Hoffmann | Als der Krieg nach Hause kam | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

Hoffmann Als der Krieg nach Hause kam

Heute vor 70 Jahren: Chronik des Kriegsendes in Deutschland
15001. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8437-1062-6
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Heute vor 70 Jahren: Chronik des Kriegsendes in Deutschland

E-Book, Deutsch, 256 Seiten

ISBN: 978-3-8437-1062-6
Verlag: Ullstein HC
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schildert der erfolgreiche Geschichtsblogger Moritz Hoffmann eindrucksvoll die letzten Kriegsmonate - in diesem Buch und parallel dazu auf Twitter. Jeder Eintrag beruht auf historischen Dokumenten, Tagebüchern und Archivfunden. Das Buch ergänzt die kurzen Tweets anschaulich, ordnet sie in ihre geschichtlichen Zusammenhänge ein und zeigt vertiefend die Hintergründe des Kriegsalltags. Ob in Berlin, Leipzig, im Rheinland oder in Stuttgart: Wir erfahren hautnah, wie der Einzelne den Nazi-Terror, den Hunger, die Unsicherheit, die verlorene Kindheit oder den Bombenkrieg erlebt hat. So wird Geschichte lebendig! Der preisgekrönte Blogger erzählt lebendig erfahrbare Geschichte spannend und faktenkundig, mit dem Fokus auf regionale und individuelle Bezüge. 

Moritz Hoffmann, geboren 1984, studierte Geschichte und Musikwissenschaft und promoviert aktuell an der Professur für Public History in Heidelberg. Seit 2008 beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten der Online-Geschichtsvermittlung. Zuletzt hielt der mehrfach preisgekrönte Blogger die Lehrveranstaltung »Public History im Internet« an der Universität Heidelberg.
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Die militärische
Wende

Seit dem Winter 1942/43 befand sich die deutsche Wehrmacht in Europa in der Defensive. Zwar kam es immer wieder zu kurzlebigen erfolgreichen Angriffen, doch im Großen und Ganzen bewegten sich die Fronten wieder zurück in Richtung des Altreiches. Im Osten hatte die vernichtende Niederlage von Stalingrad die psychologische Wende im Krieg eingeleitet. Die Zweifel am sicher geglaubten »Endsieg« des Deutschen Reiches wurden immer stärker und konnten auch durch den von Propagandaminister Joseph Goebbels in der Sportpalastrede vom 18. Februar 1943 ausgerufenen »totalen Krieg« nicht mehr ausgeräumt werden. Die Wehrmacht an der Ostfront verlor immer weiter Boden, der Nachschub aus dem Reich kam ins Stocken. Der Roten Armee gelangen mehrere entscheidende Offensiven, sodass sie im Frühsommer 1944 auf breiter Front an der russischen Grenze stand. Zur gleichen Zeit wagten die Alliierten im Westen am 6. Juni die Landung von fast 160 000 Soldaten an den Stränden der Normandie. Am D-Day wurde innerhalb weniger Stunden eine neue Front im Weltkrieg errichtet. Obwohl die Truppen langsamer vorankamen als geplant, wurde schon Mitte August Paris kampflos eingenommen. Der Weigerung des deutschen Stadtkommandanten Dietrich von Choltitz ist es zu verdanken, dass die französische Hauptstadt nicht wie von Hitler befohlen vor dem Rückzug vollständig zerstört wurde. Die Wehrmacht zog sich nach Belgien und in die Niederlande in die Nähe des Westwalls zurück, jener über 600 Kilometer langen, aus Bunkern, Gräben und Panzersperren bestehenden Festungsanlage, die ab 1938 unter lautstarkem Propagandagetöse errichtet worden war. Anfang September nahmen die britischen Truppen Lille, Brüssel und Antwerpen ein, der Sieg im Westen schien nahe. Doch bis zum Oktober hatte das Deutsche Reich seinen Truppen den dringend nötigen Nachschub organisiert und an die Front gebracht, so dass die Verteidigungslinien stabilisiert werden konnten. Gleichzeitig begannen die Planungen einer massiven Gegenoffensive, mit der die alliierten Truppen wieder nach Frankreich zurückgedrängt werden sollten.

Am 6. Juni 1944 landeten fast 160 000 Soldaten an den Stränden der Normandie.

