E-Book, Deutsch, Band 4
Reihe: Ein Tinus Geving Thriller
Heubner Kaltblütig die Gier
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96817-655-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4
Reihe: Ein Tinus Geving Thriller
ISBN: 978-3-96817-655-0
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Hochmut, Paranoia und Verrat bringen Tinus Geving an seine Grenzen
Der spannende Ermittler-Thriller zum Mitfiebern
Tinus Geving, dem nach seiner Rückkehr aus Spanien das Karriereende droht, wird vor einem Maulwurf in den Reihen von EUROPOL gewarnt: Laurits Pedersen, stellvertretender Direktor und Gevings Vorgesetzter. Zeitgleich werden in Den Haag zwei hochrangige dänische Geheimdienstmitarbeiter ermordet aufgefunden und Geving muss plötzlich mit seinem einstigen Widersacher Thijs de Groot zusammenarbeiten, der ausgerechnet Laurits Pedersen für den Mord verdächtigt. Als dann ein verheerender Anschlag das EUROPOL-Hauptquartier erschüttert, ist Kriminalhauptkommissar Geving gezwungen, Ermittlungen gegen den mutmaßlichen Drahtzieher aufzunehmen. Zwischen all den Ereignissen scheint es nur eine Gemeinsamkeit zu geben: Pedersens dunkle Vergangenheit …
Erste Leser:innenstimmen
„Schlüssig konstruierter Kriminalfall, brillanter Ermittler, fesselnder Schreibstil – einfach rundum gelungen!“
„Fans von Polit-Thrillern sei die Reihe unbedingt ans Herz gelegt!“
„Ein durchweg spannender, hervorragend recherchierter und lesenswerter Thriller.“
„Arvid Heubner hat mich sofort wieder an die Seiten gefesselt …“
Sein ausgeprägtes Interesse für die Abgründe der menschlichen Psyche lässt Arvid Heubner Thriller schreiben, die die Grenzen unserer gesellschaftlichen Moral sprengen. Neben der Musik gilt seine Leidenschaft den Werken französischer und osteuropäischer Schriftsteller sowie skandinavischen Fernsehserien von Forbrydelsen bis Borgen. Arvid Heubner ist Preisträger des NEOBOOKS Bestseller Awards. Er lebt in Bremen.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Samstag, 22. Juni, zwei Jahre zuvor
Café Jama Michalika
ul. Florianska 45
Krakau
22:57 Uhr
Manchmal ließ sich die Sommerhitze in Krakau nur schwer ertragen. Die junge Frau, die auf den Decknamen Smilla hörte, war die polnischen Sommer seit den Tagen ihrer Kindheit gewohnt. Ob die heranbrechende Nacht, die kürzeste des Jahres, etwas Abkühlung mit sich bringen würde?
Es war eine besondere Nacht. Johannisnacht. Das Fest der Kränze. Zur Sommersonnenwende waren die Restaurants, Bars und Cafés der Altstadt noch besser besucht als üblich. Eine knisternde Atmosphäre. Die Erwartung eines großen Spektakels. Zahlreiche Open-Air-Konzerte am Flussufer, auf dem Krakauer Ring und den Plätzen der Stadt lockten Tausende Besucher von nah und fern an. Die Weichsel war ein in Kerzenlicht getauchtes Meer aus Blumenkränzen. Alle fieberten dem magischen Moment entgegen. Noch eine Stunde bis Mitternacht. Eine Stunde bis zum imposanten Feuerwerk auf dem Wawel.
Smilla saß im berühmtesten Café der Stadt. Da würde sie am wenigsten auffallen. Für ihre Umgebung sah es so aus, als wäre sie, die Halbpolin, in ein Telefongespräch vertieft. Niemand bemerkte den unauffälligen Knopf, den sie im rechten Ohr trug. Smilla war nicht zum Vergnügen hier.
„Smilla hier“, sagte sie leise und nippte an ihrem Espresso. „Die Luft ist rein, und ich langweile mich zu Tode.“
Die Frage kam aus Team eins. Von Tinkerbell, genauer gesagt.
