E-Book, Deutsch, Band 3, 316 Seiten
Reihe: Martin Voß-Reihe
Heymann Verhängnisvolle Verschwörung
2. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7543-9171-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Der dritte Fall für Kriminalsekretär Martin Voß
E-Book, Deutsch, Band 3, 316 Seiten
Reihe: Martin Voß-Reihe
ISBN: 978-3-7543-9171-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Im November des Jahres 1934 wird das westfälische Rheine durch eine Serie von Mordanschlägen erschüttert. Erstes Opfer ist der städtische Beamte Gerhard Pieper, der auf offener Straße erschossen wird. Zwar gibt es Anhaltspunkte für ein korruptes Verhalten des Ermordeten, doch gleichzeitig weisen für Kriminalsekretär Martin Voß alle Spuren darauf hin, den Täter innerhalb der Jägerschaft Rheines suchen zu müssen. Während sich einige Tage später beinahe die gesamte Polizei der Stadt an den Gedenkfeierlichkeiten zum Jahrestag des Hitler-Putsches beteiligt, werden Voß und seine Kollegen zu einem zweiten Tatort gerufen. Ein Mann wurde in seiner Villa mit derselben Waffe grausam niedergestreckt. Fieberhaft suchen die Kriminalbeamten nach einer Verbindung zwischen den beiden Taten. Gerade als sie glauben, den Schuldigen endlich gefasst zu haben, geschieht eine weitere Bluttat. Schlimmer noch: Die Ermittler finden heraus, dass sich gar eine vierte Person in allerhöchster Gefahr befindet. Unter Einsatz seines Lebens versucht Voß, den Mann vor dem sicheren Tod zu bewahren und das furchtbare Gemetzel endlich zu beenden.
Dieter Heymann wurde 1968 in Spelle Kreis Emsland geboren und wuchs in Rheine auf, wo er auch heute mit seiner Partnerin lebt. Nach dem Abitur kam er in die öffentliche Verwaltung, in der er noch immer tätig ist. Neben Schwimmen und Radfahren liest er gerne Spannendes und engagiert sich als Vereinsvorsitzender in der Vorstandsarbeit seines Schützenvereins. Verhängnisvolle Verschwörung ist der dritte Kriminalroman der Martin Voß-Reihe und schließt an die Bücher Tod eines SA-Mannes und Blick ins Verderben an. Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite Dieter Heymann (Autor).
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Prolog
Vorsichtig fuhr das Fahrzeug über den unebenen Weg auf den Gutshof zu. Links und rechts der Zufahrt waren vor vielen Jahrzehnten Kastanienbäume gepflanzt worden, deren belaubte Äste den vielen Nutzern des Pfades im Sommer ein schattiges Dach boten. Zu dieser Jahreszeit hatten die Bäume ihre Blätter allerdings schon längst verloren, denn die Temperaturen waren in den letzten Wochen immer weiter gesunken. Bis zu den ersten Frostnächten würde es nicht mehr lange dauern. Auf beiden Seiten der Allee waren hinter den mächtigen Stämmen Zäune zu erkennen, welche die hinter ihnen liegenden weiträumigen Pferdeweiden begrenzten. Auf ihnen tummelten sich einige der Tiere. Fluchend verlangsamte der Fahrer noch einmal seine Geschwindigkeit, als er direkt vor sich ein besonders tiefes Schlagloch bemerkte. In seinem Blitzkarren, einem kleinen, dreirädrigen Pritschenwagen mit Zweitaktmotor, spürte sein wohlbeleibter Körper jede Unebenheit des Untergrunds. Er nahm sich vor, später für die Rückfahrt die alternative Route auf der entgegengesetzten Seite des Hofs zu nutzen. Dies wäre zwar mit einem Umweg verbunden, doch die Beschaffenheit des Weges war dort erheblich besser. Irgendwann hatte sich der Borgward endlich zu den ersten Gebäuden vorgekämpft. Im Wald geschlagene und annähernd auf gleiche Länge zersägte Baumstämme waren an der Rückseite der Stallungen aufgestapelt. Der Untergrund war nun mit feinem Kies bestreut, der fast