Am 21. Oktober 1944 nahmen US-Soldaten mit Aachen die erste Stadt auf deutschem Boden ein, was weniger militärisch als propagandistisch relevant war. Aachen hatte keine nennenswerten kriegswichtigen Industrien oder Einrichtungen, war aber als mittelalterliche Kaiserstadt ein Symbol der deutschen Geschichte. In der Schlacht von Aachen standen weniger als 20 000 deutsche Soldaten und Volkssturmmänner 100 000 GIs gegenüber, was verdeutlicht, wie angespannt die militärische Lage an der Westfront mittlerweile war. Hitler und seine Generäle gaben sich jedoch immer noch der Illusion hin, dass eine bedeutsame Niederlage der Westalliierten zu ihrem Austritt aus dem Krieg führen würde. In der Ardennenoffensive ab dem 16. Dezember schien das militärische Kalkül zunächst aufzugehen: Die Alliierten wurden von der plötzlichen Offensive überrascht und im starken Schneetreiben, das ihre Lufthoheit bedeutungslos machte, empfindlich getroffen. Erst ab Weihnachten konnte die deutsche Offensive zum Stillstand gebracht werden, weshalb die deutsche Luftwaffe mit der »Operation Bodenplatte« begann, einem unter höchster Geheimhaltung durchgeführten Luftangriff auf alliierte Flugplätze in den Niederlanden und Belgien. Durch die Bombardierungen wurden doppelt so viele alliierte Flugzeuge zerstört wie deutsche Flieger von der Flak abgeschossen wurden, aber im Gegensatz zum Kriegsgegner konnte die Luftwaffe ihre Maschinen nicht einfach und schnell ersetzen. Das Deutsche Reich war am Ende seiner Kräfte und die Ardennenoffensive so schnell vorüber wie sie begonnen hatte. Ende Januar waren sämtliche gewonnenen Gebiete wieder unter alliierter Kontrolle. Den Westalliierten spielte es außerdem in die Hände, dass immer mehr Wehrmachttruppen an die Ostfront verlagert wurden, um gegen die Rote Armee zu kämpfen, in den folgenden Wochen kamen sie immer leichter voran. Im schnellen Ablauf eroberten sie den »Brückenkopf Elsass« und die Eifel und erreichten am 7. März den Rhein bei Remagen. Die dortige Ludendorff-Brücke war bei der Ankunft im Gegensatz zu den meisten anderen Rheinbrücken unzerstört und überstand vorerst auch einen Sprengversuch durch die deutschen Truppen. Innerhalb eines Tages überquerten in Remagen bereits 8000 amerikanische Soldaten den Fluss, der von der Wehrmacht eigentlich als Verteidigungslinie eingeplant gewesen war.

Mit der Ardennenoffensive schien sich das Blatt noch einmal zu wenden.

Am 17. März schließlich stürzte die Brücke doch noch ein, bis dahin hatten aber bereits 18 Regimenter über den Fluss gesetzt und behelfsmäßige Pontonbrücken errichtet. Mit dem Rhein fiel die letzte entscheidende Schranke – der Vormarsch auf das Reichsinnere konnte beginnen. Am 23. März überquerten amerikanische Truppen den Rhein südlich von Mainz, am Niederrhein landeten Tausende britische, amerikanische und kanadische Truppen mit Fallschirmen und Lastenseglern in der Nähe von Wesel. Eine Woche später konnten die Alliierten so von Norden und Süden das Ruhrgebiet erreichen und 300 000 deutsche Soldaten im »Ruhrkessel« einschließen, der am 18. April durch die Gefangennahme der Wehrmachttruppen aufgelöst wurde. Wenige Tage später drangen die US-Truppen in Süddeutschland ins Allgäu und schließlich Richtung München vor, wo sie am 29. April das KZ Dachau befreiten.