Smilla verdrehte die Augen. „Ja. Deadhead auf Standby. Ich bin auf Standby.“
Idiot! Sie konnte es nicht ausstehen, wenn sie so genannt wurde. Die anderen ließen sie permanent spüren, dass sie der Schützling des Chefs war und in Krakau eigentlich nichts zu suchen hatte.
, ermahnte sie eine neue Stimme im Kommunikationskanal. Silas Ravn.
„Silas! Wie schön, dass du es zu unserer kleinen Vorstellung geschafft hast. Leider bin ich nur in einer Nebenrolle besetzt. Der Alte hat dafür gesorgt. Wie ist die Stimmung bei euch?“
der Alte
Erwischt! Sie hatte nicht ahnen können, dass der Chef des PET schon zugeschaltet war. Laurits Pedersen würde ihr vergeben, ganz sicher. „Leute, wenn ich eh nichts zu tun habe, könnte ich auch direkt zu Cocktails übergehen.“
, sagte Laurits Pedersen.
Jaja! Sie kannte die Einsatzregeln in- und auswendig. Aber was sie sagte, stimmte. Ihr Job war nahezu erledigt. Für sie gab es nichts mehr zu tun. Als jüngstes Mitglied eines fünfköpfigen Infiltrationsteams befand sie sich seit zwei Wochen in der Stadt. Ihre Teamkollegen waren erst am Vorabend angereist. Per Bahn, mit dem Flugzeug, mit dem Auto, auf unterschiedlichen Routen. Sie kannte die Stadt, sie beherrschte die Sprache fließend. Aus diesem Grund hatte der dänische Inlandsgeheimdienst PET sie für die Position des Deadhead ausgewählt. Smilla war Feldagentin und für das Gelingen der Operation, die etwas martialisch auf den Namen getauft worden war, von entscheidender Bedeutung. Ihre Aufgabe als Deadhead ließ sich in exakt einem Wort zusammenfassen: Desinformation. Smilla war das personifizierte Ablenkungsmanöver. Unter einer Tarnidentität sollte sie den Kongress einer Partei beobachten, die halb Europa Kopfzerbrechen bereitete und sich anschickte, nach der Macht im Land zu greifen. Eine Partei, deren führendes Mitglied ihr Informant war. Es sollte so aussehen, als würde der PET Henryk Tomaszewski beschatten, derzeit Gastprofessor in Kopenhagen. Die eigentliche Operation fand an einem anderen Ort statt.
, fragte Silas Ravn, zuständiger Einsatzleiter in der Zentrale.
„Von wegen, lauer Sommerabend. Sechsunddreißig Grad und es wird noch heißer. Was sagt das Thermometer in Søborg?“ In Søborg, einem Vorort etwa zehn Kilometer von Kopenhagen entfernt, war das Hauptquartier des PET beheimatet.
„Bestens. Viele Grüße vom Wianki-Festival.“
„Ich denke gar nicht daran.“ Smilla genoss die Aussicht. Sie interessierte sich nicht für junge Männer, sondern für die Bilder, die auf ihr verschlüsseltes Telefon übertragen wurden. Aufnahmen der Überwachungsdrohne, die zeigten, wie beide Einsatzteams auf ein stillgelegtes Werksgelände vorrückten.
Die Glocken schlugen, es war elf Uhr nachts. Das Trompetensignal vom Turm der Marienkirche ertönte, die Menschen auf dem Rynek applaudierten.
Smilla blieb nur noch eine Aufgabe.
Politiets Efterretningstjeneste (PET)
Klausdalsbrovej 1
Søborg
23:01 Uhr
Smilla bestätigte die volle Einsatzbereitschaft von .
. Fürchtenichts. Die Idee für den Tarnnamen dieser Operation hatten sie Silas Ravns Leidenschaft für die Geschichte der Seekriegsführung zu verdanken. Ravn kam aus einer Familie von stolzen Marineoffizieren, hatte selbst dort gedient, bevor er den Reihen des PET beigetreten war. Dreadnought bezeichnete in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen neuen Typ von Schlachtschiff, der dank überlegener Technik mit einem einzigen gezielten Schlag die Feuerkraft seiner Gegner ausschalten konnte.
