Heuwinkel | Tourismussoziologie | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 273 Seiten

Heuwinkel Tourismussoziologie


2. vollständig überarbeitete und erweiterte Aufl 2023
ISBN: 978-3-8463-6037-8
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 273 Seiten

ISBN: 978-3-8463-6037-8
Verlag: UTB GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Alle Ansätze und Paradigmen im Überblick Tourismus nur durch die ökonomische Brille zu betrachten, greift zu kurz. Die Tourismuswirtschaft ist bedingt durch gesellschaftliche Zustände und Praktiken. Schließlich agieren Besucher:innen, Einheimische und touristische Dienstleister:innen miteinander. Auf dieses Beziehungsgeflecht geht Kerstin Heuwinkel ein: Sie stellt tourismussoziologische Ansätze und Paradigmen vor, skizziert wichtige Methoden und vermittelt die Vielzahl von soziologischen Zugängen zum Tourismus - z. B. Werte und Normen, Rollen, Macht und Identität. Soziologische Anwendungsfelder skizziert sie zudem - u. a. Verantwortung im Tourismus, Mobilitäten, Embodiment und soziale Medien. Ein Buch für Studierende der Tourismuswissenschaft, Soziologie und Humangeografie.

Dr. Kerstin Heuwinkel ist Professorin an der htw saar, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Sie lehrt nachhaltiges Tourismus-Management, Tourismussoziologie und Kulturmanagement.
Heuwinkel Tourismussoziologie jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


2.2 Tourismussoziologische Werke


Die ersten deutschsprachigen Arbeiten, die explizit auf Tourismussoziologie eingingen, waren 1930 »Fremdenverkehr als zwischenmenschliche Beziehung« und 1960 Dissertation »Soziologische Strukturwandlungen im modernen Tourismus«. Die beiden Titel zeigen deutlich die Bandbreite soziologischer Perspektiven. Während auf die Beziehungen zwischen Reisenden und Gastgebenden einging, betrachtete die gesellschaftlichen Veränderungen und ihre Folgen für den Tourismus. schrieb 1958 ein Essay mit dem Untertitel »Theorie des Tourismus«. Auch wenn es sich nicht um eine wissenschaftliche Publikation handelte, hatte seine Theorie einen großen Einfluss auf den Tourismusdiskurs und wird auch heute noch regelmäßig (stellenweise falsch) zitiert. Die drei genannten Werke werden in ? Kapitel 2.2.1, 2.2.2. und 2.2.3 detaillierter vorgestellt.

Die systematische sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Tourismus begann in der Zeit zwischen 1950 und 1960 und erfolgte primär durch Kulturkritiker:innen und weniger durch Soziolog:innen (Spode, 2012). Sie verlief parallel zur Entwicklung des Massentourismus. Von daher ist es wenig überraschend, dass viele Publikationen sehr kritisch auf die Entwicklungen des Tourismus schauten. Im Mittelpunkt der Betrachtungen standen Tourist:innen, ihre Motive und Verhaltensweisen. Tourist:innen wurden entweder als ein Übel oder als eine leicht in die Irre zu führende Ansammlung von Menschen beschrieben. Gefangen in einer Blase hätten Tourist:innen nur oberflächlichen Kontakt zu ihrer Umgebung und ließen sich gerne und leicht täuschen. Es erfolgte eine Gegenüberstellung von Tourist:innen und echten Reisenden respektive Abenteuer suchenden Menschen. Beispiele für die Kritik am Tourismus und eine kritische Betrachtung derselben finden sich in ? Kapitel 2.2.4.

In den 1980er- bis 1990er-Jahren entstanden viele klassische Publikationen zur Tourismussoziologie. Zu den Autor:innen gehören u. a. und . Hinzu kommen Autor:innen wie und , die tourismussoziologische Themen behandeln.

Literatur ¦ Tourismussoziologie

In der von editieren Reihe erschien 2008 . Wie der Titel vermuten lässt, werden Werke u. a. aus deutschsprachigen und nordischen Ländern, Frankreich, Spanien, Italien, Polen, den Niederlanden und Belgien vorgestellt. Im einleitenden und abschließen Kapitel findet eine Diskussion zentraler Themen statt. Zwei weitere Titel der Reihe beziehen sich ebenfalls auf die Tourismussoziologie.

Wichtige deutschsprachige Publikationen, die das Spannungsfeld von Tourismus und Gesellschaft thematisieren stammen von , und . Auch (1984) setzte sich in seinen Arbeiten stark mit den Wechselwirkungen zwischen Tourismus und Umwelt auseinander.

(1993) haben zentrale tourismussoziologische Themen in einem Sammelband thematisiert. (1998) zeigt in seiner Analyse von Essay ein Forschungsprogramm auf.

Die Untersuchung der »nicht-alltäglichen Wirklichkeiten« ist vor allem im angelsächsischen Raum intensiv erforscht worden. In Frankreich finden Imaginationen eine besondere Berücksichtigung. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei die Konstruktion von (Urlaubs-)Wirklichkeiten.

