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E-Book, Deutsch

Hilderbrand Sommerwolken

E-Book Only Kurzgeschichte
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-641-16188-0
Verlag: Goldmann
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

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ISBN: 978-3-641-16188-0
Verlag: Goldmann
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Eine kleine Geschichte über die große Liebe.
Ihren ersten Kuss hatten Clendenin und Dabney auf der Highschool. Seitdem weiß Dabney, dass sie zusammengehören. Doch Dabney studiert in Harvard, Clen in Yale, 140 Meilen voneinander entfernt. Als sie sich schließlich doch auf den Weg zu Clen macht, muss Dabney erkennen, dass zwischen ihm und seiner attraktiven Kommilitonin Jocelyn die Funken sprühen. Und mit einem Mal sieht es so aus, als könnte dieses kostbare Band reißen, das Dabney nie in Frage gestellt hätte - ein Band, ohne das sie verloren ist ...


Elin Hilderbrand hat ihre besten Ideen am Strand oder in den belebten Straßen von Boston. Sie hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie auf Nantucket, Massachusetts, wo auch ihre Geschichten spielen. Ihre Bücher stehen regelmäßig in den Top Ten der New-York-Times-Bestsellerliste.

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Für Dabney war es kein Problem, eine Mitfahrgelegenheit zu dem Spiel zu finden; praktisch je­der auf dem Campus schuldete ihr einen Gefal­len. Drei Wochen zuvor hatte sie noch vorgehabt, mit zwei älte­ren Stu­denten aus dem Owl Club zu fahren, aber nicht gewusst, wie sie Clendenin diese Tatsache beibringen sollte, ohne ihn zu be­­un­ru­higen. Obwohl er versuchte, es sich nicht anmerken zu las­sen, fühlte er sich eindeutig immer bedroht, wenn Dabney den Na­men eines anderen Jungen erwähnte. Dabney und Albert Ma­ku zum Bei­spiel waren nur Freunde, doch Clen war eifersüchtig auf ihn, weil Dabney sich angeblich dauernd darüber ausließ, wie gut ihr Alberts Akzent gefiel. »Ich könnte mich nie in Albert verlieben«, sagte Dabney lachend bei einem ihrer dienstagabendlichen Telefongespräche. »Warum nicht?«, wollte Clen wissen. »Weil er schwarz ist?« Clen studierte Journalismus und war besessen von »heiklen« The­men. »Weil er Albert ist«, sagte Dabney. »Du kennst ihn doch.« »Das stimmt«, sagte Clen. »Ich kenne Albert.« Sein Ton war an­klagend; er wollte hervorheben, dass er im ersten Studien­jahr schon viermal in Cambridge gewesen war, ihr Zimmer im Wohnheim gesehen, den Campus besichtigt und ihre Freunde ken­nengelernt hatte, während Dabneys Besuch in New Haven noch ausstand. Dafür gab es einen Grund, den sie nicht erörterten. Zu Beginn des zweiten Jahres aber hatte Clen verkündet, er wer­de erst wieder nach Cambridge kommen, wenn Dabney in New Haven gewesen war. Sie hatte versprochen, ihn am dritten Septemberwochenende zu besuchen, und abgesagt, sich dann für das lange Wochenen­de im Ok­tober angekündigt und wieder abgesagt mit der Begründung, sie habe zu viel zu lernen. Ihr Vater zahlte achtzig Dollar pro Monat, da­mit sie auf dem Campus parken konnte. Doch wenn Dabney sich jeden Freitag­nach­mit­tag hinter das Lenkrad ihres No­va klemmte, dann um nach Hyannis zu fahren, wo sie die Fähre nach Nantucket bestieg. Es war pathologisch, das wussten Dabney und Clen beide, aber sie sprachen nie darüber. Besser gesagt, sprachen sie nicht mehr darüber. Das Thema hatte sich erschöpft. Was gab es dazu noch zu sagen? Dabney konsultierte seit ihrem zwölften Le­bens­jahr ei­nen Therapeuten, aber abgesehen davon, dass