Hille | Aphorismen und Gedichte | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 169 Seiten

Hille Aphorismen und Gedichte


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-8496-2795-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 169 Seiten

ISBN: 978-3-8496-2795-9
Verlag: Jazzybee Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Peter Hille war ein deutscher Schriftsteller. 1877 schrieb er an der Zeitschrift Deutsche Dichtung mit, die von den Brüdern Heinrich und Julius Hart gegründet worden war. Hier erschienen seine ersten Gedichte.

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Autoren/Hrsg.


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Krank



Leidendes Gewand,

Kränklich heiße Hand,

Weher Sterne Flirren.

Tiefversunkener Brand,

Bang verblichen Band,

Wie ein Rauch mag irren.

Wein



Du mein Wein, Adelsblut der Natur,

Nicht wahr, du lebst,

Du fließendes Juwel?

Wenn du dich im Lenz erhebst

Und an die Fässer pochst,

Willst du hinaus,

Unband du,

Hinaus zu den Deinen,

Die da blühen und innig duften

Auf sanfterlesenen Hängen um braunes Gemäuer.

Wie's da rüttelt dein Feuer,

Dein Leben!

Wie viel Geschlechter hast du schon selig gemacht:

Männer mit reinheitstarrenden Ehrenkrausen

Auf rankendem, schwarzdamastenem Taft,

Du glutetest ihnen die kühnen, hellen Augen,

Die weit die Lande umfassen

Und folgen den palmenzuwinkenden Schiffen,

Wagemutigen Meeresboten,

Die den gedankenglutenden Westen,

Den süßentzündeten Süden

Mit stählernem Norden

Tauschen wollen.

Du nährst die schwimmende Träne des Mannes,

Der allüberwindenden Stärke,

Die Träne, die nur Sieger fühlen ...

Und an die klar gestaltete Glut

Deiner rebkrausen Ratskellerfenster,

Die tief in die Seele

Scheinen festliche Andacht,

Schlug das welterobernde Lachen

All dieser sieghaft heitern Geschlechter.

Du aber throntest

Hoch auf mächtigem Rund

Deines flüssigen Reiches:

Eine bübisch lächelnde, schelmische Sonne.

Ein Stück Düsseldorf


Städtedichtung



Zu Düsseldorf am Rheine,

Jan Willem sitzt zu Pferd,

Wo bitterschön der Heine

Den Hippogryphen seine

Wildhufend graziosen

Gambaden meisternd lehrt.

Kein Denkmal



Henri der stechendweiche,

Den man so hoch verehrt,

Daß hin zu seinen Streichen

Nie mag ein Denkmal reichen,

Henri, der bitterhöhnend

Den frumben Rhein empört.

Der hat den Rhein besungen,

Wie niemals ist gehört,

Sein Lied ist hingedrungen,

Hat roh dich hoch gezwungen

In deiner breiten Jacke,

Dich, Spießer, aufgestört.

Heines Geburtshaus



Ein leichtsinnkrankes Höfchen,

Ein Bäumlein und ein Hahn,

Das Häuslein da ein Zöfchen,

Hecktisch Champagnerschäfchen –

Das Bäumlein will nicht wachsen,

Dir Hahn kein Morgen nahn.

Ein Denkmal



Jan Willem vorm alten Schlosse

Im Markte sonnig blank,

Auf Cinquecentorosse

Ein Medicäergenosse,

Zu Füßen, Preis des Volkes,

Der Grünfrau Kranz als Dank.

Geranienrote Dächer



Vom nahen Holland fanden

Die Bürger froh sich ein,

Die Giebelguirlanden,

Die sich zum Willkomm wanden.

Nach 70 Prunkkasernen

Nun neuer Jugendschein.

Jesuitenkirche



Die blauen Wolken oben,

Die duften wundersam,

Und haben sich verschoben

Ganz hoch sich aufgehoben –

Bunt in die Bilderscheiben

Die klare Sonne kam.

Hoch der Altäre Prunken

Wölbt sich wie Wolken hin,

Im Dunkel goldene Funken.

Abseits Gebet, versunken,

Krauswilde Schmiederanken

Ein Licht im Dämmern drin.

Ein Licht, wie droben knistert

Wo strahlend steigt ein Schatz,

Ein Licht hienieden flüstert

Wo mildiglich es düstert:

»Maria Schmerzensmutter,

Gib mir am Kreuze Platz!«

Kneipe



Zu Düsseldorf am Rheine,

Da musiziert ein Haus,

Wie wirft es seine Scheine

So spät und ganz alleine

Hin über weiche Fluten

Und in die Nacht hinaus.

Und in dem alten Hause

Ein Trio findest du,

Trepphoch die Bauernklause:

Das Auge bohrt das grause –

Das ist allein das Eine –

Die Geig' geht immerzu.

Ein jammerstumm Gequäle,

Von allen Lastern krank

Hintastend Blickgeschwehle

Ein Ächzen in der Seele –

Gesund nur ist die Fiedel,

Und Hölle schlürft den Trank.

Ein Barde da der zweite,

Die Feder am Barett,

Tritt hin zu seiner Seite,

Sein Wams spannt in die Weite:

Ein deutscher Strom sein Singen,

Ein Strom nur etwas fett.

Sonst recht ein Minnesänger

Aus bunter Ritterzeit,

So recht ein Herzbedränger,

Ein Güldendankempfänger

In blauen Lockenprächten –

So frank, so frei, so weit.

Des Sinnes frohe Freite

Das blaue Auge warm,

Und ist ein Hochgeschreite,

Viel kühne Nackenbreite,

Die Glieder Mannesblüte,

Leicht, gut und ohne Harm.

Und neben Mährens Sohne

Am kleinen Tisch zu dritt,

Der trägt die Bürgerkrone,

Von Leichtsinn keine Bohne,

Der pustet Klarinette,

Trinkt dann gemessen mit.

Schwarz Buckel mit Manschetten

Setzt zu den Gästen sich,

Goldköpfig hochadretten,

In Themis Wagenwetten,

Als Advokat verschlagen,

Hochausbesitzerlich.

Agrarierzähren flossen

Als wie ein goldner Bach,

Noch eilig hingegossen,

Um zweie wird geschlossen,

Die Kellner gehn und räumen

Man fährt aus jähen Träumen –

Jach empor.

Zwei Weise


1. Seeräuber

Herzogstochter:

Hilfe! Hilfe! Allvater! Allvater!

Seeräuber:

Ist der für Weiber da? Lästere nicht!

Herzogstochter (lauter):

All–va–ter.

Seeräuber:

...



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