E-Book, Deutsch, 270 Seiten
Hinze Glückssehnsucht
3. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7597-9039-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein bewegender Liebesroman im ländlichen Brandenburg
E-Book, Deutsch, 270 Seiten
ISBN: 978-3-7597-9039-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Schon immer fasziniert vom gedruckten Wort war mindestens ein Buch stets in ihrer Nähe. Im sagenumwobenen Thüringen aufgewachsen und später, über Umwege, in das geschichtsträchtige Berlin übergesiedelt, waren potenzielle Geschichten, die erzählt werden wollten, immer um sie herum. Zunächst als Erzieherin, später Journalistin, lebt sie heute ihre Kreativität in ihren eigen verfassten Geschichten aus und veröffentlicht sie auf Portalen wie Wattpad, wo sie sich einer regen Leserschaft erfreut. Andrea Hinze lebt mit ihrer Familie im Norden von Berlin.
Autoren/Hrsg.
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1.
Unerwartete Zwischenfälle
Schon als Sarah an der Unfallstelle eintrifft, weiß sie, dass das kein Spaziergang werden wird.
»Scheiße«, flucht sie und parkt ihren alten Jeep am Straßenrand, direkt hinter dem heruntergekommenen Viehtransporter des Metzgers. Mit einer flüssigen Bewegung löst sie den Gurt, öffnet die Tür und steigt aus. Ein ergrauter, rundlicher Mann, der mitten auf der Fahrbahn steht, hebt abwehrend die Hände und höhnt: »Du kommst zu spät, Mädel. Wir sind uns schon einig.« Selbstgefällig verschränkt er die Arme vor der Brust. Skeptisch zieht Sarah die Augenbrauen hoch. »Ich will doch nur mal schauen, Herbert«, gibt sie lässig zurück.
»Ja, ja, dein Anschauen kenn ick. Aber hier haste ken Glück. Der Gaul kommt inne Wurst.«
Kopfschüttelnd geht sie an ihm vorbei, zum Anhänger, der gekippt im Straßengraben liegt. Der schwarze Ford Ranger steht, vom Unfall unbehelligt, davor. Qualvolles Wiehern tönt aus dem Innern des umgestürzten Transporters. Das Technische Hilfswerk ist bereits dabei, das Pferd aus seiner misslichen Lage zu befreien. Daneben, mit verschlossenem Gesichtsausdruck, steht Detlef Hohenfels, hiesiger Gestütsbesitzer. Sarah kennt ihn seit Jahren und liegt ebenso lange mit ihm im Clinch. Ihre unterschiedlichen Auffassungen vom Tierwohl lassen beide immer wieder aneinandergeraten. Auch heute ist Sarah mal wieder gerade noch rechtzeitig gekommen. Nicht zum ersten Mal würde sie eines seiner Pferde vor dem Metzger Herbert Müller retten.
»Du hast mir gerade noch gefehlt«, brummt Hohenfels, als er ihrer Gewahr wird.
»Verlässlich wie immer«, kontert sie und sieht zu, wie das verletzte Tier über Kran und Trage aus dem havarierten Anhänger gehoben wird.
Hohenfels wendet sich ihr zu. »Mädel ...«
Nach all den Jahren ist es ihr immer noch schleierhaft, warum sie hier alle älteren Herren Mädel nennen. Mit ihren 34 Jahren zählt Sarah doch wohl kaum noch zum jungen Gemüse.
»... mit diesem Pferd machst du dich nur unglücklich. Glaub mir. Der ist zu nichts mehr zu gebrauchen«, sucht er sie von vornherein zur Umkehr zu bekehren.
»Na ja, unsere Ansichten, was ein Leben wert ist, gehen ganz schön auseinander, Herr Hohenfels.«
»Der ist verletzt. Und zwar schwer. Ist nicht so, als wäre er 'ne alte Mähre.«
Sarah brummt etwas Unverständliches.
Detlef Hohenfels gibt nicht nach. »Die Tierarztkosten, bis das Pferd wieder so hergestellt ist, dass man drauf reiten kann, sind utopisch.«
»Na, wie gut, dass ich nur die Materialkosten zahlen muss.«
Selbstgefällig grinst sie ihn an.
»Pha«, macht der andere.
Um das Ganze abzukürzen, fragt sie direkt, »Wie viel zahlt Müller Ihnen?«
“350.«
»Prima. Ich zahle Ihnen 400.«
Lachend kratzt er sich am Bart. »Mädel, das Pferd kommt sicher nie mehr auf die Beine. Mach dich doch nicht unglücklich.«
»Über meinen Zustand müssen Sie sich keine Gedanken machen«, rät sie freundlich. »Ich komm’ schon klar. Also ...« Siegessicher hält sie ihm die ausgestreckte Hand hin. »... schlagen Sie ein?«
Hinter ihnen war Metzger Müller herangetreten. »Nee nee nee, Fräulein.
Ick hab hier den Zuschlach bekomm. Diesma musste ohne Gaul abziehn.«
Ihn ignorierend sieht Sarah selbstsicher dem Pferdebesitzer in die Augen. »Herr Hohenfels?«
Dieser sieht nacheinander zu ihrer Hand, dem Metzger und ihrem Gesicht.
»Herr Hohenfels ...«, mahnt Müller. »Se ham doch jesacht ...«
»Ja, ja.« Energisch bringt Hohenfels den anderen mit erhobener Hand zum Schweigen. Man sieht ihm den inneren Kampf an, doch schließlich siegt die Aussicht, nach höherem Profit. »Sie zahlt mir 400«, erklärt er laut und schlägt in den Handschlag ein.
