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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 342, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

Hochleitner Alpengold 342

Die schönsten Jahre hab ich verschenkt
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0922-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die schönsten Jahre hab ich verschenkt

E-Book, Deutsch, Band 342, 64 Seiten

Reihe: Alpengold

ISBN: 978-3-7517-0922-4
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die schillernde Persönlichkeit des Journalisten Viktor Anders, der auf dem Gröbenhof ein wahres Einsiedlerdasein führt, zieht die blutjunge Gabriele magisch an.
Jeder im Dorf warnt das bildschöne Dirndl vor diesem Mann, der angeblich den Tod seines kleinen Sohnes auf dem Gewissen hat. Aber die unerfahrene Gabriele sieht in Viktor nur den Menschen, der ebenso einsam ist wie sie selbst, und ihr Herz fliegt ihm zu.
Mit dem Tag jedoch, an dem sie auf seinen Hof zieht, lernt sie auch Viktors dunkle Seite kennen. Plötzlich ist er gar nicht mehr liebenswürdig, charmant und anziehend, sondern unbeherrscht und grundlos wütend ...

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Die schönsten Jahre hab ich verschenkt

Packender Heimatroman um ein bitteres Erwachen

Von Christian Hochleitner

Die schillernde Persönlichkeit des Journalisten Viktor Anders, der auf dem Gröbenhof ein wahres Einsiedlerdasein führt, zieht die blutjunge Gabriele magisch an.

Jeder im Dorf warnt das bildschöne Dirndl vor diesem Mann, der angeblich den Tod seines kleinen Sohnes auf dem Gewissen hat. Aber die unerfahrene Gabriele sieht in Viktor nur den Menschen, der ebenso einsam ist wie sie selbst, und ihr Herz fliegt ihm zu.

Mit dem Tag jedoch, an dem sie auf seinen Hof zieht, lernt sie auch Viktors dunkle Seite kennen. Plötzlich ist er gar nicht mehr liebenswürdig, charmant und anziehend, sondern unbeherrscht und grundlos wütend ...

Bremsen kreischten, und das Regenwasser aus den Pfützen spritzte empor.

»Kannst du net aufpassen! Da läuft mir doch das Madel direkt in den Wagen!«

Wütend schimpfte der Münchener Taxifahrer vor sich hin. Er hatte blitzschnell reagiert, den Wagen nach links gerissen und das Bremspedal durchgetreten.

»Unverantwortlich, was die junge Frau da gemacht hat«, stieß sein Fahrgast hervor. Auch er war blass geworden. »Man könnte denken, sie wäre lebensmüde. Schauen Sie doch nur, sie trägt Trauer. Anscheinend war sie tief in Gedanken versunken.«

»Mir ist's ganz egal, ob sie Trauer trägt oder net«, knurrte der Taxifahrer. Er öffnete die Wagentür und schrie heraus: »Was fällt dir denn ein, Madel? Wenn man über eine Straße geht, schaut man vorher nach rechts und links. Wenn ich jetzt net so schnell reagiert hätte, dann lägst du unter dem Wagen, und ich hätte den Ärger mit der Polizei.«

Das Madel, das quer über die Straße gelaufen war, stand jetzt auf der anderen Seite. Sie war totenblass und hatte die Augen weit geöffnet. Man sah, dass sie die Lippen bewegte, aber was sie sprach, war nur schwer zu verstehen.

»Entschuldigen Sie bitte, ich hab das nicht gewollt, es tut mir sehr leid.«

»Es ist leicht, das hinterher zu sagen«, brummte der Taxifahrer. »Na ja, es ist noch einmal gut gegangen, wir haben schließlich beide Glück gehabt. Das nächste Mal sieh dich gefälligst besser vor.«

Er fiel zurück auf seinen Sitz hinter dem Lenkrad und zog die Tür hinter sich zu. Dann gab er Gas und fuhr davon.

