Hoffmann | Romantische Bibliothek - Folge 38 | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 38, 80 Seiten

Reihe: Romantische Bibliothek

Hoffmann Romantische Bibliothek - Folge 38

Ein Mädchen im Sturm
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-3584-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Mädchen im Sturm

E-Book, Deutsch, Band 38, 80 Seiten

Reihe: Romantische Bibliothek

ISBN: 978-3-7325-3584-2
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Hete Ortmann und ihr Bruder Ralf führen ein ruhiges und zufriedenes Leben, bis ein schrecklicher Arbeitsunfall den jungen Ingenieur aus dem Leben reißt. Hete, die Zeugin des schrecklichen Geschehens ist, gibt Kurt Vollborn, dem Besitzer des Bauunternehmens, die Schuld am Tod ihres Bruders.

Von diesem Moment an sinnt sie auf Rache. Doch Kurt Vollborn hat sich in die hübsche Schwester des Ingenieurs verliebt und ganz andere Pläne. Als Hete einwilligt, seine Frau zu werden, ist er überglücklich - bis der Tag der Hochzeit kommt ...

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Vielleicht wäre alles anders gekommen, hätte Hete Ortmann noch Eltern gehabt. Aber sie hatte nur noch einen Bruder, einen großen Bruder, der für sie alles war. Ralf war ein Mann, der etwas darstellte, er hatte es aus eigener Kraft und Tüchtigkeit zu einer gut bezahlten Stellung und Ansehen gebracht.

Sie führte ihren gemeinsamen kleinen Haushalt, weil Ralf auf gar keinen Fall wollte, dass sie einen Beruf ergriff.

Hetes Wünsche kreisten um den großen Bruder, und sie war manchmal traurig, dass sie nichts weiter tun konnte, als ihm nur seine Anzüge zu bürsten, die dazu passenden Krawatten herauszulegen und seine Lieblingsgerichte zu kochen.

„Manchmal möchte ich fast, dass du krank wärest, nur für eine Woche, damit ich dich pflegen und verwöhnen könnte“, sagte sie am Frühstückstisch. Ihre Augen leuchteten hell und unbekümmert in die Morgensonne hinein. Und strahlten auf, als sie das geliebte Gesicht des Bruders umfassten. „Ich möchte dir zeigen, wie gern ich dich habe, Ralf.“

Der Mann mit dem gebräunten Gesicht und dem weizenblonden Haar lachte auf.

„Du hast fromme Wünsche. Ich hatte immer gedacht, du seiest um mein Wohl besorgt, und dabei wünschst du mir eine Krankheit! Ich muss sagen, du enttäuschst mich, Kleines.“

Hete hatte eine reizende Art, zu erröten, und es machte Ralf Spaß, sie häufig zu necken.

„Es wundert mich nur“, äußerte er nachdenklich, als seine Schwester den Blick gesenkt hatte, „dass sich noch keiner gefunden hat, der dich vom Fleck weg heiraten wollte. Es tut mir manchmal direkt leid, dass du meine Schwester bist“, behauptete er übermütig.

„Dich hätte ich auch sofort genommen“, versicherte Hete, noch immer befangen. „Aber du hast keinen Doppelgänger, einen Mann wie dich gibt es nicht ein zweites Mal.“

„Was für ein Kompliment“, spottete Ralf gutmütig, aber er musste sich vorher räuspern, um seine tiefe Bewegung zu verbergen.

„Es wird Zeit, dass du losfährst, Ralf“, erinnerte das Mädchen mit einem bezeichnenden Blick auf die Uhr. „Und pass gut auf. Ich habe immer Angst um dich, du fährst so wild …“

Der Mann lachte. „Das denkst du nur, weil du ein Hasenfuß bist, Kleines. Sei unbesorgt, mir passiert schon nichts.“

„Du lachst über mich.“ Hete schluckte. „Aber ich habe den ganzen Tag Zeit, und dann denke ich oft an dich.“

Sie hatte ihn ab und zu auf den Baustellen besucht und sie fand die Arbeit ihres Bruders – er war Brückenbauingenieur – verwirrend und gefährlich.

