Hewlett | Medea | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Hewlett Medea

Roman | Der Sunday-Times-Bestseller endlich auf Deutsch | Feministisch, kraftvoll, laut - griechische Mythologie neu interpretiert
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7499-0923-0
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman | Der Sunday-Times-Bestseller endlich auf Deutsch | Feministisch, kraftvoll, laut - griechische Mythologie neu interpretiert

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-7499-0923-0
Verlag: HarperCollins eBook
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lebendig und kraftvoll - über die wohl umstrittenste Figur der Griechischen Mythologie

Gemieden. Verfolgt. Gequält.

Medea sehnt sich nach einem anderen Leben. Seit ihrer Kindheit ist sie von ihrer Schwester getrennt, von ihrer Mutter gemieden und von ihrem Bruder und Vater verfolgt und gequält worden. Und das alles wegen eines einzigartigen und gefährlichen Talents: der Hexerei.

Unerbittlich. Mächtig. Magisch.

Doch als ein tollkühner junger Held, Jason, auftaucht, um das berühmte Goldene Vlies einzufordern, das ihr Vater so vehement beschützt, sieht Medea ihre Chance zur Flucht. Ihr Angebot, Jason bei der Überwindung der von ihrem Vater auferlegten Prüfungen zu helfen, setzt eine Reise in Gang, die jedes Quäntchen ihrer Stärke, Magie und Loyalität auf die Probe stellen wird; eine Reise, auf der sie gegen Monster kämpfen, Könige entthronen und sich verlieben wird.

Aber als sie mit dem ultimativen Verrat konfrontiert wird, wird Medea zu einer Verzweiflungstat getrieben, die so brutal ist, dass sie das Leben aller Beteiligten zerreißt...



Rosie Hewlett, die an der Universität Birmingham einen First-Class Honours-Abschluss in klassischer Literatur und Zivilisation erworben hat, hat sich eingehend mit der griechischen Mythologie befasst und setzt sich leidenschaftlich für die Entdeckung starker weiblicher Stimmen in der klassischen Welt ein. Ihr im Selbstverlag veröffentlichter Debütroman Medusa wurde 2021 mit dem Rubery Book of the Year Award ausgezeichnet.

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1


Als ich noch klein war, verwandelte ich meinen Bruder in ein Schwein.

Damals fand ich das Knacken seiner berstenden Knochen und das fleischige Geräusch seiner sich verformenden Muskeln und Sehnen amüsant. Ich kicherte, als er schrie, während sich seine Nase zu einem Rüssel wandelte und ihm ein kleiner Ringelschwanz aus dem dicken, rosigen Hinterteil spross.

Außer mir lachte niemand.

Als die Sklaven sahen, was ich getan hatte, brachen sie in lautes Wehklagen aus. Einige flohen sogar aus dem Palast und kehrten nie wieder zurück. Andere fielen auf die Knie und murmelten mit bebenden Lippen verzweifelte Gebete.

Als meine Eltern davon erfuhren, brach meine Mutter in Tränen aus, und mein Vater schlug mir ins Gesicht. Beides vorhersehbare Reaktionen.

»Wieso hast du das getan?«, fragte er.

»Weil ich es kann«, erwiderte ich.

Das war offenbar die falsche Antwort.

Es stimmte zwar, war aber nicht der einzige Grund für mein Handeln. Apsyrtos war grausam. Er quälte meine kleine Schwester und mich, und obwohl ich seine Gemeinheiten ertragen kann, ist Chalkiope aus weicherem Holz geschnitzt. Schon ein scharfes Wort durchbohrt ihre dünne Haut wie ein Messer. Sie ist nicht dafür gemacht, Grausamkeiten zu ertragen. Wie reiner, unberührter Schnee lässt sie sich schon vom kleinsten Schlammspritzer beschmutzen. Ich hingegen bin wie der gefrorene Boden darunter, hart und unnachgiebig.

Und so verwandelte ich Apsyrtos in ein Schwein, weil er sich wie eines benommen hatte. Ich hielt das für eine gerechte Strafe, und ich habe schon immer an Bestrafungen geglaubt – dafür hatte mein Vater gesorgt. Und diese war einfach zu vollstrecken, ein schlichter Trank, den ich auf Apsyrtos’ Morgenbrei träufelte. Man muss ihm zugutehalten, dass er meine Täuschung schon beim zweiten Löffel durchschaute und versuchte, das »Gift« auszuspucken. Dazu war es natürlich zu spät. Meine Magie zeigte schon beim ersten Bissen Wirkung.

