E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
Höcker / Skibicki / Mühlenbeck Lexikon der Internetfallen
10001. Auflage 2010
ISBN: 978-3-548-92080-1
Verlag: Ullstein-Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Was Ihnen im Internet blühen kann und was Sie dagegen tun können
E-Book, Deutsch, 240 Seiten
Reihe: Ullstein eBooks
ISBN: 978-3-548-92080-1
Verlag: Ullstein-Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ralf Höcker, Jahrgang 1971, LL.M. (London) und Dr. jur., betreibt eine eigene Rechtsanwaltskanzlei in Köln. Er berät Unternehmen und Künstler in Fragen des Medien-, Marken-, Urheber- und Wettbewerbsrechts. Seit Sommer 2009 ist er Lehrbeauftragter an der Cologne Business School / EUFH Brühl. Wenn Sie Herrn Höcker als Redner buchen möchten, kontaktieren Sie bitte die Econ Referenten-Agentur. Falls Sie sich für eine Lesung interessieren, fragen Sie unser Veranstaltungsteam.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Erwischt, beschimpft, verlassen:
Wenn Facebook die Beziehung killt
Falle:
Wer nicht weiß, wie man sich unter der Rubrik »Privatsphäre« schützt, verrät in Netzwerken wie Facebook, Studi VZ oder Wer-kennt-wen definitiv zu viel über sich.
Wie Sie Ihre Freundin in nur wenigen Minuten loswerden
Ein Freund von uns, nennen wir ihn Sven, hatte sich bei Facebook angemeldet. Danach hatte er auf der Facebook-Seite nach Bekannten gesucht, die dort schon ein Profil angelegt hatten, um sie anschließend zu seinen »Facebook-Freunden« hinzuzufügen. Als Nächstes entschied Sven sich für eine Facebook-Anwendung, mit der man recht offensichtlich flirten konnte. Schnell freundete er sich mit leicht bekleideten Mädels namens Roxanne, Judy und Gina an, die er über das Flirtprogramm kennengelernt hatte.
Was Sven nicht wusste: Seine Freundin Nathalie, die bereits ebenfalls zu seinen Facebook-Freundinnen gehörte, wurde über so ziemlich alles informiert, was Sven da auf Facebook trieb. Und nicht nur Nathalie! Denn weil Sven dies nicht per Einstellung verhindert hatte, wurden auch all seine anderen Freunde unter anderem über Folgendes in der Rubrik »Neuigkeiten« in Kenntnis gesetzt: Erstens: Sven hat das Programm »So flirte ich richtig« gewählt. Zweitens: Sven hat Roxanne als neue Freundin hinzugefügt. Drittens: Sven hat Judy als neue Freundin hinzugefügt.
Ein paar Minuten später konnte dann der gesamte Freundeskreis von Sven und Nathalie unter »Neuigkeiten« folgendes lesen: Erstens: Nathalie schreibt, »Sven ist ein A ...« Und zweitens: Nathalie hat ihren Beziehungsstatus von »In einer Beziehung« auf »Single« geändert. Außerdem hatte Nathalie ihrem Ärger Luft gemacht und auf die Pinnwand von Svens Profilseite geschrieben, was sie von ihm hielt. Diese Info erhielten wiederum alle Freunde von Sven!
Es gibt noch viel mehr Katastrophen, die Sven auf Facebook hätten passieren können. Sogenannte »Freunde« reagieren vielleicht in angetrunkenem Zustand mit hochpeinlichen Nachrichten: »Du geiler alter Bock, wie Du die Alte gestern wieder rumgekriegt hast – Respekt!« Vielleicht hat auch noch irgendjemand ein Foto von Sven und der »Alten« gemacht, dieses auf sein eigenes Profil gestellt und es mit einer speziellen Funktion bearbeitet: Facebook ermöglicht es nämlich, die Personen auf den Fotos mit ihren Namen zu markieren. Dieses Foto erscheint dann auch auf Svens Profil und kann dort betrachtet werden.
