E-Book, Deutsch, 208 Seiten
Hofer Die 95/5-Formel
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-96267-242-3
Verlag: Münchner Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Warum viele wenig und wenige alles haben
E-Book, Deutsch, 208 Seiten
ISBN: 978-3-96267-242-3
Verlag: Münchner Verlagsgruppe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Simon Hofer ist Unternehmer, Keynote Speaker und Top Coach. Bereits in seinem ersten Jahr als Speaker stand er bei GEDANKENtanken auf der Bühne und gewann kurz darauf den Excellence Speaker Award. Er ist Gründer der Hofer Consulting Academy und Mitglied der German Speaker Association, sowie des RadioExperten-Teams der Dachländer als Experte für Neurowissenschaften.
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Kapitel 5
Einfach mal machen sind 95 Prozent, die restlichen 5 Prozent ergeben sich dann
Gehen wir noch einmal ein paar Jahre zurück. Ich hatte große Fortschritte gemacht, was meine Figur und meine Gesundheit anbelangte, doch der geschäftliche Aufschwung ließ weiter auf sich warten. Ich hatte ja inzwischen mit dem Krafttraining begonnen, nachdem ich mit dem Kardiotraining so große Fortschritte gemacht hatte und gut 45 Kilo Gewicht verloren hatte. Das Krafttraining war im Prinzip nur eine Abwandlung meiner sportlichen Aktivität, eine Weiterentwicklung des Bisherigen, doch es brachte mir so viel mehr, denn es veränderte meinen Körper endlich in genau die Richtung, in der ich mich in meinen Supermann-Träumen immer gesehen hatte; die Schultern breit, die Taille schlanker und die Arme dick. Natürlich ging das nicht von heute auf morgen, schon gar nicht in meinem Alter, aber jede kleine Veränderung habe ich als großen Erfolg gefeiert und das gab mir jede Menge Motivation.
Rückblickend war es war für mich unverständlich, warum ich nicht schon früher mit Krafttraining begonnen hatte, zumal ich nun lernte, dass Krafttraining insgesamt mehr Kalorien verbrannte als Ausdauertraining. Ich erlebte sehr oft, dass die meisten Menschen, die im Fitnessstudio Gewicht verlieren wollen, stundenlang mit Treppensteigen und auf Fahrrädern verbringen, weil sie denken, das würde besonders viel Kalorien verbrennen. Doch das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Wenn ich mit einer Pulsuhr meinen Kalorienverbrauch für eine Stunde Fahrradfahren oder eine Stunde Krafttraining messe, habe ich zwar auf dem Fahrrad in dieser Stunde etwas mehr Kalorien verbrannt. Doch beim Krafttraining habe ich durch die Arbeit mit den Gewichten meine Muskelzellen belastet und diese müssen vom Körper nach dem Training wieder aufgebaut werden. Im Grunde genommen füge ich meinen Muskelzellen bei jedem Training sogenannte Mikrotraumata zu, also sehr kleine Verletzungen. Das passiert Ihnen übrigens auch, wenn Sie Gartenarbeit verrichten oder wenn Sie Ihren Freunden beim Umzug helfen. Es ist also ein ganz normaler Vorgang, der in unserem Körper stattfindet, wenn wir die Muskulatur belasten. Die Mikrotraumata lösen nun im Körper eine Stoffwechselaktivität aus, die dafür sorgt, dass Satellitenzellen, die sich in der Nähe der leicht beschädigten Muskelzellen befinden, zur Reparatur herangezogen werden, respektive mit der belasteten Muskelzelle fusionieren. Dadurch steuert die Satellitenzelle der Muskelzelle ihren Kern als weiteren Zellkern hinzu. Somit wird die belastete Muskelzelle nicht nur repariert, sondern durch den zusätzlichen Zellkern auch stärker, und unsere Muskeln wachsen. Somit ist der Körper nach dem Krafttraining noch stundenlang damit beschäftigt, Zellen zu regenerieren und zu verstärken. Es sind genau diese Stoffwechselprozesse, die im Körper nach dem Training über Stunden zusätzliche Kalorien verbrennen. Wie viele das genau sind, hängt vom Zustand der jeweiligen Person und von der Belastung des Krafttrainings ab. Es gibt allerdings inzwischen genügend Studien, welche die bessere Effektivität des Krafttrainings gegenüber dem reinen Herz-Kreislauf-Training bestätigen.47 Je mehr Muskeln wir aufbauen, desto mehr Kalorien verbrauchen wir zudem auch im Ruhezustand, denn unsere Muskelzellen verbrauchen mehr Kalorien für deren Unterhalt als unsere Fettzellen.
