E-Book, Deutsch, Band 3, 408 Seiten
Reihe: Opposites Attract
Higginson The Problem With Him
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7363-0794-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 3, 408 Seiten
Reihe: Opposites Attract
ISBN: 978-3-7363-0794-0
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten - und doch perfekt füreinander sind ...
Kaya Swift hat die Nase voll von Männern - zumindest von einem: Wyatt Shaw, arrogant, genial und heiß wie die Sünde. Außerdem, als Chefkoch im 'Lilou', ihr Boss. Es darf nicht sein, dass ein Blick oder ein Lächeln von ihm ihr Herz schneller schlagen lassen. Denn Kaya hat nur ein Ziel: Sie will ihr eigenes Sternerestaurant! Und um das zu erreichen, kann sie keine Ablenkung in Form atemberaubender Küsse und heimlicher Berührungen gebrauchen ...
'Wieder einmal hat Rachel Higginson eine ganz besondere Geschichte geschrieben: gefühlvoll, lustig, mit magischen Momenten, schlagfertigen Dialogen und heißem Prickeln!' VILMA'S BOOK BLOG
Band 3 der OPPOSITES-ATTRACT-Serie von Bestseller-Autorin Rachel Higginson
Rachel Higginson wurde in Nebraska geboren und verbrachte ihre College-Jahre damit, die Welt zu bereisen. Sie verliebte sich in den Zauber von Paris, Osteuropa, Indisches Essen und die wundervollen Strände von Sri Lanka. Heute ist sie verheiratet und hat fünf wunderbare Kinder. Weitere Informationen unter: www.rachelhigginson.com
Weitere Infos & Material
1. Kapitel
Wäre ich ein Gemüse, dann wäre ich Kohlrabi. Nicht ganz einfach, aber auch nicht zu kompliziert. Pikant, vielseitig einsetzbar und deutlich unterschätzt.
Außerdem beginnt Kohlrabi mit einem K, so wie mein Vorname – Kaya.
Es ist sozusagen mein Seelengemüse.
Diese Gedanken beschäftigten mich gegen Ende der hektischen Abendschicht, während ich mit Argusaugen die im Topf vor sich hin köchelnden Pastinaken beobachtete.
Vorhin hatte ich schon beschlossen, dass ich als Meerestier wohl ein Seeigel sein würde. Und als Obst eine Jackfrucht.
Ich fand es schon ein wenig beunruhigend, dass meine Wahl immer auf Dinge mit Beulen oder Stacheln fiel. Den Seeigel hatte ich natürlich wegen des Coolnessfaktors ausgewählt. Und weil er zu den Speisen zählte, die man entweder liebte oder hasste. Dasselbe konnte man von mir sagen. Ich gehörte definitiv zu der Sorte Mensch, die entweder geliebt oder gehasst wurde. Deshalb fühlte ich mich mit dem Uni, wie er in Japan genannt wird, auch auf einer höheren, spirituellen Ebene verbunden.
Metaphorisch gesprochen natürlich.
Genau genommen ist mit Uni der Rogen gemeint, was bedeutete, dass so ein Seeigel ein Liebesleben hatte. In dieser Hinsicht hatten wir nichts gemeinsam.
Mit der Jackfrucht verband mich die Vielseitigkeit. Außerdem war sie ballaststoffreich. Na ja, so viel dazu.
Kopfschüttelnd zog ich den Topf vom Herd und beschloss, nicht länger über meine Wahl nachzudenken. Es war völlig egal, dass die meisten Kinder die Lebensmittel meiner Wahl verabscheuen würden. Selbst viele Erwachsene würden sie nicht anrühren. Aber das spielte ohnehin keine Rolle. Es war nur ein blödes Spiel, um die Zeit totzuschlagen, weil man mich an diesem Abend an die Beilagenstation verfrachtet hatte, obwohl ich viel lieber auf dem Saucierposten arbeitete und für Fleisch und Fisch zuständig war.
Ich war Souschefin in einem der angesagtesten Restaurants in Durham, North Carolina, und mich lediglich für die Zubereitung der Beilagen abzustellen, empfand ich als schwere Beleidigung meines Talents. Also brauchte ich etwas, um mich zu unterhalten und abzulenken.
