Hilary | Seelenkinder | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten

Reihe: Die Marnie-Rome-Reihe

Hilary Seelenkinder

Thriller
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-641-17283-1
Verlag: btb
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Thriller

E-Book, Deutsch, Band 2, 480 Seiten

Reihe: Die Marnie-Rome-Reihe

ISBN: 978-3-641-17283-1
Verlag: btb
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein grauenvoller Fund: Im Garten seines Hauses in einer Londoner Neubausiedlung entdeckt Familienvater Terry Doyle einen alten Bunker – und darin, dreieinhalb Meter tief in der Dunkelheit, zwei Kinderleichen. Für das Team um Detective Marnie Rome türmen sich die Fragen auf: Wer waren die Kinder? Warum wurden sie nie als vermisst gemeldet? Welche Rolle spielt Clancy, der verhaltensauffällige Ziehsohn von Terry? Die Begegnung mit Clancy ist für Marnie wie eine Falltür in die Vergangenheit – er erinnert sie an ihren Adoptivbruder Stephen, den Mörder ihrer Eltern. Und als Clancy plötzlich mit Terrys leiblichen Kindern verschwunden ist, ahnt Marnie: Jetzt zählt jede Sekunde.

Sarah Hilary lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Bristol. Sie arbeitet bei einem bekannten Reiseführerverlag, war jedoch auch schon als Buchhändlerin oder bei der Royal Navy tätig. »Herzenskalt«, der erste Teil der Reihe um die unerschrockene Ermittlerin Marnie Rome, wurde in England als bester Krimi des Jahres ausgezeichnet.
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4

Die Erde aus dem Garten der Doyles war ins Haus getragen worden, eine dunkle Spur von den Beeten bis in die Küche hinein. Dieselbe Erde steckte unter Terrys Fingernägeln und unter denen seiner Frau.

»Wir legen einen Gemüsegarten an, um die Kinder zur Selbstversorgung anzuleiten.« Terry wischte sich die Hände an der Jeans ab. Sie waren wund, als hätte er sie mehr als ein Mal gewaschen, seit er den Bunker gefunden hatte. »Ich war gerade allein draußen, Gott sei Dank.«

Marnie musste seine Stiefel mitnehmen, vielleicht auch seine Kleidung, je nachdem, wie nahe er bei den Leichen gewesen war. »Sie sagten, in den Bodengutachten deutete nichts auf einen Bunker hin?«

»Nein. Deshalb dachte ich ja, es wäre kein Problem, den Deckel aufzumachen.«

»Wie leicht ging das?«

»Jedenfalls nicht schwer. Ich habe schon Steinfliesen getragen, die deutlich mehr gewogen haben.« Er zog kurz den Kopf ein, als hätte er Angst, sie würde das als Machismo deuten. Er war knapp eins fünfundachtzig groß und schlank, in guter Verfassung für einen Mann Anfang vierzig. »Wenn ich gewusst hätte, was da drin ist … Ich habe dann sofort die Polizei benachrichtigt. Aber ich habe einen Tatort verunreinigt.« Sein Mund verzog sich. »Das tut mir so leid. Ich habe es Ihnen schwerer gemacht, denjenigen zu finden, der das getan hat. Entschuldigen Sie bitte.«

»Daran kann man jetzt nichts mehr ändern.« Marnie hob den Becher Tee hoch, den er gekocht hatte, und stellte die nächste Frage so sanft wie möglich. »Wie weit sind Sie runtergestiegen?«

»Vier, vielleicht fünf Sprossen?« Seine Stimme klang leblos, in seinen Augen standen glühende Tränen, von der Art, die man unbedingt zurückhalten möchte.

»Haben Sie – verzeihen Sie bitte –, haben Sie außer der Leiter etwas angefasst?«

Er schauderte. »Überhaupt nichts.«

»Gut. Ich muss Ihre Stiefel mitnehmen, um eventuelle Veränderungen des Tatorts Ihnen zuordnen zu können.«

Nickend gab er sein Einverständnis dazu, und sie wartete einen Moment ab, um ihm zu bedeuten, dass dieser Teil der Befragung vorbei war. »Sie haben hier viel gearbeitet.« Die Erde war mehr als nur ein Mal umgegraben worden. »Haben Sie vorher schon mal etwas Ungewöhnliches gefunden? Ich meine nicht den Bunker. Andere Dinge, Kleidung oder Schmuck vielleicht?«