sie jetzt in Harvard studierte, hatte sich nicht viel verändert. Harvard war ein großer Schritt gewesen, aus dem sich, wie Dabney glaubte, kleinere Schritte ergeben konnten. Zum Beispiel ein Ausflug nach New Ha­ven. Aber so weit war sie noch nicht. Doch im November bot sich eine einzigartige Gelegenheit: das Spiel. Im Jahr zuvor war Clen mit einer Wagenladung neuer »Freun­de« aus dem Morse, seinem Internatscollege, in den Norden gekommen. Es war eigenartig gewesen zu sehen, wie er zusammen mit all diesen anderen … Typen/Jungs/Männern – Dabney wusste nie genau, wie sie männliche Wesen zwischen acht­­­zehn und zweiundzwanzig nennen sollte – aus dem zerbeul­ten Kombi gestiegen war. Plötzlich war Clen Teil einer Gruppe ge­we­sen, mitten drin, während er die ganze Highschoolzeit über bis auf Dabney keine Freunde gehabt hatte. Sie hatte sich seltsam verraten von ihm gefühlt, von seiner neu­en Mit­glied­schaft in einer Runde, in die er offensichtlich gehörte und pass­te. Die Typen/Jungs/Männer fingen an, im Harvard Yard mit­einander zu rangeln, sich gegenseitig in den Schwitzkasten zu neh­­men und wüste Beschimpfungen an den Kopf zu werfen. Dabney hatte sie von den Stu­fen zur Grays Hall aus beobachtet und gedacht: Er ist ein an­derer gewor­den. In seinen Briefen und bei ihren allwöchentlichen Telefona­ten vom Münzfernsprecher des Wohn­heims aus hatte er ganz wie der Al­te geklungen. Aber in diesem Mo­ment erkannte sie, dass er sich ver­ändert hatte. Nach einer Weile bemerkte er sie und kam angetrabt. Sein Auftreten war selbstbewusster, als sie es in Erinnerung hatte, und er ließ sich einen Bart wachsen. »Hey, Cupe«, sagte er, küsste sie innig und theatralisch und beugte sie nach hinten. Die Typen/Jungs/Männer pfiffen und johl­ten. »Das ist sie also?«, rief einer. »Na, das wollen wir doch hoffen«, sagte ein anderer. Dabney streckte die Hand aus und berührte Clens Gesicht. »Bart?«, fragte sie. »Nein«, erwiderte er abwehrend. »Ich hatte bloß keine Gelegen­heit, mich zu rasieren. Ein Termin nach dem anderen.« Ach so, ja. Clen hatte schon im ersten Semester einen Pos­ten als Feuilletonist für die Yale Daily News ergattert. Bereits in der Highschool war er ein Superstar gewesen – ein »Jahr­­hun­dert­genie« hatte ihr Englischlehrer Mr Kane ihn genannt –, und ebenso hell leuchtete sein Stern offenbar in New Haven. Dab­ney war bei der Schulabschlussfeier nur Begrüßungs­rednerin ge­wesen, Clen dagegen Abschiedsredner, aber obwohl sie in Har­vard angenommen worden war und Clen nicht, hielt sie ihr Talent und ihren Intellekt für bloß durchschnittlich, nichts Be­son­deres. Ihre einzige herausragende Begabung war das Ver­kuppeln; sie hatte in Grays Hall bereits zwei Paare zusammen­ge­bracht und eine weitere potenzielle Verbindung im Auge. Dieses Hobby von ihr war auf Nantucket legendär und Ursprung von Clens Spitznamen für sie: »Cupe«, Kurzform von »Cupido«. Das Spiel, das Spiel! Es bot Dabney die perfekte Gelegen­heit, New Haven zu besuchen. Ganz Harvard fuhr hin. Als die Woche begann, in der es stattfinden sollte, konnte Dabney den Stu­den­ten aus dem Owl Club sagen, dass sie eine andere Transport­mög­lichkeit aufgetan hatte, und zwar eine, die viel mehr nach Clens Geschmack sein würde. Sie würde mit ihrer Zimmergenos­sin Mallory fahren und deren Freund Jason, der in der ersten Reihe des Eis­hockeyteams spielte. Genau wie Oliver Barrett!, hatte Dabney geschwärmt, als Mallo­ry mit Jason zusammengekommen war. Mallory hatte Dabney mit dem leeren Ausdruck angesehen, den ihr blasses hübsches Gesicht manchmal zeigte. Ein-, zwei­mal pro Woche stellte Mallory ein Verhalten zur Schau, bei dem Dab­ney sich fragte, wie sie es nach Harvard geschafft hatte. Sie kam aus Bozeman, Montana; womöglich war das die Antwort. »Oliver Barrett?