Heuck | Im Land der Kapokbäume | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

Heuck Im Land der Kapokbäume

Roman
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96148-148-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman

E-Book, Deutsch, 280 Seiten

ISBN: 978-3-96148-148-4
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Die Geheimnisse des schwarzen Kontinents, vereint in einer Kette: Der Afrikaroman »Im Land der Kapokbäume« von Sigrid Heuck als eBook bei dotbooks. Als Karen von einem Händler in Mali eine Perlenkette für ihre Tochter kauft, ahnt sie nicht, was für ein besonderes Abenteuer damit für sie beginnt. Jede der Perlen ist anders - und jede scheint ein Geheimnis in sich zu bergen. Sie erzählen von Liebe und Macht, von Sklaverei, Piraterie und Magie: die blaue Glasperle aus dem fernen Böhmen, die einst wertvoller als ein Menschenleben war; die Sternenperle aus Murano, eines Königs würdig; die Perle, gefertigt aus dem schillernden Haus einer Kaurischnecke, einst eine mächtige Währung ... Je mehr Geschichten Karen hört, desto faszinierter ist sie von Afrika, verliert sich immer mehr in der wechselvollen Geschichte und bunten Kultur des Kontinents. Doch sie ist nicht die Einzige, die den Wert der Kette kennt ... Entdecken Sie den schwarzen Kontinent auf ganz besondere Art: »Sigrid Heuck versteht es auf unnachahmliche Weise, Geschichten zu erzählen, die sowohl modern als auch märchenhaft sind.« Der Tagesspiegel Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der mitreißende Afrikaroman »Im Land der Kapokbäume« von Sigrid Heuck. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Sigrid Heuck (1932-2014) war eine deutsche Illustratorin und Autorin. Sie schrieb Romane und Reiseerzählungen und wurde besonders durch ihre gefeierten Kinder- und Jugendbücher bekannt, für die sie unter anderem mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis und dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet wurde. Sigrid Heuck liebte es, zu reisen und dabei Land und Leute unabhängig von touristischen Sehenswürdigkeiten kennenzulernen. Ihre Romane und Erzählungen beschreiben auf authentische Weise die Orte, die sie bereiste. Von Sigrid Heuck erscheinen bei dotbooks die Romane: »Im Land der Kapokbäume« »Das Leuchten der Muskatblüten«
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Kapitel 2


Karen war das erste Mal in Afrika. Als ihr Mann ihr mitgeteilt hatte, daß ihn seine Firma für mehrere Monate nach Mali schicken würde, um einige Brunnenbohrungen zu beaufsichtigen, hatte sie entsetzt reagiert. In ihrer Vorstellung war Afrika ein wildes, gefährliches Land, das aus Steppen, Urwäldern und Wüsten bestand, allenfalls noch aus einigen schmutzigen Städten, in denen man sich schreckliche Seuchen holen konnte. Sie hatte ihn gleich gebeten, die Firmenleitung zu überreden, jemand anderen mit diesem Auftrag dorthin zu schicken. Doch dann mußte sie feststellen, daß sich Thomas auf diese Arbeit freute. Erst als er ihr mitteilte, daß die Firma ihr und Jessica die Flugtickets bezahlen würde, damit sie ihn besuchen könnten, hatte sie sich in das Unvermeidliche gefügt und der bevorstehenden Trennung das Beste abzugewinnen versucht. Ganz im Gegensatz zu ihr hatte sich Jessica von Anfang an auf diese Reise gefreut. Thomas war der Meinung gewesen, mit ihren dreizehneinhalb Jahren sei sie alt genug, um die Eindrücke einer solchen Reise aufnehmen und verarbeiten zu können. Er hatte eine Weile gebraucht, um Karen davon zu überzeugen, und erst als er betonte, wie hilfreich es seiner Meinung nach für Jessicas Französischkenntnisse sein würde, durch ein Land zu reisen, in dem nur französisch gesprochen wurde, hatte sie eingewilligt.

Inzwischen hatte sie festgestellt, daß diese Reise für ihre Tochter ein großes Abenteuer bedeutete, und sie gab sich große Mühe, es ebenso anzusehen. Mit eigenen Augen etwas zu sehen, mit eigenen Ohren zu hören, mit der eigenen Nase die fremden Gerüche in sich aufzunehmen und die Hitze auf der Haut zu spüren war eine andere Sache, als darüber nur erzählt zu bekommen. Allmählich vergaß sie, wie sehr sie dagegen gewesen war. Jeder Tag steckte voller Erlebnisse und neuer Erfahrungen. Die Nächte in der Wüste, der ruhig dahinfließende Niger, die riesigen Baobab-Bäume, das alles hatte sie sehr beeindruckt. Nur die Menschen blieben ihr fremd. Sie waren für sie noch wie die Abbildungen in einem schönen Bildband, deren Fremdartigkeit man bestaunte und bewunderte. Sie hätte gern gewußt, was in ihnen vorging, was sie dachten und fühlten und wie sie lebten, und daher war sie ziemlich enttäuscht, daß sie so wenig Kontakt mit ihnen bekam. Als sie sich mit Jessica darüber unterhielt, erfuhr sie, daß es ihr so ähnlich erging.