Niemand sonst erkannte, wie gerecht ich handelte, denn für alle anderen hatte Apsyrtos’ Verhalten nichts Tadelnswertes. Er benahm sich nur »wie ein Junge«, was wohl bedeutete, dass Grausamkeit in seiner Natur lag. Aber diese Rechtfertigung ergab für mich keinen Sinn.

Nach dem Vorfall schloss mein Vater mich in meinem Gemach ein und postierte zwei Wachen vor der Tür. Anfangs fand ich es noch belustigend, dass mein Vater Aietes, der Furcht einflößende König von Kolchis, Angst vor seiner kleinen, stillen Medea hatte. Es dauerte einige Zeit, bis ich merkte, dass meine beschnittene Freiheit alles andere als unterhaltsam war.

Gegen Abend kam mein Vater in mein Gemach und befahl mir, den Zauber rückgängig zu machen.

»Ich weiß nicht, wie.«

Es war die Wahrheit, doch er schlug mich wie eine Lügnerin, als würde ich ein Geheimnis bewahren, das er mir aus dem Leib prügeln musste. Ich kann mich immer noch an seinen unregelmäßigen, abgehackt klingenden Atem erinnern, als er den Arm hochriss, um zu einem weiteren Schlag auszuholen. Dasselbe Geräusch hörte ich durch die Wände, wenn er mit meiner Mutter allein war.

Anders als meine Mutter weinte ich nie, wenn mein Vater mich schlug. Ich glaube, das ärgerte ihn, wahrscheinlich wiederholte er es deshalb so oft. Ich empfand Tränen immer schon als nutzlos. Das sagte ich Chalkiope einmal, als sie um einen toten Vogel weinte, den wir im Hof gefunden hatten. Sie starrte mich nur mit glänzenden, feuchten Augen an.

»Manchmal sagst du Dinge, die mir Angst machen, Medea«, erwiderte sie.

»Du hast doch vor allem Angst«, sagte ich und stocherte mit einem Stock im leblosen Körper des Vogels herum, um seine Wunde noch weiter aufzureißen. Chalkiope schrie mich an, ich solle aufhören, doch ich ignorierte sie und bohrte den Stock noch tiefer hinein. Ich wollte sehen, was sich darin befand.

Als mein Vater schließlich einsah, dass ich wirklich nicht wusste, wie man meinem Bruder helfen konnte, griff er in einem Akt der Verzweiflung zu anderen Mitteln.

Er ließ nach meiner Tante schicken.

Eine eigentümliche Wendung, wie ich fand, denn ich hatte meine Tante noch nie getroffen.

In Kolchis war sie mehr Mythos als Wirklichkeit, und um ihren Namen rankten sich zahlreiche Legenden: .

Ich hatte gehört, dass mein Vater sie vor Jahren verbannt hatte; warum, schien niemand zu wissen. Das hielt Fama, die Göttin der Gerüchte, nicht davon ab, ihr aufrührerisches Werk zu tun und im ganzen Land Geschichten über meine Tante zu verbreiten.

Man gab ihr auch noch einen Beinamen, den die Sklaven hinter vorgehaltener Hand in ihrer kolchischen Muttersprache flüsterten. Als Kind wusste ich nicht, was das bedeutet, aber es lag so viel Abscheu in ihren Stimmen, wenn sie es aussprachen, dass ich nur davon ausgehen konnte, es müsse sich um etwas beeindruckend Schreckliches handeln.

In meiner Fantasie wurde Circe zu einer Art bösem Ungeheuer. Wie eine geflügelte Furie, abscheulich und gnadenlos. Ich stellte mir vor, wie sie über das Land flog und eiskalt ihre Urteile über arglose Sterbliche fällte. Ich war zutiefst fasziniert von ihr, oder besser gesagt, vom Potenzial dessen, was sie zu sein vermochte. Man könnte sagen, dass sie so etwas wie eine Obsession von mir wurde. Meine Mutter behauptete immer, ich sei von manchen Dingen wie besessen.

Circe kam zwei Tage nach Apsyrtos’ Verwandlung, mitten in der Nacht. Ich kann mich noch gut an die Angst erinnern, die mir wie ein Schauer über den Rücken lief, als ich erwachte und eine dunkle, in Schatten gehüllte Gestalt vor meinem Bett sah, die sich vom silbrigen Mondlicht abhob.