»Nichts. Wir graben seit ein paar Monaten, um die Beete für das Einpflanzen vorzubereiten. Der Boden war nicht besonders brauchbar, als wir angefangen haben. Wir haben es geschafft, ihn zu verbessern.«

»Wie macht man das?«, fragte Marnie. »Den Boden verbessern?«

»Als wir eingezogen sind, bestand er hauptsächlich aus Sand. Ich vermute mal, das ist billig für die Bauunternehmer, aber zum Gemüseziehen taugt er nichts. Zum einen keine Nährstoffe, zum anderen hält er das Wasser nicht. Ich musste viel Komposterde aufschütten und während des Winters immer wieder umgraben.« Er unterstrich seine Ausführungen mit dazu passenden Handbewegungen. Dabei konnte Marnie erkennen, wie viel Kraft in seinen Handgelenken steckte. »Zum Frühjahr hin hatten wir halbwegs anständige Beete für das Gemüse.«

»Terry ist ein toller Gärtner«, sagte Beth. »Er kümmert sich um die meisten Gärten in der Straße.« Es war das erste Mal, dass sie sprach, seit sie drei zusammen in der Küche waren. »Für die Kinder ist es gut, einen Sinn für Beständigkeit zu bekommen und sich selbst zu versorgen.«

»Müssen wir ausziehen?«, fragte Terry. »Während Ihrer Ermittlungen?«

»Leider ja. Das ist das Beste. Es wird hier eine Weile einiges los sein. Da hätten Sie kaum Ihre Ruhe.«

Die Presse kam bald. Marnie konnte die Hitze ihrer Neugier im Nacken spüren. Auch Commander Tim Welland war unterwegs. Wie er sagte: »Um sich ein Bild von der Kacke zu machen, bevor sie zu dampfen anfängt.«

»Es wäre nett, wenn Sie eine Unterkunft für uns finden könnten, die groß genug ist, damit wir als Familie zusammenbleiben können«, sagte Terry. »Ich weiß, dass wir nicht konventionell sind, aber das ist wichtig. Wir haben sehr hart für das hier gearbeitet.«

Nicht konventionell?

Beth sagte: »Tommy schläft. Ich hab es geschafft, ihn zu einem Mittagsschlaf hinzulegen.« Das Kleinkind, das sie vorhin auf der Hüfte getragen hatte. »Carmen kommt bald aus dem Kindergarten. Eine der anderen Mütter bringt sie. Ich passe vormittags auf ihren kleinen Sohn auf.« Sie warf einen Blick auf die Wanduhr. »Dann ist da noch Clancy.«

Terry griff nach Beths Hand und hielt sie fest. »Wir sind seit kurzem Pflegeeltern.« Er rang sich ein Lächeln ab. »Für unsere Sünden. Wenn Sie uns also etwas suchen könnten, wo wir alle zusammenbleiben können …«

Marnie wusste, was Tim Welland dazu sagen würde. Sie hatte in erster Linie den Tatort abzuschirmen. Zuallererst war sie den Toten verpflichtet, nicht den Lebenden. »Seit wie kurzem sind Sie Pflegeeltern?«

»Seit wir hier wohnen. Es ist einer der Gründe, warum wir ein großes Haus wollten.«

»Von wie vielen Kindern sprechen wir hier?«

»Nur Clancy, vorerst.« Terry drückte die Hand seiner Frau. Marnie wäre es entgangen, wenn Beth nicht ihr Zucken schnell in ein Lächeln verwandelt hätte. »Clancy Brand.«

»Wie alt ist Clancy?«

»In zwei Monaten wird er fünfzehn.«

»Ist er in der Schule?«

»Er ist nicht ganz fit«, sagte Terry zögerlich.

»Wir haben ihn heute zu Hause behalten«, ergänzte seine Frau. »Falls es ansteckend ist.«

Die Lüge färbte ihren Hals mattrot.

Manche Menschen konnten lügen, ohne zu erröten, aber Beth Doyle gehörte eindeutig nicht dazu. Sie war hübsch, jedoch auf eine unauffällige Art. Man hätte Schwierigkeiten, sich an ihr Gesicht zu erinnern, wenn sie nicht direkt vor einem stand. Mund und Augen trugen einen weichen Ausdruck, und sie hatte die Art von hellem Haar, das schmuddelig aussah, wenn es nicht frisch gewaschen war.

»Mit Tommy, Carmen und Clancy sind also insgesamt drei Kinder im Haus?«

»Vier.« Beth legte sich eine Hand auf den Bauch. Man sah noch nichts, die Beule war unter einem weiten Jeansoberteil versteckt.