„Es wird aber wirklich Zeit.“ Ralf zog Hete einen flüchtigen Moment an sich und strich ihr leicht über ihr helles Haar, das seinem verblüffend glich, nur, dass es in natürlichen Wellen ihr stilles, ebenmäßiges Gesicht umrahmte.

Hete nickte nur, wandte sich dann hastig ab und schlug die Wohnungstür fest hinter sich zu. Sie lehnte sich schweratmend mit dem Rücken gegen das Holz. Jeden Tag war es dasselbe mit ihr: Sie hatte Angst um Ralf, weil sie glaubte, er sei zu unbekümmert und verwegen.

Sie ging in das Wohnzimmer, um den Frühstückstisch abzuräumen. Wahrscheinlich war er jetzt an der Kreuzung …

Eine halbe Stunde später kaufte sie alles Notwendige zum Mittagessen ein. Die Geschäfte lagen in der Nähe, die Besorgungen waren deshalb schnell erledigt.

Um dreizehn Uhr kam er zurück. Es war neun, als Hete die Kartoffeln schälte, und um zehn Uhr hatte sie die Wohnung geputzt.

„Lies oder geh spazieren oder schau dir die Geschäfte an, vielleicht möchtest du dir etwas kaufen“, hatte Ralf ihr oft geraten und nicht verstehen können, dass ihr solch ein Leben nicht genügte.

Es war zehn Uhr dreißig, als sie beschloss, einen Spaziergang zu machen.

Die Straßenbahnhaltestelle war in der Nähe. Sie hatte gar nicht die Absicht, mit der Straßenbahn zu fahren, aber diese Linie passierte die Baustelle, auf der Ralf beschäftigt war.

Ihre Gedanken waren schon wieder bei Ralf, und als sie sich dabei ertappte, beschloss sie, ihnen nicht mehr feige davonzulaufen. Sie gestand sich ein, Ralf sehen zu wollen, und beschloss gleichzeitig, es unbemerkt zu tun. Es war nicht nötig, dass er über sie lachte.

***

Kurt Vollborn steckte beide Hände in die Taschen seines Trenchcoats, als er seinen Mercedes auf dem Materiallagerplatz abgestellt hatte. Er sah selbstsicher und fast ein wenig arrogant aus, obwohl dieser Eindruck täuschte.

Der Chef der Brückenbaufirma Vollborn & Co. kannte zwar seinen Wert, aber er überschätzte ihn nicht. Trotz seiner überragenden Erfolge glaubte er nicht, unersetzlich zu sein. Er lachte zwar selten, aber er hatte es nicht verlernt.

Die Arbeiter machten sich gegenseitig auf ihn aufmerksam, denn er war ein gefürchteter Chef, streng und gerecht, aber ein Mann mit einem unbestechlichen Blick für Nachlässigkeiten.

Aber heute schien alles in Ordnung zu sein, der große Schwimmkran, der mitten im Fluss verankert lag, beförderte einen riesigen Träger vom Ufer zum Pfeiler, auf dem Männer ihn erwarteten, um ihn millimetergenau zu platzieren.

Kurt Vollborn sah, dass man ihn auch dort erkannt hatte. Er kniff die Augen zusammen, um besser sehen zu können, und hob dann grüßend die Rechte, als der leitende Montageingenieur ihm zuwinkte.

Irgendjemand trat neben ihn, er wandte kurz den Blick zur Seite, vermutete einen Arbeiter oder Angestellten – und sah ein junges, anscheinend recht nettes Mädchen, das an ihm vorbei auf die Menschen starrte, die auf dem Pfeiler standen.

„Entschuldigen Sie …“, sprach ihn das Mädchen an.

Kurt krauste die Stirn, und sein Blick war nicht sonderlich freundlich, als er sie kurz von der Seite anschaute.

„Was wollen Sie?“, fragte er unfreundlich und kurz.

„Sie … Sie sind doch sicherlich ein Ingenieur oder so etwas Ähnliches und verstehen etwas von der Arbeit …“ Hete fand es schwer, im Angesicht dieser kühl prüfenden Augen zusammenhängend zu sprechen, und die Frage, die ihr auf den Lippen lag, schien ihr töricht, bevor sie sie noch artikuliert hatte.

