Heubner | Tödlich die Zeit | E-Book | www2.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3

Reihe: Ein Tinus Geving Thriller

Heubner Tödlich die Zeit


2. Auflage 2022
ISBN: 978-3-98637-886-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 3

Reihe: Ein Tinus Geving Thriller

ISBN: 978-3-98637-886-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Mädchen verschwinden – für eines von ihnen ist es bereits zu spät …
Der erschütternde nächste Fall von Tinus Geving

Im spanischen Ort Alfarnatejo wird die siebenjährige Alina entführt. Tinus Geving und sein Team von EUROPOL beginnen in diesem Fall zu ermitteln, der stark an einen ungelösten Mord von vor vierzig Jahren erinnert. Die Fakten sind nahezu identisch, denn auch das Mädchen von damals war sieben Jahre alt und hieß Alina. Die Polizei ging damals von einem sexuellen Gewaltverbrechen aus, doch der Fall konnte nicht gelöst und der Täter nie gefasst werden. Nun gilt es herauszufinden, ob es sich um einen Nachahmungstäter handelt, oder ob der Täter von damals wieder zugeschlagen hat. Für den Kriminalhauptkommissar ist eines klar: Er muss den vergangenen Fall noch einmal aufrollen. In einem Wettlauf gegen die Zeit stoßen Geving und sein Team auf eine Verschwörung, die bis in die Spitze der Regierung reicht …

Dies ist eine überarbeitete Neuausgabe des bereits erschienenen Titels Totenruhe.

Erste Leser:innenstimmen
„Wieder ein absolut packender Thriller von Arvid Heubner, ich kann die Reihe nur empfehlen.“
„beklemmend, schockierend, spannend!“
„Ein Kriminalfall rund um politische Verbrechen und Verstrickungen, der von Seite 1 an überzeugen kann.“
„In einem Rutsch durchgelesen – fesselnd geschrieben und durchgehend interessant und unterhaltsam.“



Sein ausgeprägtes Interesse für die Abgründe der menschlichen Psyche lässt Arvid Heubner Thriller schreiben, die die Grenzen unserer gesellschaftlichen Moral sprengen. Neben der Musik gilt seine Leidenschaft den Werken französischer und osteuropäischer Schriftsteller sowie skandinavischen Fernsehserien von Forbrydelsen bis Borgen. Arvid Heubner ist Preisträger des NEOBOOKS Bestseller Awards. Er lebt in Bremen.
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Autoren/Hrsg.


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Freitag, 29. März


Calle Mayor Principal


Palencia

21:37 Uhr

Ein Trommelschlag, Kettenrasseln, kurze Kommandos. Langsam und bedächtig setzte der Prozessionszug seinen Marsch durch Palencias Innenstadt fort.

In der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, die am Ufer des Flusses Carrión im Nordwesten der Hochebene Tierra de Campos lag, führte die wie an jedem Karfreitag von der gotischen Kathedrale zur .

Die rhythmisch pulsierenden, nahezu hypnotisierenden Trommelklänge wurden von den absichtlich verstimmten Trompeten der Polizeikapelle abgelöst, die der eigentlichen Prozession voranging. Getragene Marschmusik bestimmte das Tempo.

Dahinter schritten die Mitglieder einer der ältesten und bedeutendsten katholischen Vereinigungen des Landes, zu deren Schirmherren neben dem Nationalen Polizeikorps der spanische König höchstselbst zählte.

Zu solchen Anlässen hüllte sich die in ihr traditionelles Ornat: weiße Kutten, rote Knöpfe. Weiße Schuhe, rote Schnallen. Weißer Umhang, roter Saum.

Der Kapelle mit ihren schaurig anrührenden Melodien folgten die Träger des Führerkreuzes und der Standarten, auf denen das Symbol der Bruderschaft prangte: das rote Kreuz des .

Danach die Nazarener, jene barfüßigen Büßer, die zu ihrem Ornat die charakteristischen, Furcht gebietenden Spitzhauben trugen. Diese bedeckten – mit Ausnahme der engen Sehschlitze – das gesamte Gesicht, um die Anonymität des Bußakts zu unterstreichen. Man nannte diese reumütigen Christen daher  – Kapuzenträger.

Zu den Nazarenern gesellten sich die  – Büßer, die die Last mehrerer Holzkreuze auf sich nahmen. .

