar zu benennen.
Wann immer wir uns einer Sache nicht gewachsen fühlen, bekommen wir Angst, mal mehr, mal weniger. Kämpfen macht keinen Sinn oder wäre aussichtslos, also nehmen wir die Beine in die Hand. Falls das nicht geht, stellen wir uns der Prüfung und hoffen, dass niemand merkt, wie sehr wir zittern.
Zu flüchten kann lebensrettend sein – im Urwald. Im modernen Alltag plagen wir uns meist völlig unnötig mit unseren Sorgen. Gelassenheit wäre eine prima Alternative.
Bleibt als dritte typische Stressreaktion noch das Totstellen. Wir wählen sie, wenn wir uns zum Kämpfen und Flüchten zu schwach fühlen. Oft ist das bei schweren Enttäuschungen der Fall. Wir haben keine Energie mehr und möchten am liebsten den ganzen Tag im Bett bleiben.
Alle Formen von Melancholie und Depression gehören hierher, auch der Alltagsblues, wie manche das nennen. Unsere Träume sind gescheitert, und wir sind traurig. Wir machen weiter, aber es fühlt sich sinnlos an.
Auch Totstellen hilft nur – Sie haben es schon geahnt – im Urwald. Wenn ein Raubtier glaubt, dass Sie tot sind, geht es vielleicht noch einmal weg, bevor es Sie frisst. Diesen Moment können Sie nutzen, um zu fliehen.
Als Dauerlösung ist das Totstellen in der modernen Welt ungeeignet.
. Im Wörterbuch wird sie unter anderem als Ruhe oder Unerschütterlichkeit definiert. Aber wenn Sie das Vorstehende aufmerksam gelesen haben, haben Sie eine viel anschaulichere Definition: ein Leben ohne (oder mit weniger) Kampf, Flucht oder Totstellen. Positiv gewendet: Sie bleiben entspannt und handlungsfähig, egal was kommt. Das fühlt sich fantastisch an, und Sie erreichen trotzdem oder gerade dadurch, was Sie wollen. Und sollte einmal etwas nicht machbar sein, dann wirft Sie das auch nicht um.
… und drei Lösungsmöglichkeiten
Die typischen Stressreaktionen stellen keine Lösung dar. Im Gegenteil: Sie machen alles nur noch schlimmer. Beispiel: Die Ampel steht auf Rot. Wenn Sie sich darüber aufregen, kommen Sie nicht nur zu spät, sondern Sie fühlen sich auch noch schlecht.
Wenden wir uns also wirklichen Lösungen zu. Grundsätzlich hat man drei Möglichkeiten, mit Problemen fertigzuwerden:
1. Die Umwelt ändern
Nehmen wir einmal an, Ihnen gefällt der Ort nicht mehr, an dem Sie wohnen. Dann können Sie umziehen. Suchen Sie sich eine Umgebung, die Ihnen besser zusagt, und das Problem ist gelöst.
2. Die Mitmenschen ändern
Ihr Freund lässt ständig seine Sachen überall herumliegen. Das stört Sie. Deshalb reden Sie mit ihm. Er sieht ein, dass er sein Verhalten ändern muss, und tatsächlich hält er sich an sein Versprechen. Die Welt ist für Sie wieder in Ordnung.
Menschen lieben diese beiden Lösungsmöglichkeiten. Sie tun alles, um ihre Umwelt so einzurichten, wie es ihnen passt. Alle Erfindungen lassen sich auf ein Problem zurückführen, das irgendjemanden störte. Diese Person überlegte so lange, bis sie einen Weg gefunden hatte, die Beeinträchtigung zu beseitigen.
Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Die Sonne brennt einem auf den Pelz. Also baut man sich einen Sonnenschirm, der Schatten spendet. Eine Maschine verursacht einen ohrenbetäubenden Lärm. Daher baut man sie so lange um, bis sie flüsterleise ist. Nachts ist es dunkel. Den Unternehmer und Erfinder Thomas Alva Edison stört das. Deshalb erfindet er die Glühbirne, und die Nacht wird für alle zum Tag.
Diese Art der Problemlösung bringt oft jedoch auch Nachteile mit sich. Manchmal kann man noch so lange überlegen, ohne dass einem eine geniale Erfindung einfällt. Oder die Lösung zieht weitere Herausforderungen nach sich. So braucht die Glühbirne Strom. Um ihn zu erzeugen, baut man Kraftwerke, die mit Kohle, Erdöl oder Uran laufen. Dabei entstehen Abfallprodukte, die geeignet sind, die gesamte Umwelt zu zerstören.
Haben Sie schon mal versucht, Ihre Mitmenschen zu ändern? In einigen Fällen funktioniert das. Aber nicht selten denken Ihre Nachbarn, Kolleginnen, Freunde, Partnerinnen und Kinder nicht im Traum daran, sich so zu verhalten, wie Sie das gerne hätten. Und schon geht der Ärger los.
Auch wenn wir eine Vorliebe dafür haben, unsere Umgebung und unsere Mitmenschen nach unseren Wünschen zu formen, bleibt uns deshalb häufig nur eines übrig:
3. Uns selbst ändern
Das ist nicht immer leicht, aber auch nicht so schwer, wie manche glauben. Eigentlich setzt das nur eine ausreichende Motivation und das Wissen voraus, wie Veränderung gelingt.
Da es bequemer scheint, die Umwelt und die Mitmenschen nach Belieben zu beeinflussen, heben sich viele diese Option bis zum Schluss auf. Hat man jedoch erkannt, wie wohltuend eine gelassene Haltung ist, fragt man sich, warum man so lange darauf verzichtet hat.
Eines ist jedenfalls gewiss: An den täglichen Herausforderungen wird sich nichts ändern. Es wird nicht passieren, dass wir eines Morgens aufwachen und feststellen, dass die Erde über Nacht zum Paradies geworden ist. Die Grundprobleme der menschlichen Existenz bleiben dieselben: den Lebensunterhalt verdienen, mit der Familie und der Gesellschaft klarkommen, mit Krankheiten, Alter und Tod umgehen.
Über diese Themen haben Menschen schon vor 5000 Jahren geklagt. Die Widrigkeiten, die uns jeden Tag begegnen, werden wir nicht wegbekommen, egal wie sehr wir uns anstrengen und welche technischen Erfindungen wir noch machen werden. Das Einzige, was gegen diese Herausforderungen hilft, ist ein entspannter Lebensstil.
Sei du selbst die Veränderung, die du dir
wünschst für diese Welt.
Gelassenheit kann man lernen. Genau genommen sind wir sogar von Natur aus entspannt. Man kann das bei kleinen Kindern oft noch sehen. Werden ihre Grundbedürfnisse erfüllt, sind sie mit sich und der Welt zufrieden. Das ist bei sehr vielen Erwachsenen nicht mehr der Fall.