„Was wollen Sie?“ Kurt schob das Kinn ein wenig vor. „Das Betreten der Baustelle ist Unbefugten verboten. Haben Sie das Schild dort hinten nicht gelesen?“

„Doch … Ich dachte nur … ich bin nämlich Ralf Ortmanns Schwester. Ich habe Angst um ihn.“

„Wer sind Sie?“, fragte der Mann, aber eigentlich nur, um Zeit zu gewinnen. Er hatte nicht gewusst, dass sein Ingenieur eine Schwester hatte – die Privatangelegenheiten seiner Leute interessierten ihn nicht – und hätte er es gewusst, würde er sich die Schwester des bärenstarken Ingenieurs anders vorgestellt haben.

Nicht so zart und zierlich, zerbrechlich wie eine Meißener Porzellanfigur. Und ebenso hübsch.

Er wusste nicht, dass er sie schon unhöflich lange anstarrte, und ebenso unbewusst war sein Lächeln.

„Sie haben Angst um ihn?“, fragte er dann, und Hete zweifelte allmählich, dass sie sich an den richtigen Mann gewandt hatte. Sie verzichtete deshalb auf eine Antwort, trat wie zufällig einen Schritt zur Seite und stützte sich auf das hölzerne Geländer, wie es vorher Kurt getan hatte.

„Kann ich etwas für Sie tun?“, fragte er sehr viel höflicher als noch eine Minute zuvor. „Vollborn ist mein Name, entschuldigen Sie, dass ich mich erst jetzt vorstelle.“

Hete nickte ihm nur zu, sein Name sagte ihr nichts. Sie interessierte sich nur für Ralf, der sich mit beiden Händen das Kreuz rieb und einem Arbeiter etwas zurief.

Seine Schwester verstand die Worte nicht, es schien ein Scherz gewesen zu sein, denn die Leute lachten. Setzten sich anschließend auf den Träger, um zu frühstücken. Ralf zündete sich eine Zigarette an.

„Bleiben Sie hier stehen!“, befahl Kurt Vollborn, als er die dünne, schwankende Brücke betrat, auf der man den Pfeiler erreichen konnte. Dann ließ er sie stehen und ging auf die Bohlen.

Ungefähr in der Mitte geschah es: Kurt verlor plötzlich den Boden unter den Füßen, tastete einen Moment hilflos mit beiden Armen durch die Luft und packte dann im letzten Moment das ein Geländer ersetzende Drahtseil. Nur an seinen Händen hing er über dem trägen Fluss, und noch immer schwankte das Seil wild hin und her.

Unwillkürlich stieß Hete einen Schrei aus, den der Mann nur schwach vernahm. Er verzog den Mund zu einem belustigten Lächeln. Was könnte ihm schon Schlimmes passieren als ein kaltes Bad im schmutzigen Fluss? Er hangelte vorsichtig nach den Bohlen und stand eine Minute später wieder einigermaßen bequem. Bevor er weiterging, wandte er den Kopf zurück.

Hete stand vorgebeugt und starrte ihm nach, und selbst in dieser Entfernung konnte Kurt ihr erleichtertes Lächeln sehen. Ein ungewohntes, warmes Gefühl stieg in ihm empor, als er es in sich aufnahm.

Hete ahnte nichts von seinen Gedanken, als sie die weit entfernte Begrüßung der beiden Männer auf dem Brückenpfeiler beobachtete.

Offensichtlich sprach dieser Fremde von ihr, denn Ralf wandte den Kopf, winkte ihr dann übermütig zu, aber sein Ruf wurde vom Winde verweht. Die Arbeiter hinter seinem Rücken grinsten und rissen wahrscheinlich Witze, dem wiehernden Lachen nach zu urteilen, das zu Hete herüberschallte.

„Affen“, murmelte das Mädchen deutlich und drehte ihnen gekränkt den Rücken zu.

„Ihr Bruder lässt fragen, ob er etwas für Sie tun kann“, richtete Kurt Vollborn ihr aus, als er wenig später auf gleichem Wege zurückgekommen war. Er hatte das bequeme...



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