den gesamten Innenhof des Anwesens zierte. Vor dem mit rotem Backstein gemauerten Wohnhaus, das einem kleinen Schloss glich und Mittelpunkt der quadratisch angeordneten Bebauung war, gab es ein Rondell. Dessen innerer Bereich bestand aus einer Rasenfläche mit einem Springbrunnen als Zentrum und darum angeordneten Blumenrabatten. Eine gleichmäßig geschnittene Buchsbaumhecke umfasste diese Anlage. Der Wagen musste im Innenhof fast eine komplette Runde fahren, um vor der breiten Steintreppe zu halten, die den Aufgang zur großen Eingangstür bildete. Der Fahrer hatte angesichts seiner massigen Statur einige Mühen beim Aussteigen und gab keuchende Laute von sich, als er die Stufen hochstieg. Auf sein Läuten wurde ihm nach kurzer Zeit von einer Hausangestellten geöffnet. Er nannte seinen Namen und fragte nach dem Hausherren. Dieser hatte offenbar in der Nähe des Eingangs auf ihn gewartet, denn er erschien unmittelbar danach in seiner grünen Jagdkleidung und mit einem abgekippten Gewehr in der Hand, um ihn mit einem kräftigen Handschlag zu begrüßen. „Guten Tag. Schön dich zu sehen. Bitte komm kurz rein. Ich hole noch schnell meinen Hut, danach können wir dann losfahren.“ Es fühlte sich immer noch ungewohnt an, doch seit der Verlobung ihrer Kinder duzten sie sich. Am liebsten hätte der Besucher in der Sprache geantwortet, die in seiner Kindheit zu Hause gesprochen wurde und mit der er groß geworden war: Plattdeutsch. Dabei handelte es sich um eine niederdeutsche Sprache, die vor allem in Norddeutschland, aber durchaus auch im Münsterland gesprochen wurde. Doch mit dem Gutsherren, dem zukünftigen Schwiegervater seiner Tochter, konnte er natürlich nicht in diesem Dialekt kommunizieren, denn der bevorzugte das vornehmer wirkende Hochdeutsch. Deshalb antwortete er: „Hallo, ich freue mich sehr, heute erstmalig mit dir auf die Jagd zu gehen.“ Dabei trat er in einen Raum von gewaltigen Ausmaßen, der mehr Eingangshalle als Hausflur war. An den Wänden hingen neben einigen Landschaftsgemälden auch die Geweihe geschossener Wildtiere und andere Jagdtrophäen. Das in einem Kamin brennende Feuer verbreitete eine gemütliche Atmosphäre. „Ist das heute wirklich deine erste Berührung mit dem Waidwerk?“, wurde er vom Gastgeber aus seinen Gedanken gerissen. Dieser hatte sich inzwischen seinen dunkelgrünen Jägerhut auf den Kopf gesetzt. „Ja, so ist es tatsächlich. Mir bot sich bislang nie die Gelegenheit zur Jagd.“ „Nun, dann bin ich mal gespannt, wie du dich im Revier anstellst. Ich meine damit zwar in erster Linie die Jagd, aber nicht bloß die, wie du dir sicher vorstellen kannst. Der heutige Tag bietet dir die einmalige Möglichkeit, in unseren Kreis aufgenommen zu werden, wie dir hoffentlich bewusst ist. Wir jagen zusammen und halten auch sonst fest zueinander. Davon kannst auch du in Zukunft gewaltig profitieren, das garantiere ich dir. Du tätest gut daran, diese einzigartige Gelegenheit zu nutzen!“ Sein Gegenüber nickte nur unsicher. „Na, das wird schon werden! Auf geht’s also, und – Waidmannsheil!“ Sie gingen zusammen aus dem Haus. Der Gutshofbesitzer bat seinen Gast, den Borgward vor einem der Stallgebäude zu parken und schritt auf einen nagelneuen, zweisitzigen Mercedes-Benz Typ S zu, in den er auf der linken Seite einstieg. Aus Respekt vor dem schönen Wagen zögerte der Besucher kurz, bevor er auf dem Beifahrersitz Platz nahm. Mit einem lauten Dröhnen sprang der Motor an. Sie verließen das Hofgelände und nahmen Kurs auf das weite Waldgebiet unweit des Anwesens. Spätestens als sie die Straße verließen und in einen schmalen, matschigen Waldweg einbogen, war dem Beifahrer