»Prima!«, ruft Sarah erleichtert. »Damit ist der Kauf besiegelt. Herr Müller, ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Tag.«
Der Unterlegende brummt etwas Unverständliches, dreht sich grußlos um und schlurft von dannen.
»Gut. Haben Sie das Geld dabei?«, fragt Hohenfels.
»Selbstverständlich. Ich gehe nie ohne ein paar Scheine aus dem Haus«, erklärt die junge Frau fröhlich. Alle Anspannung ist von ihr abgefallen.
»Schließlich weiß ich nie, ob nicht irgendein verletztes Tier vor dem Abdecker gerettet werden muss.«
»Mädel, du kannst doch nicht alle Tiere des Landkreises retten«, mahnt der Gestütsbesitzer kopfschüttelnd. Nimmt aber die vier, einhundert Euro Scheine an und steckt sie sich zusammengefaltet in die Brusttasche seiner Weste. »Irgendwann ist doch auch dein Hof voll.«
»Noch ist Platz genug«, kontert sie und geht zu ihrem Pferd. »Sagen Sie mir was über ihn!«
“'Be nice to me' heißt er. Ist vier Jahre alt und steht ganz am Anfang seiner Ausbildung.«
»Na, das bleibt dir ja nun erspart«, flüstert sie und klopft dem Wallach sanft auf den Hals. Sein rotbraunes Fell glänzt vor Schweiß im Sonnenlicht. Laut sagt sie, »Na besonders nett wollten Sie ja nicht gerade mit ihm umspringen.«
Hohenfels macht ein abfälliges Geräusch. »Für mich ist er jetzt unbrauchbar. Niemand will ein Fohlen von einem Krüppel.«
Ihr Blick fliegt über den Pferdekörper. Aus einer Wunde am Oberschenkel tritt einiges an Blut aus. Ein nicht unerheblich großes Stück Rohr steckt darin. Sarah beschließt, es an Ort und Stelle zu belassen und es erst später, unter steriler Umgebung herauszuziehen.
Sorgsam tastet sie seine Beine nach weiteren Verletzungen ab. Das Tier schnaubt ängstlich, doch zum Wehren oder gar Aufstehen, fehlt ihm die Kraft.
»Na, bist du derselben Ansicht. Das Pferd ist hin«, urteilt Hohenfels.
»Das ist doch noch gar nicht raus«, widerspricht Sarah. »Vielleicht wird er auch wieder?«
Doch ihr Gegenüber ist anderer Meinung. »Nee nee, glaub mir mal.
Sicherlich wird der nie wieder jemanden auf seinem Rücken tragen. Vom Springen will ich gar nicht erst anfangen.«
Detlef Hohenfels ist im gesamten Landkreis für seine vorzüglichen Spring- und Vielseitigkeitspferde bekannt. Sarah, die Pferde lieber dösend auf der Koppel stehen sieht, ist da ganz anderer Auffassung. Ihr genügt es, ab und an gemächlich auszureiten. Auf ihrem Gutshaus Greiffenberg betreibt sie bereits seit sieben Jahren einen Gnadenhof für kranke und altersschwache Tiere. Ihr Beruf als Tierärztin kommt ihr da sehr gelegen. Zusammen mit ihrer Tante Dörthe lebt und kümmert sie sich dort um Schweine, Esel, Pferde, Hühner, Hunde und allerlei anderem Getier.
»Bei mir muss er keine Erfolge vorweisen. Er darf einfach glücklich sein.« Sarah schließt ihre vorläufige Untersuchung ab, steht auf und klopft sich den Staub von der Hose.
»Mit glücklichen Viechern ist kein Geld zu machen«, lässt Hohenfels sie noch wissen und verabschiedet sich von Sarah. Scheinbar war für ihn die Sache hiermit erledigt. Wie das Pferd auf den Gnadenhof kommt, schien ihn nicht zu interessieren.
Mit dem Einsatzleiter bespricht sie die Einzelheiten und verabschiedet sich ebenfalls. Man wollte auf einen benachbarten Landwirt warten, der 'Be nice to me' mit seinem offenem Anhänger in sein neues zu Hause bringen wird. Für den Transport in Sarahs Pferdeanhänger war das Tier zu stark verletzt.
Zurück auf Greiffenberg will sie eigentlich ihre zuvor unterbrochene Stallarbeit wieder aufnehmen, als Dörthe aus dem gelben Haupthaus tritt. »Da bist du ja wieder«, ruft sie erleichtert. »Ich dachte schon, du hast es vergessen.«*
»Was vergessen?« Schwungvoll schließt sie die Autotür ihres dunkelgrünen Jeeps.
Dörthe hat das untere Ende der Freitreppe erreicht und kommt vor ihr zum Stehen. »Na, die Steuerprüfung.«
Die hatte Sarah tatsächlich vergessen. Oder eher verdrängt. Zwei Jahre zuvor war schon einmal jemand vom Finanzamt da gewesen. Als hätte er einen Stock in seinem Allerwertesten wühlte sich der alte Mann durch ihre Unterlagen. Hatte hierzu und dazu eine Frage, verlangte das und jenes zu sehen. Sarah gibt gern zu, dass Büroarbeit nicht gerade zu ihren beliebtesten Tätigkeiten auf dem Hof zählt.
»Schitt, die habe ich tatsächlich vergessen.« Genervt fahrt sie sich mit der Hand durch das lange, blonde Haar.
»Ich aber nicht«, verkündet Dörthe mit einem gewissen Stolz in der Stimme. »Habe sogar einen Erdbeerkuchen gebacken.«
»Dörthe, der Kerl kommt wegen unserer Unterlagen. Der will sich hier nicht häuslich niederlassen. Und ich will das schon gar nicht«, fügt sie brummelig hinzu. Langsam...