Schließlich die , tischförmige Konstruktionen mit Statuetten. Darunter die , ein im gläsernen Sarg aufgebahrter, vom Kreuz genommener Jesus, und die sehr realistische, in leuchtenden Rot- und Blautönen gehaltene Marienfigur Virgen de los Siete Cuchillos. Die mit einem Gewicht von mehreren Tonnen wurden auf Schultern getragen. Ein gefährliches Wagnis. Die Träger liefen so dicht hintereinander, dass der Hintermann nur seinen Vordermann sehen konnte. Man musste sich auf die sekundengenauen Anweisungen von Begleitern – die unermüdlich zwischen allen Fronten hin und her gingen – und deren Kommandos zum Auf- oder Absetzen und zum Marschieren verlassen. Gefährlich auch deshalb, weil die nach allen Seiten hin wankten wie eine Hängebrücke im Sturm. Nach rechts, nach links. Auf und nieder. Immer drohend vornüberzukippen. Die schaukelnden Schritte ergaben sich beinahe organisch aus der verstimmten Marschmusik. Nach beiden Seiten der schmalen Straße hin wurde der Prozessionszug von Trägern goldener Palmwedel eingerahmt.

Am Schluss die in schwarzer Spitze gekleideten Verehrerinnen, die ab und an mit heiseren Stimmen die Madonna anriefen.

Palencias Einwohner behaupteten mit einem gewissen Stolz, hier sei Spanien am spanischsten. Wie tief verwurzelt der Glaube immer noch war, ließ sich daran ermessen, dass nicht nur Erwachsene zu den Büßern zählten. Es gab auch »kleine Büßer«, Kinder und Jugendliche.

Dieses Bild bot sich der schweigenden und staunenden Menschenmenge, die die Calle Mayor Principal, Palencias Haupteinkaufsstraße, um diese Abendstunde bevölkerte. In den umliegenden Straßen und Gassen herrschte andächtige Ruhe. Man musste nicht religiös sein. Der Faszination des Geschehens vermochte sich niemand zu entziehen.

Es war . Hier wie in allen Städten und Regionen Spaniens, von Andalusien über Katalonien bis in die Extremadura, wurde die heilige Woche ausgiebig zelebriert. Jeder Tag von Palmsonntag bis Ostersonntag hielt solche und ähnliche Prozessionen bereit. Der Höhepunkt des Kirchenjahrs.

Im Herzen der autonomen Region Kastilien-León, auf beinahe achthundert Metern über dem Mittelmeer, steckte der Frühling in den Kinderschuhen. Schnee bedeckte die umgebenden Gipfel der iberischen Gebirge. Zu dieser vorgerückten Stunde lagen die Temperaturen nahe am Gefrierpunkt.

Comisaría Cuerpo Nacional de Policía


Av. Simón Nieto, 8

Palencia

21:41 Uhr

Die örtliche Dienststelle des Nationalen Polizeikorps war in einem modernen, großzügig angelegten Gebäude in der Nähe des Bahnhofs der Achtzigtausend-Einwohner-Stadt beheimatet. Modern nach innen, traditionell nach außen. Die sandsteinfarbene Architektur mit ihren hohen Glasfassaden und den stilisierten Dachzinnen erinnerte an eine Burganlage im maurischen Stil.

An diesem hohen Feiertag wurde gearbeitet. Das Nationale Polizeikorps begleitete die Prozession nicht nur vor Ort, man verfolgte sie außerdem sehr aufmerksam auf Monitoren.

»«, sagte Inspector Valentina Luna Navaz, die gedankenverloren mit verschränkten Armen die eingespielten Livebilder der Überwachungskameras verfolgte.

Agent Piet Veenstra war irritiert. »Wie bitte?«

»Ein bei uns bekanntes Lied. Kam mir gerade in den Sinn.«

»Sie wären lieber dort, nehme ich an. Ich gebe zu, dass ich den ganzen Trubel nicht so recht verstehe.«

»Piet …«, raunzte seine Kollegin Chloé Lambert ihn mit grimmigem Blick an.

Obwohl sie seit weniger als einem Monat zusammenarbeiteten, wusste Chloé bereits, dass ihr niederländischer Kollege über die seltene Gabe verfügte, zum falschen Zeitpunkt das Falsche zu sagen.