Unterdessen hatte die Rote Armee in der Nähe von Minsk Ende Juni 1944 die deutsche Heeresgruppe Mitte vollständig geschlagen und rückte bis zur Grenze Ostpreußens vor, eroberte Galizien, Lwiw und Sandomierz und stand damit am Ufer der Weichsel. Dort errichtete sie in den folgenden vier Monaten einen befestigten Brückenkopf, drang aber vorerst nicht weiter vor. Am 1. August wagte die Polnische Heimatarmee den Warschauer Aufstand, der von den deutschen Truppen gewaltsam niedergeschlagen wurde und fast 250 000 Todesopfer forderte. Die Hoffnung, dass die Sowjetarmee den Aufständischen zu Hilfe kommen würde, erfüllte sich nicht. Erst am 17. Januar wurde die Stadt im Zuge der neuen Offensive in der »Schlacht um Ostpreußen« befreit, zehn Tage später erreichte die Rote Armee Auschwitz und mit der Stadt Küstrin auch die Oder. Damit stand sie nur noch 80 Kilometer von Berlin entfernt. Im Februar eroberte die Rote Armee Schlesien und Pommern endgültig, im März begann sie mit der Einnahme Österreichs. Das Deutsche Reich wurde nun von allen Seiten angegriffen, die Wehrmacht konnte kaum mehr tun, als die unaufhaltsame Niederlage noch zu verzögern. Am 25. April 1945 trafen vier amerikanische Aufklärungssoldaten am Ostufer der Elbe in Lorenzkirch auf den russischen Oberstleutnant Alexander Gardiev.

Der historische Moment wurde nicht auf Fotografien festgehalten, denn er war für eine festliche Aufnahme kaum geeignet. Zuvor hatte die Wehrmacht eine Pontonbrücke samt der sie überquerenden Flüchtlinge in die Luft gesprengt, zudem war die Stadt tagelangem sowjetischem Artilleriefeuer ausgesetzt. An der Stelle, an der sich die Alliierten aus West und Ost erstmals begegneten, konnte man den Boden vor lauter Leichen kaum sehen. Der Fototermin, der die Welt über das nahende Kriegsende informierte, wurde am darauffolgenden Tag in Torgau nachgeholt.

Vorbei war der Krieg allerdings noch nicht. Die letzten deutschen Truppen waren in zwei Teile gespalten, einer im Süden in Bayern und Tirol, einer im Norden von Bremen über Hamburg bis Berlin. Doch der Widerstand erlahmte, immer wieder ergaben sich einzelne Einheiten kampflos. Währenddessen tobte die Schlacht um Berlin. 2,5 Millionen Soldaten der Roten Armee, darunter auch 200 000 Polen, umzingelten die Reichshauptstadt Mitte April und nahmen sie unter Beschuss. Der Befehl Hitlers lautete, die Stadt »bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone« zu verteidigen, und lange Tage im April sah es so aus, als würde sich die Wehrmacht daran halten. Im Häuserkampf wurde teilweise tagelang um einzelne Gebäude und Straßenzüge gekämpft, die großen Panzer der Roten Armee erwiesen sich im Kampf gegen die versprengten deutschen Truppen als Nachteil.

Umarmung für die Fotografen – in der Nähe von Torgau treffen die amerikanische und die russische Armee aufeinander.

Erst am 29. April drangen erste Sowjetsoldaten in das Regierungsviertel und damit in die unmittelbare Nähe der Reichskanzlei vor, unter der sich Hitler mit seinen engsten Getreuen im Führerbunker befand. Am 30. April, ungefähr zur gleichen Zeit, als sich der angeblich »Größte Feldherr aller Zeiten« das Leben nahm, wehte nach heftigen Kämpfen erstmals die Sowjetflagge über dem Reichstag, ein Ereignis, das zwei Tage später für das berühmt gewordene Foto Jewgeni Chaldejs nachgestellt wurde.

Am Morgen des 2. Mai schließlich kapitulierte General Helmuth Weidling und übergab Berlin an die Rote Armee. Aber erst in den Abendstunden des 8. Mai unterzeichnete der von Hitler zu seinem Nachfolger ernannte Karl Dönitz die bedingungslose Kapitulation des Oberkommandos der Wehrmacht. Weil sich die Bestätigung von allen Seiten bis in die Nacht hinzog, wird das Ende des Zweiten Weltkriegs auf europäischem Boden deshalb an zwei Tagen...


Hoffmann, Moritz
Moritz Hoffmann, geboren 1984, studierte Geschichte und Musikwissenschaft und promoviert aktuell an der Professur für Public History in Heidelberg. Seit 2008 beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten der Online-Geschichtsvermittlung. Zuletzt hielt der mehrfach preisgekrönte Blogger die Lehrveranstaltung 'Public History im Internet' an der Universität Heidelberg.

Moritz Hoffmann studierte Geschichte und Musikwissenschaft und promoviert aktuell am Heidelberger Institut für Public History. Seit 2008 beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten der Online-Geschichtsvermittlung, zuletzt Lehrveranstaltung 'Public History im Internet' an der Universität Heidelberg.



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