Gabriele Zöllner legte den Rest ihres Weges zurück und stand kurz danach vor einer Villa.

Auf dem Messingschild, das an dem gemauerten Torpfosten angebracht war, stand der Name Albert Zöllner. Gaby konnte dieses Schild nicht ansehen, ohne dass ihr die Tränen in die Augen stiegen.

Es handelte sich um den Namen ihres Vaters, den sie vor vier Wochen beerdigt hatte. Zusammen mit seiner Frau Alma hatte er bei einem Flugzeugabsturz den Tod gefunden. Ihr einziges Kind, die neunzehnjährige Gaby, war nun allein.

Aus der Tasche ihres hellen Regenmantels zog sie jetzt einen Schlüssel, mit dem sie das Gartentor öffnen konnte.

Etwa zehn Meter lang war der mit quadratischen Steinplatten belegte Weg, der zur Haustür führte.

Mit einem weiteren Schlüssel, der an ihrem Schlüsselbund hing, öffnete die junge Besitzerin der Jugendstilvilla jetzt die Haustür und trat in die sehr gediegen und vornehm ausgestattete Eingangshalle.

Auf dem Marmorfußboden lagen echte Perserbrücken in herrlichen Farben.

Aus der Küche kam Kathi Behrmoser herbeigeeilt, die Frau des Hausmeisters, die hier zugleich Haushälterin und Köchin war und ein Auge auf das Hausmädchen warf.

»Wo waren Sie denn nur, Gaby?«, fragte sie vorwurfsvoll. »Sie hatten sich net abgemeldet, und ich bekam's plötzlich mit der Angst zu tun, als ich Sie überall suchte und nirgends fand.«

»Nur zum Briefkasten bin ich gegangen, Frau Behrmoser«, antwortete die Neunzehnjährige, »aber leicht hätte daraus eine sehr lange Abwesenheit werden können. Ich bin nämlich beinahe von einem Autofahrer angefahren worden. Es war meine Schuld, denn ich bin einfach auf die Straße gelaufen.«

»Mein Gott, Gaby. Sie wollten doch net etwa sterben?«, fragte die mütterliche Frau leise.

»Nein, ich habe es weiß Gott nicht gewollt«, verteidigte sich Gaby. »Ich war nur so tief in Gedanken versunken und habe auf den Verkehr gar nicht geachtet.«

»Da kann man einmal sehen, wie gefährlich es ist, wenn man nur sekundenlang net bei der Sache ist«, sagte Kathi Behrmoser vorwurfsvoll. »Aber freilich, ich kann Sie verstehen, Gaby, es geht Ihnen jetzt vieles im Kopf herum. Sie haben sich mit dem furchtbaren Verlust noch gar net richtig abgefunden.«

»Ja, es ist schlimm«, gab Gaby zu. »Ich weiß genau, dass ich das auf die Dauer nicht aushalte. Wenn ich wenigstens noch eine nützliche Tätigkeit hätte! Eine Arbeit brauche ich, die mich in Anspruch nimmt, eine Aufgabe, die wirklich etwas von mir fordert.«

»Sie wollen also arbeiten«, stellte Kathi Behrmoser verwundert fest. »Dabei haben Sie das doch gar net nötig.«

»Ja, ja, ich weiß.« Das dunkelhaarige Madel winkte ab. »Vaters Fabrik leitet Direktor Kramm. Er ist erfahren und zuverlässig. Bei einem solchen Geschäftsführer liegt alles in den besten Händen. Die Dinge laufen wie am Schnürchen, ich brauchte nichts zu tun und werde immer reicher. Grässlich finde ich das!«

Gabriele hatte ihren beschmutzten Regenmantel ausgezogen und ihn auf einen Bügel an den Garderobenhaken gehängt.