»Glückwunsch«, sagte Marnie.

»Das Haus ist groß. Es braucht Kinder. Jeder sagt, wir haben zu viel Liebe für drei Kinder.«

Der Küche nach zu urteilen hatten sie allem in dem großen Haus ihren Stempel aufgedrückt: gemütlich und chaotisch, Glasabdrücke auf dem Tisch, der aussah, als wäre eine Granate in einem Glas Aufstrich explodiert; die Trümmer des Familienfrühstücks. An der Wand mit Tesa festgeklebte Kinderzeichnungen neben schmutzigen Daumenabdrücken in Kleinkindhöhe. Marnie war kein Freund von Unordnung, aber Unordnung bedeutete Lebendigsein – Risiko, Mut und Fehlschläge, alles, was von Bedeutung war.

Wegen eines Geräuschs auf der Straße stand Beth auf. »Das muss Vic sein, mit Carmen.« Sie ging zur Haustür.

Terry erhob sich und räumte die Becher vom Tisch ab. Marnie half ihm und trug einen Teller mit verschrumpelten Orangenschnitzen zum Mülleimer. »Kompost.« Mit einer Grimasse nahm Terry ihr den Teller ab und kippte die Reste in einen grünen Plastikbehälter mit Luftschlitzen im Deckel.

Als er die Becher abwusch, ließ er das heiße Wasser zunächst sparsam laufen und dann länger, schrubbte an seinen bereits angegriffenen Händen herum und hielt die kräftigen Handgelenke wiederholt unter den Strahl, bis sie von der Hitze erst weiß und schließlich rot wurden.

»Wenn Sie reden wollen«, sagte Marnie. »Ich kenne jemanden von der Opferhilfe.«

»Danke.« Terry hörte auf zu spülen und griff nach einem Geschirrtuch, um sich die Hände abzutrocknen. »Ich komme schon klar. Ich denke mal, je weniger Fremde im Haus, desto besser, zumindest fürs Erste.« Er tupfte die Nässe zwischen seinen Fingern ab, die Augen leer und traurig.

Die Sanitäter hatten bei ihm nichts festgestellt, aber Marnie kannte die Tücken eines Schocks, dass er sich zunächst versteckte und einen dann mehrmals wieder ansprang. »Der Mann, den ich meine, ist sehr gut. Er stellt keine Fragen. Er hört einfach zu, wenn Sie das brauchen. Sie haben hier einiges zu verarbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie mit Beth über das reden wollen, was Sie gesehen haben.«

»Nicht in ihrem Zustand«, sagte Terry mechanisch.

»Ich habe es auch gesehen«, sagte Marnie. »Ich weiß, wie schwer es ist.«

Er nickte. »Danke. Wenn Sie mir die Nummer der Opferhilfe geben, rufe ich ein bisschen später an, wenn es hier ruhig ist.«

Marnie schrieb Ed Bellocs Namen und Nummer auf und gab ihm den Zettel.

Er faltete das Blatt einmal, dann noch einmal. »Wenn Sie herausfinden, wer die beiden sind, sagen Sie mir die Namen?« Er faltete das Blatt Papier ein drittes Mal und strich die Kante mit dem Daumennagel glatt. »Bitte. Ich würde gern ihre Namen wissen.«

Marnie nickte. »Ist gut.«

Beth kam mit einer Dreijährigen in einem rosa Mantel in die Küche zurück. Das Kind zog ein finsteres Gesicht, die blonden Zöpfe waren zerzaust, der kleine Mund über einem trotzig vorgeschobenen Kinn zugekniffen.

»Carmen ist wieder da«, sagte Beth. »Hier ist Daddy, siehst du? Geh ihn begrüßen.«

Carmen marschierte zu ihrem Vater, vergrub das Gesicht an seinen Schienbeinen und begann zu heulen. Terry nahm sie nicht auf den Arm, sondern ging in die Hocke. »Hattest du einen schlimmen Tag, Schätzchen?« Er legte ihr einen Arm um die Schultern und streichelte ihr in einem gleichmäßigen Rhythmus über die...


Hilary, Sarah
Sarah Hilary lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Bristol. Sie arbeitet bei einem bekannten Reiseführerverlag, war jedoch auch schon als Buchhändlerin oder bei der Royal Navy tätig. »Herzenskalt«, der erste Teil der Reihe um die unerschrockene Ermittlerin Marnie Rome, wurde in England als bester Krimi des Jahres ausgezeichnet.



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