Meine Pastinaken sahen inzwischen fantastisch aus und konnten serviert werden. Ich fischte sie aus dem Topf und gab sie in eine Schüssel, um sie zu salzen, bevor ich sie in der Ahornsirupreduktion schwenkte.
Mit zusammengepressten Lippen richtete ich sie an und gab kandierte Pekannüsse dazu. Dabei fragte ich mich zum wiederholten Male, ob ich in meinem Leben alles richtig gemacht hatte, na ja, zumindest was die Wahl meiner seelenverwandten Lebensmittel anging.
Wenn ich ein Dessert wäre, dann wäre ich … Eiscreme.
Schau an. Keine Stacheln.
Lügnerin, spottete meine innere Stimme. Halt die Klappe, gab ich zurück. Ich liebe Eiscreme. Mein Lieblingsdessert.
Was natürlich eine weitere Lüge war.
Key Lime Pie, Limettenkuchen mit Baiserkruste, ist mein Lieblingsdessert. Je saurer, desto besser.
Mögliche Rückschlüsse über meine Persönlichkeit schob ich wieder beiseite und konzentrierte mich auf meine Arbeit.
Ich reichte den Teller mit den Pastinaken an den Kollegen am Saucierposten weiter, der eine ziemlich labberig aussehende Hähnchenroulade darauf platzierte.
Noch vor einer Stunde hätte ich ihn für seine Nachlässigkeit zur Rede gestellt, aber inzwischen war ich zu müde dafür. Außerdem würden um die Uhrzeit ganz sicher keine Foodblogger und Restaurantkritiker mehr an den Tischen sitzen. Zumindest hoffte ich das.
Mein Chef betrachtete den Teller so eingehend, als könne er das geheime Heilmittel für Krebs darauf finden. Wäre er doch nur in der Lage, die Zeichen in den Pastinaken zu deuten, würden wir sogar die Welt retten können.
Ich kämpfte gegen den Drang an, räuspernd auf mich aufmerksam zu machen. Das würde vermutlich nur nach hinten losgehen. Er begutachtete meine Arbeit so grimmig, dass ich stark versucht war, ihm den Mittelfinger zu zeigen. Zu allem Überfluss wischte er jetzt auch noch extra über den Tellerrand, als wäre ich es gewesen, die ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht hätte.
Über die Roulade schwieg er sich natürlich aus. Warum sollte er auch? Diese Beleidigung fürs Auge war von einem alten Kumpel zubereitet worden. Einem Mann, auf den er sich verlassen konnte, weil sie etwas gemeinsam hatten – ein Ego von der Größe North Carolinas.
Sauer war eine Untertreibung für meine momentane Stimmung. Wäre ich ein Limettenkuchen, dann hätte die Creme bestimmt total bitter geschmeckt.
Wyatt Shaw stellte den Teller auf ein Tablett und winkte einen Kellner heran, der ihn servieren sollte.
»Charlie hat vergessen, die Zahnstocher rauszunehmen«, sagte ich so beiläufig, als wäre es keine Warnung, sondern lediglich ein Vorschlag.
Wyatt hielt mir den Rücken zugekehrt. Seine Schultern versteiften sich, sein ganzer Körper war angespannt. Zwar verkniff er sich seine Kritik an mir dieses Mal, aber ich spürte seine Missbilligung, die schwer wie Blei in der Luft hing. Der Kellner hielt ihm den Teller hin, damit er die Zahnstocher rausnehmen und den Gast davor bewahren konnte, sich versehentlich den Gaumen zu durchbohren.
Danach entließ er den Kellner mit der Andeutung eines Nickens. Mit perfekten Pastinaken und mittelmäßiger Hähnchenroulade verschwand der in den Gastraum. Wyatt sah ihm nach und machte sich wieder mal nicht die Mühe, mir dafür zu danken, dass ich diesen Fehler samt möglicher fataler Folgen verhindert hatte.
Aber das war schon in Ordnung. Er musste sich nicht bei mir bedanken. In meinem Kopf hörte sich das Gespräch ohnehin viel besser an.
Katastrophe abgewendet, Blödmann. Bitte sehr, gern geschehen.
Ich konnte auch ziemlich gut passiv aggressive Textnachrichten schreiben. Wyatt war der Küchenchef und ich seine Stellvertreterin. Von uns beiden wurde erwartet, dass wir in der Küche zusammenhielten und eine gemeinsame Front bildeten, wie Eltern gegenüber ihren aufsässigen Bälgern. Mir fiel es leichter, ihm meine wütenden Gedanken per SMS mitzuteilen.