Statt »Verliebt, verlobt, verheiratet« lautet also das Fazit in Svens Fall »Erwischt, beschimpft, verlassen«. Und zwar vor den Augen aller Freunde und Bekannten. Herzlich willkommen in der schönen, neuen Welt des Internets!
Zu Ihrer Beruhigung: Natürlich können Sie die Weitergabe solcher oder anderer Privatinformationen steuern. Aber bis Sie ein Facebook-Experte sind und wissen, wie man jede potentielle Peinlichkeit umgeht, kann schon so einiges passiert sein. Also seien Sie besser vorsichtig beim Umgang mit Informationen!
Bei den Einstellungen auf »Privatsphäre« können Sie wählen, was Facebook »weitererzählen« darf und was nicht. Damit, wie im Fall von Sven, keine Informationen über neue Freunde an Dritte weitergegeben werden, müssen Sie zum Beispiel in den Rubriken »Privatsphäre«, »Neuigkeiten« und »Pinnwand« das Häkchen bei der Option »Eine/n Freund/in hinzufügen« entfernen. Am besten, Sie schauen sich erst mal alle Privatsphäre-Einstellungen in Ruhe an und entscheiden dann, welche Informationen an Ihre Freunde weitergegeben werden dürfen und welche besser nicht.
Leute gucken macht Spaß – bei Facebook machen es 500 Millionen!
Auf Deutsch übersetzt heißt Facebook »Gesichtsbuch«. Ein Buch voller Gesichter gab es in Amerika schon immer, nämlich für jedes Abschlussjahr an High Schools und Universitäten. Jeder Schüler und Student konnte sich dort von seiner besten Seite zeigen, meistens mit einem Foto und einer kurzen Beschreibung. Vom verhassten Einser-Streber bis zum Klassenclown stand jeder in dem Buch, das auch später dabei half, so manchen Klassenkameraden wiederzufinden. Diese Idee griff 2004 ein amerikanischer Student namens Marc Zuckerberg auf und entwickelte eine Webseite, auf der sich Studenten mit Bild und persönlichen Infos präsentieren und sich darüber hinaus gegenseitig in ein virtuelles Gästebuch schreiben und E-Mails austauschen konnten. Die Idee zu www.facebook.com war geboren! Der Gründer war mit Anfang zwanzig Milliardär.
Diese Idee war so bahnbrechend, dass schnell weitere Universitäten auf den Zug aufsprangen. Auf die Unis wiederum folgten Schulen und schließlich auch andere Interessengruppen. Innerhalb von zwei Jahren wuchs Facebook über die Grenzen von Amerika hinaus und ist heute mit mehreren hundert Millionen Mitgliedern das größte soziale Netzwerk der Welt. Allein der Stromverbrauch kostet das Unternehmen ein paar Millionen Dollar – im Monat! (Nur damit Sie mal ein Gefühl dafür bekommen, wie viele Computer Facebook braucht, um die Plattform am Laufen zu halten.)
Warum sind alle bei Facebook & Co.?
Und warum sollte ich das machen?
Diese Frage brennt Ihnen nun vielleicht unter den Nägeln. Was um alles in der Welt ist denn so toll daran, sein Gesicht und seine Neuigkeiten auf Facebook bestaunen zu lassen?
Hierfür gibt es viele Gründe. Zum einen geht es schlichtweg darum, zu sehen und vor allem gesehen zu werden. Zum anderen ist es einfacher, über Facebook mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben. Sie können auch alte Schulfreunde wiederfinden und werden von anderen gefunden. Gut, einige möchten Sie gar nicht unbedingt wiedersehen. Aber es liegt ja in Ihrer Hand, auf welchen Kontakt Sie sich einlassen. Jeder, der auf Facebook »gut Freund« mit Ihnen sein möchte, fragt erst einmal an. Sie können daraufhin die Freundschaft bestätigen – oder eben auch nicht.
Aber es gibt noch einen anderen Grund, warum viele dabei sind bei diesem Massenklassentreffen: Der soziale Druck, dabei sein zu müssen, steigt, je mehr Bekannte sich auf Facebook anmelden. Wenn der gesamte Freundeskreis und noch dazu ein Teil der Familie bei Facebook vertreten ist – wer will da noch außen vor sein?