klar, dass er mit seinem Borgward wahrscheinlich sofort steckengeblieben wäre. Der Mercedes mit seinen sechs Zylindern, die 120 Pferdestärken leisteten, hatte hingegen keine Probleme auf dem rutschigen Untergrund. Der Waldweg mündete auf einer kleinen Lichtung, auf der zwei Männer in Jagdbekleidung rauchend vor einem Adler 18/80 PS standen. Nachdem die Neuankömmlinge ausgestiegen waren, begrüßte der Gutsbesitzer die beiden Männer und stellte seinen Fahrgast vor. Danach gingen alle vier auf einem schmalen Pfad durch den dichten Wald, bis dieser sich lichtete und sie auf eine große Wiese kamen. In der Nähe einer riesigen Eiche war ein breiter Hochsitz erbaut, auf dem sie alle Platz finden würden. Nachdem sie nacheinander auf der schmalen Leiter nach oben geklettert waren, stellten drei der Männer ihre Waffen an die hölzernen Wände. Jetzt brauchten sie Geduld, hatten andererseits aber auch Zeit für den eigentlichen Grund ihres Treffens. „Sind Sie wirklich technisch dazu in der Lage, den Auftrag zu erledigen?“, erkundigte sich der ältere Mann mit Brille leise bei dem Vollschlanken. „Ja natürlich, da sehe ich überhaupt kein Problem. Allerdings benötige ich noch ein paar Maschinen und Gerätschaften, die vorfinanziert werden müssten“, antwortete dieser in gleicher Stimmlage. „Da kann ich Ihnen helfen“, mischte sich der Lange ein. „Wenn Sie wollen, können wir bereits in den nächsten Tagen einen diesbezüglichen Vertrag aufsetzen. Schauen Sie einfach bei uns vorbei und bringen Sie alle erforderlichen Unterlagen mit. Wir regeln die Sache dann ganz schnell und unbürokratisch.“ „Und wie sieht es mit dem Personal aus? Haben Sie überhaupt genügend Leute?“, wollte der Brillenträger wissen. „Daran wird es nicht scheitern. Ich werde einige zusätzliche Arbeiter einstellen. Es gibt ausreichend Fachkräfte, die händeringend nach Arbeit suchen.“ „Eine weitere Frage ist natürlich, wie viel Ihnen unsere Abmachung wert ist“, hakte sein Gegenüber nach. „Ich denke, ich kann Sie zufriedenstellen.“ Der dicke Mann nannte ihm eine Summe. Der andere dachte kurz nach. „Das kommt meinen Vorstellungen zumindest recht nahe. Nun, ich denke, wir werden uns schon einig werden. Legen Sie noch einen kleinen, sagen wir, Extrabonus obendrauf und wir sind im Geschäft.“ „Woran hatten Sie dabei gedacht?“ Sein Gesprächspartner bezifferte seinen Wunsch. „Abgemacht, Sie sollen Ihren Bonus bekommen“, versprach der Wohlbeleibte. „Fein, dann sind wir uns also einig.“ Plötzlich wurde das Gespräch der Männer unterbrochen, denn der Gutsbesitzer hatte leise gezischt. „Schaut, dort hinten ist ein Rudel Rehe gekommen. Das ist die Gelegenheit für deinen ersten Abschuss!“, sagte dieser zu dem Dicken. „Nimm meine Büchse, ich lade sie schnell für dich.“ Mit diesen Worten bereitete er fast geräuschlos sein Gewehr vor, übergab es an den zukünftigen Schwiegervater seines Sohnes und richtete sein Fernglas erwartungsvoll auf die Tiere. Auch die anderen beiden Männer blickten ihm gebannt über die Schulter. Sein Gast hatte die Waffe entgegengenommen, legte diese vorsichtig auf die Brüstung des Hochstandes und versuchte mithilfe des aufgesetzten Visiers ein Ziel zu finden. Er brauchte einen Moment, bis er in der diesigen Luft die Rehe visuell eingefangen hatte. Doch dann konzentrierte er sich ganz auf das in der Mitte stehende Tier. Langsam krümmte er den Zeigefinger der rechten Hand um den Abzug, als er seine Beute im Fadenkreuz wähnte. Mit einem lauten Knall löste sich der Schuss. Sofort hasteten die scheuen Waldbewohner aufgeschreckt davon. „Ich fürchte, du wirst noch ein wenig üben müssen, mein Lieber“,...