»Ich habe übrigens meinem Onkel und meiner Tante in Traufenstein geschrieben, dass ich ihre Einladung annehme«, sagte sie. »Sie wissen doch, Frau Behrmoser, Tante Vika und Onkel Konrad haben mich zu einem längeren Aufenthalt auf den Wendelhof eingeladen.«

»Ich weiß«, bestätigte die Haushälterin und fügte dann hinzu: »Das halte ich für sehr richtig, Gaby. Ein Tapetenwechsel wird Ihnen jetzt guttun. Der Onkel und die Tante werden Sie mit Liebe und Verständnis umgeben, und in einem so großen landwirtschaftlichen Betrieb finden Sie gewiss die Möglichkeit, sich nützlich zu machen.«

»Das denke ich auch.« Gaby nickte. »Und deswegen werde ich am kommenden Montag nach Traufenstein fahren.«

Sie ging jetzt ins Wohnzimmer hinein und schloss die Tür hinter sich.

Hier stand sie ein paar Sekunden lang auf dem hellen Teppichboden und schaute hinaus in den kahlen, regennassen Garten.

Dann ging sie zu einem der breiten, bequemen Sessel, ließ sich hineinfallen und schloss die Augen. Sie lehnte sich weit nach hinten und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

Intensiv versuchte sie, sich vorzustellen, wie es auf dem Wendelhof in Traufenstein aussah, aber das gelang ihr nicht ganz, denn der letzte Besuch lag sieben Jahre zurück. Eine dünne, lang aufgeschossene Zwölfjährige mit sorgfältig geflochtenen Zöpfen war sie damals gewesen.

Zur Beerdigung von Gabys Eltern waren der Wendel-Bauer und seine Frau selbstverständlich aus Traufenstein nach München gekommen. Aber damals, vor vier Wochen, hatten sie mit der Nichte kein Wort über die Gestaltung der Zukunft sprechen können. Zu frisch waren noch die Wunden gewesen, die das Schicksal geschlagen hatte.

Vier Wochen der Trauer waren jetzt ins Land gezogen, und in zunehmendem Maße hatte Gaby gegen ein Gefühl des Unausgefülltseins anzukämpfen. Sie langweilte sich, ihr Dasein erschien ihr leer und sinnlos. Sie fühlte sich völlig überflüssig.

Irgendwelche besonderen Talente besaß das Madel nicht. Gaby hatte gerade ihr Abitur gemacht. Sie war intelligent und bildhübsch, aber sie hatte noch keine Vorstellung von ihrer Zukunft.

Du kannst doch die Villa Deiner Eltern ruhig verlassen, hatte Tante Ludovika ihr im letzten Brief geschrieben. Bei den Behrmosers weißt Du alles in den besten Händen. In der Fabrik wirst du nicht gebraucht, kurzum, niemand wird Dich vermissen.

Wie wäre es, wenn Du zu uns kommen würdest, um das Landleben richtig kennenzulernen sowie die Arbeiten, die auf einem großen Bauernhof anfallen?

Immerhin wäre es ja möglich, dass Du Geschmack an der Sache findest und vielleicht für immer auf dem Lande bleiben möchtest. In diesem Falle ließe sich darüber reden, ob Du eines Tages den Wendelhof übernehmen könntest.

Lange hatte Gaby hin und her überlegt. Sie war in der Stadt geboren und aufgewachsen, und zuletzt hatte sie ein sehr vornehmes Internat besucht. Es war die übliche Erziehung der Tochter aus gutem Hause, die sie genossen hatte.

Und nun ein solcher Vorschlag, der genau in die entgegengesetzte Richtung wies! Nie in ihrem Leben hatte Gaby bisher einen Kuhstall betreten. Sie verstand nichts von der Milchwirtschaft und der Hühnerzucht. Einzig und allein in der Anlage und Pflege eines Gemüsegartens hatte die Mutter sie unterwiesen.

Aber es könnte doch sein, dass mir die Sache Spaß macht, hatte sie zum Schluss gedacht. Also probiere ich es halt einmal! Was kann es schaden?

Und darum war sie heute bei dem...



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