Laurits Pedersen, Chef des dänischen Inlandsgeheimdienstes PET, schmunzelte. Nichts anderes würden sie heute Nacht tun. Mit einer einzigen gezielten Aktion zogen sie eine Menge Feuerkraft aus dem Verkehr. Sie würden furchtlos sein. Smilla würde furchtlos sein. Ihr erster Einsatz.
Dank detaillierter Informationen ihrer Quelle hatten sie eine Lieferung von Waffen aus alten NATO-Beständen zurückverfolgen können, die in Dänemark für den Transport über die Ostsee verladen worden war und nun in Polen auf den Weitertransport in die Ukraine wartete. Sie wussten das deshalb so genau, weil im Hafen von Odessa vor wenigen Tagen eine Ladung an Material freigegeben worden war, die in engem Zusammenhang mit der von ihnen verfolgten Lieferung stehen dürfte.
Die Spatzen pfiffen es von den Dächern, die derzeitige Regierung in Kiew hatte Probleme, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Ihre Vermutung war, dass sich irgendwer dort auf einen Bürgerkrieg vorbereitete. Besorgniserregend für Europa, besorgniserregend für Dänemarks Sicherheit. Der Käufer agierte über eine in Kopenhagen aktive Zelle der rechtsextremen , einer polnischen Gruppierung, die kaum über Organisation und finanzielle Mittel verfügen konnte, in den internationalen Waffenhandel verstrickt zu sein. Die Missionsparameter von waren simpel. Sie würden die Waffenlieferung stoppen, um so an die Hintermänner des mysteriösen Deals zu gelangen. Es galt als ausgemacht, dass in diesem Geschäft nur als Strohmann agierte.
Vor etwa einer Stunde war das Justizministerium vom Büro der Premierministerin über in Kenntnis gesetzt worden. Damit hatte Laurits Pedersen freie Hand.
Mit ihm in der Operationszentrale anwesend waren nur sein Stellvertreter Jonas Nygaard und der Einsatzleiter Silas Ravn. Sie kannten sich seit Jahren, vertrauten einander blind. Den Kreis der Mitwisser hielten sie bewusst klein.
Ravn überzeugte sich ein letztes Mal von der einwandfreien Übertragung der Bilder des alten Industriegeländes in den Vororten von Krakau, die auf die Monitore geworfen wurden. Er gab sein Okay.
Pedersen wollte gerade den Einsatzbefehl erteilen, als die Tür zur Operationszentrale aufflog und Asger Berg, Ständiger Sekretär im Justizministerium, hereinstürmte.
„Was soll das hier werden?“, verlangte er zu erfahren.
„Guten Abend, Berg“, begrüßte Laurits Pedersen den aufgebrachten Eindringling mit nonchalanter Höflichkeit. „Wir haben uns schon gefragt, wie lange es dauern würde, bis Sie hier aufkreuzen.“
„Sind Sie alle jetzt vollkommen wahnsinnig geworden?“ Der Ständige Sekretär war nicht zu Späßen aufgelegt.
Pedersen verneinte. „Das Briefing kennen Sie. Wir stehen kurz vor der Aushebung eines Waffenhändlerrings und sind startklar.“
Man hätte ihn und Berg für Brüder halten können. Die Ähnlichkeiten allerdings beschränkten sich auf das Äußere. Sie hassten einander wie die Pest. Laurits Pedersen hielt den Ständigen Sekretär für einen Bürokraten ohne Fantasie. Berg neidete ihm offensichtlich die Position, die er sich vor einigen Jahren selbst erhofft hatte. Seitdem legte er ihnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit Steine in den Weg. Und das war nur eine weitere dieser Gelegenheiten.
Berg musste es besonders eilig gehabt haben. Er setzte sich, rang nach Luft, bevor er weitersprechen konnte. „Ich habe das Briefing gelesen und verstanden. Was ich verstehe, seit wann machen wir uns von Rechtsextremisten abhängig?“
Damit konnte nur ihr Informant Henryk Tomaszewski gemeint sein. Gastdozent an der...