»Wahrscheinlich geht das nicht so schnell«, versuchte Jessica sie zu trösten.

»Vielleicht sind wir auch zu ungeduldig und würden die Menschen hier erst besser kennenlernen, wenn wir einige Zeit mit ihnen zusammenleben könnten«, erwiderte Karen. Doch mit dieser Antwort war das Mädchen nicht zufrieden gewesen.

Am Morgen nach ihrer Ankunft in Mopti trug Jessica zum erstenmal die neue Halskette. Karen hatte die Perlen am Abend zuvor gewaschen. Dabei hatte sie sie gezählt: »... neunundachtzig, neunzig, einundneunzig. Mit der Samenperle sind es einundneunzig«, sagte sie laut.

»Einundneunzig was?« fragte Jessica zerstreut, die gerade ihre Reisetasche auspackte.

»Die Kette besteht aus einundneunzig Perlen«, wiederholte Karen.

»Ach so!«

Während sie zählte, hatte sie eine Perle nach der anderen ein Stück zur Seite geschoben, wobei ihr aufgefallen war, daß sich unter ihnen auch eine Perle aus Holz und eine aus einem bräunlichen Stein befand. Wieder eine andere sah aus, als habe sie jemand aus einem Kristall geschlagen. Sie hielt die Perlenschnur vor ihre Nachttischlampe. Erstaunt beobachteten Jessica und sie, daß einzelne Perlen im Licht aufleuchteten und andere nicht. Eine einfache blaue, röhrenförmige, die sie vorher nicht beachtet hatten, schimmerte plötzlich meergrün, eine runde, schwarze glühte rubinrot, und eine ovale, die sie für undurchsichtig gehalten hatten, wurde durchsichtig violett. Das alles kam ihnen wie Zauberei vor.

»Sie ist bunt wie ein Regenbogen!« rief Jessica entzückt.

Sie nahm ihrer Mutter die Kette aus der Hand und schüttelte sie hin und her. Dabei vernahmen sie ein merkwürdiges Geräusch, das aus der Samenperle kam. Es hörte sich an, als ob sich in ihrem Inneren winzige Tropfen bewegten.

»Von nun an werde ich die Kette jeden Tag tragen«, teilte Jessica ihrer Mutter mit. Die Perlen gefielen ihr. Ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen machten sie geheimnisvoll.

An diesem ersten Morgen besichtigten Karen und ihre Tochter allein die Stadt. Thomas konnte sie nicht begleiten. Er verhandelte mit den örtlichen Behörden, weil seine Firma den Auftrag erhalten hatte, hier eine Wasserleitung zu verlegen.

Mopti lag an der Mündung des Bani-Flusses in den Niger. Ihr Hafen war das östliche Tor zum Binnendelta, das südliche war Djenné und das nördliche Timbuktu. Fast alle Häuser waren aus Lehm erbaut. Sie hatten höchstens zwei Stockwerke und ein flaches Dach. Karen und Jessica besuchten die ebenfalls aus Lehm erbaute Moschee. Sie liefen durch die engen Gassen, aßen in einem kleinen Fischrestaurant am Hafen zu Mittag und kehrten, als es ihnen zu heiß wurde, in ihr Hotel zurück, um ein paar Stunden zu schlafen. Als sie von dem Hotelbesitzer erfuhren, daß am übernächsten Tag der berühmte Wochenmarkt stattfinden sollte, beschlossen sie, Thomas zu überreden, noch so lange hierzubleiben. Daß sich ihre Bitte erübrigte, weil ihn seine Arbeit noch mindestens zwei Tage hier festhielt, erfuhren sie am Abend.

Wie ihnen der Hotelbesitzer noch erzählte, wurde eigentlich jeden Tag ein kleiner Markt in Mopti abgehalten, doch donnerstags trafen sich dort mehr Leute als an den anderen Wochentagen, um Waren zu kaufen, zu verkaufen oder einzutauschen.

Am Donnerstag morgen stakten dann von allen Seiten Bauern und Fischer mit ihren schmalen Pirogen über die Wasser des Niger und des Bani nach Mopti. Nur wenige Boote waren mit Außenbordmotoren ausgestattet. Bald stauten sie sich Bordwand an Bordwand im Hafenbecken.