Wyatt war jedoch auch kein Amateur. Er kannte sich mit beleidigenden Emojis viel besser aus als jeder andere, den ich kannte.
Zum Beispiel hatte er mir vor Beginn der Schicht eine Nachricht gesendet, die mich daran erinnern sollte, die Lieferungen rechtzeitig entgegenzunehmen, was wir gewöhnlich immer zusammen machten. Ich hatte erwidert, dass ich auch allein daran gedacht hätte, so wie immer. Worauf er mir ein überraschtes Katzengesicht geschickt hatte.
Der Vollpfosten.
Seine Nachrichten brachten mich regelmäßig auf die Palme, und wäre es nicht so spät gewesen, hätte ich meine Klappe wohl nicht gehalten. Ich hätte ihn provoziert, bis er ausgesprochen hätte, was er sich gerade verkniff – und das war ganz bestimmt kein Dankeschön. Aber es war kurz vor Feierabend, und mir fehlte schlicht die Kraft, um mich mit ihm zu streiten. Er konnte von mir enttäuscht sein, so viel er wollte – nicht ich hatte die Zahnstocher in der Hähnchenroulade vergessen.
Und meine Pastinaken, wie alle anderen Beilagen des Abends auch, waren absolut perfekt gewesen. Ich hatte in den vergangenen Stunden über hundertfünfzig Portionen zubereitet und nicht eine einzige Beschwerde erhalten.
Ja, Wyatt, da kannst du die Stirn runzeln, bis du Falten bekommst. Die Pastinaken waren fünf Sterne wert, mindestens.
Ich streckte die Arme über den Kopf und reckte mich, um die Verspannung im Rücken loszuwerden, die sich dort wie eine Faust zusammenballte. Meine Füße schmerzten. In den Beinen hatte ich schon seit einer Stunde kein Gefühl mehr, und ich spürte, dass eine Migräne im Anflug war. Außerdem roch ich nach Entenfett und Koriander. Zeit, nach Hause zu gehen.
Ich liebte meine Arbeit mehr als alles andere auf der Welt. Nur Wyatts Job hätte ich noch lieber gehabt. Ich war mir ziemlich sicher, dass es mir großen Spaß machen würde, hier Küchenchefin zu sein. Einen Riesenspaß sogar. Obwohl seine Arbeit kaum weniger anstrengend war als meine. Als Küchenchefin wäre ich genauso lange auf den Beinen und nach jeder Schicht genauso erschöpft.
Wyatt wirkte bereits, als hätte man ihn überfallen und rückwärts durch eine Autowaschanlage geschleift. Nicht einmal seine hohe Kochmütze konnte verbergen, wie zerzaust seine Haare waren.
Klar liebte ich meine Arbeit, aber danach ging ich auch gern nach Hause. Es gab kein befriedigenderes Gefühl, als nach einer anstrengenden Vierzehn-Stunden-Schicht die Füße hochzulegen und zu wissen, dass man sein Bestes gegeben hatte.
Und genau das hatte ich in exakt einundvierzig Minuten vor.
Ich träumte schon von einer schönen heißen Dusche, als Wyatts tiefe Stimme durch die Küche dröhnte und meinen Traum wie eine Seifenblase zerplatzen ließ. »Übrigens denkt dran, dass heute Großputztag ist, also keiner geht heim, bevor sein Posten nicht von mir geprüft und abgenommen worden ist.«
»Mistkerl«, knurrte ich in den schmutzigen Topf in meiner Hand. Jetzt, da Wyatt es erwähnte, erinnerte ich mich daran, dass er diese Putzaktion vor zwei Wochen per E-Mail angekündigt hatte. Aber in meinem derzeitigen Erschöpfungszustand hatte ich die Mail glatt aus meinem Gedächtnis verdrängt und lieber von einer heißen Dusche und einer kalten Flasche Bier geträumt, sobald ich nach Hause käme. Ja genau, beides gleichzeitig. Für mein Bier in der Dusche würde ich alles geben.
»Das war’s dann mit meinen Plänen für heute Abend«, murmelte die kesse Blondine...