«, hakte Dabney nach. »Aus Love Story?« Mallory zuckte die Achseln. Sie war müde und verkatert, ihre eindrucksvolle Mähne dauergewellter Haare zerzaust von der Lie­­besgymnastik mit Jason. »Nie gesehen«, sag­­te sie. Dabney wusste nicht, warum sie überrascht war. Nur wenige ih­rer Kommilitonen kannten sich mit den Klassikern aus. Wie viele der anderen Studenten interessierte sich Mallory mehr für Ho­ward Jones und Top Gun. Dann entdeckte Dabney an einem Wochenende, an dem sie Ja­son im Auto mitnahm, weil er seine Schwester an der Tabor Aca­demy besuchen wollte, dass er aus Ipswich, Massachusetts, stamm­­te – genau wie Oliver Barrett! Dabney fing an, Jason »Prep­pie« zu nennen. Mallory gefiel es nicht, wenn Dabney ihren Freund mit diesem Spitznamen anredete, und es gefiel ihr auch nicht, dass Jason sich erbot, Dabney zu dem Spiel mitzunehmen. Aber Jason wies sie darauf hin, dass er es Dabney schuldig war. Dabney dachte, die Fahrt mit Mallory und Preppie würde lustig werden. Sie würde nach New Haven fahren. Sie würde es tun! Jeden Montagnachmittag sprach Dabney fünfzig Minuten lang mit Dr. Donegal, ih­rem Therapeuten. Sie benutzte dafür ein Te­le­fon im Büro für stu­dentische Angelegenheiten. Im Gegensatz zu Clen langweilte es Dr. Donegal nicht, Dabneys Pro­blem immer wieder zu erörtern, ih­re seltene Form von Agoraphobie, oder viel­leicht langweilte es ihn doch, aber es war eben sein Job. Er konnte das Problem nicht beheben – nach acht Jahren wussten sie, dass es sich nicht beheben ließ –, doch er half Dabney, damit umzuge­hen. »Ich fahre nach New Haven«, verkündete sie Dr. Donegal am Montag vor dem Spiel. »Hervorragend«, sagte Dr. Donegal. »Das ist ein großer Schritt. Ich bin stolz auf dich. Fährst du allein?« »Nein«, sagte Dabney. »Ich habe Angst, wenn ich allein fah­re, gerate ich in Panik und lande zu Hause auf Nantucket. Also fah­­re ich bei meiner Zimmergenossin und deren Freund mit.« »Bei Mallory und dem Hockeyspieler?« Dabney schätzte es, wie gut Dr. Donegal sich an die De­tails ihres Lebens erinnerte. Er war ein sehr fähiger Therapeut. »Ja«, bestätigte sie. »Seine Eltern haben ihm zum Geburtstag ge­rade einen Ca­maro geschenkt.« Dabney war eine Autofeti­schis­tin und treue Chevy-Anhängerin. Der Ge­danke, in Jasons neuem Camaro mitfahren zu dürfen, faszinierte sie, obwohl sie auf dem Rück­sitz eingequetscht sein würde wie eine Sardine. »Cama­ros sind sehr sicher.« »Das sind sie«, sagte Dr. Donegal. »Du wirst gut ankommen.« »Gut«, sagte Dabney. Am Donnerstagabend rief sie vom Münztelefon im zweiten Stock der Grays Hall aus Clen an. »Ich komme.« »Das sagst du jetzt«, entgegnete er. »Du glaubst, ich blase es wieder ab?« Clen schwieg. Dabney wusste, er rang mit sich, ob er das Of­fen­kundige – sie sagte immer ab – feststellen oder Zuver­sicht heu­cheln sollte. Er entschied sich für Letzteres. »Ich weiß, dass du kommst«, sagte er. »Ich weiß, die Fahrt zu dem Spiel würdest du nie abbla­sen. Du gehst auf die Harvard und ich auf die Yale. Ich bin dein Freund, und du bist hier sicher.« »Sicher«, wiederholte sie. Sie plante ein Büfett für die Parkplatzparty: Hühnersalat­sand­wiches, einen karamelisierten Zwiebel-Dip aus echten Zwie­beln, nicht aus getrockneter Zwiebelsuppenmischung, Cra­ckers und guten Käse...



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