Eintritt frei
Die Anmeldung bei Facebook ist einfach: Besuchen Sie die Webseite www.facebook.de, füllen Sie die Felder mit Namen, E-Mail, Passwort, Geschlecht und Geburtstag aus, und klicken Sie anschließend auf die Schaltfläche »Registrieren«. Sie erhalten eine E-Mail mit weiteren Anweisungen und können mit einem weiteren Mausklick Ihren Zugang zu Facebook freischalten. Und schon sind Sie Mitglied!
Besser langsam und vorsichtig herantasten
Aber Achtung: Bevor Sie sich durch den Dschungel von Bildern, Videos und Programmen kämpfen, besuchen Sie erst einmal Ihre Privatsphäre-Einstellungen. Hier können Sie wie auf einem großen Mischpult eines DJs ein paar Regler schieben und einstellen, welche Informationen über Sie weitergegeben werden sollen und welche nicht. Damit nicht auch Ihre Freunde ganz schnell viel mehr von Ihnen wissen, als Ihnen lieb ist.
Sie können auch die Einblendung von Werbung einstellen. Ausblenden können Sie sie nicht, schließlich muss Facebook irgendwie Geld verdienen. Aber Sie können einstellen, ob Sie selbst als Empfehlender einer Werbung bei Ihren Freunden auftauchen möchten oder nicht. Denn nehmen wir Folgendes an: Ein Hersteller von Sexspielzeug schaltet eine Werbung für sein neuestes salatgurkenförmiges batteriebetriebenes Vibrationsgerät. Und da Sie Mitglied in einer Gruppe namens »Elektrische Geräte im Haushalt für Singles« sind, erscheinen Sie persönlich als derjenige neben der Anzeige, der dieses Spielzeug empfiehlt. Das sieht dann etwa so aus:
Dein Freund Ralf empfiehlt:
der beste Vibrator der Welt!
Lieber nicht, oder? Um das zu verhindern, wählen Sie in der Einstellung »Privatsphäre« die Rubrik »Umfeld orientierte Werbung« und klicken Sie hier einfach die Kategorie »Niemand« an. Dann kann Ihnen so etwas nicht passieren.
Facebook bietet tolle Möglichkeiten –
und anderen Menschen Zugriff auf Ihre Daten!
Die Flirt-Anwendung ist nur eine von vielen, die Sie bei Facebook nutzen können. Es gibt Spiele, Kalender, Quizfragen und vieles mehr. Jeden Tag kommen neue Anwendungen hinzu – 500000 davon gibt es bereits.
Logischerweise konnte Facebook nicht alleine eine so große Zahl von Anwendungen entwickeln. Dafür sind zum Teil auch andere Unternehmen verantwortlich.
Das hat nicht nur positive Folgen: Denn wenn Sie eine Anwendung nutzen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass Facebook viele Ihrer persönlichen Daten an die Hersteller seiner Programme weitergibt. Diese erhalten dann zum Beispiel Ihren Namen, Ihre E-Mail-Adresse, vielleicht auch Ihr Geburtsdatum und überhaupt alle Informationen, die für die Anwendung benötigt werden. Leider gibt es auch hier ein paar schwarze Schafe, die Ihre Daten illegal weiterverkaufen oder – schlimmer noch – Ihre Passwörter für Facebook ausspionieren. Seien Sie deshalb mit der Auswahl von Anwendungen vorsichtig und schauen Sie sich erst einmal an, von wem eine Anwendung stammt – vielleicht hat ein Freund von Ihnen bereits Erfahrung damit gesammelt.
Die wichtigsten Anwendungen hat Facebook jedoch selbst entwickelt. Eine davon heißt »Gruppen«. Vom Kaninchenzüchterverein über die Gruppe »Elektrische Geräte im Haushalt für Singles« (s. o.) bis hin zu McDonalds-Fans finden sich schnell Gleichgesinnte und tauschen sich über die neuesten Karnickel-Haarbürsten,...