»Findest du nicht, daß sie Ähnlichkeit mit venezianischen Gondeln haben, Jessy«, fragte Karen. »Es fehlt ihnen nur der aufgewölbte Bug.« Gemächlich schlenderten sie an den Ständen der Fischhändler vorbei und an denen der Metzger, auf deren Waren dicke, grünliche Schmeißfliegen hockten.

»Da käme bei uns gleich das städtische Gesundheitsamt!« stellte Jessica mit einem Blick auf die Fliegen fest.

»Hier nimmt man das offensichtlich nicht so genau«, sagte Karen, und als ihr einfiel, daß sie vor zwei Tagen wahrscheinlich so einen Fisch gegessen hatten, schüttelte sie sich vor Ekel.

Sie blieben bei den Frauen stehen, die ihre Feldfrüchte in kleinen Pyramiden auf dem Boden ausgelegt hatten, und bei jenen, die winzige Reiskugeln in schwimmendem Öl ausbrieten. Männer mit großen Zuckerrohrbündeln auf dem Kopf drängelten sich durch die Menge der Marktbesucher, wobei sie sorgfältig darauf achteten, keinen der auf dem Boden ausgestellten Tonkrüge umzustoßen. Karen staunte über die Frauen, die ihr ebenso dick und reif erschienen wie die Melonen, die sie auf dem Kopf trugen. Sie hatten sich ihre selig im Schlaf lächelnden oder zufrieden um sich blickenden Babys auf den Rücken gebunden. Vornehmer aussehende Damen trugen zum Zeichen ihrer Würde kunstvoll um ihre Köpfe geschlungene Tücher, die fast immer aus demselben Stoff wie ihre Gewänder geschnitten waren. Bei der einen türmte sich das Tuch wie ein Turban auf, während bei einer anderen die Enden wie ein Schleier über den Rücken herabhingen. Kleine Mädchen ließen sich von älteren Frauen die kurzen Kraushaare in winzig kleine Zöpfchen flechten, und Jessica stellte mit großem Erstaunen fest, wie viele verschiedene Möglichkeiten von Zopffrisuren es gab.

Das Herz des Marktes bestand aus einem Geviert aus Buden, die sich von den übrigen Marktständen dadurch unterschieden, daß man die Gänge zwischen ihnen mit Bambusmatten überdacht hatte. Die Stände gehörten Gewürz-, Teppich- und Altwarenhändlern und solchen, die einfaches Kunstgewerbe, Schmuck oder Plastikgeschirr verkauften. In den schmalen Gassen herrschte Dämmerlicht, das ab und zu durch einen schräg einfallenden Sonnenstrahl unterbrochen wurde.

Karen entdeckte einen Deckenhändler, der handgewebte Decken in traditionellen Mustern anbot. Weber aus dem Bambara-Stamm hatten sie auf ihren Webstühlen angefertigt und bei den fliegenden Händlern, die flußauf- und flußabwärts die Dörfer besuchen, gegen Salz oder Tee getauscht. Sie hätte gern eine der Decken gekauft, doch ihre Tochter drängte sie weiterzugehen, weil sie wissen wollte, ob es hier Perlenketten zu kaufen gäbe, die so aussahen wie ihre.

Unter den Bambusmatten staute sich die Hitze. Es roch nach Schweiß, nach ranzigem Fett, nach Hundekot und faulem Gemüse. Karen hatte die Hitze bisher wenig ausgemacht, doch hier klebten ihr die Kleider auf der Haut, und der Schweiß lief ihr in die Augen. Das Schwatzen der Marktbesucher vermischte sich mit den Klängen aus mehreren Kassettenrecordern zu einem Summen und Rauschen. Längst hatte Karen die schwermütige westafrikanische Musik lieben gelernt. Hier, im Halbdunkel des Marktes und zusammen mit all den anderen Geräuschen, hatte sie eine betäubende Wirkung. Sie spürte, daß sie auf einmal schläfrig wurde und ihre Umgebung nicht mehr genau wahrnahm.

»Nicht so schnell!« rief sie, als sie entdeckte, daß der Abstand zwischen Jessica und ihr immer größer wurde. Kurz darauf verlor sie sie ganz aus den Augen, weil sich andere Marktbesucher zwischen sie drängten. Erst als die Frauen vor ihr stehenblieben, schreckte sie hoch und sah sich um. Dabei begegnete sie kurz den Augen eines Mannes, der sie von einem Seitengang aus beobachtete. Der Mann trug eine Brille. Als ein Lichtstrahl die Gläser traf, blitzten sie auf, und Karen sah, daß eines der Gläser...



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