Es war wieder einmal ein Samstag und ich saß im Büro über meinem Businessplan und überlegte, was ich noch ändern könnte. Irgendwann hatte ich genug und entschloss mich einkaufen zu gehen, bevor die Geschäfte schließen würden, und dann ins Training zu gehen. Ich wollte weiter an meinen dicken Armen arbeiten. Als ich später am Abend zu Hause auf der Couch lag und wieder mal absolut nichts im Fernsehen war, das sich gelohnt hätte anzuschauen, wollte ich schon ausschalten, als ich auf BBC 2 plötzlich eine Vorschau sah für die Sendung Dragons Den, die gleich nach der Werbung begann. Dragons Den, wo hatte ich das denn schon gehört? Der Name kam mir bekannt und interessant zugleich vor, also wartete ich die Werbung ab und wollte mal reinschauen. Während der Werbung fiel mir wieder ein, woher ich den Titel Dragons Den kannte. Das ist die Sendung, in der sehr erfolgreiche Geschäftsleute sich die Pitches, also die Businesspläne von Investoren anhören und dann entscheiden, ob sie investieren wollen. In Deutschland heißt dieses Format Die Höhle der Löwen. Ich hatte davon gelesen und wollte mir die Sendung schon immer mal anschauen, vergaß es aber immer wieder.
Nach dem Werbeblock ging die Sendung endlich los und ein Unternehmer nach dem anderen kam in die Den (der englische Name für Wohnzimmer) zu den Dragons (so werden in der Show die Investoren bezeichnet) und stellte seine Idee vor. Es waren mehr oder weniger innovative Sachen dabei, aber nichts, das die Investoren zum Investieren verleitete, bis ein junger Gründer und sein bester Freund ihre Präsentation machten, in der sie einen neuen Fitnessriegel vorstellten, der mit viel weniger Zucker auskam und einen hohen Eiweißanteil aufwies. Obwohl die Idee gut war, worüber sich alle einig waren, und die Gründer einen sehr guten Eindruck hinterließen, stieg bisher keiner der Dragons bei den beiden ein. Alle machten mehr oder weniger klar, dass ihnen noch ein bisschen die klare Struktur fehlte, der Businessplan noch nicht ganz ausgereift war und man aus diesem Grund nicht investieren würde.
Als letzter Dragon war Peter Jones dran, ein Gigant in der Telekom- und Food-Branche, der schon manches Unternehmen groß gemacht hatte. Bevor er etwas zu den beiden jungen Gründern sagte, wandte er sich an seine Investorkollegen und wies sie darauf hin, dass sie bei all den Beschwerden über den Businessplan das Wichtigste vergessen hätten. Die anderen schauten ihn fragend an, denn die Meinung schien bei allen Dragons soweit festzustehen. Peter Jones fuhr fort, dass natürlich der Businessplan noch verbessert und die Strategie noch verfeinert werden könne, aber das Produkt, darüber seien sie sich doch alle einig, sei sehr gut. Und darüber hinaus seien die beiden Gründer ebenfalls top, da sie genau wüssten, was sie wollten, und das nötige Feuer zur Umsetzung hätten. Und schließlich ginge es doch genau darum: Gründer zu haben, denen man etwas zutraut. Den Rest könne man später noch anpassen. Und aus diesem Grund machte er ihnen schließlich ein Angebot48.