Circe musste meine Angst gespürt haben, denn sie streifte sofort ihren Kapuzenmantel ab: Ihre Augen waren ebenso strahlend golden wie die meines Vaters, und ein sanftes Lächeln spielte um ihre Lippen. Doch das Erste, was mir an ihr auffiel, war ihr Haar, das ihr in glänzenden Strähnen bis auf die Schultern fiel. Ich hatte noch nie so hell leuchtendes Haar gesehen; es glich funkelndem Sonnenlicht auf kristallklarem Wasser.

Ich nahm mir einen Moment Zeit, um ihre Erscheinung in mich aufzunehmen, und kam zu dem Schluss, dass sie ohne jeden Zweifel das Schönste war, was ich je gesehen hatte.

Im Gegensatz dazu wirkte mein Vater, der hinter Circe stand, wie ein hässlicher Fleck an der Wand meines Gemachs. Ich erinnere mich, dass er in dieser Nacht eine Maske kalter Gelassenheit zur Schau trug, um seine Furcht zu verbergen, die er mir nur wenige Tage zuvor enthüllt hatte.

»Guten Abend, Medea.« Ihre Stimme war klangvoll und gebieterisch, aber auch so warmherzig, dass ich mich sogleich davon angezogen fühlte. »Weißt du, wer ich bin?«

»Eine Hexe.«

Bei diesem Wort erstarrte mein Vater, der die stillen Flure im Auge behielt. Aber zu meiner Erleichterung lachte Circe nur. Ein Geräusch, süß und rauchig wie gerösteter Honig.

»Ich bevorzuge ›Zauberin‹.« Circes Augen funkelten verschmitzt.

»Zauberin.« Ich zog das Wort in die Länge, kostete jeden Laut genüsslich aus.

»Du kannst uns nun allein lassen, Aietes«, wies Circe meinen Vater an, ohne sich umzudrehen.

Ein Anflug von Entrüstung huschte über seine versteinerte Miene. »Du kannst doch nicht …«

»Ich übernehme ab hier.« Ihr Ton war sanft, doch ihre Worte waren unbestreitbar scharf, wie ein in Seide gehülltes Schwert. »Bis später, Bruder.«

Mein Vater starrte uns an, sein Gesicht zuckte, während er um Fassung rang. Der König von Kolchis war nicht daran gewöhnt, Befehle entgegenzunehmen.

Ich war mir sicher, in der Stille Apsyrtos’ entferntes Quieken zu hören, der in einem behelfsmäßigen Pferch in den Tiefen des Palastes versteckt worden war.

»Nun … ich warte draußen, für den Fall … dass ich gebraucht werde.« Trotzig hob mein Vater das Kinn; sein Stolz schien noch beschädigter zu sein als mein Körper.

»Das wirst du nicht tun.« Circe zwinkerte mir zu.

Mit offenem Mund sah ich meinem Vater nach, als er mein Gemach verließ. In meinem ganzen Leben hatte ich noch nie erlebt, dass er Anweisungen anderer befolgte, schon gar nicht die einer Frau.

Als wir allein waren, fragte mich Circe: »Nun, Medea, wie lange widmest du dich schon der Magie?« Sie setzte sich auf mein Bett und legte die langen, schlanken Hände fein säuberlich gefaltet in den Schoß.

»Magie?«

»Aber ja, Medea. Wie sonst hättest du deinen Bruder in ein Schwein verwandeln können?«

Ich hielt inne. Über das »Wie« hatte ich nie nachgedacht; ich wusste nur, dass ich es konnte, also tat ich es.

»Ich … ich habe nur ein paar Dinge zusammengemischt … Pflanzen und Wurzeln. Das war alles.«

Circe beugte sich vor, ihr warmer Duft stieg mir in die Nase. »Das war , Medea. Sag mir, wie alt bist du?«

»Der nächste Winter wird mein achter sein.«

»Das ist ein sehr anspruchsvoller Zauber für dein Alter.« Mit funkelnden Augen fügte sie hinzu: »Wusstest du, dass es auch einer meiner Lieblingszauber ist?«

Ihre Worte drangen tief in mich hinein. »Aber was genau ist … ›Magie‹?«

Ein träges Lächeln kräuselte ihre Lippen. »Es ist eine Gabe der Göttin Hekate. Sie ist diejenige, die dich...



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