Inspector Navaz nahm es gelassen. »Schon gut, Calvinisten werden es wohl nie verstehen.«

»Etwas mehr Respekt«, sagte Veenstra trocken. »Schließlich haben wir euch aus unserem Land geworfen.«

Chloé verdrehte die Augen, den ganzen Tag ging das nun schon so.

Die spanische Beamtin gab sich noch nicht geschlagen. »Hören Sie das Lied, und Ihnen wird sich die ganze Logik erschließen. Wie wäre es mit ein wenig Nachhilfe, wenn das Ganze hier vorbei ist?«

Das würde ihm so passen, dachte Chloé.

Man merkte Valentina Luna Navaz ihre neununddreißig Jahre nicht an. Sie sah aus wie dreißig, was ihr bei der mittäglichen Ankunft der beiden Europol-Beamten schon eine gehobene Braue der nicht minder gut aussehenden Chloé eingebracht hatte.

Valentina Luna Navaz erfüllte mit ihren knapp eins sechzig gerade so die Kriterien der Zugangsberechtigung zum Polizeidienst. Veenstra überragte sie um fast zwei Köpfe. Ihre schlanke Erscheinung täuschte darüber hinweg, dass man ihr besser keinen Widerstand leistete. Sie war nicht nur schlank, sondern auch muskulös. Inspector Navaz verteidigte ihren Titel als spanische Meisterin im Aikido, mit einer Leidenschaft für die freiere Übungsform des Randori. Das glatte blonde Haar hatte sie zu einer mittellangen Bobfrisur arrangieren lassen, der Scheitel fiel keck ins Gesicht – nicht unbedingt polizeikonform. In ihrer Position als Verbindungsbeamtin zu Europol genoss sie sicherlich ein paar Freiheiten. Dazu strahlend blaue Augen.

Chloé konnte sich vorstellen, dass diese Dame ins Beuteschema des manchmal albernen Niederländers passte. Genug der Frühlingsgefühle.

Die spanische Polizei bestach durch Effizienz und exzellente Organisation. Nicht die geringste Kleinigkeit wurde dem Zufall überlassen. Hier hatte Europol ein angenehmes Gastspiel. So wichtig die Absicherung des Prozessionszugs sein mochte, sie war Beiwerk einer wesentlich größeren Operation, die in diesem Moment an ganz anderer Stelle stattfand.

Inspector Navaz schüttelte den Kopf, der hübsche Scheitel fiel dabei tiefer ins Gesicht. Sie blies ihn zurück an Ort und Stelle. »Ich finde es von den Norwegern schon einigermaßen sagenhaft. Wir haben deren Mann im Visier, und die halten es nicht für nötig, uns einen ihrer Verbindungsbeamten zu schicken.«

»Wahrscheinlich war der Riksadvokat genauso überrascht wie wir«, vermutete Veenstra. »Hat ja niemand damit gerechnet, dass der so schnell wieder auf der Bildfläche auftaucht, noch dazu hier.«

»Mit einem kleinen Unterschied: sind da.«

»Hey, es ist Karfreitag, Inspector! Wir hatten gerade nichts Besseres zu tun.«

Ein Polizeibeamter machte ihr Meldung. »Unsere Spezialeinheiten sind vorgerückt und in Position.«

In diesem Moment umstellten Spezialeinheiten der GOES, der , ein Hofanwesen in der Ortschaft Baños de Cerrato, etwa zehn Kilometer südlich von Palencia. Bereits die Römer hatten die dortigen Heilquellen genutzt, um ihre Nierenleiden auszukurieren. Gerade hielt sich dort ein Mann auf, gesucht per europäischem Haftbefehl, und das mit Sicherheit nicht zu Erholungszwecken.

Valentina Luna Navaz widmete ihre Aufmerksamkeit den Monitoren, die die anstehende Aktion in die Dienststelle übertrugen. »Teamleiter, wie ist Ihr Status?«

, lautete die Antwort aus dem Lautsprecher.

»Agent Veenstra, wenn Sie wollen?«

Der hob abwehrend die Hände. »Das ist Ihre Operation, wir sind nur Beobachter. Die Ehre gebührt ganz Ihnen.«

Sie ließ sich nicht zweimal bitten. »Also gut – Zugriff!«

Das bisher ruhige Bild verwackelte nun.

, sagte der Teamleiter im Flüsterton. Ein dumpfer Schlag, die Eingangstür wurde eingetreten.

Einheiten rückten schnell vor und drangen in das Haus ein, der Träger der...



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