In diesem Moment fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Peter Jones hatte recht. Ich musste aufhören, an unserem Businessplan herumzufeilen. Ich musste uns, die Gründer in den Vordergrund stellen, denn wir waren bereit alles zu tun und alles zu geben. Das hatten wir schon jahrelang bewiesen und dank unserer jahrelangen Tätigkeit in den USA in exakt diesem Bereich brachten wir sehr viel Erfahrungen mit, welche andere teilweise auch etablierte Firmen in dieser Art und Weise nicht vorweisen konnten.
Zwei Wochen später saßen wir erneut mit einem potenziellen Investor zusammen. Der hatte den Businessplan schon gelesen und anstatt wie sonst üblich detailliert auf den Plan einzugehen, stellten wir unsere Expertise, unser Wissen und unseren »Wir wollen das wirklich«-Spirit in den Vordergrund. Wir veränderten unsere Sichtweise und somit die des Investors, weg vom 30 Seiten langen Businessplan, über den man Wochen diskutieren konnte, auf das, was wirklich wichtig war: auf uns, die Gründer. Wir akzeptierten einfach, dass der Businessplan nicht perfekt war und dass die Strategie eine dynamische Geschichte war, die man Schritt für Schritt anpassen musste. Weil wir unsere Sichtweise änderten, änderte der Investor seine ebenfalls. Ich begriff das zwar nicht sofort, doch heute weiß ich, dass wir mit unserer Sichtweise einen enormen Einfluss auf das Gelingen einer Sache haben. Wenn wir einfach mal hingehen und behaupten, dass wir gut sind, dann werden wir auch so wahrgenommen, und wir wissen ja: Wahrnehmung kreiert Wahrheit.
Wichtig ist dabei, sich nicht von der Sichtweise anderer beeinflussen zu lassen, denn wir müssen eigene Fehler machen können, um ein Gefühl für den Kompass zu entwickeln, der uns durch das Leben navigiert, damit wir irgendwann stolz und glücklich auf den Weg zurückblicken können. Ich will damit nicht sagen, man soll nicht auf andere hören. Es gibt durchaus Fehler, die sich vermeiden lassen, wenn man mit der nötigen Vorbereitung und Ausbildung an gewisse Dinge herangeht. Ich sage immer, es ist nicht nötig, dass wir alle dieselben Fehler machen. Es ist besser, zuerst von anderen zu lernen und erst dann eigene Fehler zu machen.
Nachdem wir den Investor im Boot hatten, gingen die nächsten Schritte sehr schnell vonstatten. Die Umsätze wurden siebenstellig und die Firma wuchs schnell. Es kamen ständig neue Mitarbeiter dazu, was aufregend und spannend, aber auch herausfordernd war. Ich lernte aber auch, dass nichts im Leben je einfacher wird. Die Probleme änderten sich nur und wurden teilweise auch größer, denn es ist ein Unterschied, ob man als Neugründer ein Jahresbudget für 50 000 Euro oder als fortgeschrittenes Start-up mit Investor ein Budget über Millionen erstellt. Die Verantwortungen wachsen und lasten, je größer die Zahlen werden, immer mehr auf den Schultern der Gründer. Aber ich hatte von meinem Sport gelernt, dass es das Beste ist, sich in solchen Situationen stetig weiterzuentwickeln, sich auf seine Stärken zu fokussieren und mit den Problemen zu wachsen, denn die Probleme werden im Leben nie einfacher, man kann selbst nur stärker werden.
Ganz besonders aber lernte ich eine weitere Lektion der 95/5-Formel: 95 Prozent bestehen daraus, einfach mal loszulegen und etwas zu tun, und der Rest sind dann wirklich nur noch 5 Prozent. Wenn wir nicht anfangen etwas...