Nachfolgend werden die Werke einiger zuvor genannter Autor:innen detaillierter dargestellt und in Zusammenhang mit zuvor gemachten soziologischen Aussagen gebracht. Einen Schwerpunkt bilden die Arbeiten von und . Beide haben über einen längeren Zeitraum regelmäßig zur Tourismussoziologie publiziert.

2.2.1 Leopold von Wiese: Zwischenmenschliche Beziehung


(*1876 †1969) schrieb 1930 einen Artikel mit dem Titel »Fremdenverkehr als zwischenmenschliche Beziehung«. Dieser recht kurze Artikel, der in der ersten Ausgabe des Archivs für den Fremdenverkehr erschien, wird in vielen Publikationen zur Tourismussoziologie zitiert.

fokussiert in dem Artikel auf beziehungswissenschaftliche Aspekte des Tourismus. Grundlage für seine Überlegungen sind seine eigenen Arbeiten zur Menschlichkeit (von Wiese, 1915) sowie Konzept des Fremden (Simmel, 1908). war ein Schüler von . 1915 und inmitten des ersten Weltkriegs stellt er fest, »dass alles Wollen und Handeln zwar Unterschiede in den Ausdrucksmitteln bei diesen und bei jenen aufweisen, im Grunde jedoch überall das Eine und Selbe sind« (von Wiese 1915, S. 91). Dementsprechend ist das Fremde auf einer zivilisatorischen Kulturstufe nicht mehr – wie in primitiven Kulturen – etwas Feindliches. Die Beziehung zwischen Fremden – verwendet den Begriff des Tourist:innen nicht – und Einheimischen umfasst drei Typen.

  1. Der Fremde als Eroberer oder Besetzer ausgehend davon, dass er eine Macht vertritt.

  2. Der Fremde als zufällig an einem Ort anwesende Person.

  3. Der Fremde als Händler, Forscher, Vergnügungsreisender, Verkehrsfreund, der Interesse an dem Ort und den Einheimischen hat.

Typ III ist nach Ermessen der eigentliche Gast. Dieser hat verschiedene Möglichkeiten der »Äußerungsweisen«. Er kann imponieren, um Sympathie werben, überreden oder auch täuschen. Dasselbe gilt für die Einheimischen. Die Kombination der Verhaltensweisen ist sehr vielfältig und abhängig von der Situation.

stellt Besonderheiten fest, die sich daraus ergeben, dass Menschen sich in der Fremde befinden. Demnach neigen sie dazu, das Augenblickliche als charakteristisch zu sehen. Zweitens findet eine Verallgemeinerung des Individuellen hin zum Typischen statt. Schließlich führt die kritiklose Übernahme solcher Urteile dazu, dass diese falschen Eindrücke soziale Geltung erlangen.

Zitat

»Im allgemeinen ließe sich als eine dringend zu empfehlende Norm für den Fremdenverkehr der Satz aufstellen: Beobachtet viel und genau; aber urteilt langsam und vorsichtig.« (von Wiese, 1930, S. 3)

hat damit schon sehr früh den Fokus auf die Interaktion zwischen Fremden (Tourist:innen) und Einheimischen und auf die Besonderheiten der Wahrnehmung und Deutung einer Situation gelegt. Mit seinen Aussagen zu den Besonderheiten des Aufenthalts in der Fremde erfasst er wesentliche Aspekte des Tourismus. Dazu gehört vor allem die stereotype Wahrnehmung des Gegenübers. Sein Mahnung, zu beobachten ohne zu werten, ist aktueller denn je.

2.2.2 Hans Magnus Enzensberger: Theorie des Tourismus


(*1929 †2022) bezeichnet seine Publikation »Die vergebliche Brandung der Ferne« (1958) als eine Theorie des Tourismus. Sie basiert auf philosophisch-historischen Betrachtungen. Tourist:innen sind nach auf der Flucht vor der „selbst geschaffenen Realität“ (S. 709). Die Flucht und die damit verbundene Suche sind jedoch vergeblich, da die Ferne, wenn sie einmal erreicht ist, als Täuschung erkannt und durch eine neue Suche nach der Ferne ersetzt wird.

Im Gegensatz zu kritischen Stimmen (? Kapitel 2.2.4) klagt die Tourist:innen jedoch nicht an. Vielmehr entlarvt er Tourismuskritik (am Beispiel von ) als „auf einem Mangel an Reflexion, der an Torheit grenzt“ und moralisch auf Einbildung beruhend (Enzensberger, 1958, S. 704). Er stellt eine Verbindung zwischen der Entwicklung der Industriegesellschaft und des Tourismus her. So basiert der Tourismus auf den Logiken der Massenfertigung. Diese sind Normung, Montage und Serienfertigung. Normierte Elemente sind beispielsweise Sehenswürdigkeiten, die in Reiseführern (1836 erschien Red Book) und heutzutage auf und genannt werden. Die Nennung beinhaltet eine Verpflichtung zum Besuch. Somit ist die durch die Reise gewonnene Freiheit durch verpflichtende Besuche und Aktivitäten eingeschränkt. spekuliert, dass damit eine Schuld abgegolten wird: Es wird eingestanden, „daß er [Tourist:in] die Freiheit, auf die er aus zu sein...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.